E-Book-Markt:
Warum der Boom
noch immer ausbleibt

Der E-Book-Markt in den USA boomt, in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist davon hingegen bislang wenig zu spüren. Dabei sind passende Geräte und Angebote auch hierzulande durchaus vorhanden. Die Hemmnisse liegen woanders.

Amazon Kindle Touch

Amazon Kindle Touch

An sich sind E-Books eine schöne Sache: Man kann sie spontan kaufen, (fast) egal, wo man sich gerade aufhält. Und man kann eine kleine Bibliothek in einem nur wenige hundert Gramm wiegenden, kompakten Gerät wie Amazons Kindle jederzeit dabei haben. Die Qualität der Reader und ihrer Displays hat sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert, während ihre Preise zugleich erheblich gefallen sind. Die Auswahl ist groß. Hinzu kommen Tablets, die ebenfalls gern als Reader genutzt werden. Kurzum: An der Hardware f1 ird es nicht mehr scheitern.

Vor allem Amazon mit seinem integrierten Konzept aus eigenem Reader, eigenem Shop und schließlich eigener Publishing-Lösung für jedermann konnte hier vergleichsweise früh Rekordzahlen veröffentlichen: Zum Weihnachtsgeschäft 2009 überholten dort E-Books erstmals die Umsätze der Hardcover-Printbücher.

In den USA ist inzwischen ein Boom bei E-Books zu beobachten. Nach jetzt veröffentlichten Zahlen haben sich dort die Umsätze mit digitalen Büchern im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. E-Books machen demnach 15,5 Prozent der Umsätze der US-Verlage aus und haben nun nicht nur bei Amazon, sondern auch insgesamt Hardcover-Ausgaben überholt.

Zum Vergleich: In Deutschland hatten digitale Bücher im Jahr 2011 einen Anteil von einem Prozent am Gesamtmarkt. Auf ähnlich niedrigem Niveau bewegt man sich in Österreich. Und auch in der Schweiz kann die Handelskette Thalia trotz großem E-Book-Angebots beispielsweise kaum ein Prozent seines Umsatzes digital bestreiten.

Preise oftmals zu hoch

Aber woran liegt es? Ein Hemmnis des Erfolgs hierzulande ist die Preisgestaltung der Verlage bei E-Books. Oftmals sind digitale Ausgaben nur geringfügig billiger als ihre gedruckten Pendants. Kunden erwarten aber einen spürbaren Preisnachlass. Aus Sicht der Verlage ist das kaum denkbar, da Druck, Lagerung und Vertrieb eines Buches nur einen geringen Anteil an den Buchkosten haben. Die Gewinnspanne für den Händler, sowie beispielsweise die Kosten fürs Lektorat und am Ende auch das Autorenhonorar verändern sich hingegen nicht. Allerdings bewegt sich auch ein Kulturgut wie das Buch im Rahmen der freien Marktwirtschaft, deren Preise bekanntlich von Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Reagieren die Verlage hier nicht auf die Wünsche der Kunden, droht ein ähnlich zäher und schmerzhafter Weg des Lernens wie bei der Musikindustrie. Auch bei E-Books können Interessenten schließlich auf inoffizielle und vor allem kostenlose Downloads im Netz zurückgreifen.

Darüber hinaus ist die Bewegungsfreiheit der Verlage zumindest in Deutschland und Österreich durch die Buchpreisbindung eingeschränkt. Sie sorgt dafür, dass Bücher für mindestens 18 Monate überall zum gleichen Preis verkauft werden müssen. Erst danach kann die Bindung aufgehoben werden. Insofern können sowohl Verlage als auch Händler nicht ohne Weiteres über Rabattaktionen und Sonderpreise den Umsatz ankurbeln. Gerade für E-Books aber ließen sich kreative Wege finden, diese Preisbindung zu umgehen, denn im Gegensatz zum gedruckten Buch könnte man recht schnell eine Sonderedition auf den Markt bringen. (Siehe zu diesem Punkt auch die Kommentare).

Altbackene Konzepte inkonsequent umgesetzt

Generell fällt auf, dass das Produkt “E-Book” bislang oftmals sehr ideenlos umgesetzt wird. Es ist in vielen Fällen nichts anderes als die digitale Version eines gedruckten Buchs. In der digitalen Welt könnten Verlage aber sehr viel mehr mit verschiedenen Formen experimentieren, wie beispielsweise Kapitel oder Abschnitte auch einzeln zum kleinen Preis anzubieten. Ein Fach- oder Sachbuch ließe sich laufend aktualisieren. Bücher könnten zunächst im Zusammenspiel mit Lesern online entstehen. Und von multimedialen Ansätzen brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Derzeit wird die Digitalisierung noch zu oft als neuer Vertriebskanal für bekannte Inhalte angesehen – auch das ein Fehler, den man in anderen Branchen beobachten kann.

Aber nicht einmal diesen altbackenen Ansatz, Gedrucktes in digitaler Form ins Internet zu stellen, verfolgen die Verlage konsequent. Das Angebot an E-Books ist ein weiterer Knackpunkt. Die Digitalisierung bietet theoretisch die Chance, jedes jemals herausgegebene Buch vorzuhalten. Nach Recherchen des ORF boten aber beispielsweise 2011 nur 17 Prozent der österreichischen Verlage überhaupt E-Books an. 36 Prozent gaben in einer Befragung an, auch zukünftig keine digitalen Bücher produzieren zu wollen. Immerhin hatte Thalia in Österreich zu dem Zeitpunkt der Recherche 80 Prozent aller Bestseller auch elektronisch im Angebot. Ein großes Potenzial liegt aber gerade darin, vergriffene Bücher und Editionen wieder verfügbar zu machen. Wie so oft helfen sich die Nutzer selbst: In den üblichen Quellen im Netz finden sich auch solche Bücher digitalisiert, die gar nicht als E-Book vorliegen. Und schon haben E-Book-Kunden einen weiteren Grund, abseits der offiziellen Wege nach ihrem neuen Lesestoff zu suchen.

Rechtemanagement zu Lasten der Leser

Nicht zuletzt steht wie schon bei der Musik die Frage im Raum: Welche Rechte habe ich als Nutzer? Ein Kopierschutz verhindert heute vielfach, dass man digitale Bücher einfach verleihen kann. Von einem Verkauf “gebrauchter E-Books” ganz zu schweigen. Der Europäische Gerichtshof hat hier kürzlich ein interessantes Urteil in einem anderen Bereich gefällt: Den Verkauf von Download-Software zu verbieten, gehe über den Schutz des geistigen Eigentums hinaus. Man könne seine Software weiterverkaufen, ob man sie nun auf einem physischen Medium erworben habe oder nicht. Inwiefern sich dieses Urteil auch auf E-Books übertragen lässt, ist noch offen.

Marktbeobachter glauben dennoch an einen ähnlichen E-Book-Boom wie in den USA auch hierzulande. Die 15 Prozent Marktanteil dort werden in zwei bis drei Jahren hier erwartet. Und man kann sicher sein, dass die Nutzer zunehmend digitale Bücher für sich entdecken werden. Die Frage ist nur, ob Verlage und Händler daran verdienen und wenn ja, welche. Zum einen ist die Verlockung groß, sich Bücher aus illegalen Quellen zu besorgen. Und in vielen Fällen kann man auch auf die meist günstigeren englischsprachigen Ausgaben zurückgreifen – und dabei zugleich seine Fremdsprachenkenntnisse aufbessern.

P.S.: Der Artikel wurde angeregt durch diese Diskussion bei Google+.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Redakteur bei netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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26 Kommentare

  1. Zu erwähnen wäre auch der in Deutschland hohe Mehrwertsteuersatz von 19% auf E-Books, während der Steueranteil von gedruckten Büchern nur 7% beträgt.

    Viele Grüße von Zippo!

  2. Die Buchpreisbindung ist ein grosses Übel keine Frage, aber so wie ich den Gesetzestext verstehe ist es nicht so, dass der Preis während der 18 Monate nicht geändert werden darf.

    Die 18 Monate beziehen sich auf die Dauer der Bindung. Das bedeutet, dass während dieser 18 Monate alle Kanäle das Buch zum selben Preis verkaufen müssen. Preisänderungen sind aber m.E. während dieser Zeit durch den Verlag jederzeit möglich.

    §5 Absatz 1 sagt:

    (1) Wer Bücher verlegt oder importiert, ist verpflichtet, einen Preis einschließlich Umsatzsteuer (Endpreis) für die Ausgabe eines Buches für den Verkauf an Letztabnehmer festzusetzen und in geeigneter Weise zu veröffentlichen. Entsprechendes gilt für Änderungen des Endpreises (Hervorhebung durch avg).

    und §8 Absatz 1:

    (1) Verleger und Importeure sind berechtigt, durch Veröffentlichung in geeigneter Weise die Preisbindung für Buchausgaben aufzuheben, deren erstes Erscheinen länger als 18 Monate zurückliegt.

    Das bedeutet, dass es dem Verleger erlaubt ist, aber er das nicht tun muss, nach 18 Monaten den Preis frei zu geben. Ein frei gegebener Preis bedeutet, dass der Händler nun den Endverkaufspreis nach Belieben festlegen kann.

    • @Andreas: So wie ich es verstehe, sind Preisänderungen nicht innerhalb der 18 Monate möglich. Es steht ja in dem von dir zitierten §8, dass das erste Erscheinen “länger als 18 Monate” zurückliegen muss. §5, Absatz 1 bezieht sich darauf, dass du Preisänderungen oder -aufhebungen (Verramschen) bekannt geben musst. Heißt: Wenn du nach Ablauf der 18 Monate etwas am Preis ändern willst, musst du das öffentlich machen, so wie du auch den festgesetzten Preis öffentlich gemacht hast.

      Ausnahmen von der 18-Monats-Regel bestehen beispielsweise für Bücher, die in kürzeren Abständen in einer aktualisierten Fassung erscheinen. Auf diese Weise könnte man die Buchpreisbindung für E-Books zumindest bei Fach- und Sachbüchern teilweise umgehen. Allerdings heißt es dazu in §8, Absatz 2, dass das nur “nach Ablauf eines angemessenen Zeitraums seit Erscheinen” möglich ist. Man kann jetzt also nicht jede Woche eine neue Ausgabe seines E-Books rausbringen, um dann doch Sonderangebote und Aktionen machen zu können.

  3. Ich denke schon, dass Preisänderungen innerhalb der 18 Monate möglich sind. Die 18 Monate beziehen sich auf die Dauer der Bindung an einen Preis, nicht an einen bestimmten Preis. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Verlage bei der Entstehen des Gesetzes ein solch unsinniges Korsett haben überstülpen lassen. Eine solche Massnahme wäre ja auch nicht nötig, bzw. sachlich nicht gerechtfertigt. Es geht ja nicht darum, dass ein bestimmter Preis während einer bestimmten Zeit gelten soll, sondern darum, dass ein Buch überall gleich viel kostet. Wenn ich den Preis für alle gleich gestallte, kann ich den auch während der 18 Monate ändern, denke ich, aber ich vielleicht müsste mal ein Jurist her, der das weiss :-)

    Habe hier noch was gefunden dazu:
    http://www.boersenverein-sasathue.de/de/323753

    • @Andreas: Habe mich dazu noch einmal belesen: Du kannst wohl tatsächlich auch innerhalb der 18 Monate den Preis ändern, musst dann aber sicherstellen, dass bei allen Händlern, ob online oder offline, gleichzeitig (!) der Preis geändert wird. Wie realistisch das ist, lasse ich mal dahingestellt. Und ich kann mich persönlich an keinen Fall erinnern, wo ich das mal erlebt habe. Wenn es Bücher günstiger gibt, werden sie als “Mängelexemplare” verkauft. Ansonsten haben sie den Preis, der auch auf dem Buch aufgedruckt ist (was ja bei einer Preisänderung übrigens auch geändert werden müsste). Ich denke mal, dass es deshalb in der Vergangenheit darauf hinausgelaufen ist, dass der Preis de facto für mindestens 18 Monate gleich war und dann nicht etwa geändert, sondern ganz aufgehoben wurde, wenn das Buch nicht gut genug gelaufen oder überholt ist.

      Anders ist die Lage wohl, wenn du ein E-Book hast, das du nur selbst vertreibst oder dass beispielsweise nur über Amazon erhältlich ist. Dann kannst du ja mit einem Schlag den Preis “überall” ändern. Aber schon wenn du dein E-Book an zwei Stellen hast (und dich ein missgünstiger Konkurrent beobachtet), kann es schwierig werden…

      Alles in allem: Es ist ein Hindernis. Ich glaube schon, dass wir uns darauf einigen können :)

    • Habe den Absatz über die Buchpreisbindung im Text oben entsprechend angepasst.

  4. Weitere Gründe für die langsame Verbreitung von E-Books:
    - das immer noch breit vorhandene Buchhandelsnetz inkl. Über-Nacht-Lieferung etc.(gerade im Vergleich zu den USA)
    - die herstellerische Qualität vieler Printbücher
    - generelle Skepsis gegenüber dieser technischen Neuerung.

  5. Die Buchpreisbindung har nichts mit den überzogenen eBook-Preisen der meisten deutschen Verlagen zu tun, das ist eher FUD. Ansonsten könnten diese ja auch eBooks nicht 3€ günstiger als Printtitel anbieten.
    Man kann problemlos ein eBook mit gleichem Inhalt und unterschiedlicher ISBN 50% günstiger anbieten. Löbliches Beispiel ist hier z.B. der amac-Verlag.

  6. Das Problem mit den eBooks ist, dass es, abgesehen von der einfacheren Verfügbarkeit und dem Gewichtsvorteil, keinen wirklichen Mehrnutzen hat. Denn ob ich meinen Roman nun als Buch oder eBook lese ist doch schnurzpiepegal. Das heißt das eBook braucht das gewisse Extra. Hierzu wäre beispielsweise die (verstärkte) Einbindung von Videos, Links und so weiter vorteilhaft. Das komplette Entertainment Paket muss stimmen. Klar, solche Dinge gibt es schon, jedoch ist eine interaktive Benutzung von eBooks nicht wirklich verbreitet.

    Zudem passt ein eBook nicht in das bisherige Nutzerschema. Ein Buch sieht im Regal gut aus und jeder kann im Freibad erkennen was ich nun gerade lese. Das eBook bietet mir das nicht. Heißt, hier gibt es enorme Adoptionsbarrieren.

  7. Ich teile die Kritik überwiegend, ich glaube aber nicht an Enhanced eBooks. Ich erinnere mich dunkel daran, dass Apple Anfang des Jahres eine entsprechende Autorensoftware publiziert hat und der erwartete Boom ist bisher ausgeblieben. Ich frage mal ganz blöd: gibt es entsprechende Bücher aus den USA und wenn ja, warum nicht;-) Wenn sie dort nicht weit verbreitet sein sollten, warum dann hierzulande? Mein Pocketbook kann sicher keine Animationen darstellen. Ich sehe die Zukunft eher in der Vernetzung von On- und Offline-Inhalten. Z.B. ich veröffentliche ein Buch, starte parallel dazu eine Webseite, dort werden Links, Videos und andere Multimedia-Inhalte bereit gestellt. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass jemand, der ein Buch lesen möchte auch ein Video im Buch braucht, für solche Inhalte ist das Internet da.vorselUZ

  8. Das Preisbindungsargument ist nicht richtig. Wie schon von Herrn von Gunten erläutert kann ein Verlag jederzeit und beliebig oft den Preis seines Buches neu festlegen. EIne AUFHEBUNG des Preises, also ohne eine Preisfestsetzung, ist frühestens nach 18 Monaten möglich.
    In der Praxis ist die Preisänderung auch simpel. Änderung im VLB als verbindliche Preisdatenbank. Mehr braucht es nicht.
    Das Argument ist aber vor allem deshalb falsch, weil der E-Book Preis nichts mit dem Preis des gedruckten Buches zu tun hat. Man kann problemlos einen Roman zu 22 Euro anbieten und das E-Book dazu zu 1,99 Euro.

    Ich sehe auch keine Defizite bei der Verfügbarkeit bzw. beim Angebot. Man sollte nicht fragen, wie hoch der Prozentsatz der Verlage ist, die E-Books anbieten. Bei 14.000 Verlagen wir der Prozentsatz unter 10% liegen. Nimmt man aber die größten 100 Verlage, die 90% des Umsatzes und damit der Nachfrage bei Büchern abdecken, dann dürften das 90% der Verlage sein, die E-Books anbieten. Man kann streiten, ob das Angebot an deutschsprachigen E-books heute bei 200.000 oder 400.000 liegt. Nachdem ein Leser eh nicht mehr als 7000 Bücher lesen kann, sollte ihm die Auswahl reichen, insbesondere weil alle Bestseller dabei sind.

    Auch das Argument von Hern Wendler mit dem fehlenden Mehrnutzen halte ich für falsch. Kundenbefragungen zeigen ganz klar, dass sie diesen Mehrwert sehr gering schätzen bzw. gar nicht wollen. Schnelle Verfügbarkeit, niedriger Preis, gute Lesegeräte, darum geht es.

    DIe Wachstumsraten bei E-Books in Deutschland sind heute sehr hoch, aber der Markt liegt eben drei Jahre hinter den USA. Die Marktentwicklung begann in USA mit dem Kindle. Und wann hat Amazon sein E-Book-Angeot in Deutschland eröffnet? Vermutlich ziemlich genau drei Jahre nach USA.

    Die Verlage bemühen sich die Preise oben zu halten, das ist richtig. Es ist eine Lotterie, ob es besser ist die Preise auf 2 Euro zu setzen und sie nie wieder in eine Region zu bekommen, die rentabel ist, oder sie hoch zu halten, langsamer zu wachsen und so eine nachhaltigere Marktentwicklung zu erreichen. Aus Konsumentensicht mag der erste Weg attraktiver sein. Aus Produzentensicht der andere. Schön ist, dass die Verlage ja keinen Umsatz verlieren, sondern das Umsatzwachstum schlimmstenfalls eben geringer ausfällt und später kommt. Das ist verschmerzbar.

  9. Meiner Meinung nach ist das DRM der springende Punkt. Wenn ich ein Paperback für 15,-€ kaufen kann und das eBook für 12,-, warum sollte ich dann das eBook kaufen (abgesehen vom Komfortgewinn)? Das Paperback gebe ich nach dem Lesen meiner Frau, dann meiner Schwester, dann meinem Bruder. Ich kaufe nichts mit DRM – wer weiß, was für ein Lese-Device ich in 5 Jahren habe? Die Lösung schlechthin wäre für mich ein sinnvolles Verleihmodell. Die meisten Romane muss ich eh nicht öfter als ein Mal lesen. 1 Monat Leihfrist für 25% des Kaufpreises, dann pro Monat 10% dazu. Nach 8 Monaten gehört einem das Buch dann und man kann’s behalten. Beim Leihen finde ich DRM ok. Mit so einem Verleihmodell würde ich das Buch auch nicht mehr selbst meiner Verwandschaft leihen wollen. Leider würde ich meinen Arsch drauf verwetten, dass die Verlage das verpennen, bis es zu spät ist.

  10. Ich glaube auch, dass die Verlage schlauer sind als die Musikindustrie. Was einmal digital vorliegt, wird auch raubkopiert. Und im Vergleich zur CD lässt sich ein Buch schlecht digitalisieren. Ich habe nie verstanden, warum das Ebook als Heilsbringer verstanden wurde. Und ein Ebook auf dem iPad 2 zu lesen, geht gar nicht, finde ich. Mit dem neuen mag es funktionieren. Aber der Kindl ist natürlich klasse.

    • eBook auf dem Päd lesen geht nicht? Gut dass ich das weiss, denn ich lese alles da drauf. Meine Frau hat von mir einen Kindle bekommen, als ich den einschaltete, war ich schockiert wie hakelig die Bedienung ist, das Blättern mit doppelt und invers aufblinkender neuer Seite irritierte mich auch. Ich habe also beides schon mal gesehen, Bücher haben wir auch.

      @ Jonas: den entscheidenden Vorteil der eBooks: unser Stapel NEBEN den Buchregalen wird nicht mehr grösser. Das ist für die ganze Familie der entscheidende Grund.

      Ich behaupte ausserdem: wer gegen eBooks ist hat noch keine (auf einem mobilen Gerät) gelesen, bei Argumenten wie sinnlich, haptisch optimal, wertig höre ich gar nicht mehr zu. Ich schätze Bücher auch, aber das Wegwerfen (wegen fehlendem Platz) tut mir richtig weh.

    • @Tai: Nur um das klarzustellen, ich bin generell für eBooks und hab auch schon diverse Reader und Pads getestet. :) Speziell da ich viel in der Welt unterwegs bin, habe ich meine Bücher auch gerne mobil “in der Hosentasche”.
      Die angeführten Probleme entstammen einer größeren Studie über die Adoption von eBooks in Deutschland, die ich 2010 durchgeführt hatte, sowie natürlich Erfahrungen aus dem persönlichen Umfeld. ;)

      Aber wie gesagt, ich finde eBooks klasse.

      Beste Grüße aus Stuttgart!
      Jonas

    • Ist sicher wie so vieles Geschmackssache. Mir schwirren die Augen nach einiger Zeit lesen auf dem iPad2. Den Kindle finde ich da wesentlich besser = augenfreundlicher. Und die Akkulaufzeit ist ja um Welten besser.

  11. @Matthias Ulmer:

    1. Was ist wenn ich meine 7.000 Bücher aber gerade aus den 200.000 auswählen will? Was ist wenn die Kernklientel für EBooks nicht vorangig Bestseller liest?

    2. “Kundenbefragungen zeigen ganz klar…” ist ein schon lange überholtes Argument. Natürlich werden Befragungen noch immer durchgeführt, weil sie preiswert sind, aber oft wissen Kunden selbst nicht was sie wollen. Es gibt da ein nettes TED-Video zu, dessen Link ich nur gerade nicht zur Hand habe. Das Beispiel dort ist Spaghettisoße, bei der erst durch ausgiebige Tests klar wurde das es viele Abnehmer für eine “Chunky”-Variante gäbe. Darauf wäre einfach ohne Tests niemand gekommen.

    Zusammengefasst: Ihre Argumente sind insofern richtig, dass Sie aufzeigen wie wichtig eine gute Markforschung und Marktstrategie ist. Aufgrund der Situation und der Bewertungen in Artikel und Kommentaren tippe ich darauf, dass es in diesem Bereich Defizite gibt. Die Strategie die Preise hoch zu halten kommt natürlich noch dazu.

    Noch ein nicht besprochenes Argument: Ein Buch kann Generationen überdauern. Aber selbst wenn die Datei noch irgendwo existiert kann ein Ebook nach wenigen Jahren schon nicht mehr lesbar sein. Die Formate wandeln sich, die Geräte wandeln sich, die Speichertechnologie wandelt sich.
    Unternehmen betreiben großen Aufwand um ihre digitalen Archive lesbar zu halten, und das wo die Formate dort auf Lesbarkeit und Interpretierbarkeit ausgerichtet sind. Die Ebook-Formate sind je gerade darauf ausgerichtet ohne die passende Technologie nicht mehr lesbar zu sein, wie bereits im Artikel angesprochen. Teilweise sind ja Bücher schon nicht mehr lesbar wenn ein Lizenzstreit aufkommt oder man in einem Funkloch ist. Man ist als Leser eigentlich auf Existenz und sehr guten Willen des Verlags angewiesen. Eigentlich auf überaus guten Willen, denn sie müssten eigentlich selbstständig die Formate aller je verkauften EBooks bis in die Ewigkeit aktuell halten.
    Vielleicht hängt der lahmende Ebookmarkt also auch damit zusammen, dass Menschen hier einfach mehr auf ihre eigenen Rechte achten? Ich kenne mich im Musikmarkt nicht aus, der könnte ja Hinweise auf die Antwort liefern.

    (Andererseits ist das Medium dadurch ideal geeignet für die meisten Bestseller und aktuelle technische Handbücher, die eh nur kurzzeitig Wert haben. Zurück zur Frage der Kernklientel…)

    • Wenn SIe Ihre Titel noch nicht als E-Book finden, dann gehören SIe eben zu einer Minderheit, die nicht dem Mainstream folgt und müssen sich noch etwas gedulden. DIe Verlage bemühen sich verständlicherweise zunächst um die Bestseller und den Mainstream, bevor sie auch die Nischen abdecken.

      Und ja, man muss Marktforschern nicht glauben. Ich kann Ihnen nur von UNSEREN Erfahrungen mit Nutzern, insbesondere im Bereich Schul- und Lehrbuch berichten. Die Nutzer wollen an den Inhalt schnell und komfortabel herankommen, wollen ihn ausdrucken, kommentieren, kopieren können. Aber sie wollen um Himmels Willen nicht mehr. Sie finden den Umfang der Bücher heute schon zu groß.

      Enriched sollte also nicht heißen, dass man mehr bekommt, sondern dass man den gleichen Inhalt aber mediengerecht aufbereitet bekommt. Da ist eine Grafik eben animiert, Verweise oder ein Literaturverzeichnis verlinkt usw. Aber Inhalte, die man für die gedruckte Version bewusst weggelassen hat, weil man sie für verzichtbar hält, sollten nicht in der elektronischen ergänzt werden. Dadurch wird der Inhalt nicht besser sondern schlechter.

      Das Argument der Haltbarkeit scheint die Käufer nicht wirklich zu beschäftigen. Das würde gleichermaßen für Filme, Fotos und Musik gelten. Da haben sich die Konsumenten daran gewöhnt aus der Langzeitarchivierungsfrage kein großes Thema zu machen sondern das einfach mal zu ignorieren. Die Bibliotheken beschäftigt das. Den Leser nicht (das ist wieder mal unsere Erfahrung).

  12. Solange die Hersteller auf DRM setzen, ist der kaum günstigere Preis im Vergleich zur Papierversion nicht gerechtfertigt, obwohl E-Books an sich eine tolle Sache sein könnten. Aber wenn man die nicht verschenken, verleihen, auch in vielen Jahren noch lesen kann, bringt es kaum Vorteile.

  13. Mich würde ja mal interessieren, wo her der Glaube kommt, der Boom bliebe aus (bzw welche Erwartungshaltung dahintersteckt). Der eBook-Markt ist von 2010 auf 2011 Um 100% gewachsen. Gemessen am Anteil des Gesamtmarktes liegt er damit ziemlich genau um die Zeit hinter der Entwicklung in den USA, um die er hierzulande auch später begonnen hat. Der Boom ist schon da, er wird nur kleingeredet.

  14. Ein Buch zu lesen, hat für mich immer noch etwas mit nostalgie zu tuen. Ich mag es einfach die Seite enzeln umzublättern und Eselsohre in einzelne Seite zu machen.

    _____
    Peter

  15. Die Gewinnspanne für den Händler, sowie beispielsweise die Kosten fürs Lektorat und am Ende auch das Autorenhonorar verändern sich hingegen nicht.

    Die Gewinnspanne ist ein Prozentsatz, verändert sich also mit. Und dass Lektoren und Autoren so viel bekommen, dass Herstellung, Lagerung und Vertrieb dagegen zu vernachlässigen ist…. Wow! Hätte doch Lektor oder Autor werden sollen!!

  16. Vielen Dank für Ihren Artikel!

    Leider, leider wird heutzutage alled Digitalisiert.
    In vielen Bereichen mag das ja schön und gut sein und ein Fortschritt zeigen, aber es gibt einige dinge auf dieser Welt die veraltet bleiben sollten.

  17. Die E-Books sind zum Teil immer noch zu teuer gegenüber dem gedruckten Buch.

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