Svbtle:
Elitäres Blognetzwerk mit
guten Aussichten

Mehrere Dutzend Startup- und Design-Kenner mit ausgewiesener Blogkompetenz veröffentlichen seit Neuestem beim kalifornischen Publikationsnetzwerk Svbtle. Der Dienst steht vorerst nur prominenten englischsprachigen Bloggern offen, soll aber irgendwann für alle zugänglich werden. Eine effektive Strategie.

Wer gerne Blogs profilierter Kenner der Techbranche aus den Vereinigten Staaten verfolgt, dem wird vielleicht in letzter Zeit ein sehr spezielles Bloglayout aufgefallen sein, das weder von den einschlägigen Blogplattformen wie WordPress, Blogger oder Tumblr zu stammen scheint, noch nach einer vom jeweiligen Autor eigenentwickelten Lösung aussieht. Ein kleiner Vermerk in der linken Navigationsleiste verrät, wer beziehungsweise was dahinter steckt: Svbtle. Ein obskurer Name, wobei das englischsprachige Wort “subtle” im Deutschen “dezent” bedeutet und vermutlich Pate stand. Hinter der eigenartigen Bezeichnung verbirgt sich ein sehr vielversprechendes Projekt.

In seiner aktuellen Fassung ist Svbtle ein exklusives Blognetzwerk für renommierte Persönlichkeiten aus der US-amerikanischen Technologie- und Designerszene. 43 persönliche Blogs listet die Svbtle-Homepage momentan, von schillernden Investoren wie Dave McClure, David Lee oder MG Siegler über erfahrene Startup-Köpfe wie Alex Rainert von foursquare, Alex MacCaw von Twitter oder SashMacKinnon von Zynga bis hin zu Fachautoren führender Tech-Blogs wie The Verge, The Next Web oder Mashable. Alle bisherigen Mitglieder des Svbtle-Netzwerks publizieren auf der Plattform privat und haben sich bereits vor dem Launch von Svbtle Namen als Blogger in ihren jeweiligen Fachgebieten gemacht.

Jedes Blog unter dem Dach von Svbtle basiert auf einer einheitlichen Layoutvorlage und Struktur, ähnlich wie man es von Posterous kennt. Beiträge erscheinen in klassischer chronologischer Reihenfolge mit dem neuesten Artikel ganz oben. Die fixierte Navigationsleiste auf der linken Seite verweist zu anderen Webpräsenzen der Verfasser sowie zu deren Twitter-Feeds, außerdem lässt sich dort über einen gut sichtbaren Menüpunkt der jeweilige RSS-Feed abonnieren. Konform mit dem jüngsten, eher traurigen Blogosphären-Trend, Kommentare abzuschalten, fehlt eine entsprechende Funktion bei den Svbtle-Blogs. Ein Like-Button, hier “Kudos” genannt, erlaubt Lesern, ihrer Präferenz für einen Text Ausdruck zu verleihen.

Für Besucher präsentiert sich Svbtle also minimal und blankpoliert. Svbtle-Macher Dustin Curtis möchte auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Leser vollständig auf den Inhalt lenken. Soziale Features oder Möglichkeiten zur Personalisierung sind ihm weniger wichtig, wie er zur Lancierung im März TechCrunch zu verstehen gab. Im Zentrum steht der Schreibprozess und die diesem vorgelagerte Kuration von Ideen. Mitglieder des Dienstes – also die derzeit 43 zugelassenen Autoren – können im Admin-Bereich auf spezielle Brainstorming-Werkzeuge zugreifen und sollen diese mit wenig Arbeit und Formatierungsaufwand in Artikel verwandeln können.

Curtis entwickelte Svbtle nach eigener Aussage für den eigenen Bedarf, erkannte dann jedoch das Potenzial als Blogplattform. Also lud der in San Francisco ansässige Designer seine bloggenden Freunde und Kontakte aus dem Silicon Valley und darüber hinaus dazu ein, fortan auf einem eigenen Svbtle-Blog Texte zu veröffentlichen. Der hohe Exklusivitäts-Grad und eine extrem leichtgewichtige, andersartige Administrationsoberfläche scheinen die bisher präsenten Schreiberlinge überzeugt zu haben, sich bei Svbtle ein (weiteres) virtuelles Zuhause einzurichten.

Wer meint, ebenfalls im Svbtle-Netzwerk vertreten sein zu müssen, kann sich hier bewerben. Ein Blick auf die bisherigen Autoren lässt aber erahnen, dass derzeit nur auf Englisch publizierende Blogger mit einem herausragend großen Anhang und einem existierenden “Fußabdruck” in der US-Internetwirtschaft eine Chance auf ein eigenes Svbtle-Blog haben. Curtis möchte seinen Service eher wie eine Zeitung oder ein Magazin weiterentwickeln, nicht wie eine herkömmliche Blogplattform, so beschreibt er es auf der Bewerbungsseite. Er wolle unter anderem Lektoratsdienste anbieten, mit deren Hilfe Svbtle-Mitglieder die Qualität ihrer Textkreationen verbessern können, erklärte er zum Debüt im März.

Curtis plant auch eine Öffnung von Svbtle für die Allgemeinheit, jetzt wo er erkannt hat, dass bei leidenschaftlichen Onlinepublizisten Bedarf an einer Plattform besteht, die den eigentlichen Blogprozess auf das nächste Level hebt, statt vorrangig an den “sozialen” Merkmalen zu feilen. Er wäre jedoch dumm, diesen Schritt jetzt schon zu gehen. Gerade die Begrenzung auf Verfasser mit einem gewissen Ruf und einer ausgewiesenen Kompetenz in ihrem jeweiligen Fach wird dafür sorgen, dass ihm Autoren die Füße küßen, nur um Zugang zu erhalten und sich einem elitären Bloggerclub zugehörig fühlen zu können. Aus Lesersicht ist die strenge Selektion der Blogger ein Qualitätsversprechen. Wer gerne Gedanken, Beobachtungen und Analysen von beschlagenen Geldgebern, Startup-Talenten und Entwicklern liest, wird in einer freien Minute Svbtle ansteuern und guten Gewissens in eines der knapp vier Dutzend Blogs eintauchen können.

Eine Prognose über die Zukunft von Svbtle ist schwierig, weil diese davon abhängt, ob Initiator Dustin Curtis den Preis zu zahlen bereit ist, der mit einer Transformation in eine reichweitenstarke, zu monetarisierenden Publikationsplattform verbunden ist. Nicht jeder fühlt sich in der Rolle des Gründers eine schnell zu skalierenden Startups wohl. Mit der vorerst sehr elitären Ausrichtung legt der Kalifornier aber ein ausgezeichnetes Fundament, um Svbtle später wachsen zu lassen. Vielleicht auch zu etwas deutlich Größerem…

Screenshot Nummer 2: theindustry.cc

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Vier Wochen Blogbox: Gelungenes Debüt, aber jetzt wird\'s ernst

15.10.2013, 7 KommentareVier Wochen Blogbox:
Gelungenes Debüt, aber jetzt wird's ernst

Blogbox, die App, die Inhalte Dutzender deutschsprachiger Blogs in einer iPad-App bündelt, schlägt sich im Praxiseinsatz mehr als wacker. Dennoch müssen die Macher taktisch klug vorgehen, um sich wirklich im Informationsalltag lesefreudiger Menschen verankern zu können.

Umfrage enthüllt: Ungeahnter Optimismus bei Bloggern in Deutschland

27.6.2013, 8 KommentareUmfrage enthüllt:
Ungeahnter Optimismus bei Bloggern in Deutschland

2344 Blogger aus Deutschland haben sich an einer Umfrage zum Stand des Bloggens im Jahr 2013 beteiligt. Die Ergebnisse liefern interessante Einblicke.

Anti-Werbeblocker-Kampagne der Mainstreampresse: Schwache Kritik an einem legitimen Appell

14.5.2013, 61 KommentareAnti-Werbeblocker-Kampagne der Mainstreampresse:
Schwache Kritik an einem legitimen Appell

Der Appell einiger deutscher Nachrichtenangebote an die Besucher, Werbeblocker zu deaktivieren, zieht viel Kritik auf sich. Die Argumente, die gegen das legitime Unterfangen hervorgebracht werden, taugen nichts.

Blog-Magazin-App Blogbox: Mit neuer Strategie zu größerer Reichweite

6.10.2014, 3 KommentareBlog-Magazin-App Blogbox:
Mit neuer Strategie zu größerer Reichweite

Trotz vieler hundert partizipierender Blogs hat sich Blogbox, der vor einem Jahr gestartete Blog-Aggregator für das iPad, bislang nicht zu einem Reichweiten-Hit entwickelt. Mit einer neuen Strategie und dem bevorstehenden Debüt einer Android-App hoffen die Münchner, mehr Leser zu erreichen.

Ein halbes Jahr nach Debüt des iPad-Blogaggregators: Blogbox zieht Bilanz und verrät, wie es weitergeht

3.4.2014, 15 KommentareEin halbes Jahr nach Debüt des iPad-Blogaggregators:
Blogbox zieht Bilanz und verrät, wie es weitergeht

Vor sechs Monaten veröffentlichte das Münchner Startup Blogbox sein innovatives iPad-Blogmagazin. Mittlerweile können darin über 350 Blogs aus dem deutschsprachigen Raum gelesen werden. Nun rückt die Erhöhung der Reichweite sowie die Monetarisierung in den Vordergrund.

Mobiles Blogmagazin: Blogbox kommt aufs iPhone und bringt deutschsprachige Blogs direkt aufs Display

12.12.2013, 4 KommentareMobiles Blogmagazin:
Blogbox kommt aufs iPhone und bringt deutschsprachige Blogs direkt aufs Display

Der mobile Aggregator für deutschsprachige Blogs, Blogbox, erweitert drei Monate nach seinem Debüt seine Verfügbarkeit auf das iPhone. Knapp 150 Blogs sind mittlerweile dabei. Künftig können deren Inhalte auch per Push direkt auf das Display gebracht werden.

Neues Social Network für Onlinejournalismus: This erlaubt eine Linkempfehlung pro Tag

28.11.2014, 2 KommentareNeues Social Network für Onlinejournalismus:
This erlaubt eine Linkempfehlung pro Tag

Das Medienhaus Atlantic Media, das zuletzt mit der Onlinepublikation Quartz viel Lob erhielt, hat vor einigen Wochen ein soziales Netzwerk zum Empfehlen von Links zu lesenswerten Artikeln lanciert. Die Besonderheit: Pro Tag darf bei This nur ein Link geteilt werden.

Smartwatchjournalismus: Die große Chance auf ein erfrischend zurückhaltendes Nachrichtenmedium

3.11.2014, 10 KommentareSmartwatchjournalismus:
Die große Chance auf ein erfrischend zurückhaltendes Nachrichtenmedium

Smartwatches sind das neue Gadget, das wir nach dem Willen der Industrie bald immer mit uns führen. Da versteht es sich fast von selbst, dass progressive Medienhäuser hierin ihre große Chance sehen. Bei frühen Angeboten konkurrieren zwei Ansätze; einer davon könnte die Online-Nachrichtenflut endlich erträglicher machen.

Medium.com: Ein Ausblick auf die Zukunft des Magazins

20.10.2014, 4 KommentareMedium.com:
Ein Ausblick auf die Zukunft des Magazins

Medium.com ist eine elegante Plattform, um Langform-Inhalte zu veröffentlichen und zu entdecken. Das Potenzial ist zugleich erheblich größer: Die Seite gibt einen Vorgeschmack darauf, wie Magazine in Zukunft aussehen könnten. Sie gibt anspruchsvollen Geschichten einen passenden Rahmen und eine dringend benötigte Bühne.

Svbtle: Die Anti-Huffington-Post

20.7.2012, 1 KommentareSvbtle:
Die Anti-Huffington-Post

Svbtle, das elitäre Blognetzwerk aus Kalifornien, will Autoren, Reporter und Kuratoren einstellen. Was das Startup plant, klingt verdächtig nach einer qualitätsbewussten Variante der bekannten Huffington Post.

5 Kommentare

  1. Hervorragender Artikel. Ich für meinen Teil finde die Oberfläche und das minimalistische Design sehr ansprechend. Wie du schon sagtest. Das lenkt den Fokus ausschließlich auf den Inhalt. Die Idee, mit der Brainstorming Funktion, aus der man einen Artikel zaubern kann, finde ich sehr gut.

  2. Auf den ersten Blick, leider nicht für mobile geeignet.

  3. Hallo Martin,

    hab hier noch eine interessante Info zu Svbtle:

    Offenbar bietet Curtis für alle Artikel innerhalb des Netzwerkes, neben einem kostenlosen Lektorat auch einen Fakten-Check an, was natürlich mit entsprechenden Kosten für ihn verbunden ist.

    “Offering free copyediting and fact-checking for all of the posts on a blogging network is really, really expensive. But worth it, I hope.”
    Quelle: http://twitter.com/dcurti…s/185178959573553154

    Wer das Design gerne auf WordPress übertragen möchte, findet auf Github entsprechend geklonte Themes:

    https://github.com/scavone/wordpress-svbtle
    https://github.com/gravityonmars/wp-svbtle (inkl. Adminoberfläche)

    Auch ein Ruby on Rails Klon ist dabei:

    https://github.com/NateW/obtvse

    Gefallen wird das Curtis sicher nicht…

6 Pingbacks

  1. [...] Seite von Dustin Curtis hingewiesen. Was ich aber damals übersehen habe: der Mann baut an einem ziemlich elitären Bloggernetzwerk, welches sich Svbtle nennt. Sieht man sich die Mitgliederliste an, findet man einige illustre [...]

  2. [...] Svbtle, elitäres Blognetzwerk Link [...]

  3. [...] auf unaufgeregte Artikel mit oft überraschender Meinung. Das Blog-Netzwerk Svbtle beschränkt sich auf wenige Kolumnisten, die nach Angaben der Betreiber nur dann etwas schreiben, wenn sie auch wirklich etwas zu sagen [...]

  4. [...] dem Frontendler Dustin Curtis entwickelt und im März 2012 vorgestellt (ausführlicher Bericht auf Netzwertig). Dass es seitdem häufiger in dem Blog-Aggregator Techmeme auftaucht, hat einen guten Grund: [...]

  5. […] mich schlau gemacht habe, was das sein soll (ein Blognetzwerk ähnlich Medium, angeblich ziemlich elitär und definitiv mit einem sehr guten Backend versehen) überlegte ich, was ich da als angemessenen […]

  6. […] Nie! Mehr! Schlechte! Texte! Lesen! Müssen! Bandoo, Diaspora, zurker und jetzt svbtle: Nischennetzwerke schießen wie Pilze aus dem Boden. Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis […]

vgwort