Social Networks:
Eine Frage an die Nutzer von Google+

Geisterstadt hin oder her – Google+ hat viele leidenschaftliche Fürsprecher. Doch wieso sollte man sich eigentlich dafür engagieren, dass das mächtigste aller Internetunternehmen noch stärker wird?

Vor gut einem Jahr erblickte Google+ das Licht der Welt und erhitzt seitdem die Gemüter. Drei maßgebliche Lager sind zu erkennen: Personen, die dem Google-Netzwerk aus unterschiedlichen Gründen nichts abgewinnen können; solche, die sich für den im Hause Google hochpriorisierten Dienst begeistern und Menschen, die keine Meinung zu Google+ haben und mit dem Service nicht in Berührung kommen. Die ersten zwei Gruppen liegen sich im Grunde seit der Lancierung in den Haaren, führen emotionale Debatten und haben große Schwierigkeiten, einander überhaupt zu verstehen.

Der Diskussionsverlauf zwischen Google+-Kritikern und Befürwortern verläuft in der Regel nach dem immer gleichen Muster: Die eine Seite klagt darüber, dass niemand Google+ verwenden würde und dass ihr Stream deshalb von den immer gleichen fünf Anwendern mit Inhalten befüllt wird. Die Fürsprecher des Angebots erwidern darauf, dass sich durch das Abonnieren aktiver Google+-Mitglieder ein sehr lebendiger Stream schaffen lässt und dass Google+ weit von dem entfernt ist, was das Wall Street Journal einst als “Geisterstadt” bezeichnete. Oft untermauern sie ihre These mit Googles eigenen Nutzungsstatistiken, die jedoch von der Gegenseite angezweifelt werden, da durch verschiedene Integrationsmaßnahmen seitens Google auch Anwender den Status von “Google+-Mitgliedern” erhalten, die den Service gar nicht benutzen.

Ein starkes Google+ ist ein noch mächtigeres Google

Ich gehöre zur Kategorie derjenigen, die Googles Vorstoß in den Social-Networking-Bereich kritisch gegenüberstehen. Doch mein Beweggrund dafür ist nicht, dass mir innerhalb des Dienstes zu wenig los ist. Würde ich mir mehr Mühe machen und aktiver engagierten Google+-Mitgliedern folgen, bin ich überzeugt davon, Zeuge und Teil eines sehr lebhaften Treibens zu werden. Etwas jedoch hindert mich daran: Die Frage, wieso ich das marktführende und einflussreichste Webunternehmen mit meiner Partizipation dabei unterstützen soll, noch mächtiger zu werden. Und die, was die besonders passionierten und lautstarken Google+-Verfechter antreibt, sich so sehr auf die Seite des Dienstes zu schlagen.

Nach meiner Philosophie ist eine marktbeherrschende Stellung eines Unternehmens in mehreren Segmenten der digitalen Sphäre grundsätzlich nicht wünschenswert. Google dominiert den Suchmarkt in Deutschland mit beeindruckenden 96 Prozent. Ähnlich sieht es in vielen anderen Ländern aus. Auch in den USA ist das Unternehmen Marktführer, allerdings “nur” mit 66,5 Prozent. Zudem stammt der mittlerweile populärste Browser von Google, ebenso wie das am weitesten verbreitete Smartphone-Betriebssystem. YouTube sowie Google Mail sind ebenfalls die tonangebenden Dienste in ihren jeweiligen Geschäftsbereichen.

All das gönne ich Google. Das Unternehmen hat hart für das Erreichen dieser Marktstellung gearbeitet und dabei bis heute das wichtige Innovationsstreben nicht aus den Augen verloren. Doch wenn ich dann einem Google+-Anhänger gegenüberstehe und dieser mir erklärt, ich müsse mich auf Google+ mehr einlassen und mehr mit Menschen dort interagieren, um das Angebot besser kennenzulernen (= mehr Zeit investieren), dann lässt mich dies mit einem großen Fragezeichen zurück. Wieso legen sich hartgesottene Google+Nutzer so extrem ins Zeug für ein Angebot, das im Falle eines Durchbruchs auf breiter Front lediglich die ohnehin schon übermächtige Position seiner Erschaffer festigen würde – mit mutmaßlich sämtlichen negativen Begleiterscheinungen, die wir heute bei Facebook beobachten (der Google-Kalender-Spam gibt einen Vorgeschmack).

Wäre Google+ das einzige ernstzunehmende soziale Netzwerk auf diesem Planeten und Facebook ein Angebot, das in seiner Unansehnlichkeit und Benutzerunfreundlichkeit selbst private Homepages aus dem Jahr 1999 übertrifft, könnte ich die Leidenschaft der “Plusser” verstehen. Doch ganz so schlimm ist es wahrlich nicht. Und Google+ selbst bietet zwar einige clevere, einzigartige Features (wie Hangouts), ist aber auch nicht die konzeptionelle Bombe, die zur Folge hätte, dass man über die Nachteile monopolistischer Tendenzen in den entscheidenden Teilbereichen des digitalen Ökosystems hinwegsehen sollte.

Facebook geht zu weit – wäre Google+ anders?

Ich verstehe alle, die sich daran stören, wie Facebook seine Vorherrschaft als Social Network und die Abhängigkeit vieler Nutzer von dem Dienst zur Durchsetzung unpopulärer Entscheidungen ausnutzt – die oft über die Köpfe der Mitglieder hinweg stattfinden. Wie man dann jedoch das Unternehmen als Alternative propagieren kann, das nach sämtlichen wichtigen Kennzahlen um ein Vielfaches erfolgreicher und mächtiger ist, leuchtet mir nicht ein – auch wenn Google durch sein langjähriges recht glaubhaft vermitteltes Mantra “Don’t be evil” noch immer einen Vertrauensvorschuss genießt. Das ändert aber nichts am Motiv für die Existenz von Google+: Daten, Daten, Daten. Anders als manche Dogmatiker stört mich das Streben nach Daten zur besseren, gezielteren Werbevermarktung nicht. Aber es ist meiner Ansicht nach nicht sinnvoll, dass ich mich als User besonders ins Zeug lege, um am Aufstieg einer Plattform mitzuhelfen, die am Ende trotzdem nichts anderes ist als Facebook in weiß und mit etwas moderneren Funktionen.

Energie besser investieren

Vor einem Jahr beschrieb ich, wieso es eigentlich überhaupt nicht wünschenswert ist, dass ein so elementarer Dienst wie Facebook (oder Google+) von einem gewinnorientierten Unternehmen betrieben wird. “Das Netz braucht eine Art Wikipedia für Social Networking. Oder ein BitTorrent für Social Networking”, so meine damalige Feststellung. Selbst vielversprechende Versuche wie diaspora sind leider gescheitert (auch wenn es einen neuen Anlauf geben soll). Teilweise aufgrund konzeptioneller Schwächen. Mitunter aber auch, weil nach einer Facebook-Alternative suchende Anwender sorglos zum nächsten Big Player pilgern und dort ihr virtuelles Zelt aufschlagen, statt sich und ihren missionarischen Eifer für wirklich andersartige Lösungen einzusetzen.

Ich freue mich über einige Antworten auf die Frage, welche Motive aus Sicht von Google+-Nutzer existieren, die eigene digitale Existenz vollständig in die Hände von Google zu legen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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28 Kommentare

  1. Spannende Überlegung, die ich nachvollziehen aber nicht ganz teilen kann. Nach meinem Verständnis muss man Google Suchmaschine, Google Services und Google+ isoliert sehen. Folgt man dieser Logik ist Google in Sachen Social Networks ein verhältnismäßig kleines Licht und facebook ein riesiger Tanker. Insofern würde ich es schon gut finden, wenn es Alternativen – gerne auch durch Google – zu facebook gäbe. Nur glaube ich nicht daran, dass Google den richtigen Weg geht. Was macht Google+ besonders, einzigartig? Ich weiß es nicht. Ich sehe darin keinen Mehrwert zu facebook.

  2. Nach meinem Verständnis muss man Google Suchmaschine, Google Services und Google+ isoliert sehen.

    Google selbst möchte aber, dass sich das ändern.

  3. Für mich gibt es 2 Gründe:

    1. Ich bin ohnehin die ganze Zeit bei Google angemeldet, nutze den Google-Kalender, Gmail, Android, Chrome etc. so dass ein in diese Service gut integriertes Social-Network für mich einfach besser zu nutzen ist als ein davon weitgehend getrenntes bzw. eines welches ich erst selber richtig integrieren muss. ein Geisterstadt ist es für mich auch nicht, auch wenn ich bei G+ eher Menschen treffe deren Interessen ich teile als welche mit denen ich befreundet bin. Über mehr von letzterer Gruppe würde mich freuen und tendiere daher für G+ zumindest indirekt “Werbung” zu machen.

    2. Mir ist Google einfach subjektiv sympathischer als Facebook, Microsoft, Twitter und Co. Liegt dabei inzwischen weniger an dem Don’t be evil Mantra denn an den Projekten wie Glass, den selbstfahrenden Autos etc. Außerdem bin ich ihnen noch immer dankbar, dass sie mich damals mit Gmail von GMX erlöst haben…

  4. Ich bevorzuge aus Google+ aus einem ganz eigenen Grund: Die Idee, dass ich bei Facebook zB nur Zeitungsartikel über irgendwelche Reader-Apps lesen kann, die ich mit meinem Fb-Account verknüpfen muss, halte ich für fatal. Alles passiert nur noch auf Fb und die User denken, ausserhalb von Fb gibt es nichts mehr. Bei Google+ dagegen werde ich immer in das “freie” Internet geleitet, auf die Originalseiten der Artikel.
    (daüber können wieder echte Experten lange streiten, es ist mein naiver Blick auf das Internet, was ich noch für halbwegs frei halte)

  5. Leider zerlegt sich Twitter derzeit selbst mit seiner API Strategie, FB bekleckert sich auch nicht gerade mit Ruhm in letzter Zeit und haben zudem das Monetarisuerungsproblem auf der Plattform selbst.
    Daher erscheint mir Google plus im Augenblick die ruhigere und angenehmere Alternative. Dass Google dabei ist ihren Wildwuchs einzudämmen und dem ganzen eine soziale Komponente überzustülpen kann man zwar kritisieren, allerdings kann man es auch sehr zurückhaltend und im nicht öffentlichen Bereich nutzen. Lästige Werbung, Spielehinweise, Markenwerbung usw. sind im Augenblick in der Regel ausblendbar, bzw gar nicht vorhanden.
    Unternehmensseiten haben praktisch so gut wie keine Chance zu spammen, Spiele ebensowenig. Da Google seine Einnahmen über die Werbung erzielt, besteht auch wenig Druck es in G+ durchzudrücken.
    Was ich im Augenblick kritisiere – generell im Social Network Umfeld – ist die Abkehr von RSS.
    Google Plus hat meines Erachtens im Augenblick den Vorteil, dass man leichter neue Dinge / Personen entdecken kann, mit denen man sich austauschen kann. Das erscheint mit in der geschlossenen Welt von Facebook schwieriger und auch nicht priorisiert. Generell ist die Suchfunktion in G+ mittlerweile eine nützliche Recherche Quelle. Und Hangouts mitsamt der Entwicklung der API’s führt ebenfalls zu ganz spannenden Alternativen in der Kommunikation und Interaktion mit Menschen.
    Warum sollte ich also G+ nicht unterstützen – weil die Alternativen nicht sonderlich attraktiv sind. Insofern wird das insgesamt den Innovationszyklus ankurbeln. Was ja grundsätzlich sinnvoll ist.

  6. Ich nutze ebenfalls das Android und viele Funktion von Google wie bspw. den Kalender zur Synchronisation und finde es praktisch ein großes ganzes zu haben.
    Vom Social Network her ist Facebook definitiv weiter vor keine frage aber ich sehe keinen großen unterschied in der Funktionalität. Vielleicht ist es ein ähnlicher Kampf wie Android vs. IOS, Windows vs. Linux.

  7. @Sachar @Martin
    Ich denke auch, dass man die unterschiedlichen Dienste getrennt betrachten muss. Und da macht es Google mit seiner breiten Produktpalette eigentlich ganz schlau. Selbst die Google-Suche muss nicht bis in alle Ewigkeiten Marktbeherrschend bleiben – zumal man hier in Sachen User-Tracking und Personalisierung zügig in Richtung Facebook schreitet. Wenn die Zeit reif ist, kommt wieder was neues – ich habe gerade zu dem Thema gebloggt:
    http://hagenkohn.com/feeling-ducky

    • Ich denke auch, dass man die unterschiedlichen Dienste getrennt betrachten muss.

      Googles zentrale Datenverwaltung und die zunehmende Integration vn G+ in alle Google-Dienste widerspricht dem.

  8. Die Ablehnung eines Unternehmens nur weil es Marktführer ist halte ich für ein etwas unsinniges Argument.
    Würde jeder diese Haltung ausleben hätte das zur Folge das VW keine Autos, Balsen keine Chips und Kekse und Coca Cola gar nichts mehr verkauft. Man müsste konsequenter Weise auch auf Pc´s mit Microsoft Betriebssystem, WordPress Blogs und natürlich auch auf Facebook (ist Marktführer bei den Social Networks) verzichten.

    Facebook und Google sind in meinen Augen beide keine Heiligen. Aber Google hat gelernt das es z.B. auch im bereich Datenschutz besser ist den Nutzer nicht zu ignorieren und transparenter zu Kommunizieren (auch wenn das noch weit von einem optimalen Zustand entfernt ist).

    Wenn ich aber die Wahl zwischen Pest und Cholera habe… entscheide ich mich für das geringere Übel… was in diesem Fall nicht Facebook, sondern Google wäre.

    PS: ich bin keine Google Jünger… ich entscheide mich für den Dienst der mir den größten Nutzen bringt ohne dabei zu viel zu Kosten (Stichwort: Daten als Währung).

    • Die Ablehnung eines Unternehmens nur weil es Marktführer ist halte ich für ein etwas unsinniges Argument.

      Stimmt. Ist aber auch nicht meine Haltung.
      Ich habe nichts gegen Marktführer. Ich spreche davon, dass, wenn ein Unternehmen gleich in mehreren Märkten führend ist bzw. fast schon eine monopolistische Stellung hat; DANN halte ich es nicht für sinnvoll, dieses Unternehmen bei Vorstößen in noch weitere Segmente durch bewusste Partizipation oder moralisch zu unterstützen. DAS steht im Text.

  9. Diese Frage kann man analog zu Apple oder Microsoft beantworten: Mich als User interessiert das Wohlergehen, der Aufstieg oder der Erfolg eines Unternehmens nicht. Ich bin nicht treu, ich will weder wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens noch interessiert es mich überhaupt, wer mir eine Dienstleistung anbietet: Ich will Tools die funktionieren und das tun, was ich brauche. Aus dieser Perspektive bin ich nie bereit, die zweibessere Lösung zu wählen (oder die zweitgünstigste etc.), nur um meine Daten nicht einem bestimmten Unternehmen anzuvertrauen. So lange Apple die besten Laptops mit dem besten Betriebssystem herstellt, nutze ich Apple – sobald es eine bessere Alternative gibt, wechsle ich.

  10. ich unterhalte mich gerne bei Theman die mich sehr interessieren und davon findet man bei G+ eine Menge.
    Bei FB gibt es sowas natürlich auch aber dort hab ich das Problem, das jeder meiner Freunde sehen kann was ich als Kommentar bei einem öffentlichen Post so hinschreibe. Das Problem hab ich bei G+ nicht. Manche Interessen möchte man halt für sich behalten.

    • Wenn ich einen Public Post auf Google Plus kommentiere, ist der Kommentar genauso public. Also kein Unterschied/Vorteil zu Facebook…

  11. Hallo Herr Weigert,

    nichts gegen die Darstellung, aber zwei drei grundsätzliche Aussagen stören mich ein bischen, weil sie den Eindruck fehlender Objektivität aufkommen lassen.
    Ganz egal ob ich heute bei Facebook oder Google oder bei anderen Anbietern unterwegs bin, es geht IMMER um meine Daten. Denn diese sind letztlich meine “digitale Währung”. Hier kann man grundsätzlich geteilter Meinung sein, ob das nun im Sinne des Nutzers ist, ist aber Realität. Nebenbei bemerkt haben wir neben den beiden großen Netzwerken noch ganz andere Datensammler und -verwerter allein in Deutschland am Start. Ich brauche sicher nur den begriff “Versandhandel” einzuwerfen, und Kenner der Materie wissen was gemeint ist.

    Sie schreiben weiter (ich zitiere):
    “Aber es ist meiner Ansicht nach nicht sinnvoll, dass ich mich als User besonders ins Zeug lege, um am Aufstieg einer Plattform mitzuhelfen, die am Ende trotzdem nichts anderes ist als Facebook in weiß und mit etwas moderneren Funktionen.”

    Als Nutzer beider Netzwerke (und aus beruflichen Gründen noch weiterer) kann ich diese Aussage nun überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Hier wäre ein bischen Objektivität bzw. sachgerechte Information zielführender als solche Platitüden. :) (nur als Beispiel: Kreise, Integration in das Ökosystem von Google, ….)

    Nein, ich werde niemanden überzeugen oder gar überreden G+ nutzen zu müssen. Denn wie bei vielen Netzwerken ist das von der jeweiligen Motivation (Privatnutzer) oder Strategie (business) abhängig.

  12. Danke für den gut geschriebenen Beitrag, dem ich jetzt gleich mal ein “+1″ verleihe;-) Ich schliesse mich dem Vorredner an: Die Suchmaschine und Services von Google nehme ich ebenfalls als isolierte Dienste wahr. Würde dasselbe Netzwerk von Bing stammen, fände ich es genauso ansprechend. Im Grunde geht es um die Nutzer und die kritische Masse, die sich auf einem sozialen Netzwerk bewegt.

    Ich betrachte aber Google+ nicht als Facebook-Alternative, sondern vergleiche es mehr mit Twitter. Denn das Interaktionsprinzip ist für mich dasselbe: Ich kann mich mit Online-Kontakten (die nicht persönlich kenne) über Neuigkeiten und Themen austauschen. Bei Twitter stösst man aber visuell und auch im Dialog auf seine Zeichengrenzen. Ausserdem verkommt Twitter manchmal zur Linkschleuder.

    Deswegen erachte ich Google+ als Bereicherung in meiner digitalen Welt.

  13. 1. Ich sehe Google+ schon als eine Verbindung aller Services von Google die ich bereis benutze. Zwar zeigt sich das noch nicht so stark, ich erwarte jedoch durch die höhere Vernetzung nach und nach Vorteile. Bei Google habe ich bereits sehr viele meiner Daten, und das ist mir bewusst. Im Gegensatz zu Facebook sind mir diese dort auch lieber. Facebook hat nichts ausser meiner Daten und muss expandieren, daraus schliesse ich dass Facebook eher bereit ist zwielichtige Wege zu beschreiten und meine Daten weiter zu geben oder nicht heraus zu geben. Bei Facebook habe ich eine böse Vorahnung, aufbauend auf diversen Zwischenfällen in der Vergangenheit der Firma. Darum kam für mich Google+ zeitlich genau richtig.

    2. Bei Google+ folge ich diversen Firmen, Wissenschaftlern, Magazinen etc. und kann gleichzeitig mit meiner engeren Familie Daten austauschen. Auch habe ich über Google+ schon gegen 10 Leute “kennen” gelernt und erhalte über deren Stream täglich interessante Informationen. Einfach gesagt, bei Google+ habe ich mehr Kontrolle als bei anderen Diensten, oder anderen Firmen generell. Inwiefern dies eine Illusion ist, muss sich wohl zeigen.

  14. Die Firma Google lässt mich für Anzeigen, die ich auf meinen Webseiten schalte, an den Werbeeinnahmen mitverdienen.

    Facebook finde ich ist so unverschämt, auf meinen Pages, für deren Inhalt ich sorge, unkontrolliert Werbung zu schalten und die Werbeeinnahmen alleine einzustecken.

  15. Ich bin kein Fan von Google, trotzdem verwende ich Google+. Ganz einfach, weil es für mich keine Alternative gibt. Obwohl ich noch einige Features (Messenger über Browser, R/W-API…) vermisse, kenne ich kein anderes Social Network, welches nur annähernd an die Features von G+ herankommt. Ausser natürlich Facebook, aber das Monopol möchte ich nicht unterstützen. Zudem ist es mir viel zu überladen.

    G+ betrachte ich getrennt von Google. (Auch wenn das Google selbstverständlich anders sieht.) Ich möchte ein starkes G+ als Konkurrenz zu FB, damit ich mich nicht mehr rechtfertigen muss, kein Konto bei FB zu haben. ;-) Google zu stärken bereitet mir keine Sorgen, da die meisten ihrer restlichen Produkte leicht austauschbar sind, sollten sie “evil” werden. Die Suchmaschine hat man schnell gewechselt, das Mailkonto kann man dank eigener Domain auch umziehen, statt Google Drive kann man Dropbox verwenden und notfalls kauft man halt wieder ein Handy von Nokia… FB hingegen sollte einen starken Konkurrenten bekommen, weil es immer mehr vom Internet in sich “hineinzieht”. Kommt mir jedenfalls so vor, wenn ich sehe an wie vielen Gewinnspielen man nur noch mit FB-Account mitmachen kann.

    Am allerliebsten hätte ich natürlich auch ein starkes offenes Social Network, am besten ein dezentrales. Meine Hoffnung auf diaspora wurde bitter enttäuscht. Ich musste einsehen, dass wohl nur noch ganz grosse Firmen die Entwickler und Finanzkraft haben, ein “state-of-the-art” Social Network mit allen “selbstverständlichen” Funktionen wie Apps für alle Smartphone-Betriebssysteme etc. zu entwickeln. Für ein offenes Netzwerk würde ich durchaus Kompromisse bei den Features akzeptieren, aber mehr als diaspora müsste es schon bieten.

  16. ‘Ich freue mich über einige Antworten auf die Frage, welche Motive aus Sicht von Google+-Nutzer existieren, die eigene digitale Existenz vollständig in die Hände von Google zu legen.’

    Viele Argumente haben die Vorredner schon genannt und ich finde es nicht logisch zu sagen man solle jedes Produkt von Google boykottieren, nur weil die ein (allerdings zu recht erworbenes) Monopol bei der Internetsuche haben.

    Für mich zeigt sich mit dem gerade in der neuen Android Version gezeigten Produkt ‘Google Now’ was herauskommen kann, wenn man Google tatsächlich sehr viele Daten anvertraut: Ein irgendwann möglicherweise mit- und sogar voraus’denkender’ digitaler Assistent, der tatsächlich nützlich ist.

    Bei der Frage warum es ausgerechnet Google ist denen ich vertraue ist meine Antwort, dass sich dieses Unternehmen tatsächlich um echte Menschheitsprojekte kümmert (Google Books, selbstfahrende Autos, universelle Übersetzungen, etc.). Die an mir ggf. verdienten Werbeeinnahmen sind hier sinnvoller aufgehoben als bei Apple, Microsoft, Facebook oder Oracle.

  17. Welches Unternehmen möchte nicht so bekannt werden, dass aus der Nische heraus kommen möchte?

    Selbst Sportvereine streben immer den Aufstieg an. Nur die allerwenigsten geben sich mit dem Klassenverbleib zufrieden.

    Sportler streben nach dem Sieg und damit der Medienwirksamkeit.

    Andere große Firmen sind auch gescheitert und neue bislang kleine Unternehmen drängen nach oben, werden groß, halten sich eine zeitlang und irgendwann zerplatzt auch dort die Blase und sind wieder weg.

    Pan Am ist weg (auch mal einst sehr große Airline), Yahoo ist heute unbedeutend, aber noch vorhanden, Air Berlin wird auch irgendwann bald kleiner werden, gleiches gilt auch für Emirates und Google ist vielleicht auch in 10 oder 20 Jahren vom Markt verschwunden.

    Also lassen wir mal die Kirche im Dorf. Natürlich kann man sich jetzt herrlich darüber aufregen und wer weiß wie sich eine neue Firma anstellt. Dann werden in Erinnerungen geschwelgt und gesagt, wie gut doch Google und Facebook waren, nur jetzt ist es so schlimm wie noch nie ;-).

  18. Der Trend hin zu einen Allesanbieter ist wünschenswert und richtig, da nur dieser Weg der Erfolgsversprechenste ist und den Menschen in die Freiheit führen kann.
    Auch wenn dies nun als eine Art Widerspruch klingt, muss man sich erstmals ernsthaft damit auseinandersetzen und sehen was all die Synergie Effekte die daurch entstehen den einzelnen und vor allem der Gemeinschaft bringen kann.

    Die richtige Frage ist nicht die ob Facebook oder Google+ die Vormachtstellung im Socialen Netzwerk eines Tages vollkommen besitzen, sondern wie wir in Zukunft damit umgehen bzw. wie wir weiterhin mit unseren Ressourcen und Handel, Umverteilung und das miteinander lösen wollen – das ist die viel wichtigere Frage, ob alles aus einem Technologie-Haus, oder einem Macher erschaffen wird oder nicht, ist unrelevant.

    Das Interessanteste und beste Angebot wird immer gewinnen und so soll es auch sein.

  19. Ich bin ein aktiver Nutzer von Facebook, Google+, Diaspora* und vielen anderen Webdiensten. Für mich stellt sich nicht die Frage, welches Unternehmen evntl. durch meine Registrierung profitiert, sondern in wie fern ICH als Nutzer von deren Angebot profitiere. Wie bereits in dem Artikel beschrieben wurde hat sich Google seine Vormachtstellung in den Bereichen Suchmaschinerie, Video-Stream und eMail-Service hart erkämpft, und auch wenn ich der “Datenkrake” selbst kritisch gegenüberstehe muss ich sagen, dass die (durch die Bank weg kostenlosen) Angebote von Google die Konkurrenz meist übertreffen und ich mich, je mehr ich mich in die Google-Infrastruktur integrierte, immer wohler fühlte. Die Vernetzung der Dienste untereinander, die an vielen Ecken nicht perfekt ist doch ständig verbessert wird, macht nach und nach die unzähligen Accounts die ich bisher hatte obsolet. Und Google+ ist nur ein weiterer Schritt zu dieser allumfassenden Vernetzung. Zugegeben, das ganze wurde zuvor schon mal mit Orkut versucht und ging ziemlich schief, aber mit Google+ haben sie es nach und nach wirklich auf die Reihe bekommen ein wunderbares Red-Ocean Social-Network auf die Beine zu stellen.
    Leider ist aus meinem gesamten Umfeld kaum einer auf den G+-Zug aufgestiegen, und die wenigen die sich registriert haben sind heute nahezu völlig inaktiv. Dennoch habe ich einen sehr lebendigen Stream von meinen Abonnements diverser Webseiten-Accounts und Leuten weltweit, die ich über G+ durch gemeinsame Interessen kennengelernt habe. Und das Potential, das in diesem Netzwerk liegt ist noch nicht ein mal ansatzweise ausgeschöpft. In den nächsten ein bis zwei Jahren können wir dabei zusehen, wie Google all seine Services immer besser vernetzt: Kalender, Alerts, Docs / Drive, G+, Android, Play Store (mit Google Music und Google Books) und alle anderen. Manche mögen Angst davor haben, doch Google zwingt einen in Meinen Augen zu nichts. Ich kann durchaus entscheiden, welchen dieser Services ich nutzen will. Ich kann Google Play für Android auch ohne Books, Music und G+ nutzen, oder G+ ohne YouTube, YouTube ohne Picasa usw. Doch ich habe mittlerweile das volle Angebot angenommen, da es mir sehr viele Vorteile eingebracht hat, und mich bis zum heutigen Tag nicht einen einzigen Cent gekostet hat. Bis auf Buzz. Twitter ist besser.
    Google ist die bessere Suchmaschine, Android das bessere Betriebssystem, Chrome der bessere Browser, GMail der besser Mailingservice – zumindest soweit ich das für mich persönlich beurteilen kann.

    Dennoch bin ich vor allem im Social-Media-Bereich immerzu auf der Suche nach Alternativen und neuen Netzwerken. Das Problem ist, dass Facebook genau die Stellung hat, die der Autor des Artikels bei Google befürchtet. Es hat MySpace, Schueler/StudiVZ, Netlog, Lokalisten und viele anderen Konkurrenten völlig aus dem Geschäft gedrängt und macht mit seinen Funktionen ICQ, MSN und andere Dienste dieser Art nahezu obsolet. (fast) jeder ist auf Facebook, mittlerweile kann man sich auf vielen Seiten mit seinem FB-Account anmelden, andere Seiten funktionieren überhaupt nicht mehr ohne Facebook! (so wie 9gag.com, was sehr schade ist … man kann nicht ein mal etwas uploaden ohne es auf Facebook zu teilen, da es sonst nicht bewertet wird). Also zwingt mich Facebook nicht nur dazu seine fragwürdigen Entscheidungen bezüglich des eigenen Netzwerkes ohne Gegenwehr hinzunehmen, andere Seiten zwingen mich dazu einen FB-Account zu haben um deren Angebot vollständig nutzen zu können. Google hat mich noch nie zu irgendetwas gezwungen. Im Gegenteil, Android ist ein herrliches Beispiel dafür, wie die Google-Politik funktioniert: Ich darf das Betriebssystem legal manipulieren wie ich lustig bin, alternativen von unabhängigen Entwicklern installieren, JEDER – auch die Konkurrenz! – darf Apps für das System entwickeln, die mittlerweile sogar teilweise zum standart gehören (Facebook, Twitter und co.) und umgekehrt bietet Google seine Apps auch für die Plattformen der Konkurrenz an (so wie G+ für das iOS). Ich will Google ja nicht unbedingt auf ein Podest stellen, aber wenn wir das mal mit Apples iOS vergleichen oder mit der Politik von Facebook … die allesamt nur auf ihre Monopolstellung bedacht sind statt sich wirklich für die Konkurrenz zu öffnen, auch wenn das bedeutet treue Anhänger zu verlieren.

    Google hat seine aktuelle Vormachtstellung durch herausragenden Service und hochqualitative, KOSTENLOSE Angebote mehr als verdient, und das ohne aktiv die Konkurrenz aus dem Geschäft zu drängen. Wenn ich eine Frage in Google eintippe finde ich unter den ersten 5 Vorschlägen meist 2 Links zu “Yahoo!-Fragen”, und Yahoo gehört doch zur Konkurrenz. Und wenn ich nach einer App suche finde ich unter dem PlayStore-Link sofort das Equivalent für den Apple iTunes Store. Wenn ich einen Bild-Hosting Service suche (habe dafür gerade mal “Bilder hosten” in Google eingegeben) ist Picasa nicht ein mal zu sehen, stattdessen Imageshack, imbox, bildhosting.de und andere Konkurrenzprodukte.

    Viele Menschen haben ein durch die Medien sehr verzerrtes Bild davon, was Google will, wie es funktioniert und was es für den einzelnen Nutzer bedeutet. Die Währung auf Google sind Informationen. Der Konzern kriegt von mir meinen Namen, mein Geburtsdatum, eine alternative eMail-Adresse und alles was ich in die Suchleiste eintippe. Und diese Informationen laufen durch einen Server der das ganze objektiv statistisch auswertet – niemand sitzt vor dem Bildschirm und sagt “Hey, Leute, schaut mal her, der Typ hier hat gerade MyLittlePony gegooglet. Lasst und mit StreetView sein Haus anschauen und seine eMails lesen.” … doch viele technisch weniger versierte Menschen haben leider dieses Bild von Google und sind wohl noch nicht so recht im 21. Jahrhundert angekommen.

    Wer Google nicht mag kann immernoch auf die Konkurrenz zurückgreifen. Doch ich sehe keinen Grund, Google nicht zu unterstützen.

  20. Google+ eignet sich sehr gut für Public Conversations, für den privaten Gebrauch unterscheidet es sich aber zu wenig von FB um für Nutzer interessant zu sein. Um FB wirklich anzugreifen, hätte G+ sich via Android auf Mobile konzentrieren und die dortigen Schwächen von FB ausnützen müssen.

    Egal wie, FB wird in den nächsten Jahren in einzelne Services zerfallen, das ist ein bekanntes Muster in der Technologie. FB Nutzer werden mit einzelnen Komponenten nicht mehr zufrieden sein, und neue Wettbewerber werden hierfür verbesserte Services liefern. Im Mobile Bereich versucht FB durch Akquisitionen und neue Angebote (FB Messenger, FB Camera, etc.) diesem Trend bereits gegenzusteuern.

    Insofern mache ich mir über FB und G+ nicht mehr soviel Gedanken, sondern frage mich wo sie als nächstes angegriffen werden.

  21. Manchmal gibt es Texte, da sind die Kommentare interessanter als der eigentliche Artikel. Das ist hier wieder mal der Fall. Habe von der ersten bis zur letzten Zeile alles durchgelesen. Danke für diesen interessanten Austausch.

    (Auch ein Dank an Martin Weigert, dass er durch seinen Artikel diese interessante Diskussion hier angeregt hat.)

    lg, Goopple

  22. Reaktionäre haben in diesen Zeiten schlechte Karten. Es ist wie es ist, auch wenn wir noch hundert Jahre diskutieren. Weit über die Hälfte meiner beruflichen respektive geschäftlichen Kontakte würden ohne “Allesanbieter” verpuffen. Sowohl Google+ als auch FB sind für mich unverzichtbar geworden. Objektive (kritische) oder Subjektive Betrachtung? Ich habe mich für letzteres entschieden.

    Liebe Grüße aus Hannover,
    Torsten

  23. Ich könnte mit ein bisschen “googlen” (wie passend) noch ettliche andere Antworten auf deine Frage posten, aber dieser Tätigkeit kann sich jeder spielend selber unterziehen…

    Z.B. Darum:
    http://focus.de/digital/i…-ein_aid_772852.html

  24. Weil Google die besten Dienste alle unter einem Dach vereint. Bilder, Mails, Cloud, Videos. Alles bei Google und sind da wo sie sind, weil sie die besten sind, ganz einfach.

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