plentypins:
Die digitale Variante der Pinnwand

Bei plentypins können Nutzer kostenfrei digitale Pinnwände anlegen, mit interaktiven Inhalten bestücken und Freunde und Verwandte daran teilhaben lassen. Damit dies problemlos funktioniert, muss das Startup aus Kassel noch einige Einstiegsbarrieren entfernen.

Hattet ihr einst in eurem Kinderzimmer auch eine Pinnwand hängen? Ich zumindest würde frühzeitig an das Prinzip des Festpinnens von mehr oder weniger wichtigen Dokumenten, Telefonnummern und anderen Papiermaterialien herangeführt. Irgendwann verschwand die Korkplatte mit dem Sammelsurium an Zetteln dann aus meinem Leben – dem Konzept aber bin ich nach wie vor verbunden. Geiches gilt wohl auch für Kai Brunning, Dominik Mertz und Lars Rückert – sonst hätten sie mit plentypins wahrscheinlich keinen eigenen Onlineservice gestartet, der die Pinnwand im Digitalen nachbildet und um neue Funktionen erweitert.

Eine Warnung vorweg: plentypins, das gerade den Startschuss für die offene Beta-Phase gegeben hat, wird kaum dazu in der Lage sein, Early Adopter und mit der Vielzahl an Onlinediensten zur Organisation und Kollaboration vertraute Anwender vom Hocker zu reißen. Stattdessen könnte der Service vor allem für solche Nutzer interessant sein, die sich zwar nach und nach an die Möglichkeiten des Internets als Organisationswerkzeug für den Alltag gewöhnen, aber emotionale Anknüpfungspunkte zu analogen Nutzungsmustern schätzen.

Eine interaktive Pinnwand

plentypins erfüllt diese Anforderung, denn es behält das Grundprinzip einer Pinnwand mit auf ihr in individueller Reihenfolge platzierbaren Informationen bei. Nach einer kostenfreien Registrierung haben Anwender die Möglichkeit, Pinnwände zu beliebigen Themen anzulegen und diese mit verschiedenen, interaktiven “Zetteln” zu versehen. Dafür stehen unterschiedliche Kategorien bereit, von der einfachen Notiz über ein Kalenderblatt, eine Aufgabe bis hin zu einem Foto, Video oder Kartenausschnitt. Fotos werden von der eigenen Festplatte auf die Pinnwand geladen, direkt abspielbare Videos aus YouTube importiert. Karten zu angegebenen Adressen kommen von Google Maps. Zu jeder Notiz lässt sich ein Alarm definieren, der zum festgelegten Zeitpunkt eine Erinnerungs-E-Mail versendet. Zu einzelnen Pinnwänden können per Mail weitere Nutzer eingeladenen werden, die anschließend Read-Only-Zugang bekommen oder beim Erhalt von Admin-Rechten auch eigene Notizen hinzufügen dürfen.

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Die Features von plentypins mögen aus Sicht von Webkennern trivial klingen, erfüllen jedoch speziell als Kollaborationstool einen klaren Nutzen und dürften von Millionen weniger versierten Anwendern schnell verinnerlicht werden. Anders als Conceptboard (unser Review) oder Share Square handelt es sich bei plentypins nicht um einen fortgeschrittenen Service  für Teams und Projekte, sondern um ein Angebot, um Informationen im privaten Kontext (Einladungen, Impressionen von Festen, Grußbotschaften etc.) festzuhalten und Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern auf eine visuell verträgliche Form zukommen zu lassen.

Anfängerfehler

Leider macht das Gründertrio, das plentypins bisher aus eigenen Mitteln entwickelt hat und vorerst nebenberuflich betreibt, einige Anfängerfehler, die genau diese Einsatzszenarien erschweren. So ist eine Registrierung Voraussetzung, um überhaupt einen Blick auf die Funktionweise von plentypins werfen und diese ausprobieren zu können. Viele potenzielle Besucher von plentypins.com werden die durchaus ansehnliche Pinnwandoberfläche also nie zu Gesicht bekommen, weil sie keine Lust haben, sich erst zu registrieren – speziell, weil nicht einmal eine alternative Registrierungsoption über Facebook, Twitter oder Google angeboten wird. Deutlich intelligenter wäre es, User von der Startseite direkt zur Pinnwand zu führen, sie dort herumspielen zu lassen und erst im Augenblick des Speicherns den Registrierungsprozess einzuleiten.

Auch wer von einem bestehenden plentypins-Mitglied eine Einladung zu einer Pinnwand erhält, muss sich erst registrieren. Lieber sollte ein eindeutiger Link, der gegebenenfalls noch durch die Eingabe der E-Mail-Adresse des eingeladenen Nutzers autorisiert werden muss, direkt zur entsprechenden Pinnwand leiten – mit einem deutlichen Hinweis, dass eine Registrierung erforderlich ist, um selbst Notizen hinzufügen zu können (sofern der Einladende den Admin-Status aktiviert hat).

Die aus Kassel stammenden plentypins-Macher bieten ihren Service derzeit nur auf Englisch an. Damit verschließen sie sich vor vielen Millionen (häufig älteren) Gelegenheitsnutzern aus dem deutschsprachigen Raum, wobei aufgrund ihrer Herkunft und des begrenzten Startbudgets genau D-A-CH das initiale Einzugsgebiet darstellt. Eine deutsche Sprachvariante wären damit genauso wünschenswert wie eine mobile Website.

Über ein konkretes Geschäftsmodell haben die Hessen noch nicht entschieden, Geschäftsführer Lars Rückert hält jedoch einen Freemium-Ansatz für denkbar. Da die Macher ihre Brötchen derzeit mit anderen Dingen verdienen, drängt die Frage nach der Monetarisierung sicherlich nicht. Anderseits haben sie so auch weniger Zeit, die derzeit noch vorhandenen Einstiegsbarrieren schnellstmöglich zu entfernen. Was schade ist, denn zahlreiche, vor allem noch weniger mit dem Web vertraute Menschen könnten an plentypins ihre Freude haben.

Link: plentypins

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Ein Kommentar

  1. Erinnert mich sehr an Linoit http://en.linoit.com/ , welches mir immer gut gefallen hat (nur irgendwie sind Pinnwände nie was für die Leute, mit denen ich kollaborieren will)

3 Pingbacks

  1. [...] Trio aus Kassel hat jetzt die Beta Phase von Plentypins, einem weiteren Onlinedienst zur Alltagsorganisation gestartet. Dieser ist jedoch eher für Nutzer gedacht, die emotionale Anknüpfungspunkte zu [...]

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  3. […] nur über eine Registrierung zu erstellen, sondern sich auch via Facebook einzuloggen. Denn wie Martin Weigert bei netzwertig schon monierte, konnte man vor Implementierung der Anmeldung via Facebook plentypins erst nach […]

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