Drei Jahre nach dem Start:
foursquare haucht dem
Check-In neues Leben ein

foursquare erlaubt es Drittanbietern künftig, Check-Ins der Nutzer an Orten mit personalisierten Informationen zu ergänzen. Damit findet das New Yorker Startup drei Jahre nach dem Lauch endlich einen Weg, das Einchecken attraktiver zu gestalten.

Vergleichsweise lange hat der US-Locationdienst foursquare gebraucht, um eine Größe zu erreichen, die ihn im digitalen Ökosystem relativ unersetzbar macht. Doch mit diversen neuen Funktionen, steigenden Nutzerzahlen (mehr als 20 Millionen) sowie einem jüngsten Redesign unterstreichen die New Yorker immer häufiger, dass sie die Grenzen ihrer anfänglich kleinen Nische sukzessive erweitern. Mit der überarbeiteten Version, die vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde, versucht das Anfang 2009 gegründete Startup, seinen Nutzwert auch für diejenigen Anwender zu erhöhen, die nicht mehrmals täglich an Orten “einchecken”, sondern lediglich auf Basis der Check-Ins ihrer Freunde personalisierte Empfehlungen abrufen möchten.

Doch TechCrunch macht jetzt auf eine wichtige Bekanntgabe aus der vergangenen Woche aufmerksamdie bei aller Google-Euphorie unterging. Die Maßnahme wird die Attraktivität des Check-Ins bei foursquare deutlich erhöhen und Nutzer animieren, regelmäßig ihre Standorte (wie Geschäfte, Bars, Restaurants, Flughäfen oder Plätze) kenntlich zu machen. Dies geschieht, indem foursquare es den 25.000 an seine API angeschlossenen Services künftig erlaubt, relevanten Content im Umfeld eines vom Anwender in foursquare durchgeführten Check-Ins anzuzeigen – sofern der User den jeweiligen externen Dienst mit seinem foursquare-Konto verbunden hat.

Eine so genannten “Developer Preview” dieser erweiterten foursquare-Plattform ging dazu vor einigen Tagen online. Zum Debüt präsentiert das Unternehmen vom Big Apple elf Drittanbieter, welche diese neue Form der Integration testen, darunter das private soziale Netzwerk Path, die Foto-Sharing-App Instagram sowie die Musik-Anwendung SoundTracking. Die vollständige Liste findet sich hier.

Kann sofort ausprobiert werden

Nutzer der iPhone- und Android-App von foursquare können die neue Funktionalität direkt ausprobieren. Wer bereits einige der genannten externen Anwendungen mit seinem foursquare-Konto verknüpft hat, muss keine weitere Aktivierung des Features vornehmen. Angenommen, es besteht also bereits eine vom Nutzer in der Vergangenheit vorgenommene Verbindung zwischen foursquare und Instagram, dann enthält die nach einem foursquare Check-In dargestellte Übersichtsseite künftig Hinweise auf Instagram-Fotos, die am jeweiligen Ort publiziert worden sind. Und die “Ich zeig was ich esse”-App Foodspotting präsentiert im Umfeld eines foursquare Check-Ins bei einem Restaurant Bilder von Gerichten, die Foodspotting-Anwender dort zuvor geschossen haben – keine schlechte Art, um sich vor der Bestellung über leckere Speisen zu informieren.

Eine Übersicht aller verknüpften Anwendungen kann in der mobilen foursquare-App über “My Settings” > “Add and Manage Connected Apps” angesteuert werden. Dort wird auch ersichtlich, welche Drittanbieter-Programme bereits mit foursquare verbunden sind und dementsprechend die Check-In-Übersichtsseite mit zusätzlichen Informationen anreichern (oder kurz nach dem Check-In eine Push-Mitteilung publizieren) dürfen. Bei noch nicht autorisierten Apps führt ein Klick auf “Connect” zu ihrer Aktivierung, wobei die weiteren Schritte abhängig von der Art des Dienstes variieren. Manche werden direkt innerhalb von foursquare autorisiert, andere (wie Instagram) in der zu integrierenden App. Bei nativen Applikationen verlinkt foursquare auf die jeweilige Software im App Store beziehungsweise bei Google Play.

Anwender sowie Apps profitieren

Die gewählte Form der Ausweitung von foursquares Plattform war nicht unbedingt vorhersehbar, erscheint nachträglich allerdings äußerst logisch und konsequent. Nutzer, die sich dem Check-In-Prozedere hingeben, signalisieren dadurch ein grundlegendes Interesse, unterwegs mittels foursquare für sie maßgeschneiderte Informationen zu Orten und ihrer Umgebung zu beziehen. Niemand wird sich gestört fühlen, wenn der bisher relativ überflüssige Bestätigungsdialog nach einem erfolgreichen Check-In zusätzliche Angaben, Tipps und Multimediacontent aus vom Anwender genutzten 3rd-Party-Apps enthält. Im Gegenteil: Es animiert zu häufigeren Check-Ins, allein, um beispielsweise zu sehen, welche Path-Kontakte schon einmal am selben Platz waren oder welche Biersorte andere Gäste eines Pubs mittels Untapped empfohlen haben.

Für Online- und Mobile-Services wiederum lohnt sich die Integration mit foursquare, weil sie ihnen eine weitere Gelegenheit gibt, auf ihre Anwendung aufmerksam zu machen. Im Vergleich zu den führenden mobilen App-Läden oder zu Facebooks kürzlich eingeweihtem App Center hält sich die Distributionskraft von foursquare zwar noch in Grenzen. Gleichzeitig gehört die Gruppe von Anwendern, die tatsächlich stetig mit foursquare an Orten eincheckt, zu den besonders aktiven und damit auch neugierigen und experimentierfreudigen Netznutzern.

Der Check-In bekommt einen eigenen Sinn

Als foursquare Anfang Juni sein bisher umfangreichstes Redesign vorstellte und in diesem Zusammenhang den Fokus noch stärker als bisher auf das Entdecken guter Locations legte, sorgte dies einmal mehr für Mutmaßungen über den Quasi-Tod des Check-Ins. Der jüngste Schritt der New Yorker macht klar: Nur wenn ein hinreichend großer Teil der foursquare-Mitglieder die Check-In-Funktion verwendet, kann der Dienst Anwendern personalisierte Location-Tipps servieren. Durch die Einbeziehung von Informationen aus externen Diensten in den Check-In-Prozess versucht das Startup, den bisher wenig attraktiven Vorgang aufzuwerten und ihm einen unmittelbaren Sinn zu geben – eine Entscheidung so simpel wie genial.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Spannender Artikel! Im Zuge meiner MA-Thesis befasse ich mich mit den foursquare-Nutzungsmotiven. Daher bin ich aktuell auf Support von foursquare-Usern angewiesen – das Ausfüllen der Online-Umfrage dauert max. 12 Min! Als kleines Gimmick erhalten interessierte Teilnehmer zum Ende des Untersuchungszeitraumes Einblick in die Ergebnisse!

5 Pingbacks

  1. [...] einen Check-In, und die Zeitpunkte stimmen absichtlich komischerweise auch nicht immer. Mit der Erweiterung seiner Funktionen und der Verknüpfung mit anderen mobilen Anwendungen wie zum Beispiel Instagram wird es nun endlich richtig interessant, sich tatsäch [...]

  2. [...] in Lounges und auf Lufthansa-Flügen virtuell über Foursquare einchecken. presse.lufthansa.com, netzwertig.com [...]

  3. [...] Der Call for Papers für den Deutschen Fundraising Kongress 2013 hat begonnen, bei Foursquare ändert sich ein bisschen, ACTA ist tot #yeah und diese Menschen sind verantwortlich dafür. Selbstgespräche [...]

  4. [...] no sone Dienst, nennt sech Foursquare mit däm liebe d’ User di Ort sehr. De chöisi ändlech iichecke und um Pünktli rouffe oder e witere Badge sammle u drum vernünftig chouffe. morn chömesi nomau [...]

  5. [...] no sone Dienst, nennt sech Foursquare mit däm liebe d’ User di Ort sehr. De chöisi ändlech iichecke und um Pünktli rouffe oder e witere Badge sammle u drum vernünftig chouffe. morn chömesi nomau [...]

 
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