Changers:
Wenn Smartphone-Nutzer ihren
Strom selbst erzeugen

Changers will es Nutzern mobiler Geräte ermöglichen, den benötigten Strom über ein Solarmodul selbst herzustellen und sich dafür von Firmen belohnen zu lassen. Eine zwischenzeitliche Insolvenz konnte das Berliner Startup nicht aufhalten.

Wer permanent an seinen Gadgets klebt, ist auf eine stetige Stromversorgung angewiesen. Von Always-On-Apologeten erfordert dies eine gewisse Vorausschau, wann sie das nächste Mal eine neue Akkuladung für ihr Smartphone oder Tablet benötigen. Externe Akkus schaffen Abhilfe, müssen jedoch zuvor auch an eine Stromquelle angeschlossen werden. Und selbst wenn sich diese in den meisten Lebenslagen in der Nähe befindet, nagt vielleicht im Hinterkopf das schlechte Gewissen, für Tweets, Status-Updates und Check-Ins ständig auf Energie angewiesen zu sein. Das Berliner Startup Changers bietet mit seinem Solarmodul für mobile Geräte eine Lösung, mit der sich an allen Orten mit direktem Sonnenlicht Strom erzeugen und auf einem dazugehörigen Ladegerät speichern lässt.

Als Unternehmen an der Schnittstelle von Hardware und Software beinhaltet das Changers-Konzept zudem eine Onlinecommunity, in der Nutzer sich gegenseitig mit der Menge erzeugten Stroms übertrumpfen können. Wer mit Changers fleißig Solarstrom generiert, erhält “Changers Credits”, für die in Zukunft Belohnungen von Partnerunternehmen winken. Das Changers-Solarmodul funktioniert am besten bei direkter Sonneneinstrahlung (und bringt Saugknöpfe mit, um an Außenwänden befestigt zu werden), kann aber auch in Innenräumen in der Nähe von Fenstern positioniert werden (dann mit entsprechen geringerer Leistung).

Gegründet wurde Changers 2010, musste jedoch Ende Dezember aufgrund des Rückzugs eines Investors Insolvenz anmelden. Das Gründerteam, Markus Schulz und Daniela Schiffer, konnte dann zusammen mit einem Mitarbeiter und einem Manager aus der Photovoltaik-Branche die Rechte an der Idee aus der ursprünglichen Gesellschaft herauskaufen und Changers nochmals neu initiieren. Aus der einst 25-köpfigen Belegschaft blieb ein Team von sechs Personen übrig, das nun versucht, Changers aus eigenen Mitteln, jedoch in Erwartung einer zeitnahen Kapitalrunde auf einen stabilen Wachtumspfad zu bringen.

Die Voraussetzungen dafür sind gar nicht so schlecht: Die in Deutschland hergestellte Hardware kostet 119 Euro – ein Preis, der laut Aussage von Geschäftsführer Markus Schulz zumindest die Herstellungskosten deckt. Was dem Unternehmen bisher fehlt, sind Mittel für großangelegte Marketingkampagnen. Impulse für das Geschäft soll ein B2B-Vertrieb der Changers-Hardware geben: Firmen, die sich im Corporate-Social-Responsibility-Bereich profilieren oder ihren Angestellten eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen möchten, können Solarmodule von Changers erwerben und damit ihre Belegschaft glücklich machen. In den nächsten Wochen wollen die Berliner zu diesem neuen Fokusgebiet weitere Details verraten.

Aus rein wirtschaftlichen Aspekten lohnt sich die Anschaffung eines Changers-Solarmoduls inklusive Ladegerät bisher nicht. Die Zielgruppe bei Endanwendern sind deshalb zum einen bewusste, nachhaltig orientierte Konsumenten mit intrinsischen Motiven sowie digitalen Nomaden, die jederzeit und überall ihre mobilen Geräte mit Energie versorgen wollen können und die sich nicht daran stören, etwas mehr zu zahlen als für herkömmliche tragbare Smartphone-Akkus und ein Solarmodul mit sich herumtragen zu müssen. Wenn in einigen Wochen der Marktplatz zum Eintauschen der Credits gegen Belohnungen steht, kommt vielleicht ein weiteres Argument für Changers hinzu: Preisnachlässe und Sonderangebote von Unternehmen mit ähnlicher Zielgruppe und Ausrichtung, die Changers-Anwender für ihren erzeugten Strom belohnen.

“In 15 bis maximal 20 Jahren wird jeder seine Energie selbst erzeugen”, ist sich Co-Founder Schulz sicher. Changers soll Menschen dabei helfen, aktiv zu werden und gleichzeitig Firmen die Gelegenheit einzuräumen, diesen Personen Incentives zu geben und eine Identifikation zu schaffen. Wobei Changers natürlich auch schlicht für die Stromerzeugung verwendet werden kann, ohne Teilnahme an der Community und ohne das Sammeln von Credits. Bis zu vier Wattstunden erzeugt die etwas mehr als DIN A4 große Solarzelle pro Stunde. Für das Laden eines iPhones benötigt man ungefähr sieben bis elf Wattstunden. Der Changers-Solarcharger kann ungefähr 16 Wattstunden speichern. Im Optimalfall reichen also vier Stunden mit dem Solarmodul in praller Sonne aus, um ein Smartphone bis zu zwei Mal voll aufzuladen.

Derzeit läuft die Monetarisierung ausschließlich über den Verkauf der Hardware. Langfristig sollen auch die Credits und der Marktplatz als Erlösquelle in Betracht gezogen werden. Laut Changers-Chef Schulz will man sich jedoch Zeit nehmen, immerhin handelt es sich um ein völlig neues Konzept – zumal man eines der wenigen Startups sei, die tatsächlich sofort Umsatz durch Verkäufe generieren.

Link: Changers

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Fairer Online-Marktplatz: Fairnopoly will besser sein als Amazon und Zalando

6.3.2013, 10 KommentareFairer Online-Marktplatz:
Fairnopoly will besser sein als Amazon und Zalando

Das Berliner Startup Fairnopoly möchte mit einem fairen Online-Marktplatz und einer Genossenschaftsstruktur eine nachhaltige Alternative zu Amazon und Zalando etablieren. Über 200.000 Euro Crowdfunding zeugen von regem Interesse.

Nachhaltigkeit als Marketingargument: Wie die Netzgiganten sich  um unsere Umwelt sorgen

21.5.2012, 0 KommentareNachhaltigkeit als Marketingargument:
Wie die Netzgiganten sich um unsere Umwelt sorgen

Die führenden Internet- und IT-Konzerne Google, Apple und Microsoft versuchen, auf ihre Bestrebungen zum Schutz der Umwelt und knapper Ressourcen aufmerksam zu machen. Wie ernst man die Initiativen aber nehmen kann, ist unklar.

Nachhaltigkeit: frents positioniert sich als  \

25.2.2011, 0 KommentareNachhaltigkeit:
frents positioniert sich als "Social Library" für Sachen

Einst als Social Network für Dinge mit einem etwas unklaren Fokus gestartet, hat sich das Berliner Startup frents einer Schlankheitskur unterzogen und hebt nun deutlicher hervor, worin der Produktnutzen liegt.

Die zweite digitale Revolution: Das Smartphone ist endgültig der neue PC

29.7.2014, 21 KommentareDie zweite digitale Revolution:
Das Smartphone ist endgültig der neue PC

Eine Studie belegt: Für die Mehrzahl der Deutschen ist das Smartphone das wichtigste aller digitalen Kommunikationsgeräte. Ein Meilenstein im Computerzeitalter.

Aufmerksamkeitsökonomie: Smartphone-Nutzer verbringen mehr Zeit mit Apps - aber nicht mit mehr Apps

4.7.2014, 3 KommentareAufmerksamkeitsökonomie:
Smartphone-Nutzer verbringen mehr Zeit mit Apps - aber nicht mit mehr Apps

Eine frische Nielsen-Statistik zeigt: Smartphone-Nutzer verbringen zwar immer mehr Zeit mit Apps, erhöhen aber die Zahl der pro Monat verwendeten Applikationen kaum. Schlechte Nachrichten für Entwickler und Startups.

Krypto-Messenger: In kleinen Schritten Richtung Mainstream

3.7.2014, 1 KommentareKrypto-Messenger:
In kleinen Schritten Richtung Mainstream

Immer mehr Smartphone-Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung tauchen auf. Viele haben keine Chance. Dennoch wird ein Durchbruch einzelner Protagonisten wahrscheinlicher. Parallel fangen Investoren an, sich für das Thema zu interessieren.

4 Kommentare

  1. Hello …
    der Link ganz am Ende funktioniert nicht ;-( Da is wohl ein Punkt zuviel …
    Viele Grüße

  2. Ist übrigens gerade von Solarworld kopiert worden

  3. Geile Seite, am besten lässt sich in Europa was an die breite Masse verkaufen, wenn man die Sprachauswahl der Shopwebsite noch in Tibetisch und Swahili anbietet. ;-)

    P.S.: Oben im Text ist noch ein Link mit einem Punkt zu viel.

3 Pingbacks

  1. [...] Hintergründe zu Changers findet ihr in diesem Artikel in unserem Schwesterblog netzwertig. Twittern Flattr .flattr { margin-top:0px !important; [...]

  2. [...] Manchmal müssen derartige Anbieter leider verfrüht aufgeben, manchmal erhalten sie aber auch eine zweite Chance. Nicht nur einer Problemlösung sondern gleich einer schier unbegrenzten Zahl nimmt sich das aus [...]

  3. [...] there was a problem. The Berlin-based company quickly ran into financial difficulty – hardware is a tricky business – and went bust. Luckily two of the former founders, [...]

vgwort