Vermarktung von Websites:
Facebooks Werbenetzwerk
wird Wirklichkeit

Mit Zynga.com vermarktet Facebook erstmals eine externe Website. Es ist der Beginn eines webweiten Facebook-Werbenetzwerks nach dem Vorbild von Google AdSense.

Facebook muss sich wenig Sorgen darüber machen, dass einige seiner Nutzer seltener auf Facebook.com oder den mobilen Apps vorbeischauen. Als Plattform mit neun Millionen mit ihr verknüpften Apps und Websites rund um den Globus kommen User mittlerweile stetig mit dem Dienst in Berührung, selbst wenn sie ihn schon seit längerer Zeit nicht mehr direkt angesteuert haben. Ein Viertel der meistbesuchten 10.000 Websites weltweit verfügt über eine Facebook-Integration, und bei der Hälfte findet man mindestens ein Link zu dem Social Network. Diese tiefe Verwurzelung mit dem Netz sorgt einerseits für Besorgnis bei Open-Web-Befürwortern und führt zu einem “Single Point of Failure”, macht Facebook aber deutlich weniger anfällig für einen schlagartigen Niedergang, wie ihn MySpace erleben durfte. Solange sich Nutzer über ihre Facebook-Benutzerdaten bei externen Websites einloggen, kann das Unternehmen weiterhin fleißig seine Daten sammeln und diese für eine zielgerichtete Vermarktung einsetzen.

Wer jetzt genau aufgepasst hat, wird merken, dass noch eine wichtige Zutat fehlt, damit diese Rechnung aufgeht: externe Werbeflächen. Denn wenn weniger Menschen Facebooks eigene Sites und Apps besuchen, kommen weniger Personen mit den dort geschalteten Anzeigen in Kontakt, wodurch die bisher mit Abstand größte Erlösquelle (rund 85 Prozent des Umsatzes) in Mitleidenschaft gezogen wird. Dass es wirklich soweit kommt, ist nicht garantiert. Doch will das jetzt börsennotierte Unternehmen nicht in einer akuten Notlage landen, muss es jetzt die notwendigen Vorkehrungen treffen, um seine wirtschaftliche Abhängigkeit von Facebook als Destination zu verringern.

Ein Werbenetzwerk im Stile von Googles AdSense-Angebot für die neun Millionen Websites und Applikationen, die Facebooks Social Plugins verwenden, ist hierfür die ideale Lösung. Schon seit einiger Zeit wird über die Lancierung eines derartigen Produkts spekuliert. Mit der am Freitag bekannt gewordenen Vermarktung von Zynga.com macht der Konzern einen ersten entscheidenden Schritt in diese Richtung. Zynga, der führende Social-Game-Anbieter auf der Facebook Plattform, kooperiert schon länger eng mit dem sozialen Netzwerk. Auf Zynga.com bietet das kalifornische Unternehmen seine Spiele unter einem Dach an. Seit kurzem tauchen neben den Games nicht mehr nur Google-Anzeigen auf, sondern auch solche, die von Facebook bereitgestellt werden. Zur Zielgruppe von Zynga-Spielen passende Anzeigen, die Werbekunden bei Facebook buchen, erscheinen somit nicht nur innerhalb von Facebook, sondern auch im Umfeld von Zynga.com – wo sich Nutzer zuvor über ihre Facebook-Zugangsdaten authentifiziert haben.

Gegenüber InsideFacebook weist Facebook daraufhin, dass es sich bei Zynga.com zum jetzigen Zeitpunkt um das einzige externe Webangebot handelt, das von dem sozialen Netzwerk vermarktet wird. Dennoch ist der Schritt richtungsweisend: Denn das Unternehmen zeigt damit seine grundsätzliche Bereitschaft und Intention, eng mit der Plattform verbundene Partnerangebote in die Werbevermarktung mit einzubeziehen. Die Kooperation mit Zynga wird Facebook dabei helfen, die Rahmenbedingungen für ein externes Werbenetzwerk zu optimieren und herauszufinden, unter welchen Voraussetzungen es für einen Drittanbieter attraktiv ist, Facebook Ads bei sich einzubinden.

Für die Wahl der Anzeigen, die Google über sein Werbenetzwerk AdSense auf externen Websites platziert, analysiert der Webriese den Inhalt einer Site und nutzt das aus Browser-Cookies gewonnene Wissen über die Präferenzen und Interessen der Anwender. Laut Unternehmensangaben werden keine personenbezogenen Daten beispielsweise von bei Google eingeloggten Nutzern für das Targeting herangezogen. Facebook würde mit Sicherheit einen Schritt weitergehen wollen und – ähnlich wie beim Besuch von Facebook.com – auch auf externen Websites (wie Zynga) solche Anzeigen präsentieren, die den Profilangaben und Likes des jeweiligen Anwenders entsprechen. Datenschutzverfechtern dreht sich bei diesem Gedanken wahrscheinlich der Magen um, aber für Betreiber von Websites ergäbe sich die Gelegenheit deutlich genauer auf die Interessen der Besucher ausgerichteter Anzeigen und dadurch gesteigerter Umsätze. Facebook würde sich als Vermittler der Anzeigen jeweils eine kleinen Anteil abzwacken und auf diese Weise sukzessive unabhängig von den Umsätzen werden, die es auf facebook.com erzielt.

Bis dahin ist es noch ein langer, beschwerlicher weg. Websites müssen davon überzeugt werden, dass sich für sie die Integration von Facebook Ads lohnt. Werbekunden müssen fleißig Anzeigen buchen, damit Facebook auch extern vermarktete Werbeflächen befüllen kann. Und nicht zuletzt muss sich das soziale Netzwerk mit der Frage auseinandersetzen, wie sich ein webweites, personalisiertes Werbenetzwerk realisieren lässt, ohne dass wütende Datenschützer die Facebook-Büros besetzen. Doch wohin die Reise für Facebook gehen wird, ist eindeutig: mehr Umsatzgenerierung über Drittwebsites und damit die Chance, einem nicht unmöglichen Besucherrückgang auf Facebook.com sowie bei den mobilen Apps gelassener entgegenblicken zu können.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Studie: Jugendliche wechseln von Facebook zu Facebook

10.10.2014, 19 KommentareStudie:
Jugendliche wechseln von Facebook zu Facebook

Abermals zeigt eine Studie, dass Jugendliche in den USA die Lust an Facebook verlieren. Doch anders als von vielen Medien suggeriert, stellt dies für das Unternehmen kein Problem dar. Denn die User bleiben ihm treu. Dank der Akquisitionen von Instagram und WhatsApp.

Linkwertig: Facebook, Uber, Startups, Vergessen

30.9.2014, 1 KommentareLinkwertig:
Facebook, Uber, Startups, Vergessen

Apple nimmt die Berichte über die sich verbiegenden iPhones locker und mehr.

 Belohnungskarusell: Wie Facebook Millionen zur Prokrastination verleitet

21.8.2014, 4 Kommentare Belohnungskarusell:
Wie Facebook Millionen zur Prokrastination verleitet

Prokrastination steht für viele gleichbedeutend mit "Facebook". Wir werfen einen Blick auf den Zusammenhang zwischen der Kommunikation in sozialen Netzwerken sowie typischem Aufschiebeverhalten - im zweiten Teil unserer Serie zum Thema Prokrastination.

Interaktive Fotos: roombeats füllt Bilder mit Produktinformationen und Links

4.9.2012, 3 KommentareInteraktive Fotos:
roombeats füllt Bilder mit Produktinformationen und Links

Das Berliner Startup roombeats erlaubt Betreibern von Websites und Blogs, Bilder mit Produktinformationen und Links auszurüsten, um so eine neue Form der Monetarisierung zu etablieren.

Dringend gesucht: Alternativen zur Werbefinanzierung

7.10.2014, 4 KommentareDringend gesucht:
Alternativen zur Werbefinanzierung

Mit kostenlos angebotenen Diensten und Informationen kann man zwar schnell viel Reichweite erzielen. Doch zunehmend dämmert Nutzern und Lesern, welche Nachteile das mit sich bringt. Es wird Zeit, dass es mehr Experimente mit Alternativen gibt.

Linkwertig: Europa, Tipps, Werbung, Peak Drive

6.8.2014, 1 KommentareLinkwertig:
Europa, Tipps, Werbung, Peak Drive

Mit Peak Drive tüftelt ein Heidelberger Startup an einer sicheren Alternative zu Dropbox und mehr.

\

23.7.2014, 3 Kommentare"Blue Button":
Schweizer Werbe- und Startup-Allianz will TV-Spots aus der Steinzeit holen

Millionen Menschen schauen Fernsehprogramme mittlerweile über das Internet. Doch in den Werbeblöcken wird das sich daraus ergebende Potenzial bislang komplett vernachlässigt. In der Schweiz soll sich das jetzt ändern: Ein Technologie-Startup, der führende Werbevermarkter sowie drei Streaming-Services machen dazu gemeinsame Sache.

Linkwertig: Netvibes, Facebook, Nerdjournalismus, Zynga

17.9.2013, 0 KommentareLinkwertig:
Netvibes, Facebook, Nerdjournalismus, Zynga

Facebook hat erstmals offizielle Nutzerzahlen für Deutschland genannt und mehr.

Linkwertig: Rivva, Amazon, EFF, Zynga

7.8.2013, 0 KommentareLinkwertig:
Rivva, Amazon, EFF, Zynga

Rivva nutzt die erzwungene Schnipsellosigkeit für ein neues Design und mehr.

Linkwertig: Zynga, Google, MOOC, Sharing

3.7.2013, 0 KommentareLinkwertig:
Zynga, Google, MOOC, Sharing

Zynga bekommt einen neuen CEO und mehr.

Ein Pingback

  1. [...] über die Social Plugins mit dem sozialen Netzwerk verbundenen Angeboten zu verwenden. Im Juni vollzog das Unternehmen einen ersten Schritt in diese Richtung: Seitdem erscheinen von Kunden über Facebook gebuchte Anzeigen auf dem Spieleportal zynga.com. [...]

vgwort