aSpot:
Networking auf Basis freier Büroarbeitsplätze

Das Berliner Startup aSpot entwickelt einen Dienst, bei dem Menschen spontan und kostenfrei Büroarbeitsplätze in ihrer Umgebung  finden können. Die Chance auf Networking sowie verifizierte Mitglieder sollen Firmen und Personen dazu bewegen, einen Schreibtisch mit Internetzugang zu inserieren.

Gerade in der Medien-, Internet- und Marketingbranche gehören regelmäßige Geschäftsreisen zum Alltag. Ob zu Besprechungen, Konferenzen oder Präsentationen – täglich halten sich Menschen weltweit aus beruflichen Gründen in anderen Städten auf. Nicht selten suchen sie nach kurzfristigen Orten, um die freie Zeit zwischen Terminen produktiv zu nutzen – und enden dann oft in Cafés mit mehr oder weniger zuverlässigen WLAN-Verbindungen und einer variierenden Arbeitsumgebung. Das Berliner Startup aSpot versucht nun, eine neue Alternative für Menschen zu schaffen, die unterwegs spontan einige Stunden einen Arbeitsplatz in einem Büro benötigen. aSpot ist damit eine Art “Airbnb für Büroarbeitsplätze”, allerdings mit einem größeren Unterschied.

Über eine Smartphone-Applikation (zu Beginn nur für iPhone) können sich mobile Menschen – im aSpot-Slang “Office Surfer” genannt – Arbeitsplätze in der unmittelbaren Umgebung anzeigen lassen, die von aSpot-Hosts eingetragen wurden, und diese buchen. Zum Start fokussiert sich das von Robert König und Manuel Fittko aus eigenen Mitteln gegründete Unternehmen auf Berlin, allerdings ist eine schnelle internationale Expansion vorgesehen. Jeder bei aSpot eingetragene Arbeitsplatz muss mindestens aus einem Stuhl, einem Schreibtisch sowie Internetzugang bestehen, und kann sowohl von Firmen als auch Privatpersonen angeboten werden.

Im Gegensatz zu Airbnb, wo Vermieter von Mietern bezahlt werden, sind Officeplätze bei aSpot kostenfrei verfügbar. Während allein das aus Nachfragersicht ein schlagfertiges Argument darstellt, soll der Wert von aSpot für Büros darin liegen, einzelne ungenutzte Tische zeitlich begrenzt zur Gratis-Nutzung bereitzustellen und im Gegenzug interessante Menschen, potenzielle künftige Mitarbeiter oder Kooperationspartner zu finden. “Jeder, der weiß, wie sinnvoll und bereichernd es ist, neue Leute kennen zu lernen, wird die ‘Geben und Nehmen’-Philosophie verstehen”, so Mitgründer Robert König. Die Berliner betonen durch ihren Ansatz den Community-Charakter noch stärker als Airbnb. Insofern wäre ein Vergleich mit der Bettencommunity CouchSurfing eigentlich angemessener, nur hat deren Name medial keine ganz so große Zugkraft wie Airbnb.

Nun haben viele Firmen und Privatpersonen kein Interesse, jeder x-beliebigen Person Unterschlupf zu gewähren, die dann womöglich mit lauter Musik stört oder sich widerrechtlich Zugang zu sensiblen Informationen verschafft. Um unangenehme Vorkommnisse dieser Art zu verhindern, ist eine Anmeldung über das persönliche Facebook-Konto erforderlich. Außerdem müssen neue aSpot-Mitglieder von einem Bürgen – einem anderen Nutzer der Community – empfohlen worden sein, um über den Service angebotene Büroplätze in Anspruch nehmen zu können.

aSpot ist bei Weitem nicht der erste Dienst, der nicht benötigte Arbeitsflächen für Reisende, Freelancer und digitale Nomaden nutzbar machen möchte. Viele Anbieter in dem Segment setzen jedoch auf eine kostenpflichtige Verwendung freier Büroplätze, wogegen aSpot für Vermieter Networking als primären Vorteil des Systems anpreist. Sofern Vermieter durch den Ansatz einer geschlossen, auf gegenseitigen Empfehlungen basierenden Community interessante Kontakte knüpfen und von ihnen mittelfristig für eigene Zwecke profitieren können (zum Beispiel indem sie einen Top-Entwickler rekrutieren, den sie über aSpot kennengelernt haben), könnte das Prinzip besonders in Know-how-lastigen Branchen mehr Anhänger finden als eine kostenpflichtige Vermietung von Tischen.

Langfristig wollen die Hauptstädter aber auch Platzmieten ermöglichen, die über einige Stunden hinausgehen. Nach dem jetzigen Modell können sich Mieter und Vermieter natürlich auch schon auf eine längere Zusammenarbeit einigen – allerdings ohne dass dies von aSpot monetarisiert werden kann. Künftig soll mit der Vermittlung längerer Mieten Geld verdient werden, ebenso wie mit anderen Zusatzdienstleistungen.

Gestern hat aSpot den Startschuss für die geschlossene Beta-Phase gegeben. 100 Konten werden freigeschaltet und erhalten Zugriff auf die noch nicht im App Store erhältliche iPhone-App. Wer Interesse hat und häufiger einen Büroplatz in Berlin sucht, registriert sich als Nutzer oder Host auf aspot.at mit dem persönlichen Facebook-Konto, klickt anschließend auf “Closed Beta” und meldet sich dort über Testflight an.

Link: aSpot

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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4 Kommentare

  1. Ist ehrlich gesagt die Frage, ob das nicht noch ein Start-Up ist, den die Welt nicht braucht. Das Beispiel von dir nochmal aufgreifend: die Geschäftskunden, die heute viel auf Reisen sind, verfügen i.d.R. alle über mobilen Internetzugang via SmartPhone/Tablet/Notebook+Surfstick. Es geht also eigentlich nur um den physischen Platz. Aber was ist praktischer: kurz in den Cafe um die Ecke (in Großstädten normal kein Problem) oder sich zu diesem Dienst anmelden und das Büro für die bestimmte Zeit X, die wegen Stau etc. vielleicht nur schwer absehbar ist, zu buchen?

    Meiner Meinung nach ist da kein Markt vorhanden und die Zukunft schaut alles andere als rosig aus – selbst mit der rosaroten-hauptsache-noch-ein-online-service-brille!

  2. Die Idee ist natürlich interessant. Ich frage mich aber, wie das im Verhältnis zu Coworking steht? Die Coworking Szene ist ja schon recht gross und da gibt es auch schon jede Menge Marktplätze und Plattformen. Ist das hier also ein Gegenentwurf, oder nur eine noch eine weitere Alternative?

    • Es geht halt eher darum, spontan einen Schreibtisch zu finden, selbst wenn man keine Kontakte zu Coworking-Spaces hat. Und diese vermieten i.d.R. nicht stundenweise und kurzfristig.

  3. Sorry für den späte Antwort, aber ich war die letzten Tage auf Office Tour…

    @ Michael: …und diese hat sich gelohnt! Deine Annahme ist schlichtweg falsch, weil sie zu eindimensional ist.
    Es geht eben nicht nur um den physischen Platz! Der Mehrwert, der nicht für jedermannn auf den ersten Blick sichtbar sein mag, aber defintiv greifbar ist, ist das Networking. Sprich das Kennenlernen von neuen interessanten Persönlichkeiten.
    Ich konnte beispielsweise 6Wunderkinder, Amen, EyeEm und Schröder&Schrömbs PR für meine Idee begeistern.
    Davon abgesehen ist ein Schreibtisch in einem Büro, dass komplett ausgestattet ist wohl kein Vergleich zu einem kleinem Tisch in einem lauten Cafe – allein schon wegen der Arbeitsatmosphäre.

    @ Frank: Du hast genau die richtige Frage gestellt, denn für Co-working gibt es nun wirklich schon genügend Plattformen, von denen sich keine wirklich etabliert hat – geschweige denn rentabel ist.
    Ich mache ganz klar einen Gegenentwurf. Jeder kann sozusagen ein Co-working Space werden. Zudem ist mein Mehrwert der initiale Kontakt – etwas was meine Konkurrenz tunlichst vermeiden möchte, um Ihr Geschäftsmodell, dass ohnehin nur beschränkt skalierbar ist, zu “bewahren”. Denn Co-working Spaces benötigen die Vermittlerplattformen ganz genau ein einziges Mal pro Kunde – dann machen die beiden ohnehin alles unter sich aus.
    Der Erfolg liegt daher klar beim Community-Charakter und der Vertrauensbildung!
    Nur wer diese beiden Hürdenn nimmt, darf sich vom durchaus stattlichen Kuchen der flexiblen Bürountervermietung, Zwischennutzung oder Desksharing einen saftiges Stück abschneiden. Denn die Musik liegt natürlich im mittel- und langfristigen Bereich und einem comission-based business model.

    Cheers
    Rob

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