Ratschläge für Startups und PR-Experten:
7 Unsitten in der Pressearbeit
von Internetfirmen

Tag für Tag erhalten wir Dutzende Pressemitteilungen und Mails mit Neuigkeiten von jungen und etablierten Webfirmen. Manchmal machen sie unsere und ihre Arbeit unnötig schwer.

Vor einer Woche illustrierten wir am praktischen Beispiel, wie für uns die perfekte Kontaktaufnahme von Startups aussieht, die auf netzwertig.com vorgestellt werden möchten. Angesichts der zahlreichen Pressemitteilungen und Anfragen, die wir Tag für Tag erhalten, bekommen wir natürlich nicht nur Lichtblicke wie den erwähnten zu sehen, sondern werden regelmäßig mit PR-Unsitten konfrontiert, die uns die Arbeit erschweren und den Verantwortlichen nichts anderes bringen als eine verschlechterte Ausgangsposition in ihrem Bestreben, ihre Botschaft im Rahmen eines redaktionellen Artikels bei uns wiederzufinden.

Unsere Liste mit 11 Tipps, um bei Tech-Blogs zu punkten, ist bereits fast zwei Jahre alt, hat aber nach wie vor Gültigkeit. Heute möchten wir sie um einige Ratschläge ergänzen, auf welche Weise man uns NICHT kontaktieren sollte, möchte man die Chancen auf eine Berichterstattung erhöhen. Ob die folgenden Empfehlungen auch für andere Fachmedien gelten, können wir nicht garantieren. Sie aber vielleicht einmal zu reflektieren und im Hinterkopf zu behalten, kann sicher nicht schaden

1. Erforderlichkeit einer Reise, um einen Onlinedienst präsentiert zu bekommen
Das schöne bei Online- oder Mobile-Diensten ist es, dass wir uns diese anschauen und sie ausprobieren können, ohne extra vor Ort präsent sein zu müssen. In der Regel ist auch keine Video- oder Skype-Präsentation erforderlich. Wer sich bei uns meldet und uns fragt, ob wir an Ort XYZ irgendwo in Deutschland (oder anderswo) fahren möchten, um uns einmal eine Demo anzuschauen, um dann einen Exklusivbericht zu bekommen, der wird darauf immer eine Absage erhalten. Sicherlich gibt es Situationen, in denen wir ein Startup oder einen Internetdienst besuchen. Aber eine Voraussetzung, um Informationen für einen Artikel zu erhalten, sollte dies nicht sein.

2. “Exklusivbericht”, der keiner ist
Wenn bereits ein deutschsprachiges Medium einen neuen Webservice ausführlich vorgestellt hat, wirkt es nicht sonderlich feinfühlig, wenn uns die Macher anbieten, die zweite Site sein zu dürfen, die entsprechende Informationen erhält. Erst recht nicht, wenn uns dies als etwas Exklusives verkauft werden soll. Wir haben kein Problem damit, wenn einmal ein anderes Medium eine Story zuerst bringen darf. In einem solchen Fall sollten die Gründer jedoch einsehen, dass die Katze nach dem ersten Artikel aus dem Sack und ein weiteres Begrenzen der Informationen kontraproduktiv ist.

3. Sperrfristen ohne vorherige Zustimmung
Ab und an erhalten wir Neuigkeiten per Mail, die am Beginn auf eine Sperrfrist verweisen, die einige Stunden oder Tage in der Zukunft liegt. Ein derartiges Embargo ignorieren wir, sofern uns die Meldung berichtenswert erscheint. Wer eine heiße Story oder Meldung für uns hat, die zu einem vorab definierten Zeitpunkt koordiniert bekannt gemacht werden soll, fragt uns vor der Übermittlung der Details, ob wir uns dafür an die jeweilige Sperrfrist halten. Stimmen wir dieser zu, halten wir uns grundsätzlich an sie. Hierbei sei jedoch angemerkt, dass wir darum bitten, Sperrfristen nur da einzufordern, wo sie wirklich sinnvoll sind (zum Beispiel nicht zu neuen Funktionen oder Diensten, die bereits für jeden im Netz zugänglich sind).

4. Anteasern einer Pressemeldung
Grundsätzlich sind wir an jeder Pressemeldung interessiert, bei der Absender der Meinung sind, diese sei für uns von Relevanz. Gelegentlich schicken uns Pressekontakte von Firmen eine kurze Mail mit einige Stichworten und bitten uns um eine Rückmeldung, sofern wir Interesse an der vollständigen Information haben. Wir würden uns freuen, wenn wir uns diesen überflüssigen Zwischenschritt künftig sparen und gleich in der ersten Mail sämtliche Details erhalten könnten (es sei denn, es geht um die Absprache einer Sperrfrist).

5. Nachfragen, ob eine Pressemitteilung interessant war
Jede Art von Handlungsaufforderung im Zusammenhang mit einer uns unaufgefordert zugeschickten Pressemitteilung kostet Zeit und erschwert uns die Arbeit. Die ausdrückliche Bitte, dass wir uns melden, sofern eine spezielle Neuigkeit für uns von Interesse war, ist daher überflüssig – weil wir ihr nicht Folge leisten können. Pressemitteilungen müssen für sich alleine stehen können und nicht eine Interaktion mit dem Absender voraussetzen.

6. Nachfrage, ob eine Meldung veröffentlicht wird
Ebenfalls findet sich am Ende mancher Pressemitteilungen die Bitte, man solle sich melden, sofern man das jeweilige Thema redaktionell aufgreift. Auch diesen Wunsch können wir in der Regel nicht erfüllen, weil wir häufig sehr spontan und kurzfristig entscheiden. Wer Pressearbeit für Startups oder Webfirmen macht, sollte die entsprechenden Monitoringverfahren und -werkzeuge kennen, mit denen sich das Medienecho überblicken lässt.

7. Wunsch, eine Pressemitteilung bei uns veröffentlichen zu können
Vielleicht ist es nur eine unglückliche Formulierung, aber jedes Mal, wenn wir per Mail gefragt werden, ob wir die angehängte Pressemitteilung bei netzwertig.com publizieren können, sinken die Chancen einer Berichterstattung ins bodenlose. Glücklicherweise sind es aber ohnehin meist Absender von für uns nicht relevanten Informationen, die ein journalistisch orientiertes Fachblog mit einem Presseportal zu verwechseln scheinen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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9 Kommentare

  1. Ich behaupte mal, wer diese grundlegenden Regeln nicht beherrscht, ist auch kein “PR-Experte”. Das sind eher Tipps für “PR-Neulinge”. Für meine Arbeit ist das selbstverständlich. Bei den Sperrfristen sehe ich das jedoch differenzierter. Da benötige ich keine vorherige Zustimmung vom Redakteur. Es ist einfach “gute Sitte”, so etwas nicht vorher zu veröffentlichen. Jedoch kommen Sperrfristen selten vor und wenn, dann geht das nur an Adressaten, zu denen eh bereits ein vertrauensvolles Verhältnis besteht und nicht im Rundumschlag an alle im Verteiler.

  2. Schön arrogant geschrieben. Vielleicht sollte man dies auch mal überdenken, dass netzwertig auf Pressemitteilungen angewiesen ist. Alles ein Geben und Nehmen.

    • Getroffene Hunde bellen?

    • Ich denke eher, der Gastkommentator spielte darauf an, dass diese Tipps eben eine Selbstverständlichkeit sind und einem echten PR-Experten wohl auch nicht einfallen würden.

      Da ich lange Zeit auch in Redaktionen gearbeitet habe und auch sonst bei meiner Arbeit dieses Verhalten immer wieder sehe, kann ich den Beitrag aber sehr gut nachvollziehen.

      Aber: Sowas kommt nicht von PR-Experten. Leider sparen sich viele Unternehmen richtige PR-Profis oder der Chef ist der Ansicht, er könne das auch selbst. “Ein bisschen was runterschreiben und dann sollen die Journalisten mal schön was schreiben”. So geht das natürlich nicht. Oder es werden schlichtweg “Nullnews” verbreitet.

      Der Beitrag klingt durch die Headline leider so, als ob ich einen Artikel an gestandene Grafikdesigner richte und dann in sieben Punkten die Basics der Farblehre aufführe.

    • ok hoffen wir das es wirklich keine Experten sind, von denen wir entsprechende Mails bekommen.

  3. Das passiert halt, wenn jeder glaubt er könne mal eben PR. Genauso wie manche glauben, sie können mal eben “Journalist”. Gibt da ja auch so ein paar Spezis, die ihren Presseausweis eigentlich nur haben, um Rabatte einzufahren und immer als erstes damit rumwedeln, wenn sie glauben, eine Sonderbehandlung zu verdienen. Die hab’ ich am liebsten… ;)
    (Als Antwort auf obigen Thread, sorry falsch geklickt)

  4. Danke für diesen Artikel, auch wenn eine etwas verspätete Antwort auf diesen. Der passt jedoch, genau jetzt in diesem Augenblick bei mir wirklich wie eine Faust aufs Auge.

    Auf alle Fälle schön zu sehen, das andere bereits die gleichen Erfahrungen gesammelt haben, so wie @Dennis es bereits mit “PR-Profis” oder “PR-Profi-Chefs” erwähnte.

    Das Problem ist nur dabei, das die die es richtig machen – diesen Artikel sich durchlesen und einfach nicken werden. An die dieser Artikel gewidmet wird, werden diesen entweder überhaupt nicht lesen oder nur kurz überfliegen und eventuell so einen geistreichen Kommentar hinterlassen wie der @Gast.

    Doch wie könnte das “Problem” gelöst werden?

  5. Das Problem wird sich nicht lösen lassen, da es sich – wie Dennis ausgeführt hat – dabei nicht um Profis handelt. Semiprofessionelle E-Commercer lesen in der Regel ohnehin keine Hinweise, sondern halten einfach geradewegs drauf. Die müßige Aufgabe der Auslese liegt dann leider beim Blogbetreiber.

  6. Ich weiss gar nicht was ich dazu sagen soll. Das Thema ist schon so lästig geworden. Ich habe gehofft es würde sich diesbezüglich etwas ändern, doch leider ist bis heute keine Veränderung in Sicht. Die Sogenannten Kunden bestehen ja darauf dass alles heute, hier und am besten sofort erledigt werden sollte. Und kommt das große Aber…das geht leider nicht.

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