Startups:
So wird Deutschland
zum globalen Internet-Mekka

Um Deutschlands Startup- und Internetbranche international an die Spitze zu führen, müsste sich viel ändern. Wir stellen den Anpassungsbedarf in einer kompakten Liste dar.

90 Minuten lang tauschten sich am Montag Bundeskanzlerin Merkel und acht jüngere Entrepreneure der deutschen Internetwirtschaft in einem vertraulichen Treffen über Schwierigkeiten und Chancen des hiesigen Digital- und Technologiesektors aus. Während ein Teil der Probleme in den Köpfen der Deutschen zu stecken scheint, besteht offensichtlich an allerlei Fronten akuter Handlungsbedarf, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Startups und Webfirmen zu erhöhen. Auf die Frage von Lars Hinrichs, welche Maßnahmen ergriffen werden müssten, gingen über 100 Kommentare ein.

In folgender stichtpunktartiger Liste versuche ich, sämtliche Vorschläge in kompakter Form wiederzugeben. Während manche Aspekte selbst branchenfremden Personen einleuchten und einen unmittelbaren, gesamtgesellschaftlichen Nutzen nach sich ziehen würden, sind andere deutlich polarisierender und explizit auf die Interessen des Internetsektors ausgerichtet. Auch besteht zwischen einigen der Maßnahmen ein unmittelbarer Zusammenhang, und manche betreffen die EU, nicht nur Deutschland. Eine Priorisierung habe ich mir erspart, da diese zu subjektiv wäre (wobei ich persönlich glaube, die gesellschaftlichen Veränderungen sind die wichtigsten – und die schwierigsten). Zögert nicht mit Kommentaren zu weiteren Initiativen oder Vorschlägen zur Priorisierung.

Bildung und Gesellschaft

  • Veränderung der gesellschaftlichen Sichtweise auf Unternehmertum und neue (digitale) Technologien
  • Modernisierte Sicht auf Bildung und Fokus auf Ausprägung für die Zukunft essentieller Fähigkeiten (mehr Informatik- und Wirtschaftskompetenz)
  • Frühzeitige Förderung der Risikobereitschaft und des unternehmerischen Gedankens, sowohl pädagogisch (bereits in frühem Kindesalter), aber auch durch Anpassung der Sozialsysteme
  • Veränderte Sichtweise auf Erfolg/Misserfolg (Hervorhebung des gewonnenen Know-hows und der Erfahrung)
  • Abkehr von Aversionen gegen die englische Sprache und Abschaffung der Synchronisierung von Filmen und Serien in anderen Sprachen
  • Hervorhebung von Chancen statt Risiken bei neuen Errungenschaften
  • Schaffung von gesellschaftlichen Vorbildern aus dem Unternehmersegment (Wo ist Deutschlands Steve Jobs oder Bill Gates?) und einer positiveren Sichtweise auf Unternehmertum (Alternativbezeichnung: Demontage der Neidkultur)
  • Akzeptanz von Startups als wichtiger Teil des Wirtschaftssystems

Politik & Recht

  • Entspanntere, weniger kontrollierende und regulierende Haltung des Gesetzgebers in Bezug auf neue Technologien
  • Minimierung der Bürokratie
  • Streben nach globalen Lösungen statt nach “Insel”-Ansätzen, die nur für Deutschland gelten sollen
  • Vorbildrolle der Politik in Form von Open-Data-Fokus
  • Verringerung staatlich vorangetriebener IT-Prestigeprojekte
  • Verstärkte Wirtschaftsförderung junger Unternehmen statt großer, etablierter Konzerne
  • Schaffung eines juristisch verträglicheren Klimas für Innovation und Startups (Stichwort Abmahnungen, Urheberrecht, Patentrecht, Cookie-Richtlinie usw)
  • Vereinfachung des Steuersystems, steuerliche und rechtliche Verbesserungen für Entrepreneure und Investoren
  • Harmonisierung der die Startup-Gründung tangierenden Gesetze innerhalb Europas
  • Vereinfachte Anstellung ausländischer Arbeitskräfte
  • Arbeitsrechtliche Anpassungen, die Anstellungen und Entlassungen erleichtern

Infrastruktur & Sonstiges

  • Kostenfreies, offenes WLAN überall, maximalmögliche Breitbandabdeckung
  • Verbesserte Verfügbarkeit von Venture Capital
  • Optimierte, gestärkte Lobbyarbeit der Branche, um auf Politik einzuwirken

(Foto: stock.xchng/arkitekt)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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24 Kommentare

  1. Gibt es auch tatsächliche Handlungen danach oder war das mehr so ein Plausch, weil die nicht wissen wo das Problem liegt?

    • Es war ja ein vertrauliches Gespräch, die Details sind also nicht bekannt. Aber bei “nur 90 Minuten und 8 Unternehmern halte ich es für unwahrscheinlich, dass konkrete Action Points zur Verbesserung der Lage herausgekommen sind. Nicht unwahrscheinlich wäre aber, dass man sich auf weitere Treffen, ggf. mit mehr Beteiligten Personen, geeinigt hat, um mittelfristig das Thema zu forcieren.

  2. Ich würde die Philosophie keineswegs als Beispiel für nicht zukunftsorientierte Fähigkeiten hernehmen. Gerade Philosophie kann ja dazu beitragen, dass man tolerant und aufgeschlossen gegenüber neuen und alternativen Sichtweisen/Wegen wird und keine konventionellen Scheuklappen trägt, was wiederum die Grundlage für Innovation und Veränderung darstellt.

  3. Konnte fast zu allem ja sagen, frage mich aber auch: Ist es wirklich noch so schlimm? Dieses Jahr auf der NEXT in Berlin hatte ich fast schon das Gefühl, Telekom und Co. betteln geradezu nach neuen Ideen und nehmen jeden mit Kusshand, der eine hat. Wir haben die florierende Berliner Hipster- Startup-Szene. Will sagen: Wir sind 2012 schon um Lichtjahre weiter als 2010. Und dazu hat dieser Diskurs beigetragen, den wir seit Jahren pflegen. Die Dinge ändern sich dank dem, langsam und beständig.

    Ich würde mich sehr über ein internationaleres Denken, weniger Zukunftsangst und mehr Mut in Deutschland freuen, hab allerdings auch hier das Gefühl, dass sich das im Vergleich zu 2002 etwa schon erheblich verbessert hat. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Wie viele Startups, um Himmels Willen, brauchen wir? Sollen wir wirklich ALLE zu Gründern werden, oder finden die, die es wirklich wollen und dazu eine gute Idee haben, nicht so oder so einen Weg? Dass man es denen dann so einfach wie möglich macht, klar, sollte gegeben sein.

    Widerspruch: “Informatik und Wirtschaft statt Philosophie und Latein”

    Nein, bitte nicht noch mehr Wirtschaftlichkeit des Bildungssystems! Der Markt ist heute überschwemmt von mehr oder weniger frühreifen 21-Jährigen ohne Lebenserfahrung, die schon ein Studium in der Tasche haben, aber weder von möglichen Investoren, noch von Unternehmen ernst genommen werden. Bitte studiert weiterhin nach Neigung und nicht allein nach dem, was der Markt verlangt!

    • Sicher hat sich viel verbessert. Aber fertig ist die Reise noch nicht. Und die Berliner-Szene ist auch noch völlig unreif, da fehlt noch viel Substanz.

      Ich meine nicht Wirtschaftlichkeit des Bildungssystems, sondern Vermittlung von Wirtschaft als Grundkompetenz für alle Menschen. Meines Erachtens nach führt kein Weg daran vorbei. Auch für Leute, die nie direkt mit Unternehmertum in Verbindung kommen. Aber ist die Grundlage für vieles.

    • Ich stimme dir zu. Es hat sich vieles getan – allerdings nicht in der breiten Masse, und nicht in den relevanten Systemen (Bildung,…). Denn nach wie vor spielen z.B. in vielen BWL Studiengänge nur Modelle für große Firmen (BMW, Siemens,…) eine Rolle. Alles was außerhalb des traditionellen Wirtschaftsverständnisses liegt taucht so gut wie nie auf. Und Berlin kann man nicht mit dem Rest von Deutschland gleich setzen.

      Die Frage für mich: man wird nie alle Menschen auf diesen Kurs bringen, aber ich denke es ist auch garnicht nötig. Am Ende reichen vielleicht ein paar Leuchttürme wie z.B. Berlin oder Tallinn um eine entsprechend große Sogwirkung zu erzeugen…

    • Ja, okay. Wirtschaft als Grundfach sollte es geben. Gab es bei mir früher in der Schule nicht und hat mir in vielen Lebensbereichen gefehlt. Könnte mir aber vorstellen, dass sich das geändert hat. Hat da jemand aktuelle Informationen?

    • Also zu meiner Schulzeit (noch im alten Jahrtausend) hatten wir Wirtschaft und Recht Unterricht.

      Da hatten wir viele Dinge aus dem BGB aber auch alle Unternehmensformen die es so gibt. Was die verschiedenen Dinge an der Börse so bedeuten ..

  4. “Neidkultur” ist ein Unwort, dass ich bisher meist von Leuten gehört habe, auf die ich nicht neidisch bin, die ich aber für A….löcher halte… Meist, um konstruktive, berechtigte Kritik von vornherein abzuwehren.
    Echte Unternehmer, noch dazu innovative, werden gesellschaftlich schon anerkannt – aber die Verdienste und öffentliche Beweihräucherung von reinen Managern müsste man mal deutlich zurückfahren.
    Ein Unternehmer dagegen, der mit seiner persönlichen Integrität und seinem Privatvermögen (fast) unauflösbar mit dem Erfolg und den Praktiken seines Unternehmens verbunden ist, verdient höchste Anerkennung und gerne auch ganz viel Geld.
    Und Leute, die mal eben aus dem Nichts eine Firma aufbauen, brauchen glaube ich Neid am wenigsten zu fürchten.
    (leicht off-topic, aber der Begriff geht mir einfach sowas von auf die Nerven…)

  5. Als ersten Kritikpunkt möchte ich anführen das es schon hinreich wäre wenn die sogenannten Internetvorreiter nicht immer nur Jammern würden und fordern das es ihnen noch nicht bequem genug ist. Es gibt sicher noch einiges zu verbessern aber so schwarz wie du es hier im Betrag malst ist es nicht ansatzweise.

    Zum Beispiel sind regulatorische und standardisierende Dinge nicht zwingend schlecht. Das Internet konnte sich nur deswegen so schnell verbreiten weil die Technologie die benutzt war Standardisiert ist. Ebenso beim Mobiltelefon. Da sieht man es schön was für Probleme es bereitet das es kein einheitlicher globaler Standard ist.

    Zum Beispiel finde ich es auch gut das Medikamente in Europa/Deutschland nicht so einfach zugelassen werden wie in den USA oder das man in Deutschland Antibiotika nicht rezeptfrei in der Apotheke bekommt. Das hat den Vorteil das bei uns die Problematik mit den Antibiotikaresistenzen Viren wesentlich schwächer ausgeprägt ist als in den USA. Natürlich ist das auch Fortschrittshemmend, aber es hat auch handfeste Vorteile.

    Andererseits sind wir in Deutschland teilweise auch viel offener als in den USA. Bei uns kann zum Beispiel keine Software direkt Patentiert werden. Ein Patent auf einen 1-Click-Button kann es hier nicht geben und das ist für die Softwareentwicklung sehr förderlich.

    Ja aktuell spielen deutsche Entwicklungen bei den großen Consumer-Diensten keine entscheidende Rolle, dafür gibt es auch Gründe den um aktuell ein großes Unternehmen zu werden muss man ziemlich dreist und skrupellos sein. Zum Beispiel ohne Rückfragen die Adressbücher der Nutzer auslesen und Werbemails schicken oder wie Pinterest einfach die Bilder anderer Leute nutzen egal ob ich damit Gesetze verletze … Ja Unternehmen versuchen schon immer die Gesetze sehr großzügig auszulegen aber wenn wir großflächig anfangen bestehende Gesetze zu ignorieren, dann haben wir sehr schnell ein gesellschaftliches Problem.
    Wenn wir mal ein großen Schritt zurücktreten und schauen was uns die großen Internetfirmen bringen, dann bleibt “nur” vereinfachte Kommunikation, neue Formen der Unterhaltung und neue Werbewege. Das kann man toll finden oder nicht, ich finde aber das es nur im geringen Ausmaß, wenn überhaupt, meine Lebensqualität verbessert und das rechtfertigt für nicht das Ausmaß an Forderungen die immer wieder gestellt werden um diese Dinge zu erreichen nicht.

    Ich finde auch das in Amerika mehr risikobehaftet Dinge probiert werden als in Deuschland. Ich finde das aber nicht schlimm, in Deutschland wird halt einmal mehr nachgedacht und eher solidere Dinge gebaut die eher mittel- und langfristig erfolgreich sind.
    Deutschland ist meiner Meinung nach gerade im B2B-Bereich und bei mittelständischen Firmen im IT Bereich super aufgestellt. Die Leute aus meinem Bekanntenkreis die im weitgefaßten IT-Bereich arbeiten, arbeiten zu über 50% bei Firmen die es vor 10 Jahren noch nicht gab, also so schlimm kann es um die Innovationskraft nicht stehen.
    Auch wenn man die Länderdomains anschaut. Da ist aktuell die DE-Domain die mit den meisten registrieren Domains. Also so technikfeindlich scheint man in Deutschland wohl doch nicht zu sein.
    Auch das größte Softwareunternehmen welches nicht aus den USA stammt kommt aus Deutschland – SAP …

    Auch die Insellösungen auf Nutzerebene finde ich wichtig. Ich habe andere Bedürfnisse als ein Japaner, Chinese, Araber oder Kolumbianer und die möchte ich auch in der Softwarebedienung berücksichtigt wissen.

  6. @ TvF

    Echte Unternehmer, noch dazu innovative, werden gesellschaftlich schon anerkannt

    Zwei mögliche Antwortoptionen: 1. Sehe ich anders (wie viele missgünstige Blicke bekommst du wohl, wenn du in Deutschland mit einem großen Auto durch die Gegend fährst? Das ist für mich Neidkultur.

    2. Allein die von dir vorgenommene Einschränkung, nur “echte Unternehmer, die innovatives leisten”, würden anerkannt, ist Indiz der Neidkultur. Warum nicht erst einmal jedem Unternehmer seinen Erfolg gönnen, sofern er/sie nicht ethisch-moralische Konventionen verletzt?

    Ich halte den Begriff für sehr relvant – will aber dazu sagen, dass das Vorkommen von Neid möglicherwiese in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands unterschiedlich ausgeprägt ist.

    @ Max
    Du lieferst ein paar gute und wichtige Einwände.

    Zum Thema Pinterest: Was der Dienst macht, ist in Deutschland rechtlich fragwürdig, nach US-Rechtsprechung aber ok (Fair Use). Insofern stülpst du mit dieser Aussage das deutsche Wertekorsett über die ganze Welt.

    Zu Insellösungen: Lokale Adaption und Insellösungen, die in einem globalen Netz ohne wirkliche Grenzen nationale Regelungen oder Initiativen duchsetzen sollen, sind zwei paar Schuhe.

    • @martin
      “Insofern stülpst du mit dieser Aussage das deutsche Wertekorsett über die ganze Welt.”

      Und was ist mit Apple? Die zensieren (nicht nur) deutsche Printprodukte deutscher Medienhäuser, weil hier völlig akzeptierte Nacktaufnahmen gezeigt werden – oder weil in spanischem Magazin das Wort “Penis” vorkommt.

      Viele Schutzvorschriften sind schon wichtig und ok – weil die Schwächeren vor den Stärkeren geschützt werden.

      Hebst Du die auf, dann regiert nur das Geld und die Macht. Das will niemand.

    • Auch Apple ist ein gutes Beispiel, was passiert, wenn man der ganzen Welt das im eigenen Land gültige Wertekonstrukt aufzwingen will ;)

    • Allein die von dir vorgenommene Einschränkung, nur “echte Unternehmer, die innovatives leisten”

      – habe ich nicht geschrieben. Bei mir steht “echte Unternehmer” (also so wie weiter unten beschrieben), und ganz besonders die, die innovatives leisten.
      Und zum Thema dickes Auto: Wenn ich mir ein extra dickes Auto kaufe, dann will ich ja gerade neidische Blicke auf mich ziehen ;-)

  7. besten dank für diesen top fokussierten, klaren und extrem wertvollen artikel martin! wie schaffen schaffen wir es, dass möglichst viele politiker und verantwortungsträger ihn lesen???

  8. Danke.

    Ja, sharen bis zum Gehtnichtmehr ;

  9. Pinterest, usa, Fair use?
    Hinter der Aggregation von Bildmaterial bei pinterest stehen doch handfeste wirtschaftliche Interessen den Traffic zu monetarisieren?

    • Ich beziehe mich auf die Nutzer. Diese laden urheberrechtlich geschütztes Material auf eine Plattform hoch, ohne eigene kommerzielle Interessen – und das wird von Fair Use abgedeckt.

  10. Abschaffung der Synchronisierung von Filmen und Serien in anderen Sprachen

    Von allen gesellschaftlichen Forderungen der Liste scheint mir diese am elitärsten. Und sie ist auch noch so formuliert, dass sie als politische Handlungsanweisung verstanden werden kann. Was es bewirken soll, ist mir nicht klar. Zwangsmultilingualisierung der Gesellschaft? Damit einige wenige, die aufgrund elitärer Bildung sowieso schon fremdsprachlich bewandert sein dürften, einen wie auch immer gearteten wirtschaftlichen Vorteil haben sollen? Damit Personen, die aus verschiedenen Gründen Probleme mit fremder Sprache oder schnellem Lesen haben, den Fernseher ausmachen und … ähm … was tun?

  11. Wie wäre es, einfach die eigene Kultur anzunehmen? Wir haben 1a-Synchronisationen und sind halt eine kritische Nation. Wenn schon die Denke amerikanisch werden soll: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Amerikaner einen solchen Text verfasst. Der nimmt die Gegenheiten hin und sieht die Chancen des Systems, nicht seine Hürden und Grenzen.

    @ Martin: Toll, wie du die Komentare kommentierst. (Wenn du nun noch meiner Meinung
    Wärst ;-)

  12. @ Nils

    Ja, sie ist elitär. Vielleicht hilft dir folgender Artikel zu verstehen, warum das Thema aber ziemlich wichtig ist.

    @ Michael

    Danke ;)

    Zum Thema: Die Denke soll nicht amerikanisch werden. Es ist aber nicht dumm, die eigene Kultur weiterzuentwickeln.

    • @Martin: Der Artikel (oder besser: das Pamphlet) hilft mir dabei leider nicht – schließlich geht es dabei keineswegs um wirtschaftliche Vorteile sondern um eine, wie ich finde (und auch viele (die gefühlte Mehrheit) der Kommentaristen), grotesk elitäre Perspektive auf Film. Der Artikel ist eine absurde Hasstirade gegen deutsche Synchronstudios, Synchronautoren und Synchronsprecher (“Die Verachtung deutscher Synchronstudios für den Film als Kunstform”, “die übliche gelangweilt-monotone Hochdeutsch-Synchronstimme Brad Pitts”, “furchterregende Abgründe der Filmverachtung”). Ich will den verlinkten Artikel nicht hier im einzelnen kommentieren, aber: Zensur und Sinnveränderung entsteht auch durch Untertitelung (meiner Erfahrung sogar mehr, da Dialoge gekürzt werden müssen, um verschriftlicht zeitnah konsumiert werden zu können). Und manches lässt sich nunmal nicht ohne Sinnveränderung übersetzen: Wer aber nun glaubt, dass mehr deutsche Zuschauer Trainspotting verstehen würden, wenn er untertitelt statt synchronisiert würde, damit jeder die feinen Nuancen des Slang-Sprechs hören könnte, dem ist eher nicht zu helfen. Ohne Synchronisation würden deutlich weniger den Film sehen wollen. Und ohne Synchronisation würden mit der Zeit wohl nur noch deutsche und englische Filme eine breitere Zielgruppe in Deutschland finden, was kulturell deutlich trauriger wäre. Dass eine französische Komödie dann in Deutschland ein Kassenhit würde, schließe ich mal aus.
      Ich kann gerne auf einen (mir immer noch nicht erklärlichen) wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil für dieses Land verzichten, wenn er nur einer kleinen Elite zugute käme (die ohnehin einen vernachlässigbaren TV-Konsum hat). Ich hätte nichts gegen öffentlich-rechtliche OmU- oder OV-Sender, aber die Abschaffung der Synchronisation ist eine absonderliche und schäbige Idee.

  13. “So wird Deutschland zum globalen Internet-Mekka”…keep on dreaming…LOL. Fortschritt wird von unternehmerischen Machern bestimmt die die Freiheit lieben, und mit Sicherheit nicht von naturgemaess machtbesessenen Politikern oder Parteien die in Legislatur Zyklen denken. Leute, akzeptiert einfach das die Amerikaner die besseren Unternehmer waren, sind und bleiben werden. Deren allgemeiner Vorsprung ist nicht mehr einzuholen…Period …and if you so desire get in line and take a number…
    Das “Problem in den Koepfen”, mit akutem Handlungsbedarf (siehe oben; Symptom Katalog) aendern zu wollen, ist nur mit einer Planwirtschaft zu erreichen…wollen die deutschen wilden startups sich das wirklich wieder antun? Wer in Gottes Namen sollte dann derjenige sein, der Deutschland an die internationale Web 3.0 Spitze fuehrt? Get real and get a life guys!
    Manchmal ist es besser den 4ten oder 30ten Platz zu akzeptieren, als staending aus dem Minderwertigkeitsbewusstsein heraus das Streben zu haben, besser sein zu muessen.
    Ich bin Kanadier und stolz darauf nicht besser sein zu “muessen” als andere…if you know what I mean, but I guess most of you guys don’t even fathom what I am talking about.

    …poor oppressed German entrepreneurial startup soul, may you rest in peace…

vgwort