Garantieunterlagen und Kassenzettel digitalisieren:
Reposito und garanbo
geben Lageberichte

Die zwei deutschen Onlinedienste Reposito und garanbo erlauben es Verbrauchern, Kassenzettel und Garantieunterlagen in eingescannter Form online zu verwalten. Jetzt verraten beide Zahlen.

Wie jüngst in diesem Beitrag zusammengefasst, versucht eine wachsende Zahl an Startups aus Deutschland, das private und berufliche Büro zu digitalisieren und das Papier aus unserem Alltag zu verbannen. Zwei junge Webangebote hatte ich in dem Artikel aufgrund ihrer speziellen Fokussierung auf einen Aspekt digitaler Dokumente nicht erwähnt, gewisserweise gehören sie jedoch auch zur derzeit emporstrebenden Gattung von Startups, die Papierdokumente zur Archivierung und Verwaltung in digitale Form bringen wollen.

Die Rede ist von Reposito und garanbo, zwei Onlineangebote aus Deutschland, die Konsumenten dabei helfen, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen sicher aufzubewahren und einfach wiederzufinden. Im Sommer vergangenen Jahres hatten wir beide Services kurz vorgestellt. Über mobile Apps fotografieren Anwender ihre Kaufbelege und Garantiezettel, ergänzen diese mit den wichtigsten Angaben zu den angeschafften Produkten und zeigen Quittungen auf ihrem Smartphone beim Händler vor, sofern sie eine Garantie in Anspruch nehmen wollen. Zwar sind sie dabei auch immer ein wenig auf das Entgegenkommen der Geschäfte angewiesen, aber ein von den Reposito-Machern in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kam immerhin zu dem Schluss, dass digitalisierte Kassenzettel zur Inanspruchnahme von Gewährleistung oder Garantie rechtsgültig sind.

Reposito mit frischem Geld und 120.000 App-Downloads

Von beiden Unternehmen hörten wir in diesen Tagen Neues und einige Zahlen zur Entwicklung der Angebote. So gab Reposito nach einer ersten Finanzierungsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich im Juli vergangenen Jahres gestern eine erneute Kapitalspritze bekannt: Mehrere Business Angels versorgen das 2011 von Philipp Hartmann und Adrian Runte gegründete Startup aus Karlsruhe mit frischem Geld, der Betrag wurde jedoch nicht genannt. Nebenbei lieferte die Pressemitteilung einige Details zur Verbreitung von Reposito: 120.000 Mal wurde die mittlerweile für iPhone und Android angebotene kostenlose App bisher heruntergeladen, über 400.000 Kassenzettel haben Anwender über diese mittlerweile digital gesichert. Seit einiger Zeit kann auf die Funktionen von Reposito auch über eine Weboberfläche zugegriffen werden. Neben dem Herzstück der Verwaltung von Kassenzetteln bietet Reposito eine Reihe verwandter Features wie mehr als eine Million Handbücher und Bedienungsanleitungen sowie einen Benachrichtigungsdienst über Produktrückrufe. Zum Umsatz macht das Startup bisher keine Angaben. Die Monetarisierung erfolgt über den Verkauf von Garantieverlängerungen und Schutzbriefen.

garanbo ist der kleinere Konkurrent

garanbo ist trotz eines früheren Starts bereits im Januar 2010 und eines zu Beginn größeren Funktionsumfanges der kleinere der zwei Dienste. Zwar bietet das vom Radolfzeller IT-Beratungshaus Sybit lancierte Angebote ebenfalls Gratis-Apps für iPhone und Android, hebt aber seit jeher die Webkomponente stark hervor, während diese Reposito zu Anfang komplett fehlte. 4.000 Mal wurde die garanbo-App bisher von Nutzern installiert. 35.000 Seitenaufrufe verzeichnete die Website im April 2012. Die Zahl aktiver Anwender gibt das garanbo-Team mit 5.000 an, diese haben durchschnittlich drei Produkte eingetragen. Ähnlich wie Reposito bietet auch garanbo eine Funktion, um vor Ablauf der Garantie oder bei Produktrückrufen benachrichtigt zu werden. Auf der Roadmap stehen der Launch einer Universal-App für iPhone und iPad, eine Erweiterung der Android-Applikation sowie Kooperationen zur Verlängerung von Garantien.

Wie groß ist die Zielgruppe wirklich?

Als ich mir beide Anbieter erstmals anschaute, konnte ich mich gegen das Aufkommen einer gewissen Skepsis nicht wehren. Sicherlich sind Reposito und garanbo für manche gut organisierten, strukturierten Vielkäufer interessant. Doch wie groß ist deren Zahl wirklich? Ist nicht für das digitale Aufbewahren von Kassenzetteln eine gewisse Affinität für den Online-Lifestyle erforderlich, die automatisch zu verstärkten Einkäufen im Netz statt im stationären Handel führt? Wer Bestellbestätigung und Rechnung per Mail erhält, hat deutlich weniger Anreize, Reposit und Garanbo zu verwenden. Hinzukommt die enorme Konkurrenz durch die zahlreichen anderen Dienste zur Verwaltung von Dokumenten sowie einschlägige Cloudspeicherangebote. Denen fehlen zwar die optimierten Features zum smarten Archivieren und Wiederfinden von Kassenzetteln, aber solange sich die Zahl gespeicherter Quittungen und Garantiezettel in Grenzen hält, sollten diese Lösungen für die meisten Verbraucher trotzdem ausreichen. Erst recht, wenn Nutzer im Durchschnitt nur eine Handvoll Produkte über die Services verwalten.

Sich in einer Nische niederzulassen, muss für Startups nicht unattraktiv sein. Doch um als Plattform für das Verwalten von Kassenzetteln und Garantieunterlagen groß rauszukommen, reicht es meines Erachtens nach nicht, Anwender lediglich das Einscannen von Quittungen aus dem Offline-Handel anzubieten. Webshops sollten nicht außen vorgelassen werden. Das Berliner Startup ItemBase bastelt gerade an einer Lösung, bei der sämtliche Unterlagen zu Transaktionen im Netz automatisch archiviert und später einfach wiedergefunden werden können. Eine Kombination aus diesem Prinzip und dem Einscannen von Kassenzetteln hätte die größte theoretische Zielgruppe. Irgendjemand wird versuchen, diese einzufangen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Ende des Traums vom papierlosen Büro: Doo gibt auf und startet neu

14.2.2014, 13 KommentareEnde des Traums vom papierlosen Büro:
Doo gibt auf und startet neu

Das Bonner Dokumenten-Startup Doo hat heute Nachmittag das Ende vom bisherigen Geschäftskonzept und gleichzeitig einen Neustart angekündigt. Mit der Idee eines strukturierten Dokumenten-Systems zur Aufbewahrung ist man, wie alle Player auf dem Markt, gescheitert.

Smarchive, Doo, fileee, Doctape: Ein Jahr voller Probleme auf dem Weg zum papierlosen Büro

11.12.2012, 3 KommentareSmarchive, Doo, fileee, Doctape:
Ein Jahr voller Probleme auf dem Weg zum papierlosen Büro

Innerhalb der vergangenen Jahre sind mehrere deutsche Startups angetreten, um den alltäglichen Papierkrieg zu entzerren und Dokumente elektronisch in der Cloud zu archivieren. Doch bis heute ist keines davon plattformübergreifend verfügbar. Es gab größere Probleme als erwartet.

Produktverwaltung in der Cloud: Itembase will zur Zentrale für Onlineshopper werden

25.9.2012, 0 KommentareProduktverwaltung in der Cloud:
Itembase will zur Zentrale für Onlineshopper werden

Das Berliner Startup Itembase will Onlineshoppern eine komfortable Möglichkeit bieten, um Rechnungen und Informationen zu im Netz gekauften Produkten in der Cloud zu verwalten. Auf der Agenda stehen auch Funktionen, um den bequemen Weiterverkauf zu erlauben.

garanbo & Reposito: Garantieunterlagen online verwalten

14.7.2011, 10 Kommentaregaranbo & Reposito:
Garantieunterlagen online verwalten

Mit garanbo und Reposito wollen zwei junge Dienste aus Deutschland Konsumenten dabei helfen, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen sicher aufzubewahren und im Bedarfsfall wiederzufinden.

14.7.2011, 10 Kommentaregaranbo & Reposito:
Garantieunterlagen online verwalten

Mit garanbo und Reposito wollen zwei junge Dienste aus Deutschland Konsumenten dabei helfen, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen sicher aufzubewahren und im Bedarfsfall wiederzufinden.

garanbo & Reposito: Garantieunterlagen online verwalten

14.7.2011, 10 Kommentaregaranbo & Reposito:
Garantieunterlagen online verwalten

Mit garanbo und Reposito wollen zwei junge Dienste aus Deutschland Konsumenten dabei helfen, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen sicher aufzubewahren und im Bedarfsfall wiederzufinden.

14.7.2011, 10 Kommentaregaranbo & Reposito:
Garantieunterlagen online verwalten

Mit garanbo und Reposito wollen zwei junge Dienste aus Deutschland Konsumenten dabei helfen, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen sicher aufzubewahren und im Bedarfsfall wiederzufinden.

Doo-Nachfolger Scanbot beweist Potenzial: 500.000 Downloads in 8 Wochen

2.6.2014, 3 KommentareDoo-Nachfolger Scanbot beweist Potenzial:
500.000 Downloads in 8 Wochen

Acht Wochen dauerte es, da hatte die Scanner-App des Bonner Dokumenten-Startups Doo die Marke von 500.000 Downloads durchbrochen. Der klare Fokus zahlt sich aus.

18.2.2014, 5 KommentareNeues Dokumenten-Startup:
Organize.me will alles besser machen als Doo

Nur Tage, nachdem die Dokumenten-App Doo ihren Rückzug erklärt hat, startet unter dem Dach von Tomorrow Focus ein neues Startup mit der gleichen Idee. Doch ob unfreiwillig oder nicht: Organize.me präsentiert sich organisatorisch offen als das Gegenteil von Doo.

Interview mit Gini-CEO Steffen Reitz: \

4.2.2014, 1 KommentareInterview mit Gini-CEO Steffen Reitz:
"Es reicht nicht, der digitale Leitz-Ordner zu sein"

Seit gut drei Jahren arbeitet Gini am papierlosen Büro, erst kurz vor Weihnachten erschien die erste offizielle App der Münchner. Wir haben Gründer und CEO Steffen Reitz im Interview nach den Gründen und den Schwierigkeiten der digitalen Revolution gefragt.

Linkwertig: Megaupload, Pu, Gründerszene, Reposito

27.11.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Megaupload, Pu, Gründerszene, Reposito

Fred Wilson sinniert über das sich neu ausdifferenzierende Web und mehr.

Linkwertig: Reposito, EyeEm, Googlebox, SEO

10.2.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Reposito, EyeEm, Googlebox, SEO

Reposito bekommt Handbücher, EyeEm bekommt eine API, was man von Donuts über Social Media lernen kann und mehr.

14.7.2011, 10 Kommentaregaranbo & Reposito:
Garantieunterlagen online verwalten

Mit garanbo und Reposito wollen zwei junge Dienste aus Deutschland Konsumenten dabei helfen, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen sicher aufzubewahren und im Bedarfsfall wiederzufinden.

8 Kommentare

  1. Die Unternehmen sind jeweils falsch verlinkt ;-) Ansonsten guter Artikel, danke.

  2. Ich habe in Amerika die Lemon App entdeckt und finde die grossartig. Auch kann man elektronische Einkäufe per Email an Lemon weiterleiten und die werden dann ebenfalls archiviert.

  3. Hallo Martin,

    nachdem mir bei IKEA gerade wieder die Rückgabe eines Artikels verweigert wurde, weil ich nur eine Kopie (in Papierform) und nicht das Original des Kassenzettels hatte, interessiert mich das Rechtsgutachten von Reposito sehr. Hast Du dazu weitere Infos? Auf der Seite habe ich nichts gefunden…vielleicht liest ja hier auch jemand von Reposito mit und kann sich kurz melden. Danke!

    • Hallo Christian,

      bei der “Rückgabe” musst du grundsätzlich zwischen einem Umtausch und einer Reklamation unterscheiden. Ersteres ist eine freiwillige Leistung des Händlers (z.B. “Bei Nichtgefallen 14 Tage Umtauschrecht” o.ä.), entsprechend kann er selber bestimmen, welche Bedingungen er daran knüpft, insbesondere kann er auch einen Originalkassenzettel verlangen.

      Ganz anders sieht es im Fall der Gewährleistung bzw. Garantie aus, also wenn das Produkt kaputt geht. Hierzu mal ein Zitat aus unseren FAQs (http://www.reposito.com/faq):

      “Zur Wahrung deiner Gewährleistung und/oder Garantieansprüche ist das Vorzeigen bzw. Vorlegen des Kassenzettels auf dem Smartphone oder eines Ausdrucks des Kassenzettels ausreichend. Bei der durch Reposito gespeicherten Fotografie des Kassenzettels handelt es sich um einen sogenannten Augenscheinbeweis nach § 371 Abs 1 ZPO. Sofern aus dem jeweils vorgelegten Digitalfoto das streitgegenständliche Produkt, der Preis, das Kaufdatum, der Vertragspartner und auch die Belegnummer hervorgeht, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass das Produkt tatsächlich zur angegebenen Zeit bei dem Verkäufer erworben wurde. Ein Gegenbeweis könnte in diesem Falle nur in der Form geführt werden, dass der Verkäufer den im Hinblick auf das Kaufdatum und die Belegnummer entsprechenden Kassenzettel vorlegt und sich aus diesem ein anderer Sachverhalt ergibt.”

      Die tolle Erfahrung die wir gemacht haben ist: Wir haben bisher noch von keinem einzigen Kunden gehört, dass ein Laden den bei Reposito gespeicherten Beleg nicht akzeptiert hat. Im Gegenteil: Wir bekommen immer wieder E-Mails von Kunden die uns von ihren Erfahrungen, auch bei nicht unbedingt Service-orientierten Läden wie Lidl oder Kaufland, berichten, bei denen das alles kein Problem war.

      Grundsätzlich würden wir uns auch um unsere Kunden im Einzelfall kümmern, falls sich ein Laden quer stellen sollte – aber wie gesagt, bisher mussten wir es noch nicht.

      Ich hoffe ich konnte deine Frage soweit beantworten!

      Viele Grüße,

      Philipp Hartmann
      Reposito GmbH

  4. Hallo Philipp,

    super, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Leider handelte es sich bei dem IKEA-Fall um die von Dir geschilderte freiwillige Leistungssituation. Aber Dank Deiner Ausführungen bin ich jetzt auf jeden Fall ein bisschen schlauer ;-)

    Grüße

    Christian

4 Pingbacks

  1. [...] Reposito bekommt Kapitalspritze: Der European Angel Fund und Hoepfner Bräu investieren eine unbekannte Summe in das Startup aus Karlsruhe, dass Verbraucher dabei hilft, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen via Smartphone-App sicher zu erfassen, aufzubewahren und einfach wiederzufinden. Die App wurde mittlerweile 120.000 mal heruntergeladen und es wurden darüber 400.000 Kassenzettel erfasst, so das Unternehmen. Zugleich gibt es mit Garanbo einen Konkurrenten mit einer sehr ähnlichen Idee. netzwertig.com [...]

  2. [...] Reposito bekommt Kapitalspritze: Der European Angel Fund und Hoepfner Bräu investieren eine unbekannte Summe in das Startup aus Karlsruhe, dass Verbraucher dabei hilft, ihre Kassenzettel und Garantieunterlagen via Smartphone-App sicher zu erfassen, aufzubewahren und einfach wiederzufinden. Die App wurde mittlerweile 120.000 mal heruntergeladen und es wurden darüber 400.000 Kassenzettel erfasst, so das Unternehmen. Zugleich gibt es mit Garanbo einen Konkurrenten mit einer sehr ähnlichen Idee. netzwertig.com [...]

  3. [...] der Agenda stehen auch Funktionen, um den bequemen Weiterverkauf zu erlauben.Reposito und garanbo heißen die zwei Onlinedienste aus Deutschland, die Verbrauchern dabei helfen, Ordnung in ihre Quittungen und Garantieunterlagen zu bringen. Beide [...]

vgwort