Finanzierung von Startups:
Bergfürst liefert neue
Impulse für Crowdfunding

Für immer mehr junge Internetfirmen in Deutschland bietet sich Crowdfunding als probates Mittel an, um unkompliziert an Startkapital zu gelangen. Die neue Plattform Bergfürst will diesen Weg der Finanzierung durch die Masse auch Startups in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium anbieten.

Crowdfunding erfreut sich immer größerer Beliebtheit als Weg, um Gründer mit einer guten Idee Startkapital zu verschaffen. Bei Plattformen wie Seedmatch, Innovestment oder dem Schweizer Anbieter C-Crowd investieren Privatpersonen Kleinstbeträge in Jungfirmen und erwerben so stille Beteiligungen mit der Aussicht auf eine spätere Rendite. Bislang können Gründer zumindest in Deutschland auf diese Weise lediglich maximal 100.000 Euro einsammeln – was besonders für technologielastige Startups zu wenig Kapital darstellen könnte, um die notwendigen Ausgaben für einen erfolgreichen Launch zu decken.

In einem offenen Brief (Neudeutsch für “ein öffentlich zugänglicher Text im Netz”) kritisierte Seedmatch-Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer unlängst diese durch das Verkaufsprospektgesetz auferlegte Einschränkung für Crowdfundingplattformen in Deutschland. Das Gesetz sieht vor, dass Firmen ein Verkaufsprospekt veröffentlichen müssen, wenn von der selben Vermögensanlage im Zeitraum von zwölf Monaten Anteile im Wert von über 100.000 Euro verkauft werden (und einige andere Kriterien erfüllt sind). Die Erstellung eines Verkaufsprospekts kosten laut Sauer mindestens 12.000 Euro, häufig deutlich mehr, und kann sich über Monate hinziehen. Gerade Crowd-Finanzierungen zwischen 100.000 Euro und 200.000 Euro sind deshalb aufgrund des unverhältnismäßig hohen Aufwands im Prinzip nicht möglich, so der Seedmatch-Chef.

Er fordert deshalb die Vereinfachung bei der Erstellung des Verkaufsprospekts, eine schnellere Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) oder ein Verzicht auf die Prospektpflicht bei einem Crowdfunding bis zu einer Million – in Verbindung mit Zulassungsvoraussetzungen für Crowdfunding-Plattformen. Sauer wird mit seiner Forderung einer Gesetzesänderung auch auf die USA schielen, wo mit dem JOBS Act gerade die Grundlage für Crowdfunding bis zu einer Million Dollar gelegt wurde.

Ein neues Crowdfundingunternehmen versucht nun, trotz der unvorteilhaften rechtlichen Situation Crowdfunding für Beträge im höheren sechsstelligen oder gar siebenstelligen Bereich möglich zu machen: Bergfürst heißt das Projekt von studiVZ-Mitgründer Dennis Bemmann und seinem Mitstreiter Guido Sandler, das gerade den Vorhang seiner Website lüftete und ab dem vierten Quartal Privatinvestoren die Beteiligung an Wachstumsunternehmen erlauben will.

Im Interview mit Gründerszene erläutert Bemmann die wesentlichen Unterschiede zu den existierenden Crowdfundingplattformen: Anders als bei diesen werden Investoren bei Bergfürst Miteigentümer und nicht nur stille Kreditnehmer ohne Aktionärsrechte. Zudem richtet sich die neue Plattform an markterprobte Unternehmen und nicht an Geschäftsmodelle, bei denen noch niemand weiß, ob sie tatsächlich durchstarten. Im Fokus stehen Technologieunternehmen, die schon ihre erste Finanzierungsrunde hinter sich haben, aber für einen Börsengang noch zu klein sind.

Weil Startups mit Bergfürst mehr als 100.000 Euro über Privatinvestoren einnehmen können (die Mindestgrenze für Beteiligungen liegt pro Person bei 250 Euro), sind sie wie oben Beschrieben zur Anfertigung eine Emissionsprospektes verpflichtet. Um wie geplant Beteiligungen über das Eigenkapital von Unternehmen anbieten zu können, statt lediglich Kredite zu vermitteln, benötigt Bergfürst zudem eine Lizenz der BaFin. Diese wurde auch beantragt. Die Pressemitteilung sowie das Interview klingen, als gäbe es bisher tatsächlich nur den Antrag und noch nicht grünes Licht von der BaFin. Was womöglich auch ein Grund für den offiziellen Launchtermin Ende 2012 ist.

Da unser redaktioneller Fokus primär die konzeptionellen und technischen und weniger die finanziellen Aspekte der Startupwelt umfasst, sparen wir uns eine detaillierte Gegenüberstellung der Vor- und Nachteilen des Ansatzes von Bemmann und Sandler. Das können andere besser. Entscheidend ist aus unserer Sicht die Tatsache, dass auch in Deutschland Bewegung in den Crowdfundingmarkt kommt und dass sich für Internetstartups damit neue Türen öffnen, um an dringend benötigte Mittel zur Wachstumssicherung zu kommen. Denn während im Silicon Valley das Geld für Startups quasi auf der Straße liegt, hört man selbst im vom Boom euphorisierten Berlin von Gründern immer wieder die gleichen Klagen: Es mangelt an Kapital.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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