eBay für Apps:
Apptopia ist ein Marktplatz
für komplette Mobil-Anwendungen

Anwendungsentwicklung für mobile Endgeräte liegt im Trend. Ist die eigentliche Arbeit getan, folgt die Vermarktung. Entwickler, denen Expertise, Zeit oder Mittel dafür fehlen, gehen mit ihren Apps in der Masse der Neuerscheinungen jedoch häufig unter. Über einen neuen Marktplatz lassen sich die Programme veräußern, wodurch der bisherige Aufwand monetarisiert werden kann.

Im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Nutzer sind Entwickler oftmals auf König Zufall angewiesen. Wenn für das Marketing die Zeit oder die Mittel fehlen, endet der Traum jedes Selfpublishers, einmal einen App-Hit wie Tiny Wings landen zu können, meist schnell an den Anforderungen des Alltags. Dieser lässt wenig Spielraum dafür, die eigene Kreativleistung noch zielgerichtet zu vermarkten, Bugs zu fixen oder Kundenanfragen zu bearbeiten. Wer nebenberuflich für iOS entwickelt, ärgert sich zudem über die ItunesConnect-Jahresgebühr von 99 Euro, eine saftige Verkaufsprovision von 30 Prozent aller Erlöse und ein oftmals wochenlang andauerndes Prozedere seitens Apple zur Freigabe der Updates. Doch nicht alle Programmierer möchten Apps, deren Entwicklung sie nicht mehr fortsetzen werden, einfach wegschmeißen. Und das müssen sie auch nicht.

Code is Money

Während Entwickler über Plattformen wie SmartAppsters oder Appsplit bisher lediglich Quellcode oder Teile dessen veräußern konnten, verfolgt das US-Startup Apptopia seit seinem Launch im Februar 2012 einen anderen Ansatz. Gegen eine Verkaufsprovision von 15 Prozent der Erlöse und eine Einstellgebühr von 50 Dollar können komplette Mobil-Applikationen weltweit gehandelt werden. Die Trading-Optionen orientieren sich an denen von eBay.

Die Anwendungen können auch bereits veröffentlicht worden sein. Verkäufer treten sämtliche Rechte an ihren Produkten an die Käufer ab, so dass einer weiteren kommerziellen Verwertung nichts mehr im Weg steht. Interessenten haben vor dem Sofortkauf oder der Abgabe eines Gebots die Möglichkeit zur Einsicht in Ausschnitte des Quellcodes und können sich zudem über die Anwendungen in Form von Videopräsentationen informieren.

Sofern die angebotenen Programme bereits in den App-Stores von Apple, Google und Konsorten gelauncht wurden, können sich potenzielle Käufer diese natürlich regulär downloaden. In diesem Fall haben Entwickler die Gelegenheit, Mediadaten wie bisherige Kauf- und Downloadstatistiken direkt in den Apptopia-Angeboten zu präsentieren.

Exit-Strategie für Entwickler, Fundgrube für Publisher, Vermarkter und Personalrecruiter

Jedoch eignet sich die Plattform nicht nur als Exit-Option für Entwickler, denen der Aufwand für Marketing und After-Sales-Management über den Kopf zu wachsen droht. Angehenden Entwicklern, die sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren möchten und sich nicht mit den Widrigkeiten eines durch Selfpublisher verursachten Angebotsüberhangs befassen wollen, eröffnen sich neue wirtschaftliche Perspektiven: Wo ein Marktplatz ist, da steigt die Motivation, begonnene Projekte zu einem Ende zu bringen oder Nebenprodukte der Kreativtätigkeit – die bisher in Draft-Ordnern „auf Wiedervorlage“ schlummern – weiter zu verfolgen.

Ein Marktplatz dieser Art könnte weiterhin für Publisher und Personalrecruiter interessant sein, die ihr Portfolio kostengünstig erweitern beziehungsweise gezielt nach Entwicklertalenten Ausschau halten möchten. Des Weiteren bekommen Vermarkter die Chance, sich nach für die Platzierung von Werbung erfolgversprechenden Applikationen umzusehen, ohne vorab in einen eigenen Entwicklerpool investieren zu müssen.

Noch vor wenigen Jahren belächelt, haben sich mobile Werbeanzeigen mittlerweile zu einem veritablen Wirtschaftsfaktor entwickelt, deren Wirksamkeit nicht zu unterschätzen ist und denen ein erhebliches Wachstumspotenzial nachgesagt wird. Das noch relativ junge Forschungsfeld des Neuromarketing ist zwar nicht unumstritten, zeigt hier jedoch einen Trend auf: Je positiver die ästhetische Wahrnehmung eines Endgeräts oder einer Benutzerumgebung seitens der Nutzer ausfällt, desto geringer ist deren Fähigkeit zwischen Kognition (rationales Verhalten) und Emotion zu differenzieren. Diese Erkenntnis lässt sich auch auf die Werbewirksamkeit mobiler Reklame übertragen: Die positive Stimmung, der Genussmodus im Umgang mit Tablet-PCs, beflügelt dabei nicht nur das Couch-Shopping in beachtlicher Form, sondern wirkt sich auch überaus positiv auf die Akzeptanz von mobilen Ads aus.

Aber nicht nur wachsende Geschäftsfelder in der Werbewirtschaft machen App-Käufe gegebenenfalls attraktiv. Auch aus technischen Innovationen seitens der Hardware-Hersteller ergeben sich mitunter verdeckte Potenziale – denn App-Konzepte, die auf Anhieb nicht erfolgreich sind, könnten dies ein Jahr später durchaus werden. So wären zum Beispiel bestimmte Spielansätze, wie die zurzeit beliebten Aufbau-Strategiespiele, noch vor wenigen Jahren auf Touch-Geräten schlecht umsetzbar gewesen, da zu kleine Bildschirme und eine zu geringe Auflösung die Steuerung und damit das Spielgefühl negativ beeinträchtigt hätten. Auch die Nutzerbedürfnisse haben sich gewandelt. Wurde zum Beispiel das iPad beim Launch 2010 noch als passives Konsumgerät belächelt, so haben Entwickler längst den nutzerseitigen Bedarf erkannt, das Tablet auch als mobiles Arbeitsmittel einsetzen zu wollen. Es ist damit nicht ausgeschlossen, dass sich bei Apptopia die ein oder andere App findet, die einst ihrer Zeit voraus war, nun jedoch die Grundlage für einen echten Hit legen könnte.

Fazit

Entwickler, die ihre Produkte auf diesem weltweit zugänglichen Marktplatz veräußern wollen, sollten diese zwecks ihrer Preisvorstellungen zwar kritisch hinterfragen, einen bisherigen Misserfolg jedoch nicht per se an mangelnder technischer Differenzierung zu Wettbewerberprodukten oder einer vermeintlichen Übersättigung des Marktes festmachen. Die Marke „Apptopia“ scheint für den Marktplatz nicht zufällig gewählt worden zu sein: Gibt es Anwendungen, die sich handeln lassen, für die der Markt zwar jetzt noch nicht reif ist, es aber in naher Zukunft sein könnte?

 

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