Skype:
Die ewige Enttäuschung

Vor neun Jahren ging die erste Skype-Version ins Netz. Doch noch immer lässt die Gesprächsqualität des Dienstes viele Wünsche offen. Ein Blick auf die Konkurrenz lohnt sich.

Auch wenn ich aus Effizienzgründen versuche, Telefonate zu minimieren, führe ich dennoch ab und an Skype-Gespräche. Leider entsinne ich mich nicht, wann ich den von Microsoft übernommenen VoIP-Service zuletzt verwendet habe, ohne dass es während des Gesprächs zu Tonproblemen aufgrund schlechter Übertragungsqualität kam. Vorzeitig abgebrochene Telefonate, Verständnisprobleme und Verzögerungen zwischen den Gesprächspartnern sind nach meiner Erfahrung Regel statt Ausnahme – und das auch bei teilweise blitzschnellen Internetverbindungen. Dass es dem VoIP-Pionier in seiner neunjährigen Firmengeschichte nicht gelungen ist, seine Technologie so zu verfeinern, dass sie zumindest bei akzeptablen Übertragungsgeschwindigkeiten gute und vor allem stabile Resultate liefert, ist ein Armutszeugnis.

Als ich vor einigen Tagen wieder einmal nicht in der Lage war, die Worte meines Skype-Gesprächspartners richtig zu verstehen, riss mir der Geduldsfaden. Zugegeben: Es war ein Gespräch mit dem iPhone über eine 3G-Verbindung, was einen Tick mehr Verständnis für eine nicht perfekte Tonqualität erfordert. Doch das, was der VoIP-Platzhirsch mir und der Person am anderen Ende der Leitung da an blechern klingenden Geräuschsfetzen bot, war einfach unterirdisch. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Alternative. Ich plante schon länger, einmal den schwedischen VoIP-Dienst Rebtel auszuprobieren, und setzte diesen Plan nun in die Tat um.

Auch Rebtel hat schon einige Jahre auf dem Buckel: Das Startup aus Stocholm wurde 2006 von Hjalmar Winbladh (heute CEO von Wrapp) och Jonas Lindroth gegründet und konnte bisher nach eigenen Angaben mehr als 15 Millionen Nutzer gewinnen (im Vergleich zu Skypes mehr als 660 Millionen). In seinen Pressemeldungen bezeichnet sich das Unternehmen als zweitgrößter VoIP-Anbieter nach Skype hinsichtlich Umsatz und gibt an, seit 2010 profitabel zu sein.

Der Grund, warum meine Wahl einer Skype-Alternative auf Rebtel fiel und nicht auf andere Anbieter wie FriendCaller oder Viber, lag in meiner Vermutung, dass der Anbieter meiner Prepaid-SIM-Karte VoIP-Verbindungen grundsätzlich drosseln könnte – das soll ja vorkommen. Da ich ein Auslandsgespräch führen musste, wollte ich aber in jedem Fall nicht zu den Tarifen meines Mobilfunkproviders durchklingeln. Genau für solche Fälle bietet Rebtel einen sehr cleveren Workaround, nämlich eine lokale Telefonnummer in 50 Ländern, die man über die Rebtel-App anrufen kann und die das Gespräch anschließend mittels VoIP-Technologie an den Empfänger im Ausland weiterleitet. Voraussetzung ist, dass der Gesprächspartner ebenfalls Rebtel auf seinem Smartphone oder Windows-PC installiert hat und den Anruf darüber empfängt. Für die Nutzung der Funktion verlangt Rebtel kein Geld. Die anfallenden Kosten beschränken sich auf die Providergebühren für das lokale Gespräch.

Leider machte mir mein Provider E-Plus (beziehungsweise simyo) einen Strich durch die Rechnung: “Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist aus dem E-Plus-Netz nicht erreichbar” tönte als Ansage aus dem Hörer. Eine kurze Recherche führte mich zu diesem Blogbeitrag aus dem Jahr 2009, der bestätigt, dass der deutsche Mobilfunkanbieter tatsächlich Rebtels lokale Nummer blockiert, um Anrufern das Umgehen der hohen Gebühren für Auslandsgespräche nicht zu einfach zu machen.

Schade und irgendwie nicht überraschend, dachte ich mir und versuchte es stattdessen und ohne hohe Erwartungen mit einem klassischen 3G-VoIP-Anfruf. Doch überraschenderweise präsentierte sich dieser in einer mehr als annehmbaren Qualität. Abgesehen von einer Übertragungsverzögerung von ungefähr einer Sekunde konnte mich mein Gesprächspartner bestens verstehen, und ich ihn – am selben Ort, an dem Skype zuvor versagte. Mehrmalige Testanrufe ergaben das gleiche Resultat und bewiesen damit, dass in meinem Fall nicht Providereingriffe Grund für die schlechte Qualität der Skype-Telefonate sind (immerhin), sondern ganz einfach Skype selbst.

Auch wenn ich Viber und FriendCaller in dieser speziellen Situation nicht ausprobiert habe, möchte ich nicht ausschließen, dass auch damit flüssigere, wohlklingendere Gespräche möglich sind als mit dem eigentlichen Branchenprimus Skype. Insofern kann ich allen, die über die mäßige Qualität von Skype Calls ähnlich frustriert sind wie ich, nur empfehlen, einen der alternativen Anbieter zu testen. Deren Tarife für Gespräche auf Festnetz- oder Mobilfunkanschlüsse sind üblicherweise deutlich günstiger als die von Skype, und Besonderheiten wie die lokalen Nummern bei Rebtel oder kostenfreie Gruppen-Videochats bei FriendCaller können in bestimmten Lebenslagen nützlich sein. Lediglich in puncto Verbreitung hat Skype alle Trümpfe in der Hand. Da so gut wie jeder Nutzer ein Skype-Konto besitzt, ist für das Initiieren kostenfreier VoIP-Calls selten vorheriges Überreden des Gegenüber erforderlich, den Dienst einmal auszuprobieren. Aber was nützt dies schon, wenn dann Telefonate zu einer Tortur werden?!

Skype-Besitzerin Microsoft wäre gut beraten, sich nicht mehr länger auf den Skype-Lorbeeren auszuruhen. Der heutige Status als weltweit führender VoIP-Dienst ist nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt. Vor einigen Jahren konnte man das stark variierende Qualitätsniveau der Gespräche noch hinnehmen und auf das frühe Stadium der Technologie schieben. Fast zehn Jahren nach dem Launch der ersten Skype-Version jedoch sollten merkliche Verbesserungen wahrnehmbar sein. Da Skype in den letzten Jahren auch sonst nicht gerade als Speerspitze der Innovation aufgefallen ist, fragt man sich, welche Prioritäten das Unternehmen überhaupt für die Weiterentwicklung seines Angebots setzt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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16 Kommentare

  1. Ich kenn mich auf dem Markt mangels Nutzung nicht aus – weshalb sich für mich auch die Frage stellt, ob es sich bei Internettelefonie wie Skype nicht eher um ein Nischenprodukt für Fernverbindungen, vor allem internationale Fernverbindungen handelt. Lokale und nationale Verbindungen sind viel zu billig, um dazu umständliche Internettelefonie zu nutzen. Insofern ist der Bedarf von Kunden daran auch kein allzu großer.
    Das größte Hindernis für eine langfristige Kundenbindung finde ich, dass Skype-Guthaben nach einem bestimmten Zeitpunkt einfach verfallen. Auf diese Weise dürften sicher auch Massen von Kunden verfallen, wenn sie die Guthaben-Verlängerung verpassen.

  2. Wollte gerade RebTel ausprobieren und bin doppelt sprachlos: gibt es nur Windows, nicht aber für Mac. Was für ein Mist!

    • Ich glaube, Rebtel machts sich ohnehin am besten auf dem Smartphone. Der Desktop-Client spielt nicht so eine zentrale Rolle wie bei Skype.

  3. Mir sind die Mängel von Skype erst aufgefallen, als ich das erste Mal FaceTime ausprobiert habe. Obwohl meine Internetverbindung nicht sonderlich schnell war konnte ich via FaceTime über zwei Stunden ohne Probleme telefonieren. Leider wird sich FaceTime wohl nicht durchsetzen, solange es nur mit iOS und Mac verfügbar ist. Außerdem funktioniert es nicht über 3G.

  4. Nicht nur im Punkto Sprachqualität lässt Skype deutlich zu wünschen übrig, auch die die Benutzerführung ist mit jeder Programmversion verschlimmbessert worden. Würden nicht so viele meiner Kontakte Skype benutzen, könnte man über einen Wechsel nachdenken.

    Eine weitere Alternative zu Skype ist Google+ Hangouts, die seit kurzen auch “Over the Air” angeboten werden.

    • Jo bei Hangouts hast du halt immer Video und es geht nicht vom Smartphone aus.

    • Hangouts gehen auch ohne Video (man kann die Kamera vor dem Starten des Hangouts ausmachen) und zumindest auf dem iPhone gibt es eine App über die ich auch via 3G an einem Hangout erfolgreich mit mehreren Personen teilnehmen konnte – in erstaunlich guter Qualität. Noch nicht ausprobiert, aber jetzt ebenfalls möglich: Leute via Telefon in ein Hangout dazunehmen.

  5. Kann es nicht auch am Provider liegen der Skype sabotiert. T-Online macht das meines Wissens dort konnte ich nicht richtig skypen nur Aussetzer, bei O2 hingegen hatte ich keine Probleme.

  6. Sehr zufrieden mit der Skype Qualität

    Ich kann mich über die Qualität von Skype überhaupt nicht beklagen. Wir benutzen Skype oft stundenlang für Meetings und nutzen zusätzlich eine Desktop-Sharing Lösung – kein Problem! Auch mit grossen Gruppen und Verbindungen ins Ausland nicht. Lediglich Nordamerika macht zu gewissen Zeiten etwas Mühe.

    Falls mal eine schlechte Verbindung vorhanden ist, unterbrechen und nochmals anrufen. Meistens ist dann die Qualität bedeutend besser.

    Dass es über 3G nicht einwandfrei funktioniert, liegt wohl eher an variierenden Datenübertragungskapazität. Dies liebt aber keine Softwarelösung.

    Wir werden nächstens die one-click-to-call Lösung von http://www.open-phone.net auf unserer Homepage einbinden. Dann kann uns ohnehin jeder Skyper kostenlos anrufen – egal woher. Damit wäre auch die Gebührenthematik erledigt.

  7. Hat jemand nähere Erfahrung mit vox.io? Ich hab den Dienst nur mal angetestet und zumindest bzgl. Usability einen sehr guten Eindruck gekriegt.

  8. Bin auch nicht sonderlich von der Sprachqualität bei Skype begeistert. Ich denke aber, dass sie oft auch von der Hardware und der Leitungskapazität abhängt. Beim letzten Call mit ca. 10 Personen (alle in Deutschland) sind mir extreme Unterschiede aufgefallen. Manche Teilnehmer waren sehr gut zu verstehen, andere so gut wie gar nicht. Und alle waren an einem Computer und nicht am Smartphone!
    Denke auch, dass sich MS nicht mehr allzu lange auf dem Vorteil der weiten Verbreitung ausruhen sollte.

  9. Also ich muss auch sagen das die Skype-Qualität bei mir recht gut ist und eher von der Qualität des Microphones abhängt als von der der Internetverbindung.

    Wir haben auch schon eine Konferenz-Situation mit mehreren Skypern gehabt wo wir einen ausgehenden Call zu einer Festnetzverbindung in GB hatten und das hat auch super geklappt und nur der Konferenzstarter musste Gebühren bezahlen.

    Qualitätseinbusen kenne ich nur dann wenn einer der Teilnehmer ein schlechtes Micro hat oder sein Rechner zu langsam ist … könnte beim Smartphone der Fall sein.

  10. Neben der Verbindungsstabilität finde ich das Userinterface der Desktopversion eine Zumutung. Ganz schrecklich. Ich frage mich, was die eigentlich den ganzen Tag machen…

  11. wir setzen skype auch fast täglich ein – sowohl für konferenzen im inland als auch für auslandskommunikation – und das klappt eigentlich prima :D

  12. Das simyo/E-Plus Rufnummern sperrt finde ich in Hinblick auf Netzneutralitaet wirklich problematisch. Das muesste man wirklich mal gesondert thematisieren!

    Hat eigentlich schon mal jemand die verschiedenen VOIP-Anbieter systematisch auf Sprachqualitaet/Bandbreite gestestet? Solange FriendCaller, Viper, Rebtel etc. ihre techn. Ueberlegenheit nicht mal demonstrieren, sehe ich keinen Grund von Skype umzusteigen (das ich auf meinem iPod touch laufen habe). Der Vorteil bei Sipgate ist natuerlich, dass man dort eine kostenfreie dt. Festnetzrufnummer bekommt und somit auch im Ausland guenstig/kostenlos angerufen werden kann :-)

  13. Sobald Microsoft was in die Hand nimmt treten Probleme auf. Skype lief bisher wunderbar bis die Übernahme zu Microsoft gestarte wurde. Unglaublich und sehr ärgerlich

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