Geschäftsnetzwerke:
Wie Xing und LinkedIn ideale
Konferenz-Apps werden würden

Die mobilen Apps von Xing und LinkedIn eignen sich zur schnellen Vernetzung auf Konferenzen. Was ihnen bisher fehlt, sind nachträglich durchsuchbare Angaben zu Standorten und Zeitpunkten der Kontaktaufnahme.

Wie regelmäßige netzwertig.com-Leser schon bemerkt haben mögen: Es ist Berlin Web Week und damit Konferenzzeit. In der vergangenen Woche besuchte ich die re:publica, heute und morgen halte ich mich auf der NEXT Berlin auf. Neben den Vorträgen stehen für mich bei derartigen Veranstaltungen primär die persönlichen Kontakte im Vordergrund – die man natürlich auch für später irgendwie festhalten möchte. Klar, spezialisierte Apps gibt es zu Tausenden, doch meist haben diese keine hinreichend große Marktdurchdringung, als dass sie sich im Praxiseinsatz ür das Festhalten der Kontaktdaten der aktuellen Gesprächspartner eigenen. Also landet man am Ende wieder bei der guten alten Visitenkarte oder verbindet sich direkt über die Smartphone-Apps von Xing oder LinkedIn.

In Bezug auf den mobilen, standortbasierten Kontaktaustausch mittels der zwei Geschäftsnetzwerke kam mir auf der re:publica eine Idee: Wenn ich auf einer Konferenz eine Kontaktanfrage an ein anderes Xing- oder LinkedIn-Mitglied schicke, dann ist das Risiko groß, dass ich mich in einem halben Jahr nicht mehr erinnern kann, wo ich dieser Person eigentlich begegnet bin (was zur Einordnung aber wichtig sein kann). Häufiger kommt es dagegen vor, dass ich mich Monate nach einem Event an den Vertreter von Startup XYZ entsinne, ohne dass mir der Name der Person oder des Unternehmens einfällt. Bisher zwingen mich beide Business Networks dazu, aufwendig mein Xing- bzw. LinkedIn-Adressbuch in der Hoffnung zu durchforsten, die entsprechende Person an ihrem Foto zu erkennen, und liefern mir zu den Personen in besagter Kontaktliste keinen Kontext darüber, ob ich diese auf einem Event kennengelernt habe.

Beides könnten die Geschäftsnetzwerke auf relativ simple Weise ändern. Der Einfachheit halber spare ich mir in meinen weiteren Ausführungen die Erwähnung von LinkedIn, auch wenn die beschriebene Funktionalität dort ebenfalls wünschenswert wäre. Aber da ich diesen Feature-Wunsch bereits an Xing übermittelt habe und weiß, dass dieser Beitrag dort auch gelesen wird, beziehe ich mich jetzt auf den norddeutschen LinkedIn-Konkurrenten.

Was ich mir von der Xing-App wünschen würde, wäre die Option, dass bei jeder über die mobile App ausgeführten Kontaktanfrage Standort-Meta-Daten gespeichert werden, die ich im Nachhinein auch über die Suchefunktion ansteuern und filtern kann. Letztlich gäbe es für diese Funktion zwei denkbare Herangehensweisen: Entweder der Prozess der Standortidentifizierung findet (nach einem einmaligen Opt-In) vollautomatisiert und dann unbemerkt vom Nutzer statt. Dies hätte den Vorteil, dass sich die meist parallel zum Gespräch und über ein traditionell überlastetes Mobilfunknetz oder Konferenz-WLAN durchgeführte Vernetzung nicht durch zusätzliche Abfragen weiter in die Länge ziehen würde. Gleichzeitig könnte Xing jjedoch nur erahnen, auf welchem Event oder an welchem Ort der Kontakt zustande kam, und im Nachhinein eine Suche nach Stadt oder Postleitzahl, jedoch nicht nach exakter Location anbieten.

Eine zweite Möglichkeit wäre ein expliziter Menüpunkt im Kontext des Kontaktanbahnungsprozesses der mobilen App, bei der Anwender aus einer Liste von Orten (beispielsweise importiert von foursquare) den genauen Standort bestimmten könnten. Dies würde den Vernetzungsvorgang etwas aufblasen, liefert dafür aber eine genaue Angabe über den Standort. Für die Suche Monate später nach allen Personen, mit denen man sich zum Beispiel auf der NEXT Berlin über Xing verbunden hat, wäre die Eingabe von “Next Berlin” oder des Veranstaltungsortes “Station Berlin” deutlich effektiver. Xing-Profile könnten künftig ein zusätzliches privates Feld erhalten, das den Ort und Zeitpunkt angibt, an dem die Kontaktaufnahme zustande kam.

Ein irgendwie gearteter Prozess der Aufzeichnung des Standorts erfordert keine technologischen Quantensprünge (für seine “Handshake”-Funktion nutzt die Xing-App bereits eine Ortsidentifikation) und würde auch keine datenschutzrechtlichen Bedenken mit sich bringen, zumindest wenn er per Opt-In-Verfahren zu aktivieren ist. Eine solche Funktion könnte aber der Tatsache Rechnung tragen, dass mobile Apps von Geschäftsnetzwerken als Ergänzung (oder Alternative) zu Visitenkarten verwendet werden und dass sich viele neue Kontakte über diese mobilen Apps dort anbahnen, wo man erstmalig mit den Personen in Kontakt gekommen ist. Zusätzliche Angaben zum Ort und Zeitpunkt würden eifrigen Netzwerkern im Nachhinein dabei helfen, maximale Nutzen aus ihren Xing-Kontaktaufnahmen zu ziehen.

Fändet ihr eine derartige Funktion nützlich?

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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10 Kommentare

  1. Hört sich nach einem nützlichen Feature an. Wobei man derzeit ja schon Notizen zu den Kontakten machen kann, dort könnte man also auch “Next Berlin 2012″ vermerken.

  2. Ich finde auch das ein einfaches Feld und eine gute Suchfunktion das Problem erschlagen würden.

    Vielleicht könnte sich die App die letzte Eingabe zum Standort ja sogar merken, das Feld aber minimieren, dann wäre es sicher; mit einem eigenem Tag wiederzufinden und ohne Mehraufwand benutzbar.

  3. Hast du dir schon mal Evernote Hello angeschaut?

  4. AFAIK gibt es doch Notizen und (zumindest bei Xing) auch Tags.

    • Beim Connecten über die mobilen Apps gibt’s all das nicht. Und bei manuellen Notizen wird das mit der Suche im Nachhinein nicht so gut funktionieren. Mal schreibt man “republica”, mal “re:publica”…

    • Gut, das habe ich nicht getestet ob es in den mobilen Apps verfügbar ist. Aber zumindest Tags wären ja standardisiert.

  5. benutze ein kurzes tag wie #rp12

    ich habe so ziemlich alle meine kontakte (bei xing, im handy und bei delicious) mit tags/namespaces versehen. allerdings bin ich auch entwickler, und nicht der otto-normal-benutzer

  6. Ein einfacherer Ansatz für Xing würde dem Netzwerk auch mehr bringen:

    Einfach anzeigen, auf welchen Events man an dem Tag (oder den zwei davor) angemeldet war (nur eigene Events). Dann hätt man noch den Anreiz, da auf “teilnehmen” zu klicken. ;)

  7. Bei Facebook gibt/gab es die Funktion. Natürlich nicht zum systematischen Durchsuchen/Filtern, doch komplett automatisch aufgrund einer simplen Logik:
    “Person A und Person B sind jetzt Freunde, nachdem sie beide an Veranstaltung C teilgenommen haben.” (siehe http://facebook.com/golem…ts/10150644894625637).

  8. Für Xing oder LinkedIn würden die daraus generierten, umfangreichen Bewegungsprofile der Nutzer sicherlich interessante neue Vermarktungsmöglichkeiten erschließen. Für mich tut’s allerdings ein einfacher Tag in meiner eigenen Kontaktdatenbank – die schon lange vor Xing und LinkedIn existiert hat und die vermutlich auch beide Netzwerke noch überleben wird. Auch, wenn es etwas untrendy klingen mag: Essenzielle Geschäftsdaten wie Kunden- und Kontaktprofile gehören nicht in die Cloud mit ihren schnell wechselnden Playernund noch schneller wechselnden Geschäftsbedingungen.

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