Kurz vor dem Höhepunkt im Hype-Zyklus:
Instagram ist das YouTube
des mobilen Zeitalters
Die milliardenschwere Übernahme von Instagram durch Facebook erinnert an die Akquisition von YouTube durch Google im Jahr 2006. Der damalige Deal ließ die Web-2.0-Euphorie ins Unermessliche steigen.
Als Google am 13. November 2006 die Übernahme der Videoplattform YouTube für 1,6 Milliarden Dollar bekannt gab, war dies nicht nur die bis dato größte Akquisition des Such- und Werbekonzerns, sondern auch die eines angesagten, schnell wachsenden Web-Startups ohne nennenswerte Umsätze. Schon damals wurden rund 100 Millionen Videos pro Tag abgerufen und 65.000 Clips täglich hochgeladen. Der Marktanteil im Onlinevideo-Segment lag in den USA bei etwa 46 Prozent. In den Jahren nach dem Kauf wuchs YouTube rasant weiter und liefert mittlerweile über vier Milliarden Videos pro Tag aus. Die Site ist unangefochtener globaler Marktführer (mit Ausnahme einzelner Länder wie China).
Inwieweit sich die lange Zeit unprofitable Videoplattform auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg entwickelt hat, darüber kann man nur spekulieren – Google weist hierzu keine separaten Angaben aus. Im vergangenen Jahr soll der Umsatz mit Anzeigen im Umfeld von YouTube-Videos sowie innerhalb der Clips bei geschätzten 1,6 Milliarden Dollar gelegen und damit durchaus Signifikanz erreicht haben. Bei den Streamingkosten profitiert der Videoservice von Googles einzigartiger IT-Infrastruktur und Marktposition, weshalb sogar vermutet wird, dass der Internetriese am Ende so gut wie gar nichts für die technische Übermittlung der Videos hinblättern muss.
Der YouTube-Kauf zahlt sich für Google aus
Auch wenn das 2005 gegründete Videoportal zum Zeitpunkt der Milliardenakquisition keine nennenswerte Monetarisierungsstrategie besaß und deshalb schnell als potenzieller Beleg für eine eventuelle Internet-Blase angeführt wurde, hat sich der Schritt rückblickend als Volltreffer herausgestellt. YouTubes Zukunftspotenzial kennt in einer sich radikal verändernden Bewegtbildlandschaft und angesichts der Dominanz des Dienstes rund um den Globus kaum Grenzen. Bereits erzielte Fortschritte bei der Vermarktung sowie vorhandene Synergieeffekte im Hause Google unterstreichen, dass der Webriese das Richtige tat, als er ein allseits gelobtes, aber kaum Umsätze generierendes Unternehmen für eine neunstellige Summe übernahm.
In einem lesenswerten Gastbeitrag bei TechCrunch argumentiert der Web-Entrepreneur Keith Teare, dass die viel beachtete Akquisition von Instagram durch Facebook in der vergangenen Woche die gleiche Symbolhaftigkeit und Wirkung für das mobile Internet habe, wie damals YouTube für das Web 2.0 oder zuvor der Netscape-Börsengang für das Web 1.0 hatte.
Es liegt in der Natur der Sache, dass eine genaue Analyse bedeutsamer Ereignisse und epochialer Trends erst möglich ist, nachdem man die jeweilige zeitliche Periode hinter sich gelassen hat. Denn heute weiß niemand, ob nicht in zwei Wochen eine andere Firmenübernahme im mobilen Sektor noch größere Ausmaße annehmen und damit den Instagram-Deal auch in unserer dauerhaften Erinnerung überflügeln wird.
Viele Parallelen zwischen YouTube 2006 und Instagram 2012
Trotzdem sind zahlreiche Parallelen zwischen YouTube 2006 und Instagram 2012 zu beobachten. Genau wie YouTube zwischen 2005 und 2006 als das bekannteste und am schnellsten wachsende Web-2.0-Startup galt, ist Instagram der erste nur für Smartphones (und bis vor zwei Wochen lediglich für das iPhone) verfügbare, auf der Vernetzung von Anwendern basierende Service, dem es gelang, innerhalb von nur anderthalb Jahren über 30 Millionen registrierte Mitglieder für sich zu gewinnen. Analog zu dem Videoportal anno 2006 verdient Instagram bisher kein Geld. Und in beiden Fällen handelte es sich bei dem Käufer um das im Lebenszyklus am vorteilhaftesten positionierte Unternehmen. Vor fünf Jahren hieß dieses Google. Heute ist es Facebook. Nicht zuletzt liegt auch die Summe, die schließlich den Besitzer wechselt, auf einem ähnlichen Niveau – zumal Instagram-Chef Kevin Systrom anfänglich zwei Milliarden Dollar von Mark Zuckerberg einforderte.

Google Trends illustriert, wie erste Erwähnungen des einst omnipräsenten Web-2.0-Begriffs 2005 auftauchen, im darauffolgenden Jahr kontinuierlich mehr wurden und 2007 ihren quantitativen Höhepunkt erreichten. YouTube steht stellvertretend für die Welle an erstmals mit User Generated Content experimentierenden Web-2.0-Startups dieser Ära, und die milliardenschwere Übernahme Ende 2006 gab dem sich ohnehin schon unkontrolliert ausbreitenden Boom zusätzlichen Zündstoff.
Bedenkt man, dass wir seit ungefähr zwei Jahren in steigendem Maße über mobile Apps statt über browserbasierte Onlinedienste berichten, dass mittlerweile jede(r) dritte Deutsche und fast jede(r) zweite Schweizer(in) ein Smartphone besitzt und dass Mobile-only-Anwendungen wie Instagram, foursquare (das seit einiger Zeit begrenzt auch über das stationäre Web genutzt werden kann) sowie Path großen Zulauf haben und mit Investorengeldern überschüttet werden, muss man sich schon anstrengen, um die ähnliche Positionierung von Youtube 2006 und Instagram 2012 im Hype-Zyklus nicht zu sehen.
In seinem Beitrag lässt sich der Unternehmer Keith Teare auch zu der Aussage hinreißen, Instagram wäre mit einer Milliarde Dollar ein Schnäppchen für Facebook. Zudem will er sich sicher sein, dass definitiv keine Blase existiert. Über beide Behauptungen kann man ausführlich streiten. Mit der Analogie zwischen YouTube und Instagram trifft er jedoch meines Erachtens nach ins Schwarze.
Unterschiedliche Motive für die Akquisition
Nur im Motiv für die Akquisitionen unterscheiden sich die zwei Beispiele: Google erwarb YouTube aus Neugier und ernst gemeintem strategischen Interesse. Facebooks hingegen sah sich nach einhelliger Expertenmeinung vor allem aus purer Furcht vor Konkurrenz (sowohl durch Instagram als auch durch einen Wettbeweber, der sich Instagram einverleiben könnte) zu der Übernahme bewogen.
Ob dies bedeutet, dass sich das Gespann Facebook-Instagram anders weiterentwickelt als Youtube unter Google seit 2006, sei an dieser Stelle dahingestellt. Die Signalwirkung auf die Branche dürfte sehr ähnlich ausfallen. In den Monaten nach dem YouTube-Deal explodierte die Web-2.0-Euphorie förmlich. Die Instagram-Übernahme wird der Mobile-Web-Landschaft eine ähnliche Entwicklung bescheren. Anschnallen ist angesagt.
(Screenshot Instagram: Flickr/BrentOzar, CC BY-SA 2.0)
(Illustration Hype-Zyklus: Wikimedia Commons)













Artikel per Feed
Newsletter abonnieren
Artikel bei Facebook
Artikel bei Twitter
Artikel bei Google+

26. Januar 2013 um 18:23
Es iat auf jeden Fall beeindruckend zu sehen, wie sich dieser Dienst innerhalb von 12-18 Monaten entwickelt hat. Sehr gutes Tempo. Was wir insbesondere gut finden, dass es nun auch einen ernsthaften Anbieter aus Deutschland in dem Mobile Dating Markt gibt. Auch kaum einer der großen bestehenden Online Dating Anbieter hat eine gute Mobile App vorzuweisen. Lediglich Friendscout muss sich nicht verstecken. Ansonsten sind es eher “kleinere” Unternehmen aus dem Ausland die auf den Markt drängen. Von daher Hut ab Lovoo. Wir hatten im Dezember auf eine Studie zu dem Thema Mobile Dating in Deutschland rausgebracht. Vielleicht interessant!