Instagram:
Ein einzigartiger Aufstieg

Instagrams Aufstieg wirkt wie aus dem Bilderbuch. Mit dem Launch der Android-Applikation wird sich das Wachstum des kalifornischen Fotodienstes noch beschleunigen. Der Druck auf die Konkurrenz nimmt zu.

Es ist ein absolut atemberaubendes Wachstum, das die aus New York San Francisco stammende iPhone-Foto-Applikation Instagram seit ihrem Launch im Oktober 2010 hingelegt hat. Innerhalb von nur sechs Tagen konnten sich die Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger über das Erreichen der Marke von 100.000 Downloads freuen. Sieben Monate später lag die Zahl der registrierten Instagram-Nutzer bereits bei stattlichen 4,25 Millionen.

Die App wuchs zu diesem Zeitpunkt mit rund einer Million Nutzern pro Monat, was ungefähr der damaligen Wachstumsgeschwindigkeit von foursquare entsprach, dem führenden mobilen Locationdienst. Nur hatte dieses aus New York stammende Unternehmen da bereits zwei Jahre auf dem Buckel. Es war also bereits absehbar, dass Instagram früher oder später nicht nur mit deutlich höherem Tempo neue Mitglieder gewinnen, sondern auch die Gesamtanwenderzahl von foursquare übertrumpfen können würde.

Mittlerweile ist dies längst geschehen. Der letzte bekannte Meilenstein von foursquare ist exakt vier Monate alt: Damals verkündete das Startup mehr als 15 Millionen Nutzer. Heute könnten es knapp 20 Millionen sein. Doch die Kollegen von Instagram sind bereits außer Reichweite: Rund anderthalb Jahre nach dem Start haben sich mehr als 30 Millionen Menschen bei Instagram registriert.

Erfolgreichste Social-App auf nur einer Plattform

Schon alleine angesichts der Tatsache, dass es sich bei Instagram um eine funktionelle, aber konzeptionell durchaus triviale Foto-Applikation mit unzähligen Konkurrenten handelt, ist dies ein äußerst beachtliches Ergebnis. Noch beeindruckender erscheint der Erfolg aber mit Blick auf die bis dato exklusive Verfügbarkeit für iPhones (und andere iOS-Geräte, die jedoch nicht im Vordergrund stehen). Instagram dürfte damit die erfolgreichste Social App im mobilen Web sein, die lediglich für eine Plattform verfügbar war (und eine der wenigen, für die diese Strategie aufging). Genau, “war” – denn am Dienstag hat das Startup, wie eben in Linkwertig schon berichtet, seine lang ersehnte Android-Applikation lanciert.

Damit steht Instagram jetzt für die zwei wichtigsten Smartphone-Betriebssysteme zur Verfügung. Sowohl die 430.000 Android-Nutzer, die sich in den vergangenen Wochen auf die Warteliste für den Launch der App eingetragen haben, als auch auch die mittlerweile das iPhone überflügelnde Bedeutung der Android-Facebook-App können also Indizien dafür gewertet werden, was in den nächsten Wochen auf Instagram zukommt: Ein Ansturm an neuen Mitgliedern, deren Mobiltelefone mit dem Google-Betriebssystem nun endlich mit Instagram kompatibel sind.

Android-App wird Wachstum beschleunigen

Das ohnehin schon exponentielle Wachstum der Foto-Sharing-Anwendung vom Big Apple wird sich somit noch deutlich verstärken. Zumal Instagram wie alle anderen Social-Web-Dienste, bei denen sich Anwender untereinander vernetzen (im Falle von Instagram über das Follower-Prinzip) dem Gesetz der Netzwerkeffekte folgt: Mit jedem neuen Anwender erhöht sich die Attraktivität des Dienstes für alle bestehenden Mitglieder.

Bisherige Instagram-Anwender dürfen sich also darauf einstellen, viele alte Bekannte aus dem Web künftig unter ihren Followern vorzufinden. Und die Instagram-Neulinge mit Android-Geräten wiederum werden kaum lange brauchen, um sich mit Followern und gefolgten Nutzern auszustatten – denn viele iPhone-Besitzer aus ihrem Social Graph sind bereits bei dem Service vertreten.

Harte Zeiten für die Konkurrenz

Für Instagram-Konkurrenten wie picplz oder die aus Deutschland stammenden Anbieter EyeEm und tadaa ist jeder zusätzliche Instagram-Nutzer schmerzlich. Zwar existieren über alternative Filter, höhere Fotoauflösungen und andersartige Sortier- und Taggingfunktionen Differenzierungsmöglichkeiten. Doch jede Minute, die Anwender mehr bei Instagram verbringen, ist eine weniger, um welche die Wettbewerber kämpfen können.

Obwohl sich angesichts der rasanten Nutzerzuwächse der Eindruck aufdrängt, das mobile Foto-Sharing-Segment hätte die selben “Winner Takes It All”-Tendenzen wie andere Bereiche des sozialen Webs, zeigen sich die Berliner EyEm-Macher optimistisch: “Die große Herausforderung der Bilderflut in sozialen Netzwerken bleibt nach wie vor Kontext und Relevanz. Ich denke, dass wir mit unserem besonderen Anspruch an Design und der Möglichkeit über soziale Verbindungen hinaus Fotos und Personen zu entdecken, auf dem Markt nachhaltig sehr gut aufgestellt sind”, erklärte uns Mitgründer Flo Meissner.

EyeEm gibt es sowohl für iPhone als auch Android. Doch mit dem Vorteil, anders als Instagram auf der zweiten wichtigen mobilen Plattform präsent zu sein, ist es nun vorbei. Meissner betont aber, dass rund 50 Prozent der EyeEm-Downloads ohnehin auf iOS entfallen – obwohl die Hauptstädter dort seit langem mit Instagram und anderen Diensten um die Aufmerksamkeit der Nutzer buhlen.

Auch Nikolas Schoppmeier, Gründer und Geschäftsführer von tadaa, gibt sich betont zuversichtlich: “Der Markt um mobile und social steht immer noch ganz am Anfang. In den nächsten Jahren werden viele hundert Millionen Menschen mit HD-Kameras und schnellem Internet dazukommen. Da gibt es viel Platz für Wettbewerb, insbesondere für eine HD-Kamera App wie tadaa, bei der man sich nicht anmelden muss und die ein vielfaches der Auflösung und Qualität von Instagram bietet. Wir freuen uns drauf!”

Für Instagram jedenfalls ist der Android-Launch ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur absoluten Dominanz des mobilen Fotomarktes. Manche Beobachter sehen Instagram bereits als Ablösung nativer Smartphone-Kamera-Apps. Derzeit scheint nichts den Aufstieg des gerade mal neun zwölf Mitarbeiter zählenden Startups aufhalten zu können. Mit den Schätzungen, in wie viel Wochen die 50-Millionen-Mitglieder-Marke durchbrochen wird, darf begonnen werden.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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9 Kommentare

  1. Ich finde den vergleich zwischen Instagram und Foursquare nicht ganz passend, auch wenn es dir um die Beschreibung der Entwicklungsgeschwindigkeiten von Social Apps geht. Visuelle Kommunikation verspricht dir ja viel mehr emotionale Momente an denen du dein Netzwerk teilnehmen lassen möchtest, als an der Tatsache sich an einem Ort zu befinden und dies zu sharen.

    • Stimmt schon. Ich habe diesen Vergleich nur gewählt, weil foursquare und Instagram im Prinzip die ersten zwei richtig großen Social Apps waren, die nur für Mobile existierten.

  2. EyeEm hat aus meiner Sicht keinen Grund, sonderlich optimistisch zu sein. Während auf instagr.am die Community Features funktionieren, dort lebhaft kommentiert und geliked wird, ist bei EyeEm tote Hose. Der Ansatz, dass man ähnlich vertaggte Bilder/Orte sehen kann, finde ich nicht überzeugend. Ich will entweder gute Bilder von Leuten, die fotografieren können, oder Bilder von Leuten, die ich persönlich kenne. Diese wirre automatische Vertaggung auf EyeEm bringt mir hingegen keinen Mehrwert. Während ich auf instagr.am > 30.000 Follower habe und im Durchschnitt mehr als 100 Likes/Kommentare erhalte, findet auf EyeEm so gut wie keine Resonanz statt. Eigentlich schade, aber eine hübsche App allein, tut ‘s halt auch nicht.

    Und Tadaa spielt nun überhaupt keine Rolle. Entweder ist man da, wo etwas los ist – oder man behält seine Bilder ganz einfach für sich.

  3. da waren wohl ios-app-entwickler am werk -_-

    die app bleibt und is so lange unbrauchbar sofern sie denn nicht app2sd wird!

    es ist ja schon eine frechheit der hersteller der geräte die interne speicher völlig weltfremd niedrig halten mit ein paar hundert mb und/oder in teilen begrenzen auf 8, 16 oder 32gb. aber wenn dann die app grob 16mb groß is und sich ins system legt dann fehlt mir dafür jedes verständnis!

  4. Aber nur so ist Gewährleistet das die nächste Generation auch gekauft wird :-(

  5. Und jetzt die Übernahme durch Facebook für 1 Milliarde $.
    BOOM!

  6. ich als fotograf sehe diese entwicklung mit gemischten gefühlen. natürlich ist das teilen seiner fotos eine tolle sache – aber ist es eigentlich allen facebook usern bewusst, dass die bildrechte aller fotos die auf facebook gepostet werden an fb übergehen? und wenn nun instagram auch facebook gehört- wie sieht es dann mit den bei instagram geteilten fotos aus? ich gebe mir die größte mühe ansprechende und aufwendig produzierte und besondere 3d bilder und 360 grad ansichten zu erstellen – aber verschenken möchte ich sie nicht.

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  1. [...] Von null auf 20 Mio Nutzer: Martin Weigert analysiert die einzigartige Erfolgsgeschichte von Instagram. Ab heute auch als Android Variante. Netzwertig [...]

  2. [...] des sozialen Netzwerks.Dieser Beitrag wird aktualisiertinstagram110Erst vor wenigen Tagen skizzierten wir den einzigartigen Aufstieg der Foto-Sharing-Applikation Instagram. Innerhalb von anderthalb Jahren ist es dem Startup aus San [...]

  3. [...] in und auswendig kennen, oder anders gesagt: für die Android-Fraktion unter euch, sei hier mal auf Martin Weigerts Beitrag auf netwzertig.com verwiesen. Das kann ich eh nicht besser, also lest das, wenn ihr euch informieren wollt. Wie der [...]

  4. [...] der Höhe der Übernahmesumme von einer Milliarde Dollar, sondern auch, weil das rapide Wachstum der seit neuestem für Android erhältlichen Foto-Sharing-Applikation sowie die durchaus attraktiven Vermarktungsoptionen, die eine derartig die [...]

  5. [...] explosives Wachstum an den Tag legen kann, wie es Instagram in den letzten anderthalb Jahren getan hat, dann liegt der Gedanke nahe, dass sich ein derartiger Erfolg mit einer vergleichbaren Anwendung [...]

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