Standortbasierte Werbung:
dealomio und local.ch
setzen auf mobile Angebote

Die zwei mobilen Dienste dealomio aus Berlin und local.ch aus Zürich wollen werbetreibenden Händlern und Marken eine Möglichkeit einräumen, potenzielle Kunden auf ihrem Mobiltelefon zu erreichen, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe befinden.

Standortbasierte Sonderangebote und Kommunikationsbotschaften an Konsumenten auszuliefern, ist eines der vielversprechendsten Segmente der Onlinewerbung. Mit omnipräsenten mobilen Internetverbindungen, einer wachsenden Zahl an Smartphones und einem Gewöhnungseffekt der Anwendern an neue technische Möglichkeiten gewinnen Maßnahmen zum Erreichen von Verbrauchern in der Nähe des Point-of-Sale stetig an Attraktivität. Wer sich nur 50 Meter von einem Geschäft oder Restaurant aufhält, wird deutlich empfänglicher für dessen Angebote sein als Personen in zehn Kilometer Entfernung oder vor dem heimischen Rechner.

In der vergangenen Woche haben zwei Onlinedienste aus dem deutschsprachigen Raum entscheidende Vorstöße in den potenziell hochgradig lukrativen Bereich des “Location Based Marketings” gemacht: Der Berliner Service dealomio sowie die Zürcher Suchmaschine local.ch, eine der drei meistbesuchten Websites der Schweiz.

dealomio ging Anfang September vergangenen Jahres als mobiler Schnäppchendienst ins Rennen. Nutzer können seitdem deutschlandweit an ihrem jeweiligen Standort verfügbare lokale Angebote finden, die jedoch nur einige Stunden Gültigkeit besitzen und somit einen schnelle Entschluss erfordern. Die Deals werden sowohl über dealomios eigene iPhone- und Android-App als auch über die mobilen Angebote von Reichweitenpartnern wie Bild, Barcoo und klickTel ausgeliefert. Pro Monat erreicht dealomio-Betreiberin Servtag so nach eigener Aussage sechs Millionen User.

Mit einer Reihe neuer Aktionsarten, die über das klassische Bereitstellen von bei umliegenden Händlern abzuholenden Sonderangeboten hinausgehen, vollziehen die Hauptstädter nun den endgültigen Schritt von einem Schnäppchendienst zu einem mobilen Werbenetzwerk: Ab sofort können Werbekunden zwischen sechs verschiedenen Aktionen wählen, die Smartphone-Nutzern der dealomio-App sowie der Partnerangebote an frei definierten Standorten präsentiert werden:

Eine dealomio-Anzeige kann künftig nicht nur Kunden über eine Kartenansicht in ein Geschäft führen, sondern auch telefonischen Kontakt vermitteln, auf eine Website verweisen, eine Newsletter-Registrierung anbieten, ein Werbeprospekt anzeigen sowie eine Interaktion mit Twitter, YouTube, E-Mail oder SMS einleiten. dealomios Werbekunden erhalten so beispielsweise die Gelegenheit, Verbrauchern an einem bestimmten Ort ein Video zu einem spezifischen Produkt zu präsentieren oder sie auf dem Mobiltelefon zu einem Onlineshop zu leiten. Gezahlt wird pro Klick der Nutzer.

dealomio-Anzeige (links) und local.ch-App

Auch in der Schweiz werden Verbraucher unterwegs in Zukunft zielgerichteter mit standortabhängigen Angeboten versorgt: local.ch, eine Mischung aus Suchmaschine und Branchenverzeichnis, rüstet seine iPhone-, Android- und Windows Phone-App derzeit mit der so genannten Funktion „Mobile Business Alert“ aus: kleine bis mittelständische Händler und Firmen erhalten so die Chancen, die rund 1,5 Millionen Nutzer der Local.ch-App über Sonderaktionen in ihrer Nähe zu informieren. Das Zürcher Unternehmen geht damit in der Alpenrepublik den Schritt, den dealomio in Deutschland im Herbst getan hat.

Anders als bei den Berlinern wird für Werbende bei local.ch jedoch nicht eine Gebühr pro Klick eines App-Nutzers auf das jeweilige Angebot fällig, sondern eine jährliche Pauschal von 700 Franken (rund 580 Euro). Werbekunden dürfen dann für ihren gebuchten Standort so viele Aktionen schalten, wie sie möchten – maximal drei parallel. So soll Missbrauch beispielsweise durch Konkurrenten verhindert werden, welche durch systematisches Klicken der Anzeige eines Wettbewerbers dessen Marketingkosten in die Höhe treiben könnte.

dealomio und local.ch kommen mit ihren Location-Based-Marketing-Konzepten in Deutschland und der Schweiz den führenden Schnäppchendiensten wie Groupon oder DailyDeal zuvor. Deren Geschäftsmodelle wären angesichts der großen Kundenbasis sowie existierender mobiler Apps prädestiniert für diese Art des ortsbasierten Marketings. In den USA existiert mit Groupon Now seit fast einem Jahr auch ein entsprechendes Angebot – ob erfolgreich, ist unklar.

In standort- und situationsbasierter mobiler Werbung liegt enormes Potenzial. Ob sich die Ansätze von dealomio und local.ch als dauerhaft effektiv erweisen, bleibt abzuwarten. Mit der Erfahrung, die beide Unternehmen aber in diesem Wachstumsmarkt sammeln, verschaffen sie sich eine optimale Ausgangslage.

Nachtrag: Auch das Kölner Empfehlungsportal plazaa bietet mittlerweile lokalen Geschäften die Möglichkeiten zur ortsbezogenen Werbung und liefert diese auch über externe Partner aus.

Kenntlichmachung: local.ch ist Kunde von netzwertig.com-Betreiberin Blogwerk und ein befreundetes Unternehmen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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