Mehr Effizienz und Nachhaltigkeit:
Startups läuten die Mobilitätsrevolution ein

Von RideSharing über CarSharing bis hin zu TaxiSharing – eine wachsende Zahl von Startups aus Deutschland will Mobilität und Nachhaltigkeit mit Hilfe digitaler Technologien besser miteinander vereinbar machen.

Anfang 2011 beschrieben wir in einem Artikel, wie junge Startups aus Deutschland an Lösungen arbeiten, die das private Automobil zunehmend überflüssig machen sollen. Doch gut ein Jahr später zeigt sich, dass das damalige Treiben junger, webgestützter Firmen nur den Anfang eines breiten Trends markierte, in dessen Rahmen eine wachsende Zahl an Anbietern eine nachhaltigere und effizientere Autonutzung ermöglichen möchte.

Im damaligen Bericht erwähnten wir unter anderem das von flinc entwickelte Konzept einer Echtzeit-Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten über Smartphones und Navigations-Apps. Das Darmstädter Startup gehört heute zur Speerspitze dieser neuen Mobilitäts-Startups. Erst am Freitag veröffentlichten wir einen kleinen Statusbericht über das Unternehmen und sein über 50.000 Anwender zählendes “Mobilitätsnetzwerk”, das gerade durch eine sinnvolle Kooperation mit dem Carsharing-Dienst DriveNow von sich Reden macht.

Besagtes Carsharing-Konzept war ein Schwerpunkt unseres damaligen Beitrags: Sowohl DriveNow als auch ZebraMobil und car2go bieten in unterschiedlichen Städten eigene Fahrzeugflotten an, die im Verbund mit dazugehörigen Onlineportalen und mobilen Anwendungen das spontane, bequeme und kostengünstige Anmieten von fahrbaren Untersätzen erlauben. Beachtlich ist, dass die Autohersteller selbst sich trotz der Kannibalisierungsgefahr an derartigen Projekten beteiligen: DriveNow ist ein Join-Venture von Sixt und BMW, und car2go gehört der Daimler AG.

Der Stuttgarter Autohersteller ist seit Anfang 2012 auch an einem anderen deutschen Startup beteiligt, das die derzeitige Mobilitätsrevolution tatkräftig vorantreibt, nämlich myTaxi. Im März 2010 veröffentlichte das hinter myTaxi stehende Jungunternehmen Intelligent Apps aus Hamburg seine Smartphone-App zur Taxibestellung vom Mobiltelefon aus – und wirbelt mit seinem Verfahren, bei dem Buchungen der Fahrgäste direkt an die Taxifahrer vermittelt werden, eine ganze Branche auf. Taxizentralen werden mit dem myTaxi-Ansatz überflüssig, was sowohl zur Schikanierung des “Eindringlings”, aber auch zur eiligen Veröffentlichung eigener Apps durch die Zentralen führte.

myTaxi hat eine unbewegliche, nicht gerade von Innovationsdrang geprägte Branche in Bewegung gesetzt, wovon Fahrgäste und experimentierfreudige Taxifahrer gleichermaßen profitieren. Mittlerweile können über den Service, der seit kurzem auch eine Bestellmöglichkeit über die die myTaxi-Website anbietet, in 13 deutschen Städten, in Wien sowie in Barcelona Taxis per Knopfdruck geordert werden.

Eine Kombination aus Online-Taxibestellung sowie dem unter anderem von flinc praktizierten RideSharing – was im Gegensatz zu CarSharing bedeutet, dass sich mehrere Fahrgäste auf der selben Strecke ein Auto teilen – hat das Schleswig-Holsteiner Unternehmen colexio entwickelt. Der Service will Fahrgästen mit Hilfe einer mobilen App das Teilen von Taxifahrten schmackhaft machen. Anders als bei myTaxi laufen die Bestellungen, die von Nutzern über die App gemacht werden, über lokale Taxizentralen. Finden sich für eine Fahrt mehrere Fahrgäste, teilen sie sich die Taxigebühren.

Derzeit wird colexio für Touren zwischen dem Münchner Flughafen und der Innenstadt der bayerischen Metropole getestet. Das Unterfangen ist durchaus mit einem Risiko für die Taxiunternehmen verbunden: Denn im schlechtesten Fall finden sich zahlreiche “Fahrgesellschaften” zusammen, die sonst jeweils mit einem einzelnen Fahrzeug und damit zum Vollpreis gefahren werden. Doch die Betreiber hoffen darauf, dass durch die deutlich günstigeren Preise beim Teilen von Taxis eine neue Kundschaft erschlossen werden kann, der eine herkömmliche Einzelfahrt bisher zu teuer war.

Aus Berlin kommt mit Better Taxi ein Startup, das einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt und ebenfalls auf die Vermittlungsdienste der Taxizentralen setzen will. Noch ist der Dienst jedoch in der Entwicklung, der Launch soll für den April geplant sein.

PocketTaxi, ein weiterer “Revoluzzer” aus Deutschland, was das Thema Mobilität betrifft, trägt zwar ebenfalls den Taxi-Begriff im Namen, fokussiert sich aber auf die Bereitstellung eines Dienstes zur effizienten Bildung von privaten Fahrgemeinschaften. Das Karlsruher Unternehmen stellt deshalb eher eine Konkurrenz zu flinc dar, verzichtet jedoch auf dessen Echtzeit-Komponente. PocketTaxi konzentriert sich stattdessen auf von Menschen regelmäßig durchgeführte Fahrten, die schon im Vorfeld absehbar sind und daher auch vorab geplant werden können, wie zum Beispiel Touren ins Büro. Derzeit steht der Service für die Mitarbeiter einiger in Karlsruhe ansässiger Firmen zur Verfügung. Interessenten können sich in eine Warteliste eintragen, um über den öffentlichen Launch informiert zu werden.

Neben RideSharing-Diensten, smarten Taxi-Apps und institutionellen Carsharing-Angeboten stellen Peer-to-Peer-Carsharing-Plattformen eine vierte Säule des neuen, digital vernetzten Mobiltätssegments dar: tamyca, Autonetzer, Nachbarschaftsauto und rent-n-roll heißen die aufstrebenden Startups, über deren Marktplätze Autos von Privatpersonen an Privatpersonen vermietet werden. Menschen, deren Kfz nur selten Anwendung finden, können diese für einige Tage anderen Personen überlassen und so nebenbei etwas Geld verdienen.

Während die diversen in letzter Zeit gegründeten Firmen das Thema Mobilität von verschiedenen Seiten aus angehen, vereint sie das gemeinsame Ziel einer besser koordinierten und nachhaltigeren Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Nicht jedes Modell wird funktionieren, und nicht jedes genannte Startup wird überleben. Die grundlegenden Ideen jedoch unterstreichen, wie digitale Technologien sinnvoll zur Verbesserung und Neuordnung bestehender Verfahrensweisen eingesetzt werden und wie mit ihnen im Idealfall eine bessere Welt geschaffen werden kann.

(Foto: Flickr/Peter Blanchard, CC BY-SA 2.0)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. Sehr interessantes Thema. Danke Martin.

  2. Einerseits begrüße ich die gesamte Veränderung, auf der anderes Seite betrachte ich sie auch mit Sorge.
    Gestern habe ich noch einen Bericht gesehen über Israel und den Iran. Diese Länder sind seit langem verfeindet und drohen sich sogar ständig gegenseitig mit Krieg.
    Die beiden Völker dieser Nationen nutzen Facebook zur Völkerverständigung und setzen somit ein Zeichen, was wirklich einfach nur eindrucksvoll ist. Das ist für mich ergreifend.
    Auf der anderen Seite wird es auch Verlierer geben. Wenn es keine normalen Taxen mehr gibt… Naja, jemand der 20 Jahre ein Taxiunternehmen besessen hat, wird wohl eher nicht so schnell mit dem Internet klar kommen.
    Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der Veränderungen mag und begrüßt.
    Trotzdem sehe ich dadurch weiter den Mittelstand bedroht. Wenn der stationäre Handel und dazu zähle ich jetzt auch Dienstleister wie Taxiunternehmen nicht bald auf diese Revolution reagiert, haben wir bald nicht mehr den Deichmann als Schuhgeschäft, sondern Zalando.

  3. Super spannendes Thema, danke für interessante Denkansätze.

  4. Schön zu sehen dass sich immer mehr Startups durchsetzen, vor allem in Deutschland in der IT Branche mit interessanten Ideen. Natürlich hat das nicht immer nur Vorteile (Wie am Beispiel der Taxizentralen), da dadurch auch Leute ihre Jobs verlieren können.

    Aber dennoch muss man mit der Zeit gehen. Diese Startups tun dies und finden ein passendes Publikum für ihr Produkt.

  5. Colexio funktioniert eh nur in München organisiert euch bei Transfairo an jedem Flughafen auf der ganzen Welt und bestellt euch ein gemeinsames Taxi wo Ihr wollt oder fahrt mit anderen in Fahrgemeinschaften zum Flughafen.

  6. Ich finde die Veränderungen die sich im Möbilitätsbereich derzeit vollziehen extrem spannend. Ich habe bereits viele Services ausprobiert.

    Daimler ist bei car2go im Bereich AtoB Carsharing im innerstädtischen Bereich sicher führend und ja bereits in mehreren internationalen Städten vertreten. Man darf nicht vergessen dass Daimler bereits seit mehr als 3 Jahren ein Pilotprojekt in Ulm am laufen hatte und alle anderen Automobilhersteller erst später auf diesen Trend aufgesprungen sind. DriveNow von BMW ist vom System her eine 1:1 Kopie von car2go. Allerdings fahren die Schwaben meiner Meinung nach den konsequenteren und praxistauglicheren Kurs: Es wird aktuell nur ein Fahrzeug eingesetzt: der Smart. Für Großstädte wegen seiner Größe ideal, man bekommt mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit einen Parkplatz. Mit einem Mini oder X1 fällt einem das schon sehr viel schwerer. Denn ich möchte nur eins: Günstig von A nach B, mit maximaler Flexibilität und Verfügbarkeit und zu möglichst geringen Kosten. Die Lösung der Parkplatz Problematik gehört sicher zu den größten Herausforderungen in den nächsten Jahren. Dabei stehen Städte vor dem Konflikt, den stark subventionierten ÖPNV Konkurrenz zu machen und wertvollen und knappen Parkraum im Zentrum für Carsharing Anbieter freizugeben.

    Colexico ist völliger Nonsens und weder professionell programmiert noch funktioniert es. Hier glaube ich nicht an einen Erfolg. Von der Idee her sicherlich gut, der Praxistest hat mich bei meinem letzten Besuch in München jedoch schockiert. Das kann man nicht ernst nehmen.

    flinc ist eine nette Idee, aber meilenweit davon entfernt eine funktionierende Lösung anbieten zu können. An eine Echtzeit Vermittlung glaube ich sowieso nicht (Mangelnde Reichweite, Netzwerkeffekt, Mangelnde Zeit- und Streckentoleranz bei Kurzstrecken). Das System der Mitfahrgelegenheiten funktioniert ja in Deutschland bereits seit mehreren Jahrzehnten ganz hervorragend. Früher noch am Bahnhof bei der ADM oder Citynetz Mitfahrzentrale, bereits seit langem auch im Internet über etablierte Webseiten wie mitfahrzentrale.de oder mitfahrgelegenheit.de, die beide auch bereits als iPhone oder Android App verfügbar.

    Pockettaxi ist bisher nur für Kunden zu testen, aber auch hier zweifel ich den Erfolg an (NETZWERKEFFEKT).

    Bei den Peer-to-Peer Carsharing Anbietern muss man schauen. Hier glaube ich nur an eine Lösung mit Hardware, sprich einer Keycard mit der ich das Fahrzeug öffnen kann. Hier scheinen einige Player wie tamyca auf dem richtigen Weg zu sein.

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