Startups:
Eckpfeiler einer optimalen Launchstrategie

Ein gelungener Launch ist die essentielle Basis, auf der Internet- und Mobile-Startups ihren künftigen Erfolg aufbauen. Hier sind einige Tipps, wie das Debüt junger Dienste gut gelingt.

Wenn man über die Jahre hunderte Startup-Debüts redaktionell begleitet, lernt man mit der Zeit zu verstehen, welche Ansätze funktionieren und welche nicht. Unweigerlich entwickelt man gedanklich eine ganz persönliche Launchstrategie, die sämtliche beobachteten Erfolgsfaktoren berücksichtigt und somit zumindest auf dem Papier maximale Aussichten auf Gelingen verspricht.

Heute möchte ich beschreiben, wie der optimale Start eines jungen Internetdienstes meiner Ansicht nach ablaufen müsste, um beste Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum und Bestehen zu schaffen. Die folgenden Punkten fokussieren sich dabei auf junge Webfirmen mit einem breiten Endanwenderfokus, die über eine ausreichende Finanzierung verfügen und somit in den Anfangstagen nicht jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Für Anbieter im B2B-Umfeld, solche in spezifischen Nischen sowie für Firmen, die Bootstrapping betreiben, also die Entwicklung aus eigener Tasche finanzieren, könnten einige der aufgeführten Aspekte daher nicht anwendbar sein. Auf Monetarisierungsstrategien gehe ich an dieser Stelle nicht ein, da diese häufig erst in einem späteren Schritt implementiert werden.

Frühzeitig auf sich aufmerksam machen
Ich hatte kürzlich in diesem Beitrag beschrieben, wie wir immer wieder von Startups mit guten Ideen kontaktiert werden, denen es jedoch vollständig an einflussreichen Kontakten mangelt. In den meisten Fällen wird ein neuer Dienst daran scheitern. Deshalb wäre mein Ansatz, frühzeitig vor der Lancierung mit dem Netzwerken zu beginnen. Das bedeutet, vorab mit PR-Arbeit auf sich aufmerksam zu machen – nicht unbedingt durch das Kontaktieren von Medien, sondern in Form eines Blogs, einer Präsenz in Social-Media-Kanälen oder durch andere kreative Aktionen, die dafür sorgen, dass der Name des eigenen Startups schon einmal eine gewisse Bekanntheit erreicht. Ebenfalls würde ich mich auf einschlägige Branchenevents begeben und mit anderen Gründern sowie mit Multiplikatoren Kontakt aufnehmen, die für ihren Einfluss und ihr Netzwerk bekannt sind. Ziel des Ganzen: So viele Fürsprecher wie möglich zu gewinnen, die einem, wenn es richtig losgeht, mit moralischer Unterstützung, mit Ratschlägen, aber auch mit Retweets, “Likes” etc. beistehen.

Eine Sache sollten Startup-Gründer hierbei jedoch auch beachten: Der positive Effekt des Pre-Launch-Networkings verschwindet, wen sie sich zu Nervensägen entwickeln.

Auf den wichtigsten mobilen Plattformen vertreten sein
Nicht jeder neue Service benötigt um jeden Preis eine native mobile Applikationen. Sofern diese aber ein wichtiges Element eines Produkts darstellt, sollten die zwei wichtigsten Plattformen berücksichtigt werden, und das sind zum aktuellen Zeitpunkt iOS und Android. Noch immer beschränken sich viele Startups darauf, zu Anfang nur eine iOS-Applikation zu veröffentlichen – zumeist aus Ressourcenmangel (entweder fehlt das Geld für weitere Entwickler, oder es mangelt an guten Android-Developern).

Sicherlich gibt es Beispiele für Anbieter, die trotz eines Ein-Plattform-Ansatz (üblicherweise iOS) explosionsartig gewachsen sind. Instagram ist ein solcher Fall. Doch dabei handelt es sich um die Ausnahme, nicht die Regel. Startups, die nicht bewusst eine Verknappung und eine Fokussierung auf die noch immer als trendiger geltenden iOS-Nutzer anstreben – womöglich, um dadurch sukzessive ein Begehren bei Benutzern anderer Plattformen zu erzeugen – sollten alles in ihrer Macht stehende dafür tun, mit iOS- und Android-App zu beginnen. Sonst ignorieren sie einen Markt, der täglich um 850.000 Geräte wächst.

Für konzentrierte Medienberichterstattung sorgen
Nicht alle Journalisten und Blogger mögen Sperrfristen, und nicht jede Sperrfrist ist sinnvoll (zum Beispiel, wenn sämtliche Informationen bereits frei im Netz stehen). Angesichts der durch eine gerechtfertige Sperrfrist geschaffenen Konzentration an parallel veröffentlichten Artikeln und dem so bei Early Adoptern augelösten Gefühl, Erwähnungen eines frisch gestarteten Startups einfach nicht entkommen zu können, lässt sich ein effektives “Momentum” erzeugen. Wenn durch eine Reihe zeitlich abgestimmter Beiträge der allgemeine Eindruck entsteht, ein neuer Onlineservice sei das Gesprächsthema des Tages, dann wird daraus die berühmte, sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Was ich machen würde: Die wichtigsten Branchenmagazine, Tech-Blogs und von meiner Zielgruppe gelesenen Medienangebote einige Tage vor dem Launch benachrichtigen, von ihnen vorab das Ok einholen, dass sie für die zu übersendenden Informationen über ein neues Startup eine Sperrfrist akzeptieren, und dann allen den gleichen Zeitpunkt zur Veröffentlichung nennen (sowie die Informationen und einen Testzugang senden). Aus Gründen der Fairness empfiehlt es sich auch, darauf hinzuweisen, welche anderen Medienangebote ebenfalls informiert wurden. Je geringer deren Zahl ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eingeweihten Journalisten und Blogger tatsächlich berichten werden. Und je nach Geschäftsidee und Zielgruppe kann natürlich auch eine Exklusivstory sinnvoll sein. Weitere Tipps zur Kontaktaufnahme mit Tech-Blogs findet ihr hier.

Nach dem Launch nicht verstummen
Ein lauter Knall zum Start reicht selbstverständlich nicht aus. In den folgenden Tagen, Wochen und Monaten sollten Startups alles dafür tun, um im Gespräch zu bleiben – sowohl bei anderen Gründern und Investoren, als auch bei Branchenbeobachtern, Journalisten und Usern. Wege, um dies zu erreichen, gibt es zahlreiche: Von einem stetig mit interessanten Informationen aktualisierten Firmenblog über regelmäßige Produkt-Updates, eine aktive Pressearbeit, um in den Medien zu bleiben, bis hin zu kreativen PR- und Marketing-Aktionen. Außenstehende müssen das Gefühl bekommen, dass das Energielevel und der Tatendrang des Unternehmens nach den tosenden Anfangstagen nicht nachgelassen hat.

Permanentes Nachjustieren des Angebots
Kein neuer Service ist perfekt, wenn er an den Start geht – und wenn doch, dann hätte der Launch schon deutlich früher erfolgen müssen. Entsprechend essentiell ist es, das Verhalten der Anwender zu beobachten und vom ersten Tag an nachzujustieren, wo notwendig. Vorbildlich darin ist Quote.fm aus Hamburg, das nahezu im Wochentakt minimale Veränderungen an der Funktionalität vornimmt, ohne aber dadurch das Grundkonzept zu beschädigen. Erst durch Experimente, das bewusste Weglassen von zu Beginn integrierten Features oder das Hinzufügen von Elementen, die von der Nutzerschaft gefordert werden, entsteht aus einem Beta-Produkt mit auf Vorabannahmen basierender Marschrichtung eine Anwendung mit klarem Profil und echtem Mehrwert für die User. Und wenn sich im Laufe dieses Prozesses herausstellt, dass eine modifizierte Positionierung deutlich besser ankommt als das ursprünglich anvisierte Anwendungsszenario, dann spricht nichts dagegen, sich davon ausgehend neue Ziele zu setzen.

Internationalisierung
Nicht jedes Produkt kann sofort global starten. Entscheiden sich Internetunternehmer aber dazu, ihren Dienst (auch) für englischsprachige Nutzer anzubieten, sollten sie sämtliche aufgeführten Punkte ebenfalls für die angestrebten Auslandsmärkte realisieren. Einfach nur eine Website oder App auf Deutsch und Englisch anzubieten, wird nicht für einen Besucheransturm aus London, New York, San Francisco oder Singapur sorgen. Ergo: Wer global launcht (was aus vielerlei Punkten sehr sinnvoll sein kann), hat viel Arbeit vor sich und sollte ausländische Schlüsselmärkte (z.B die USA) nicht stiefmütterlich behandeln.

(Foto: Flickr/stevendepolo, CC BY 2.0)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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8 Kommentare

  1. dieser Hinweis sei von einem “PR-Profi” erlaubt:
    Sehr richtig! Ein Punkt ist vielleicht noch wichtig. Bei der PR Arbeit lohnt es sich einen Profi einzuschalten um sicherzustellen, dass die Medien die richtige Ansprache und Service erhalten. Ausserdem kann man sich so als Unternehmen auf vorhandene Kontakte verlassen und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren.

  2. Dieses Dokument ist auch noch eine prime Informationsquelle: http://wipconnector.com/d…verse_1stEdition.pdf

  3. Profis sind unverzichtbar. Erfahrung ist nicht durch Ideen ersetzbar. Ideen müssen ja auch möglichst effektiv an den potentiellen Kunden gebracht werden.

  4. Ein wichtiger Punkt ist aus meiner Sicht die Internationalisierung. Wenn es irgendwie geht englisch starten. Der Markt ist mindestens 10mal größer und mann kann sich ganz andere Nischen suchen.

  5. Aus der Sicht eines Start-Ups sieht es meist so aus, dass die knappe Zeit lieber in die Entwicklung des Produktes investiert wird, anstatt wochenlang zu “networken” und vielleicht den ein- oder anderen Pressekontakt herzustellen der mal über etwas anderes als Facebook oder Google schreiben will.

    Leider urteilt die Presse oft zu einseitig darüber, was für die Leser interessant ist. Etwas mehr Zeitaufwand bei der Auswahl der Nachrichten würde vielleicht den echten Garagenfirmen helfen, anstatt immer die Samwers und Co. zu pushen.

    Aber Vorsicht, dafür müssten sich Journalisten und Blogger ja jede PM aufmerksam durchlesen, anstatt nur quer zu lesen und auf die Höhe der Finanzierung oder die gemeldete Nutzerzahl zu achten :-)

  6. Ich mag alle Punkte gleich mehrfach unterstreichen. Meistens fehlt es aus meiner Sicht an einer integrierten Kommunikations- und Marketingstrategie. Erstmal anfangen, unter dem Primat der Technologie, weil diese wichtiger als die Kommunikation erscheint.
    Dann wird häufig später eine PR-Agentur hinzugezogen, die das Ganze “in die Presse” bringen soll.

    Dabei sind die Kommunikations-Hausaufgaben aber noch gar nicht gemacht, denn die fangen bereits viel früher an – z.B. bei der Positionierung, der Kreation passender Bilderwelten, der Integration der möglichen Kommunikationskanäle und der fokussierten strategischen Kommunikationsplanung. Damit fehlt die Basis, auf der eigentlich aufgebaut werden müsste.

    Grad für ein Start-Up sind das viele Baustellen, aber es lohnt sich, gleich die richtigen Hebel an der richtigen Stelle anzusetzen und weniger dem Kommunikations-Zufall zu überlassen. Und ohne Konzept hat man sich zudem schnell verzettelt und kann auch keine Ressourcen planen.

  7. Ich muss Kerstin Recht geben. Aber denkst du dass dies absichtlich falsch gemacht bzw. ignoriert wird? Meine Vermutung geht eher in die Richtung dass die Personalkapazitäten einfach fehlen um eine richtige Marketingstrategie aufzustellen.

  8. @Nils “Absicht” wär mir zu hart formuliert. Es ist einfach kein Fokus drauf. Und personelle Kapazitäten sind eh immer knapp. Welches Unternehmen behauptet von sich, ausreichende personelle Ressourcen zur Erreichung der gesetzten Ziele zu haben;)

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