Infrastruktur in der Cloud:
Amazon akzeptiert Verantwortung
für Pinterest-Verstöße

Amazon hat sich grundsätzlich dazu bereit erklärt, Beschwerden über von Nutzern durchgeführte Urheberrechtsverstöße bei seinem Infrastrukturkunden Pinterest entgegenzunehmen. Ein neuer Konflikt bahnt sich an.

Anbieter von Cloud-Plattformen, die bedarfsabhängig skalierbaren Speicherplatz und Rechenleistung bereitstellen, gehören mittlerweile zu den wichtigsten Motoren des Internets. Nur wenige der jungen Startups und etablierten Onlinedienste, über die wir berichten, betreiben noch ihren eigenen, kostenintensiven Serverpark oder mieten lediglich dedizierte Server von Webhostinganbietern, die bei plötzlich erhöhter Zugriffszahl sofort in die Knie gehen.

Stattdessen wird ein Großteil der Prozesse sowie Datenmengen an professionelle Clouddienste wie Amazon Web Services, Rackspace, Google App Engine und ähnliche Anbieter ausgelagert. Internetnutzer selbst merken dies zumeist erst, wenn eine dieser Plattformen ausgefallen ist, woraufhin dann plötzlich viele ihrer Lieblingssites nicht mehr erreichbar sind.

Diese Abhängigkeit der digitalen Welt von einigen wenigen, über riesige Serverfarmen herrschenden Unternehmen bringt also auch Probleme mit sich. Der “Single Point of Failure” bei einem Ausfall ist nur eines davon. Die Speicherung von Anwenderdaten auf Servern in anderen, mit den heimischen Datenschutzgesetzen inkompatiblen Ländern ist ein weiterer Kritikpunkt.

Amazon nimmt Beschwerden über Pinterest-Inhalte entgegen

Der Urheberrechtskonflikt rund um die beliebte Bilder-Bookmarking-Site Pinterest zeigt nun noch eine weniger positive Facette des verbreiteten Einsatzes von externen Cloudplattformen. Denn am Wochenende hat “Bill Of Rights Supporters”, eine Lobbyorganisation der Kreativwirtschaft, in einem Blogbeitrag verkündet, dass Amazon zugesagt habe, Beschwerden über Urheberrechtsverstöße bei Pinterest entgegenzunehmen (via).

Pinterest verwendet für die Speicherung der Millionen von Fotos und Bildern, die seine Mitglieder Tag für Tag aus dem Web zusammensuchen, die Serverkapazität von Amazon. Bill Of Rights Supporters hat daraufhin bei Amazon angefragt, an wen die Benachrichtigung über Verstöße gegen das Urheberrecht (wie ihm Rahmen des “Digital Millennium Copyright Act”-Gesetz definiert) bei Pinterest gerichtet werden sollen.

Amazon bevorzuge zwar eine DMCA-Benachrichtigung an Pinterest, heißt es in dem Blogbeitrag, äußerte aber die Bereitschaft, sich ebenfalls um entsprechende Beschwerden zu kümmern. Die Lobbyvereinigung ist nach eigenem Bekunden der Ansicht, dass Amazon als physischer Host der beanstandeten Pinterest-Bilder die Verantwortung für selbige trage.

Die Reaktion von Amazon auf die Anfrage der Bill Of Rights Supporter bedeutet nicht automatisch, dass der Konzern die betreffenden Bilder auch tatsächlich löschen wird. Dennoch klingt die Antwort, als sehe er zumindest ganz generell die Möglichkeit, bei der Lagerung von urheberrechtlich geschütztem Material auf seinen geschätzten 454.400 Servern einschreiten zu müssen, selbst wenn diese über externe Websites geschieht.

Potenzialler Konfliktherd zwischen Startups und Cloudanbietern

Würde sich daraus (freiwillig oder durch gerichtliche Urteile) gängige Praxis entwickeln, dann entstünde ein neuer, heftiger Konfliktherd zwischen Startups und Infrastrukturanbietern. Denn Pinterest ist bei weitem nicht der einzige auf User Generated Content basierende und dabei auf vorhandener Cloudinfrastruktur aufbauende Onlineservice, bei dem von Nutzern Urheberrechtsverstöße begangen werden (auch Dropbox nutzt Amazon). Bisher wehte der Gegenwind für derartige Dienste vor allem aus Richtung der Rechteinhaber. Wenn sich künftig auch die Infrastukturanbieter einmischen, könnte der Betrieb gewisser, durch die Nutzer selbst gestalteter Services ein Spießroutenlauf werden.

Schon bei der Frage, ob Internetunternehmen dafür verantwortlich gemacht werden sollten, wie ihre Kunden (Nutzer) die Plattform verwenden, scheiden sich die Geister. Im aktuellen Fall allerdings geht es nicht einmal um Urheberrechtsverstöße durch Kunden (Nutzer) eines Unternehmens, sondern durch Kunden der Kunden eines Unternehmens. Und spätestens da fängt der Sachverhalt an, richtig kompliziert zu werden.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. Pinterest verwendet für die Speicherung der Millionen von Fotos und Bildern, die seine Mitglieder Tag für Tag aus dem Web zusammensuchen, die Serverkapazität von Amazon.

    Und wieso genau tut dies Pinterest?
    Damit schaffen sie sich nur Probleme und wie wir sehen sogar auch noch für Dritte, hier Amazon.

    Wieso werden die gepinnten Bilder nicht einfach von der ursprünglichen Seite her eingebunden?

    Damit wäre sofort das Problem des Single Point Of Failure gelöst, genauso wie das des Zueigenmachens und Kopierens und des Urheberrechtsverstoßes.

    Außerdem gäbe es zwingend einen Backlink zum Ursprung und – nehmen wir mal an, das ist auch wirklich der Urheber – damit eine schöne Attribution sowie Traffic-Zuführung zum Künstler.

    Natürlich kann man dann an dieser Stelle wieder mit der Datenübertragung an Dritte kommen, was datenschutztechnisch problematisch ist (you remember, Einbindung des Like-Buttons etc.), aber aus Sicht von Pinterest wäre mir dieses Gebiet um ein Vielfaches lieber als das Urheberschlachtfeld.

    • Klingt erstmal gut, aber aus Nutzersicht ist die momentane Lösung aus zwei Gründen vorne:

      (1) der ursprüngliche Uploader löscht das Bild von seinem Server – dann hätte Pinterest sehr schnell eine Menge Lücken. (Ja, mir ist bewusst, dass Pinterest damit gegen die Intention des Uploaders handeln kann. Andererseits: it’s the internet)
      [Edit: sehe gerade, dass Thomas dies schon nannte - Abschalten des Servers ist auch das bessere Beispiel]

      (2) nicht jeder “Content-Anbieter” findet Hot-Linking toll, u.a. weil die Serverkosten gerne mal nach oben gehen.

      Und der Link auf die Ursprungs-URL wird bereits jetzt bei jedem Pin angezeigt.
      Ich könnte mir vorstellen, dass es schnell Lösungen gibt, um die eigentliche URL der Datei bei Amazon nach außen hin zu verschlüsseln. Einen DMCA-Request im Sinne von “Löschen Sie bitte das Bild mit dem roten Fahrrad aus dem Pinterest-Account” wird auch Amazon zurückweisen.

  2. Aber das war doch nie anders? Ich kann mich immer an den Provider wenden, so dass dieser aktiv werden muss. Das geht auch ohne Cloud.

    Kann mich an einen Fall erinnern, bei dem der Provider dann einfach den Rootserver runtergefahren hat (ging nicht um Urheberrecht). So war zwar der beanstandete Internetauftritt nicht mehr online, aber die Seiten von den anderen Kunden waren ebenfalls off.

    @scanlines
    Und wieso genau tut dies Pinterest?
    Kopieren ist in dem Fall besser als referenzieren.

    Wieso werden die gepinnten Bilder nicht einfach von der ursprünglichen Seite her eingebunden?
    Weil die Bilder weg sind, wenn die ursprüngliche Seite offline geht, um mal einen Punkt zu nennen.

    • Kopieren ist in dem Fall besser als referenzieren.

      Bitte führe das doch noch etwas aus.
      Ich kann keinen Gewinn für Pinterest sehen, sondern eigentlich nur mehr Aufwand und Probleme.

      Weil die Bilder weg sind, wenn die ursprüngliche Seite offline geht, um mal einen Punkt zu nennen.

      Richtig.
      Das ist natürlich nicht schön und wir können uns wahrscheinlich problemlos darauf einigen, daß das Bewahren durch Kopieren auch (oder gerade) eines niedlichen Katzenbildes ein gesellschaftlicher Mehrwert ist.

      Andererseits kann das Verschwinden des Ursprungsbildes natürlich mit voller Absicht geschehen und sollte man diese nicht auch respektieren?

      Da sind wir eben wieder in einem Urheberrechtsspannungsfeld.

    • Ich sehe beim referenzieren mehr Aufwand. URLs ändern sich, Server haben Wartungsfenster, User löschen Content, Deeplinks werden gerne gesperrt, Seiten kommen und gehen, Ladezeiten können in den Keller gehen, usw. usw.

      Eine Kopie wird immer im Moment der Betrachtung angelegt. Warum sollte man also nur referenzieren, wenn man die Kopie schon hat? Nur um dem Urheberrecht genüge zu tun? Wen interessiert das.

  3. Aus der Sicht von Amazon macht dieses “Zugeständnis” sogar Sinn. Ich denke nicht das es Amazon leisten kann, es sich mit den Rechteinhabern oder deren Vertretern zu verscherzen. Damit verdient Amazon ja gutes Geld.

  4. Seitenbetreiber haben die Möglichleit, unkompliziert ihre Inhalte für das “Pinnen” auf Pinterest sperren zu lassen, soeben gefunden hier

vgwort