Internet der Dinge:
Gründer in Deutschland
verpassen ihre Chance

Das Internet der Dinge wird real, und Konsumenten stehen immer mehr onlinefähige Hardwarelösungen zur Verfügung, die Alltag und Lebensqualität verbessern. Deutsche Startups scheinen diesen Trend jedoch zu verschlafen.

Das aktuelle Jahr markiert den Übergang in eine neue Phase der Vernetzung: Neben herkömmlichen PCs, mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets sowie für spezielle Einsatzszenarien geschaffenen Medienkonsumgeräten mit Internetzugang stehen Konsumenten eine wachsende Zahl von Hardware-Produkten mit Netzverbindung zur Verfügung, die in völlig anderen Bereichen unseres Lebens zum Einsatz kommen sollen.

In diese Kategorie fallen Fitness-Messgeräte wie der Fitbit Ultra-Tracker, das Nike+ Fuelband oder der Schlaf-Tracker WakeMate genauso wie das Blutdruckmessgerät oder die Personenwage von Withings sowie das intelligente Thermostat Nest. Gemein haben sämtlicher dieser Gadgets eine Anbindung an das Web beziehungsweise an mobile Smartphone-Applikationen, wodurch verschiedene neuartige Mess- und Steuerungsfunktionen möglich werden.

Zwei übergeordnete Trends begleiten die Markteinführung derartiger, häufig von jungen, innovativen Startups entwickelten Produkte: Das Internet der Dinge sowie die Selbstquantifizierung. Omnipräsente Drahtlosnetze, günstigere Verfahren zur Herstellung von Sensoren sowie die praktische Anbindungsmöglichkeit an in nahezu jedem fortschrittlichen Haushalt zu findende Smartphones und Tablets ebnen den Weg für diese Entwicklung, die in den nächsten Monaten noch deutlich an Fahrt aufnehmen wird.

Deutsche Startups verschlafen den Trend

Doch wieder einmal scheint die deutsche Internetwirtschaft in einem Segment des digitalen Lifestyles hinterherzuhinken. Denn während der Großteil der eingangs genannten Geräte von US-Unternehmen entwickelt wird, ignorieren hiesige Startups dieses zukunftsträchtige Feld am Übergang von Online zu Offline – zumindest, was an Endkonsumenten gerichtete Angebote betrifft.

Nun sei angemerkt, dass auch wir nicht vollständige Informationen über sämtliche in der Entstehungsphase befindlichen Garagen- oder Forschungsprojekte rund um das Internet der Dinge und mit dem Netz verbundener Alltagsgadgets besitzen. Doch derzeit ist uns kein Startup-Vorhaben dieser Art aus Deutschland bekannt, das bereits zu einer größeren Aufmerksamkeit in Branchenkreisen gelangt ist. Mit einer Ausnahme vielleicht: Das Solar-Ladegerät von Changers, das über eine angeschlossene Onlineplattform verfügt. Da das Produkt aber in erster Linie dazu dient, Smartphones und Tablets mit grünem Strom zu versorgen, passt es nur partiell in die Kategorie vernetzter Gadgets. Zuletzt sorgte das innovative Unterfangen leider mit einem finanziellen Engpass für Schlagzeilen.

Österreich und Schweiz geben den Ton an

Etwas besser sieht es da in der Schweiz und in Österreich aus: Erst kürzlich feierte das Zürcher Startup Koubachi den Marktstart für seinen intelligenten Pflanzensensor. Dieser überwacht eine Reihe von Werten und informiert den Nutzer per Weboberfläche oder iPhone-App über das Wohlbefinden der Pflanze. Ob sich ein derartiges Produkt tatsächlich am Markt durchsetzen kann, steht zwar noch in den Sternen. Aber was momentan zählt, ist die Tatsache, dass sich ein junges Gründerteam überhaupt an eine derartig, das “wirkliche” Leben mit digitaler Technologie verknüpfenden, experimentelle Idee herantraut.

In Österreich haben sogar schon mindestens zwei Jungunternehmen internetfähige Hardware auf den Markt gebracht, die sich der Optimierung eines typischen, bisher analogen Alltagsbereichs widmet: So lancierte die Linzer Sportler- und Trainings-Community Runtastic gerade eine eigene, mit den Onlineservices verbundene Fitness-Hardware.

Und QGate aus Wien vertreibt einen “Mobile Controller”, der mit einer beliebigen Steckdose in der Wohnung oder im Büro verbunden wird und die Fernüberwachung und -steuerung verschiedener Heimfunktionen erlaubt, von der Benachrichtigung über eine veränderte Raumtemperatur oder ungewöhnliche Geräusche über die Steuerung von Haushaltsgeräten bis hin zu Informationen über den aktuellen Stromverbrauch.

Das intelligente Haus

QGate versucht mit seinem Produkt, einen der mit besonders hohen Erwartungen belegten Aspekte des Internets der Dinge für sich zu deklarieren, nämlich das intelligente und energieeffiziente Haus. Und diesbezüglich ist nun auch aus Deutschland mit Impulsen zu rechnen: Denn im Sommer soll das System “Smart Connect” der Deutschen Telekom seinen Einstand geben und verschiedene Geräte im Haus über eine spezielle Connect Box vernetzen und fernsteuerbar machen. Aber die Telekom ist eben kein Startup, und noch fehlt eine marktreifes Produkt.

Die Zeiten, in denen wir uns bei netzwertig.com über den Mangel an Einfallsreichtum und Experimentierfreude bei deutschen Gründern beklagen mussten, sind glücklicherweise vorbei. Nicht zuletzt dank des Aufblühens der Berliner Startup-Landschaft, aber auch angetrieben durch die allgemeine Einsicht, dass eine frühzeitige internationale Expansion erstrebenswert ist, existieren mittlerweile eine Vielzahl interessanter und vielversprechender Konzepte zu Online- und Mobile-Diensten, die von aufstrebenden Webfirmen aus Deutschland umgesetzt werden.

Noch ist der Zug nicht abgefahren

Doch die scheinbar vollständige Ignoranz heimischer Entrepreneure hinsichtlich an Konsumenten gerichteter Online-Offline-Produkte mit Hardwarekomponente – die möglicherweise auch auf eine mangelnde Investionsbereitschaft hiesiger Investoren zurückzuführen sein könnte – enttäuscht sehr. Zumal dieser Markt weniger stark von den in Deutschland ausgeprägten Datenschutz-, Sicherheits- und Urheberrechtsbedenken tangiert wird als andere Geschäftsmodelle wie soziale Netzwerke, Cloudspeicherdienste oder Medienangebote.

In manchen Digitalmärkten ist der Zug für deutsche Startups bereits abgefahren. Das Internet der Dinge jedoch steckt noch in den Kinderschuhen. Es bleibt zu hoffen, dass an hiesigen Hochschulen und in Hinterhöfen im Stillen an entsprechenden Produkten und Lösungen gearbeitet wird. Den Luxus, nochmals Nachzügler statt Innovator zu sein, kann sich die einheimische Webwirtschaft nicht leisten.

Sofern ihr entsprechende Projekte kennt, die wir künftig auf unserem Radar haben sollten, freuen wir uns über Kommentare.

(Foto: stock.xchng/4shaws)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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32 Kommentare

  1. Doch derzeit IST UNS kein Startup-Vorhaben dieser Art aus Deutschland bekannt, das bereits zu einer größeren Aufmerksamkeit in Branchenkreisen gelangt ist.

  2. Vielen Dank für den guten Artikel. Aber unsere Startups sind alle auf große Reichweite und den schnellen Exit focussiert. Die Angesprochenen Innovationen sind doc eher was für Gründer aus den Universitäten und Hochschulen oder bodenständigen Unternehmen.

  3. Hier noch ein österreichisches Startup, das sich der Verknüpfung von On- und Offline verschieben hat: http://twingz.com

  4. Sehe ich ähnlich wie Gründercoach, Internet der Dinge ist eine sehr langfristige, grundlegende Entwicklung, für die ähnlich wie z.B. bei WWW, Handys, Smartphones erst weitere technische und ökonomische Grundlagen geschaffen werden müssen und das sich auch schlicht erst weiter verbreiten muss, um für risikovolle Neugründungen attraktiv zu werden. Außerdem werden ja auch längst Anwendungen fürs Internet der Dinge entwickelt, z.B. im Tourismusbereich – vermutlich auch von einigen jungen Unternehmen. Sobald auch Handel und Institutionen groß in diesen Bereich einsteigen, werden wahrscheinlich auch hier Startups aus dem Boden sprießen. Dafür ist der Markt insgesamt noch nicht entwickelt genug. Die aufgeführten aktuellen Beispiele mit den Pflanzensensoren oder z.T auch aus dem Gesundheitsbereich würde ich außerdem für eher zweitrangig halten im Vergleich zum riesigen Potenzial des Internets der Dinge bei der digitalen Inventarisierung quasi fast sämtlicher Waren, Güter und Gegenstände auf diesem Globus.

    • Ich sehe nicht, wieso B2C-Produkte hier zweitrangig sein sollten.

    • Ich auch nicht. Das Internet der Dinge ist natürlich grundsätzlich wesentlich auch B2C, wobei auch “sociale“ C2C-Möglichkeiten und Auswirkungen absehbar sind, wenngleich noch viel schwerer als im Businessbereich.
      Ich wollte damit nur sagen, dass die ökonomisch attraktive Massenverbreitung solcher Pflanzensensoren oder medizinischer Anwendungen der Selbstoptimierung m.M. in noch weiterer Zukunft liegt als besagte Güter-Inventarisierung und auch in Umfang und Bedeutung im Vergleich mit diesem zentralen Hauptbereich des Internets der Dinge m.M. nicht ganz so (schwerge-) wichtig ist. Auf jeden Fall eine interessante Zukunft, denn das Internet der Dinge dürfte nochmal ähnliche technisch-ökonomische Umwälzungen bringen wie schon das WWW selbst, Web 2.0.und mobiles Internet. So grundlegend umwälzend, dass sich dafür womöglich gar die Verwendung einer weiteren Web-Versionsnummer 3.0 oder 4.0 einbürgert.

  5. Muss man denn immer ganz am Anfang dabei sein? Meiner Meinun nicht unbedingt.

    Noch sind alle Geräte, welche on- und offline verbinden einfach zu teuer, einen Massenmarkt gibt es nicht.

    Wer einige Jahre später kommt, dabei aber einen Massenmarkt erreicht, der überholt die Frühstarter sofort.

    • So kann es sein. Es besteht aber auch das Risiko, dass dann bereits ausländische Anbieter den Markt übernommen haben. Was ja bisher in der hiesigen Weblandschaft schon viele Male geschehen ist, mit der Folge, dass nahezu alle tonangebenden Anbieter in Deutschland aus den USA stammen.

      Insofern würde ich sagen: Ja, dieses Mal sollten hiesige Startups am Anfang dabei sein. Zumindest wenn sie die Aussicht auf einen globalen Markt nutzen wollen.

  6. tado (ehemals Energy Bob) aus München sind auch im Bereich intelligente Haussteuerung/Steuerung der Heizung unterwegs: http://www.tado.com/

  7. Die Überlegungen und die Produkte gibt es eigentlich schon lange. Die Mikrowelle die man per Mail / SMS einschalten kann. Der Internet-Kühlschrank als Multimedia Ort / Kummunikationspunkt in der in der Familie, der auf Wunsch auch mal Milch nachbestellt. Der Trockner der eine SMS versenden kann… naund? Es gibt für diese Produkte hier doch keinen Markt… Hier ist doch *Geiz ist geil* und *du bist doch blöd* Angeboten.

    RWE vermarktet Smarthome
    http://rwe.com/web/cms/de…ndung/rwe-smarthome/

    Internet-Kühlschrank
    Presse vor über 11 Jahren
    http://chip.de/news/Scree…chkeit_34124659.html

    Presse vor über 2 Jahren
    http://pcwelt.de/news/Int…-im-Test-158989.html

    und könnt Ihr den Internet-Kühlschrank in Euren super Diskount Geschäften kaufen? nö – eben!

    Viel Spass in der Steinzeit ;)

    ralf

  8. Bzgl. Smart-Home, Smart-Metering – schaut Euch mal Rockethome http://www.rockethome.de/ an. Kein Berliner Startup, aber Köln ist ja auch nicht so schlecht. ;-)

    Beste Gruesse,
    Ralf

  9. @Ralf Diese Abneigung  hat nicht nur mit deutscher Sparsamkeit, sondern noch viel mehr mit technischem Overkill im Zuge des Information Overload zu tun. Für intelligenten Kühlschrank usw. ist die Menschheit wenn überhaupt jemals vor allem mental längst noch nicht reif. Sie ist noch vollauf mit der Bewältigung des WWW und Web 2.0 beschäftigt und teils auch überfordert, da soll auch der Kühlschrank gleich noch selbst funken und alles selbst bestellen. Nee, das wird den Leuten alles zuviel, da gehen sie doch lieber in einen richtigen Supermarkt mit richtigem Gemüse und so. Ganz abgesehen davon, dass es auch noch kaum Geräte und Infrastruktur für sowas gibt. In 10-15 Jahren vielleicht mal. Technologische Entwicklungen brauchen auch psychologisch ihre Zeit und dürfen nicht überstürzt werden. Dass Steinzeit zu nennen, ist technologisch Unsinn – und psychologisch garnicht mal so abwegig, denn die haben schließlich Tausende von Jahren für bestimmte zivilisatorische Entwicklungen gebraucht.

  10. @ Thassilo Vogt
    Danke, sehr schön. Zwar noch nicht live aber immerhin.

    @ Ralf Geschke
    Danke. Site und Aufmachung machen einen sehr B2B-mäßigen Einsatz.

  11. Das Vergehen, alles zu verschlafen, dessen sich manche deutsche Unternehmen wohl schuldig machen, ist nicht immer undbedingt ein internes Problem. Je nach Startup/Projekt muss in Deutschland gesetzlich einiges abgeklärt werden. Das soll keine Entschuldigung für die Schnarchnasen sein, aber wer hat nicht schonmal 2 Stunden vor dem Büro der Kfz-Zuständigen gestanden :-P.

  12. Im Sektor der intelligenten Haussteuerung bewegt sich derzeit wirklich so einiges – wir versuchen das gerade in einem Special unter http://www.cleanthinking.de/smart-home halbwegs auszudrücken.

    Dabei steht auch immer wieder die Debatte des Verbrauchernutzens im Vordergrund. Und die Frage, wie eigentlich die technischen Voraussetzungen geschaffen werden können (Stichwort: Smart Meter). Dazu ein ganz spannendes Interview mit Dr. Müser von Pöyry -> http://cleanthinking.de/5…er-von-poeyry/25611/

    Gerade die psychologische Komponente (“sozialer Druck”) sollte man beim Nachdenken über Smart Home-Technologien, die auch beim Energiesparen helfen sollen, nicht vernachlässigen. Wenn alle meine Nachbarn weniger Energie verbrauchen wie ich, komme ich selbst auch ins Grübeln…

    zu Rockethome: Das Modell des Unternehmens ist B2B2C, d.h. das Unternehmen kooperiert mit Energieversorgern oder Immobiliengesellschaften oder Filialisten, die die Visualisierungs-Lösung als White Labeling an ihre Kunden, also den Endkunden, weitergeben. Daher werden wir als Endverbraucher nicht mit der Marke in Verbindung kommen, aber in Zukunft deren Lösungen nutzen… Wenn wir den richtigen Energieversorger haben :-)

  13. Guten Tag Herr Weigert

    Aus ihrer Sicht mag es in Deutschland momentan noch zu wenig Unternemen, und ich sage bewusst nicht Start-Ups, geben die sich mit dem Thema “Internet der Dinge” befassen.
    Aber aus meiner Sicht als Elektrotechniker konzentrieren sie sich zu sehr auf das Internet und zu wenig auf die “Dinge”.
    Denn was sie für mein dafürhalten völlig vergessen ist das mit den “Dingen” eine Branche ins Spiel kommt die in Deutschland schon seit Jahrzehnten etabliert ist.
    Die der Haus- und Gebäudeautomation. Hier gibt es einige nahmhafte Hersteller die wegweisende Produkte und auch Lösungen für die Vernetzung haben. Als Beispiele seien hier nur GIRA und Busch&Jäger genannt.
    Diese bieten auch schon längst einige der oben genannten Neuheiten wie Temperatur und Raumüberwachung.
    Fast wichtiger ist aber aus meiner Sicht das es schon seit Jahren verschiedene Bussysteme für die Haussteurung gibt die auch eine SChnittstelle für den Fernzugriff vorsehen. Hier seien als Beispiele der europäische KNXEIB und der amerikanische LON genannt.

    Ich sehe nicht das Problem das es keine Hersteller für das Internet der Dinge gibt, sondern das momentan zwei Branchen aneinandervorbei arbeiten, oben genannte Gebäudeautomatisierer und die Firmen die vor allem aus dem Bereich der Internetwirtschaft kommen. Langfristig sind sie aus meiner Sicht gewzungen zusammenzuarbeiten. Denn, auf der einen Seite sind KNX und LON als Standarts für den Fernzugriff schon etabliert und deshalb macht es keinen Sinn das Rad immer wieder neu zu erfinden, vor allem weil ein Nutzer langfristig nur eine einzige Zugriffsmöglichkeit akzeptieren wird, und nicht X verschiedene Systeme(Apps, Weboberflächen etc.).
    Auf der anderen Seite brauchen aus meiner Sicht die Gebäudeautomatisierer auch die Firmen aus der Internetwirtschaft als Ideengeber. Denn sie haben den Zugriff übers Internet aus meiner Sicht nur als konsequente Fortsetzung des Fernzugriffs im Sinne der Busysteme genutzt aber keine darüber hinaus gehenden Ideen entwickelt.
    Außerdem sind momentan sämtliche Komponenten für genannte Bussysteme auch noch ziemlich teuer, was auch noch einem größeren Einsatz entgegensteht, und hier kann vielleicht auch eine größere Verbreitung helfen denn Preis zu senken.
    Deshalb wird es aus meiner Sicht für beiden Seiten Zeit über den Tellerrand zu schauen.

    Viele Grüße

    Benjamin

    • Ich glaube, dass es beim Internet der Dinge verschiedene unterschiedliche Aspekte und Entwicklungen gibt. Nur weil ich mich in dem Artikel auf das Internet konzentriere, bedeutet dies nicht, dass die von Ihnen angesprochenen Bereiche nicht auch relevant sind. Aber um diese geht es im Artikel eben nicht, sondern um an Endkonsumenten gerichtete, von Startups getriebene Innovationen, die Dank des Internets entstehen (was auch der redaktionelle Fokus von netzwertig.com ist).

    • Aber um diese geht es im Artikel eben nicht, sondern um an Endkonsumenten gerichtete, von Startups getriebene Innovationen, die Dank des Internets entstehen (was auch der redaktionelle Fokus von netzwertig.com ist).

      Sollte es aber gehen. Denn diese Start-Ups dringen in einen Bereich ein der schon seit Jahrzehnten von nahmhaften Unternehmen besetzt ist.
      Und die gegebenen Marktverhältnisse zu ignorieren hat noch nie jemandem gut getan. Denn diese Unternehmen(GIRA und co.) produzieren genauso für Endkunden wie für Großkunden
      Außerdem entwicklen die Start-Ups zum Teil Produkte, die es schon längst gibt, ebenfals ein Unterfangen das meistens schief geht.
      Und momentan lassen sich die beiden Bereiche (Start-Ups und Gebäudeautomatisierer) vielleicht noch recht gut trennen.
      Aber spätestens in ein paar Jahren,wenn von diesen Start-Ups Gesamtlösungen gefragt sind und nicht nur der einzelne Sensor den ich in die Steckdose stecke,sofern die Start-Ups solange überleben, werden die Bereiche sich massiv überschneiden. Und wenn man dann erst probiert zusammenzuarbeiten, dann ist es zu spät.
      Ganz allgemein, ich sage ja nicht das sich jetz auf das Thema stürzen sollen und nur noch darüber berichten sollen, aber generell würde aus meiner Sicht ein kleiner Blick über den Tellerrand mal ganz gut tun.

    • Was Benjamin sagt, ist meines Erachtens richtig. Ich glaube nur nicht, dass die Branchen aneinander vorbei, sondern gegeneinander arbeiten. Das tut der Gesamtentwicklung nicht gut, scheint mir aber in einer Marktwirtschaft recht normal zu sein. Jeder will halt der Erste und Beste sein. So arbeiten Technologieunternehmen (z.B. IBM) genauso ehrgeizig an dem Thema wie Gerätehersteller (z.B. Bosch SI).
      Was Martin Weigert in seinem Artikel völlig außer Acht lässt: Die Leute, die für Startups im Bereich Internet der Dinge in Frage kämen, sind auf dem Markt so extrem gefragt, dass es wohl viel Überwindung kostet, nicht ein richtig dickes Angebot von einem Unternehmen anzunehmen, sondern selbst was auf die Beine zu stellen.

    • Sollte es aber gehen. Denn diese Start-Ups dringen in einen Bereich ein der schon seit Jahrzehnten von nahmhaften Unternehmen besetzt ist.
      Und die gegebenen Marktverhältnisse zu ignorieren hat noch nie jemandem gut getan. Denn diese Unternehmen(GIRA und co.) produzieren genauso für Endkunden wie für Großkunden
      Außerdem entwicklen die Start-Ups zum Teil Produkte, die es schon längst gibt, ebenfals ein Unterfangen das meistens schief geht.

      Firmen, die kein Endkonsument kennt und Ideen, die mit Sicherheit nicht schon seit Jahrzehnten besetzt sind – weil die meisten der Dinge, über die wir hier sprechen, bisher nicht möglich waren.

      Ich halte es für völlig falsch (und ehrlich gesagt auch bezeichnend für die Art, wie in Deutschland auf Innovation geblickt wird), um jeden Preis B2B Unternehmen ins Spiel bringen zu wollen, wenn genau diese bisher darin versagt haben, bestimmte neue Technologien massentauglich zu machen. Weil sie nämlich nicht in der Lage sind, ihre zweifellos technisch anspruchsvollen Lösungen emotional und sexy zu vermarkten. Müssen sie ihn ihren Segmenten sicher auch nicht. Aber so erreicht man keine Endkunden.

      Und genau wie man in einem Artikel über moderne PKWs für den Endverbraucher nicht Traktoren und Gabelstapler thematisiert, ist es an dieser Stelle meines erachtens nach nicht erforderlich, auf altehrwürdige Mittelständler oder Industrieunternehmen einzugehen, die in irgendeiner Form in diesem Bereich forschen.

      Zumindest solange nicht, bis diese Firmen nicht selbst mit denen im Artikel vergleichbare Produkte auf den Markt bringen, die bei Endverbrauchern das Bedürfnis generieren, diese unbedingt haben zu wollen.

      Und genau dies ist bisher in Deutschland nicht geschehen.

    • Firmen, die kein Endkonsument kennt und Ideen, die mit Sicherheit nicht schon seit Jahrzehnten besetzt sind – weil die meisten der Dinge, über die wir hier sprechen, bisher nicht möglich waren.

      Sie scheinen meinen Kommentar nicht richtig gelesen zu haben. Ich sprach davon das die es die Branche der Gebäudeautomation schon seit geraumer Zeit gibt.
      Und wenn ich mir die von ihnen angeführten Beispiele anschaue finde ich folgende Beispiele:
      -Thermostat NEST
      -QGate
      -Koubachi
      und das ist klassische Gebäudedautomation bzw. Regelungstechnik mit angepflanschtem Ethernetmodul , und somit von der Grundidee erstmal nichts neues. Bei NEST ist noch die Umsetzung mit einem selbstlernenden System , aber ansonsten gibt es das schon.

      Ich halte es für völlig falsch (und ehrlich gesagt auch bezeichnend für die Art, wie in Deutschland auf Innovation geblickt wird), um jeden Preis B2B Unternehmen ins Spiel bringen zu wollen, wenn genau diese bisher darin versagt haben, bestimmte neue Technologien massentauglich zu machen. Weil sie nämlich nicht in der Lage sind, ihre zweifellos technisch anspruchsvollen Lösungen emotional und sexy zu vermarkten. Müssen sie ihn ihren Segmenten sicher auch nicht. Aber so erreicht man keine Endkunden.

      Nochmal, die Unternehmen, die ich erwähnt habem, sind keine reinen BSB Unternehmen. Sie machen vielleicht ihr Hauptgeschäft mit Großkunden, das heißt aber nicht da ihre Produkte nicht auch für Endkunden nutzbar sind.
      Und außerdem, wo sehen sie bei mir den Versuch um jeden Preis diese Unternehmen ins Spiel zu bringen.
      Ich habe lediglich gesagt, das beide Seiten von einer Kooperation profitieren könnten.Und ganz nebenbei, abgesehen vom Preis, sind die Technologien massentauglich.Und was den Preis betrifft, da würde es mich brennend interessieren, in wie weit da die Start-Ups auf Dauer dastehen. Und was die Präsentation betrifft, natürlich könnten da die Etablierten noch das ein oder andere von den Start-Ups lernen, aber sexy zu sein reicht nun mal leider nicht. Es bedarf auch technologischen Know-Hows, und das haben die Start-Ups nicht, zumindest nicht in dem Maße wie die Etablierten. Vor allem finde ich es bezeichnend wie sie die Innovation der mir genannten Unternehmen herabwürdigen. Diese Unternehmen haben seit Jahrzehnten für Innovation, Arbeitsplätze und Wirtschaftsleistung gesorgt und sie setzen sie auf eine niedrigere Stuef bloß weil ihre Werbung nicht ganz so modern ist wie die anderer Branchen.

      Und genau wie man in einem Artikel über moderne PKWs für den Endverbraucher nicht Traktoren und Gabelstapler thematisiert, ist es an dieser Stelle meines erachtens nach nicht erforderlich, auf altehrwürdige Mittelständler oder Industrieunternehmen einzugehen, die in irgendeiner Form in diesem Bereich forschen.

      Den Großteil eines bereits vorhandenen Marktes zu ignorieren ist natürlich immer einfacher, anstatt sich einfach mal mit den Gegebenheiten vertraut zu machen.
      Vor allem wenn die neue Firmen versuchen diesem Markt das Wasser abzugraben.

      Zumindest solange nicht, bis diese Firmen nicht selbst mit denen im Artikel vergleichbare Produkte auf den Markt bringen, die bei Endverbrauchern das Bedürfnis generieren, diese unbedingt haben zu wollen.

      Was meine oben angeführten Beispiele betrifft gibt es solche Produkte in ähnlicher Form schon längst.
      Und natürlich, scheißegal ob wir es brauchen oder nicht, hauptsache es ist sexy, emotinal oder sorgt sonstwie in irgendeiner Form für positive Hormonausschüttung. Das ist Lifestyledenken. Damit wird man wahrschenlich eine gewisse Zielgruppe erreichen und auch auf einem gewissen Niveau überleben können, es frag sich nur wie lange.
      Und außerdem, waren sie es nicht der sich über das umherwerfen mit Adjektiven in der Start-Up Branche beschwert hat? Oder sollte ich sie da missvertsanden haben?

    • Worüber diskutieren wir eigentlich? Ich glaube, wir missverstehen uns hier auch ein wenig.

      Ich will nicht die Leistung bestehender Unternehmen herabwürdigen. Ich weise lediglich darauf hin, dass es diesen nicht gelungen ist, internetfähige Alltagsprodukte erfolgreich zu vermarkten. Und der Themenfokus sowohl bei netzwertig.com als auch in diesem Beitrag sind nunmal Startups, und nur diese. Der Beitrag ist also nicht als vollständiger Überblick über die bisherige Entwicklung des Internet-der-Dinge zu verstehen, sondern als Kritik an deutschen Startup-Gründern (und den dahinterstehenden Investoren), die bisher im Bereich “Internet der Dinge” zu wenig machen.

    • Ich weise lediglich darauf hin, dass es diesen nicht gelungen ist, internetfähige Alltagsprodukte erfolgreich zu vermarkten.

      Was internetfähige Alltagsprodukte betrifft haben sie sicherlich recht, da kommt von den Firmen noch viel zu wenig.

      Und der Themenfokus sowohl bei netzwertig.com als auch in diesem Beitrag sind nunmal Startups, und nur diese.

      Dessen bin ich mir bewusst. Mir ging es nur darum, darauf hinzuweisen, das man sich bei diesem Thema aus dem Bereich der reinen Internetwirtschaft herausbewegt
      (zumindest teilweise), und das es deshalb sinnvoll sein könnte ausnahmsweise mal bei der Betrachtung des Themas auch den von mir erwähnten Bereich miteinzubeziehen.

      Der Beitrag ist also nicht als vollständiger Überblick über die bisherige Entwicklung des Internet-der-Dinge zu verstehen, sondern als Kritik an deutschen Startup-Gründern (und den dahinterstehenden Investoren), die bisher im Bereich “Internet der Dinge” zu wenig machen.

      Ich habe diesen Beitrag auch nie als vollständigen Überblick verstanden. Ich wollte nur darauf hinweisen, das es für diese Unternehmen durchaus von Vorteil sein könnte, nicht alles selber neu zu machen, sondern auf vorhandene Produkte aufzusetzen und Kooperationen einzugehen
      Denn dadurch könnten sie, aus meiner Sicht, Kosten und Zeit sparen und einen größeren Kundenkreis ansprechen.
      Und wenn im Gegenzug die etablierten Unternehmen von innovativen Werbestrategien profitieren haben beide was davon.

    • Um mich hier auch noch einzumischen:

      Ich baue gerade ein Haus und habe mir daher ein paar Sachen angeschaut. Und dabei bin ich genau auf das Problem, das Benjamin beschriebt, gestoßen:

      Die Anbieter von Technik, die für den Einbau durch Handwerker in einen Neubau taugt, haben nur wenig Innovation in Richtung Internet (dafür aber massive Kompetenz bezüglich Anschluss und Überwachung von allem möglichen).
      Die schönen und modernen Lösungen von z.B. Startups gefallen mir zwar gut, sind aber bei allen größeren (eben auch privaten) Projekten wie Haus- und Wohnungsbau oder -modernisierung nahezu chancenlos. Allein schon der Preis: 250€ / Steckdose (QGate)? Dafür kann ich bei ~100 Steckdosen in einem modernen Haus auch professionelle Haustechnik kaufen.
      Und dann noch monatliche GSM-gebühren? WTF? Ich habe LAN und WLAN, wozu soll so ein Teil mobilfunken? Und wenn QGate pleite geht, kann ich die Dinger wegschmeißen. Das Problem habe ich bei lokal vorhandener Vernetzung nicht.
      QGate für 50-100€ pro Teil und mit WLAN wäre akzeptabel, aber so?

      Hier sollten die Branchen wirklich zusammenkommen. Ein Startup, das eine coole Oberfläche und interessante neue Datenaufbereitungen / -auswertungen für klassische Hausautomatisierung bietet, und das ganze noch von jedem Gerät aus, könnte auch gerade von Deutschland aus den Markt dominieren (da die meisten automatisierbaren/überwachbaren Geräte im Haus werden ja in Deutschland entwickelt und/oder produziert werden)…

  14. Die Ideen sind zwar schon alle alt, aber die Technologie ist noch nicht so lange reif dafür. Doch jetzt ist eine gute Zeit, um mit der Entwicklung von Prototypen zu starten.

    Dennoch: Forschungseinrichtungen (und ich komme von einer) gehören normalerweise nicht zu den schnellsten Akteuren. In Graz (Österreich) beschäftigen sich bei Joanneum Research immerhin schon einige Personen mit der Erforschung und Entwicklung sinnvoller Anwendungen für das Internet der Dinge. Wir versuchen dabei auch größere Projekte an Land zu ziehen.

    Insbesondere mich interessiert dabei die Verknüpfung von Social Media mit der realen Welt (zB über NFC). Habe dazu auch schon öfter gebloggt:

    Vgl: http://alexanderstocker.a…und-interaktive.html

    Vgl: http://pr-blogger.de/2011…-empfehlen-uber-nfc/

    Ich würde mich freuen, wenn sich auf diesem Wege auch das ein oder andere Unternehmen meldet, das an der Zusammenarbeit mit einer Forschungseinrichtung interessiert ist.

    LG aus Graz AT
    Alexander

  15. Hi Martin,

    etwas verspätet, aber ich wollte auch noch meinen Teil dazu schreiben.

    Wir haben uns im Endeffekt seit 2005 mit dem Thema Internet-of-Things (IoT) beschäftigt (Siehe auch: T. Nicolai, F. Resatsch, D. Michelis. The Web of Augmented Physical Objects. The Fourth International Conference on Mobile Business (ICMB2005), Sydney, 2005, und weitere: http://resatsch.wordpress.com/publication-list/).

    Daneben haben wir uns mit Pokens (Remember?) und anderen Hardware-nahen Themen beschäftigt.

    Im Endeffekt gibt es drei wesentliche Gründe, warum es bis heute schwierig ist, so ein Thema in Deutschland zu entwickeln/durchzuführen (Disclaimer: es gibt ungefähr 100 Definitionen für das Internet of Things, von breit bis schmal gefasst – ich gehe mal einfach von vernetzten technischen Geräten mit gewissem Innovationsgrad aus (also nicht Handys ;) ):

    - Die Kosten der Entwicklung
    Alle Hardware kostet im Test, Zertifizierung, etc. sehr viel Geld. Das Internet-of-Things, also die Vernetzung von technischen Geräten, benötigt bei Eigenentwicklungen erheblichen Finanzierungsbedarf. Um diesen zu stemmen, müsste man vor ersten Prototypen schon soviel Geld in die Hand nehmen, wie es für die hiesige Investorenlandschaft ungewöhnlich wäre (Seed ggf. schon +1Mio EUR). Diese up-Front Kosten sind schwer zu verargumentieren in einem kleinen Markt. Um es jedoch gleich international zu entwickeln, müsste man wiederum verschiedenste Standards, etc. beachten – auch das kostet Geld.

    - Marktgröße/ “Missionieren als Startup”
    Der deutsche Markt an sich ist nicht groß genug um eigene Hardware in diesem Segment marktreif zu machen, da der deutsche Konsument definitiv Vorbehalte ggü. technischen Lösungen hat, die selbständig agieren und dazu noch durch die Gegend funken (Siehe die Diskussion der “Schnüffelchips im Joghurtbecher” http://www.foebud.org/pd/pd128). Diese beiden Faktoren addieren zu einem schwierigen Marktumfeld für das IoT. Es ist einfacher auf bestehende Techniken zu setzen, als den Markt neu zu missionieren! Und um eine “disruptive” Technik zu bauen, sind (siehe oben) einfach mehr finanzielle Mittel nötig.

    - Standards
    Es gibt immer noch verschiedene Funkstandards. Nicht mal die großen Unternehmen, wie NXP oder Bezahlunternehmen wie VISA/MasterCard haben es geschafft, beispielsweise eine einheitliche Struktur in der Bezahllandschaft zu etablieren (Bisher, das änder sich ggf. bald). Hierauf ein Startup zu gründen, wäre eine sehr große Herausforderung und hält junge Unternehmer ab. Und wenn man sich iZettel im Vergleich zu Square ansieht, weiss man auch schon wie viel unterschiedliche Entwicklungszyklen dahinter stehen (EMV vs. Magnetstreifen) – und das ist noch nicht mal vernetzt….

    Das wären dann meine 2cents – sollte in den obigen Kommentaren schon das eine oder andere abgehandelt, sein, sorry.

    Grüße aus Berlin
    Florian

  16. @Martin: Guter Beitrag, dessen wichtigste Thesen ich teile….

    Ich bin der Gründer von rockethome.com und sehe vor allem die geringe Kenntnis über die Use-Cases und damit die Kundennachfrage bei den Konsumenten als Hemmnis. An diesem Thema arbeiten wir als junge “Branche” gemeinsam mit der Deutschen Telekom, RWE, EnBW, EON, Miele und vielen anderen…. Das Thema Öffentlichkeit werden wir in den nächsten 24 Monaten in den Grifff kriegen. Die B2C-Start-Ups sollten dann eine gute Ausgangsposition haben. Also: Aktuell ist zuviel Marketingaufwand notwendig, um überhaupt Nachfrage bei den Usern zu generieren…. Das können die Großen aber leisten….

  17. @Martin

    Sehr guter Beitrag und interessante Diskussion hier. Ich war mal 3 Jahre lang Journalist bei Markt & Technik vorantwortlich für die Automatisierungstechnik und muss hier wieder mit einem Schmunzeln die Kommentare von alteingesessenen Verfechter der “old economy” lesen, wenngleich sich die Welt in atemberaubender Geschwindigkeit ändert und noch viel schneller voranschreitet, also oben erwähnt. Ich bin auch Halbfinne und meine Landsleute von Nokia haben sich damals über Apples erstes iPhone köstlich amüsiert mit der Bemerkung:”Ein Mobilphone ohne Tastaturen wird vom Massenmarkt niemals angenommen werden”! Die arroganten Herren hatten keine Weitsicht mehr und auch keinen blassen Schimmer was Steve Jobs mit diesem neuen UI vorhatte (apps, itunes, etc). So sehe ich das auch hier. Die Leute und Start Ups, die überzeugt sind das Internet der Dinge voranzustreiben, werden diese Welt verändern und prägen. Grundsatzdiskussionen heflen niemanden. Ich habe als Schreiberling erlebt, wie verschiedene deutsche Interessenslager und Lobbyisten damals zum Thema Feldbusse die gesamte Automatisierungsbranche verrückt machten und in Normungsgremien sich gegenseitig blockierten. Und heute: Vergangenheit! Das Internet hat uns jetzt im Griff, fast überall und bitte: weiter solche guten Artikel.

  18. Ich weiss gar nicht, warum man immer auf die Leute einpeitschen muss (Ihr MÜSST dies machen, ihr müsst das machen). Das macht den Eindruck, als würde der Autor von den Firmen bezahlt, sorry. Ob ein Wirtschaftszeig ein paar Jahre lang gut verdient, weil er vorneweg verkauft, oder nicht, ist für die Entwicklung der Gesellschaft zweitrangig. Im Detail gesehen, sind solche Dinge interessant, die dem Menschen wirklich Arbeiten abnehmen, die er so nicht leisten kann, wie im Beispiel der Überwachung der Pflanzen. Das Beispiel Intelligentes Haus empfinde ich mit Ausnahme einiger Spezialanwendungen als geistige Verirrung. Erstens könnten sich solche Dinge nur sehr Wohlhabende leisten und zweitens tragen sie im Endeffekt zur weiteren Virtualisierung des Menschen bei. Dann lasst uns doch gleich verschwinden.

  19. Bin aus Österreich und kann nur von hier reden. In Österreich können Innovationen durch zahlreiche Förderstellen gefördert werden.So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Anreiz für Forschung & Entwicklung in Österreich weitaus höher ist als in vielen anderen Staaten Europas.

    Bezüglich intelligentem Haus gibt es zum Beispiel ein eigenes Förderprogramm von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft.

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  1. [...] an Konsumenten gerichteter Online-Offline-Produkte mit Hardwarekomponente enttäuscht sehr.” Martin Weigert, Netzwertig, ärgert sich zu Recht über fehlende Start-ups für das Internet der [...]

  2. [...] was das Endkundengeschäft und dabei Produkte mit möglichst geringer Komplexität angeht, monierte ich im März. Ein halbes Jahr später hat sich daran wenig geändert. Immerhin: Mit tado rettet ein junges [...]

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