Digital statt Plastik:
Wie Nutzern künftig die Kundenkarte schmackhaft gemacht wird

Die Tage der Kundenkarte sind gezählt. Innovative Startup-Lösungen sollen künftig eine noch bequemere und effektivere Bindung von Konsumenten an Unternehmen, Händler und Marken ermöglichen.

Von Martin Meyer-Gossner

Foto: Flickr/gwire, CC BY 2.0Niemand hat gerne zahlreiche Plastikarten in seinem Geldbeutel. Dennoch reihen sich bei jedem Menschen im Laufe der Jahre zunehmend Kreditkarten, Kundenkarten von Unternehmen oder Mitgliederausweise von Vereinen aneinander. Oft bedeutet der Besitz der Plastikkarten aufgrund der Notwendigkeit, den Geldbeutel täglich mit sich zu führen, mehr Aufwand, als die Karten Nutzen bringen. So manche Innovation und Motivation für den Homo Digitalis könnte diesen Trend aber bald verändern.

Denn die Kunden mit einer Plastikkarte zu binden, dürfte schon bald der Vergangenheit angehören. Eine wachsende Zahl von Startups überlegt sich Anreize, den Kundenservice mittels Smartphone-Zubehör, App-Technologie oder Social-Gaming-Ansätzen zu reformieren. Und so könnte selbst der Bezahlvorgang eines zukunftsträchtigen Modells wie Google Wallet angesichts der Innovationen von iCache Geode, Stocard, kiip oder anderen überholt sein, noch bevor er richtig Verbreitung findet.

Sehen wir uns also mal die digitalen „Plastikkartenersetzer“ an…

Die iCache Geode ist grundsätzlich eine Smartphone-Hülle und besticht hierbei durch einen „Alles-in-einem“-Ansatz. Egal ob Kredit- oder Kundenservice-Karte, die iPhone-Hülle scheint ein Alleskönner zu sein. Man liest seine Karten mit einem mitgelieferten Scanner einmalig ein, wählt im Laden das gewünschte Kartenprofil aus, beschreibt somit die Karte neu und kann sie dann im Shop zur Zahlung oder zum Punktesammeln nutzen. Und damit das Ganze sicher ist, ist ein Fingerscan in die Hülle eingebaut. Klingt einfach und zukunftsträchtig. Ob sich der angestrebte, stolze Kaufpreis von 199 US-Dollar mittelfristig refinanzieren lässt, muss jeder Nutzer abhängig vom eigenen Kaufverhalten entscheiden. Sein Spendenziel bei Kickstarter hat das Vorhaben auf jeden Fall erreicht.

Was bei iCache Geode Modell – der Name ist Programm – nur für das iPhone funktioniert, wollen ambitionierte Mannheimer Wirtschaftsinformatik- und BWL-Studenten mit ihrer Stocard mittels mobiler App auch für Android-Smartphones möglich machen. Hierfür wiederum ist keine Hülle notwendig und 80 Anbieter sind bereits vorinstalliert, was die Zuordnung der Kartennummer vereinfacht. Dafür ist das Projekt auf Loyalty Cards beschränkt. Um die App dem Nutzer schmackhaft zu machen, werden zwischendurch attraktive Angebote der Kartenanbieter eingestreut.

Die grundsätzliche Motivation des Punktesammelns könnte zukünftig mittels spielerischer App-Ansätze angeheizt und somit ebenfalls reformiert werden. Modelle wie kiip arbeiten mit Codes, die in Smartphone-Spiele integriert werden. Erreicht man eine bestimmte Punkteebene, gewinnt man entweder Discounts oder Coupons, mit denen man sich dann den nächsten Kaffee günstiger holen kann. Oder man sammelt eben einfach Treuepunkte.

Einen ähnlich spielerischen Ansatz bietet übrigens auch Multiply, eine Plattform für Marken und Organisationen, welche die sozialen Aktivitäten der eigenen Nutzer online und offline trackt, woraufhin Punkte, Badges und Belohnungen vergeben werden können. So lassen sich Websites oder Onlinedienste in Social-Gaming-Plattformen transformieren, und Organisationen sehen auf einen Blick, welche Unterstützer/Anhänger sich besonders tatkräftig engagieren.

Die Tage der Plastikkarten erscheinen angesichts dieser neuen Entwicklungen gezählt. Ob auch Formate wie Payback oder Groupon damit bald auf einem absteigenden Ast stehen? Eigentlich hätten diese Anbieter aufgrund ihrer Verbreitung einen massiven Vorsprung. Haben sie ihn wirklich im Sinne des Homo Digitalis umgesetzt? Wenn erstmal die spielerischen mit den mobilen Ansätzen zu „sozialen Kundendatenbanken“ verknüpft werden, lassen sich zukünftig schneller Rückschlüsse auf wahre Marken- oder Produktexperten ziehen. Die können dann wiederum ihren Personal Scoring Index aufwerten und sich für ihre Loyalität belohnen lassen. Mobil, ob mit Smartphone-Hülle, App oder Social-Networking-Profil – aber auf jeden Fall ohne lästige Plastikkarten.

(Foto: Flickr/gwire, CC BY 2.0)

 

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5 Kommentare

  1. Digital wird Plastik nach meiner Meinung nicht so rasch ersetzen. Trotz beeindruckender Verkaufszahlen von iPhone, Android usw. nutzt die Mehrheit der Konsumenten keine Smartphones. Sowohl wenig technik-affine, als auch zu wenig kaufkräftige Menschen beschränken den Nutzerkreis. Und selbst letztere sind auf Grund ihrer Anzahl für viele Loyality Card Anbieter interessant.
    Ihre Berechtigung haben digitale Lösungen selbstverständlich. Einige Firmen werden wohl sehr gut damit verdienen. Sie bringen schließlich viele Vorteile. Angefangen von der Bequemlichkeit über zusätzliche Sicherheitsmerkmale wie fingerprint bis hin zu gezieltem Kampagnenmanagement. Nur überschätzen Brancheninsider gerne die digitale Durchdringung.

    • “Trotz beeindruckender Verkaufszahlen von iPhone, Android usw. nutzt die Mehrheit der Konsumenten keine Smartphones”

      vs Bitkom-Schätzung “Deutschland werden im Jahr 2012 erstmals mehr Smartphones als herkömmliche Handys verkauft”

      Denk doch mal zwei Jahr ein die Zukunft. Garantiert werden Smartphones sich dann in quasi jeder Hosentasche befinden. Das Argument mit “wenig kaufkräftigen Menschen” zieht nicht – denn große Fernseher haben die zumeist auch. Alles eine Frage der Prioritätensetzung.

  2. Ich habe von P&C vor Wochen eine provisorische Karte zugeschickt bekommen. “Die echte kriegen Sie dann bald zugeschickt.” war die Aussage der Verkäuferin. Wie lange werden die großen Unternehmen wohl brauchen um ihre Systeme dann auf smartphone umzustellen?

  3. Die digitale Durchdringung wird allein schon von den Handyherstellern forciert. Das kann ich als langjähriger ITK-Marktler” sagen, und sehe das wie Martin. Je eher Unternehmen die Chancen zusätzlicher Absatzoptionen via Mobile Cards sehen und sich auch als Teil eines “Community Centric” Prozesses verstehen, um schneller werden diese Innovationen im Markt erscheinen. Es wird sicherlich eine gewisse Transitionsphase geben, was sich alleine aus dem Umstellen der Systeme, Gemütlichkeit und Prozessphlegmatismus ergibt. Menschliche Hierarchien und Befindlichkeiten sind eben doch erhebliche Adaptionshürden in Großunternehmen. Und ebenso richtig: Es gibt Branchen (i.e. Luxusgüter, Technikshops, etc.) in denen diese Innovationen schneller greifen werden. Es gilt eben die Chance zu sehen und für sich zu nutzen. Erfahrung zeigt mir, dass Gespäche mit Führungsetagen hier hilfreich sind…

  4. Sie schreiben “Die Tage der Plastikkarten erscheinen angesichts dieser neuen Entwicklungen gezählt.”

    Wir sind anderer Meinung, da eine reine Handyapp erstens von vielen Menschen nicht genutzt wird (Vorbehalte der Technik und den Auswertungsmöglichkeiten gegenüber) und zweitens laufen Apps speziell in gut abgeschirmten Geschäften und auf dem Land manchmal so langsam, dass der Einsatz zur Qual wird. Ich glaube nicht, dass die Karte in den nächsten 10 Jahre verschwinden wird.

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