doctape:
Onlinezentrale für persönliche Dateien

doctape bietet Anwendern einen Browserdienst, um private und geschäftliche Dateien zu archivieren, zu verwalten und anderen zugänglich zu machen. Das Startup aus Hannover betritt einen umkämpften Markt.

Es ist unklar, ob der primäre Zugriff auf digitale Informationen in zehn oder 20 Jahren noch in Form von Dateien erfolgen wird. Für Anwender steht im Cloudzeitalter im Vordergrund, angeforderte Daten von überall und jederzeit abrufen zu können. Der Trend zum Streaming, die Darstellung von Informationen in Feeds sowie der Wunsch zum kollaborativen Bearbeiten von Inhalten sind einige der Faktoren, die als Indizien gewertetet werden können, dass Benutzer künftig deutlich weniger als bisher Dateien und Dateiformate hantieren müssen.

Momentan ist dies aber noch Zukunftsmusik, glauben eine Reihe von Onlinespeicher- und Dateimanagementdiensten. Auch Sascha Reuter, Sven Hohlfeld und Achim Wellmann waren der Ansicht, dass es einen Bedarf an einem Onlineservice gibt, der eine komfortable Verwaltung von Dokumenten und anderen Dateientypen in der Cloud erlaubt. Vor einem Jahr gründeten sie daher in Hannover doctape, das mittlerweile das geschlossenen Beta-Stadium erreicht hat.

Bei doctape handelt es sich um einen nur auf Englisch angebotenen, browserbasierten Webdienst zur Verwaltung privater und geschäftlicher Dateien. Das Trio aus Niedersachsen möchte Nutzern mit ihrem bisher aus eigener Tasche finanzierten Service die zeit- und platzraubende Archivierung sowie das Management von Rechnungen, Dokumenten sowie von Medieninhalten wie Songs, Fotos und Videos erleichtern.

2,5 Gbyte Cloudspeicher kostenlos

Dazu stellt doctape jedem Anwender kostenlos 2,5 Gbyte Cloudspeicher zur Verfügung, der über den Browser oder eine iPhone-App befüllt werden kann. Eine Android-Anwendung soll in Kürze folgen, gleiches gilt für eine Option, Dateianhänge per E-Mail zum persönlichen doctape-Konto zu schicken. doctape bietet die von vergleichbaren Diensten her bekannten Features, um unterschiedlichste Dateitypen direkt im Browser zu öffnen, schnell über die Suchefunktion zu finden, zu verschlagworten (bei doctape “tape” genannt) sowie mit anderen Anwendern zu teilen.

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Als die doctape-Gründer mit der Entwicklung ihres Produktes begannen, schwebte ihnen primär die Vision des papierlosen Büros vor. Mittlerweile rücken sie aber auch den Use Case “müheloses Dateimanagement” in den Vordergrund, was angesichts anderer, dem Papier den Krieg erklärender deutscher Startups wie smarchive (unser Review) und dem finanziell gut ausgestatteten doo ein sinnvoller Zug sein kann.

Aber auch sonst mangelt es den Hannoveranern nicht an Konkurrenz: Von Dropbox über Google Docs bis hin zu Evernote reicht das Spektrum an bereits etablierten Diensten, die sich als Onlinezentrale für Dokumente, Dateien und Daten der Anwender anbieten und im Prinzip jedes Feature von doctape ebenfalls vorweisen können – sowie viele weitere darüber hinaus.

Serverstandort Europa

Einen entscheidenden Vorzug sieht doctape-Mitgründer Sascha Reuter beim Thema Datenschutz und -sicherheit. “Datensicherheit steht bei uns bereits bei der Konzeption und Entwicklung im Vordergrund und erstreckt sich über all unsere Prozesse, bis hin zum sicheren Betrieb in entsprechend zertifizierten Rechenzentren innerhalb der EU“. Während jeder Clouddienst von sich behauptet, besonders sicher zu sein – bis zu dem Tag, an dem ein Hackerangriff oder ein Security-Leck das Gegenteil beweist – wird der der Serverstandort Europa für Anwender attraktiv klingen, die ungern ihre Daten in US-Rechenzentren und damit in greifbarer Nähe der dortigen Ermittlungsbehörden ablegen.

Ein zweiter Aspekt, mit dem doctape sich vom Wettbewerb abzuheben versucht, ist die Benutzeroberfläche. Während sie nicht unbedingt höchsten ästhetischen Ansprüchen entspricht, reagiert sie unheimlich schnell, erlaubt das Tab-basierte Öffnen verschiedener Dateien und das Sortieren und Filtern innerhalb von Millisekunden über Schlagworte und die Suchefunktion. Die Macher des Startups sind bestrebt, jeden überflüssigen Ballast zu vermeiden, was ihnen auch gelungen ist.

Die Monetarisierung soll nach dem offiziellen Start über ein kostenpflichtiges Premium-Angebot erfolgen.

Zu behaupten, doctape begebe sich in einen dicht gedrängten Markt, wäre noch eine Untertreibung. Die Zahl der Kontrahenten, die auf die ein oder andere Weise die von doctape ins Auge gefassten Anwendungsszenarien abdecken, ist enorm. Sich hier in den Vordergrund zu spielen, erfordert einen Kraftakt und viel Kreativität. Wer jedoch noch nach der idealen Dateiverwaltung in der Cloud sucht und an einem leichtfüßigen, minimalistischen Interface Gefallen findet, sollte sich doctape einmal anschauen.

Über diesen Link erhaltet ihr einen direkten Zugang zur geschlossenen Beta-Phase.

Link: doctape

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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6 Kommentare

  1. Und wo liegt der Vorteil zu Dropbox??

  2. @Arne: Ja das frage ich mich auch.
    Warum soll ich für etwas bezahlen, dass ich in gewissem Umfang auch kostenfrei haben kann?

  3. Hinsichtlich des hohen Bedarfs
    an den verschiedensten Sharing-, Ablage- und Ordnungstools kann es garnicht genug solcher Dienste geben. Zumal sie in sich selbst meist noch viel zu wenig differenziert für umfassende persönliche Ordnungszwecke sind. Ihre ökonomische Verwertbarkeit ist dabei freilich nochmal eine andere Angelegenheit.

  4. @ Arne & Hannah

    Wie im Artikel beschrieben: Vorzüge (für manche) sind der Serverstandort Europa sowie das besonders minimalistische, schnelle User Interface.

    Hannah, doctape ist auch kostenfrei.

  5. Usability und das doctape Userinterface sind echt klasse. Also einfach am besten mal selber antesten über den Link oben. iPhone App gibts hier http://itunes.apple.com/d…ape/id506024516?mt=8

  6. Also ich sehe in diesem Dienst keine wirkliche Errungenschaft die sich besonders durch irgendetwas auszeichnet oder einen “Usability Benefit” bietet. Aus Unternehmersicht, versteht sich.

    Unternehmen, für die dieses Produkt irgendwann interessant sein soll, da die Monetarisierung das primäre Ziel sein muss, können hier auch keinen Benefit sehen. Denn das Owncloud Projekt macht diesen Dienst obsolet, besonders vor dem Hintergrund, dass Owncloud auf den eigenen Servern eingesetzt werden kann und somit die Frage, ob ich meine Daten externen Unternehmen anvertraue schon beantwortet ist. Dabei spielt es keine Rolle mehr, ob in der EU oder USA. Eigener Server, ist eigener Server, eine nicht unerhebliche psychologische Grenze !

    Soviel sich die Betreiber auch bemühen dieses Projekt zu etablieren, sehe ich das eher als “dead on arrival”.

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