Pinterest-Klon:
Pinspire verschickt zweifelhafte E-Mails

Pinspire heißt einer der derzeit berüchtigsten Klone aus dem Hause Rocket Internet, dem Inkubator der Samwer-Brüder. Mit zweifelhaften E-Mails versucht die Pinterest-Imitation, Nutzer zu gewinnen.

Es ist schwierig, irgendetwas Positives an Pinspire zu finden, dem frechen Pinterest-Klon der Samwer-Klonfabrik Rocket Internet. Da kann sich “Interim-CEO” Karl Jo Seilern-Aspang noch so sehr rechtfertigen und eine Existenzberechtigung herbeikonstruieren.

Ein kleiner Luxus jeder schamlosen Copycat ist es, dass die allgemeine Erwartungshaltung in Bezug auf legitimes Geschäftsgebaren extrem niedrig ist. Zweifelhafte Praktiken, die jedem “herkömmlichen”, einem ethisch korrekten Verhalten grundsätzlich verbundenen Startup eine temporäre PR-Krise verschaffen und im schlimmsten Fall dessen Ruf stark beschädigen können, müssen bei den einschlägigen deutschen Startup-Klonern von vorn herein vorausgesetzt werden.

Treten sie dann auf, begrenzt sich die übliche Reaktion von Branchenkennern zumeist auf etwas im Stile von “typisch, war ja kaum anders zu erwarten”.

Ungefähr so ging es mir, als ich am Sonntag plötzlich eine E-Mail von Pinspire mit dem Betreff “Jemand auf Pinspire probiert mit dir Kontakt aufzunehmen” in meinem Postfach hatte. Im ersten Momentan las ich “Pinterest” statt “Pinspire”, was mich kurzzeitig zu der Frage brachte, seit wann Pinterest deutschsprachige E-Mails verschickt. Doch dann erkannte ich die Verwechslung und widmete mich mit einer Mischung aus Neugier und antizipierter Irritation dem Text der Mail:

“Hey,

jemand auf Pinspire mag Dich!

Ein Mitglied unserer Pinspire Community hat probiert Dich zu finden, aber Du hast noch keinen Account. Das können wir ändern. Auf Pinspire kannst Du die schönsten Bilder aus der ganzen Welt sammeln, teilen oder einfach anschauen! Wir hoffen das Du dich registrierst und Teil von Pinspire wirst.

http://www.pinspire.de

Viel Spaß beim Pinnen!

Dein Pinspire Team”

Leider verrät das Berliner “Startup” in der Mail nicht, wer die Person ist, die angeblich probiert hat, mich zu finden. Unter pinspire.de/invite bietet der Dienst für registrierte Mitglieder die Möglichkeit, Kontakte aus den Adressbüchern bei Facebook, Yahoo, Hotmail und Google Mail einzuladen. Verwendet man diesen Invite-Prozess, erhalten daraufhin alle ausgewählten Kontakte eine E-Mail-Einladung von Pinspire. Im Gegensatz zu obiger Mitteilung ist diese aber personalisiert, enthalt also den Empfängernamen sowie den Benutzernamen des einladenden Pinspire-Mitglieds.

Ich weiß nicht, auf welche Weise Pinspire an meine E-Mail-Adresse gelangt ist. Aus einer offiziellen Einladung durch ein bestehendes Mitglied resultiert diese ganz offensichtlich aber nicht. Die Mail riecht stark nach einem Massenversand, mit dem unter einem Vorwand, der stimmen mag oder nicht (vielleicht wurde tatsächlich nach meinem Namen gesucht – doch die E-Mail-Adresse haben sich die Berliner dann eigenhändig besorgt), auf den mutmaßlich – in typischer Rocket-Internet-Manier – mit extrem hohen Wachstumszielen versehenen Onlinedienst aufmerksam gemacht werden soll.

Eine juristische Bewertung dieses Verhaltens muss ich anderen überlassen. Aus Nutzersicht sind derartige E-Mails jedoch ein großes Ärgernis. Wenn Einladungen dieser Art von Onlinebekannten selbst verschickt werden, weiß man immerhin, wer die Verantwortung trägt. Im Falle der Pinspire-Mail hingegen war es ein unbekannter “jemand”. Eine nicht bestellte, nicht durch einen zu identifizierenden Kontakt initiierte Mail dieser Art stellt für mich nichts anderes als Spam dar – und ist ein weiteres Armutszeugnis für die Pinterest-Kopie aus der Hauptstadt.

Ich habe per Mail nachgefragt, wie das Unternehmen an meine E-Mail-Adresse gekommen ist, und aktualisiere diesen Beitrag, sofern eine Antwort eintrifft.

Wer von euch hat auch eine E-Mail von Pinspire erhalten?

 

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23 Kommentare

  1. Tja was sollen wir dazu sagen. Ist nicht gerade sauber die Aktion, um nicht zu sagen es stinkt gewaltig.

    Aber hier wird halt Reichweite mit der Trägheit der Masse aufgebaut. Wer geht schon gegen solch eine E-Mail vor??

    Selbst wenn, sind die Kosten wahrscheinlich auch schon Irgendwo berücksichtigt. Oder diese werden dann in Kauf genommen.

    Die Sitzen doch auf einem Riesen Schatz an E-mail Adressen, aus Ihrem Unternehmens-Portfolio. Sicherlich würde es wahrscheinlich gegen den Datenschutz sprechen, eine gewonnene E-Mail für ein anderes Unternehmen zu nutzen. Aber wo kein Kläger ist kein Angeklagter.
    Mir gefällt dieser Gedanke überhaupt nicht :-(

  2. Pinspire kannte ich bis eben nicht mal.
    Und: Wow, dreister geht es wohl kaum mehr (die Aktion aus dem Newsbeitrag sowie die “Idee” dieser Webseite).

  3. Kopieren die nicht ständig und verdienen sich dabei auch noch eine goldene Nase? (z.b. MyCityDeal ist doch auch von den Samwers nach Groupon-Vorlage kopiert worden und wurde dann später von Groupon gekauft)

    Sind also eine Art Geschäftsmodell, diese Copycat-Aktionen, und mal Hand aufs Herz:

    Wenn wir das auch könnten und dadurch Millionen verdienen würden, würden wir es ja auch so machen, oder?

    Aber Kopieren will halt auch gelernt sein… ;)

  4. Ich habe auch eine Reihe von solchen Emails bekommen. Jetzt landen sie aber direkt in Spam! ;)

  5. Leider muss man als fotografischer Urheber bei all diesem Quatsch nachschauen, ob jemand das eigene Foto benutzt, um sich damit wichtig zu machen. Über dieses “Kopieren”, das im Grunde ein Veröffentlichen ohne Genehmigung des Autoren darstellt und man auch “Schmücken mit fremden Federn” nennen könnte, regt sich leider selten jemand auf.

  6. Wer geht schon gegen solch eine E-Mail vor??

    Na ja die Wettbewerbszentrale und der vzbv zum Beispiel. Sollten die E-Mails tatsächlich von Pinspire stammen, wäre dies imho ein Wettbewerbsverstoß und eine Verletzung der Privatsphäre. Den Friend Finder von Facebook hat der vzbv ja gerade erst abgewatscht (LG Berlin). Wobei dies hier ja noch mal ne Ecke “härter” ist, da die Adressherkunft scheinbar völlig unklar ist.

    • Typisch deutsch, sich immer über alles aufregen was man selbst nicht erreichen kann. Sollte auch bei den Kommentaren der Neid der Vater aller Beschwerden sein?

  7. hab die mail auch bekommen und vermute es ist der groupon verteiler. Mit keinem anderen copy cat haben die soviele aktuelle E-mails generiert und bei diesem Verteiler haben sie eh schon auf alle Regeln geschissen. (Leute automatisch wieder eingetragen etc.)

  8. Ein Brief mit Bezug auf das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) dürfte da ganz hilfreich sein:

    http://www.schnappmatik.de/TFFFFF/

  9. was ich mich auch frage: stellt die schamlose kopie des user interface von pinterest nicht auch eine urheberrechtsverletzung dar? also im deutschen wirtschaftsraum wär das undenkbar… “verwechslungsgefahr” ist ja noch leicht untertrieben…

  10. So unschön solche Praktiken auch sein mögen. Ich bin mir fast sicher, dass die Samwer-Startups in ihren AGBs eine Klausel haben, in der die Weitergabe von entsprechenden Daten an Dritte zu Werbezwecken geregelt ist. Es kann zwar sein, dass man damit einige Leute verärgert, aber im Zweifelsfall kann man nicht nachweisen, wer die Adressen verkauft/”verliehen” hat, da solche Klauseln in den meisten AGBs Standard sind. Allerdings wäre es interessant was passiert, wenn wirklich jemand juristisch gegen ein solches Massenmailing vorgehen würde. Mittlerweile sind diese in Deutschland nämlich verboten.

  11. Man kann nur hoffen dass Anwälte die sonst gegen kleine wehrlose User angehen auch das Rückgrat haben hier gegen Pinspire anzugehen.

  12. Ja, haben wir auch erhalten, sehr zahlreich ;o)
    Das ist alles schon sehr profitdriven, und am Ende des Tages gibt ihnen der Erfolg (meistens) recht. Was nicht heißt, das ich das gutheißen mag!

  13. Schon die AGB gelesen?
    Paragraph 7 enthält pinterest Verweis!
    Autsch.

  14. Der Groupon-Verteiler erscheint wirklich naheliegend.

    Warum im Online-Marketing immer wieder auf solche Praktiken zurück gegriffen wird? Weil wirklich keiner etwas dagegen unternimmt…

  15. niveau-limbo
    how low can you go
    schlimmer geht immer
    samwer procedure as every year, james
    wo keine ehre, da ein samwer
    einmal samwer, immer samwer

    • Hast du auch eine eigene Meinung oder plapperst du immer nach, was andere sich ausgedacht haben?

  16. Rocket Internet sind ja sowas von unkreative mit Millionen um sich werfer… ich finde so ein Verhalten im Internet nur ärmlich.
    Sich einfach ständig irgendwelche Konzepte zu Klonen und dann überdimensoniert Vermarkten, das ist ein sehr unehrenvolles Verhalten, das mittlerweile anfängt den Mainstream Internet Markt völlig zu verzehren und zerstören…
    Denn da geht womöglich am ende nicht der inovativste oder inteligenteste und kreativste als Sieger hervor, sondern der mit dem größten durchhaltevermögen (durch angehäuftes Kapital) der finanziellen vernichtungsschlacht.
    Es muss nur jemand mal “Pizza bestellen” bei Google eingeben und der weiß was ich meine (ich weiß auch nicht, wer der jenige war, der auf die jetzt auch nicht sensationell kreativen Idee gekommen ist aber jetzt gehts nurnoch ums Marketing.)
    Gottseidank gibt es auch noch andere Bereiche, wo es noch nicht derart im Internet läuft…

  17. Also unkreativ sind die Macher von Pinspire keinesfalls! Die Idee auch im deutschsprachigen raum bilder zu teilen ist genau der selbe “ideenklau” wie den der sich wer-kennt-wen von facebook abgeguckt hat. Wenn man sich mal darüber bewusst wird was marketing heutzutage im internet bedeutet, wagt es garnicht den mund aufzumachen gegen rocket internet. Wenn man sich nähmlich die projekte wie zalando und groupon anschaut, welche auch von rocket internet gemacht wurden, kann man nur staunen. Die verstehen auf jedenfall wie man im internet marketing betreibt! Also würde ich lieber den “deutschen abklatsch” von pinterest akzeptieren und hoffen das die deutschen im internet irgendwann auch mal so erfolgreich sind wie die asiaten oder amerikaner…

  18. Ich hatte eine solche Mail auch im Postfach und kenne niemanden aus meinem Bekanntenkreis, der Pinspire nutzt!
    Es ist dann also nur Spam gewesen!?

    Na danke Pinspire!

3 Pingbacks

  1. [...] Pinterest Copy Cat: Martin Weigert berichtet, dass der deutsche Pinterest Klone Pinspire derzeit offenbar zweifelhafte Emails verschickt. Die Pinterest Imitation hat Rocket Internet gemacht – Inkubator der Samwer-Brüder. Netzwertig [...]

  2. [...] Teilweise sind es nur schnöde Kopien (insbesondere der Klon der Samwer-Brüder, Pinspire), teilweise zielen die Dienste in eine andere Richtung, auch wenn das auf den ersten Blick nicht [...]

  3. [...] ist nicht neu: Selbst Badoo fiel in der Vergangenheit durch solche Praktiken auf, ebenso wie der Pinterest-Klon Pinspire aus dem Hause Rocket Internet sowie erst dieser Tage der aus Hamburg stammende Datingservice meetOne.Während die meisten Nutzer [...]

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