Kooperation mit Fitness-Tracker:
Path liebäugelt mit
der Selbstquantifizierung

Path erlaubt mit Nike+ GPS erstmals einer externen Applikation das Publizieren von Inhalten innerhalb des mobilen Social Networks. Weitere Tools zur sogenannten Selbstquantifizierung dürften folgen.


Es ist nicht klar, wie nachhaltig die Kratzer sind, die das sich als intime Alternative zu Facebook positionierende Social Network Path seinem Image mit dem heimlichen Upload von Smartphone-Adressbüchern der Nutzer verpasst hat. Vermutlich aber wird der Vorfall schnell vergessen sein, schon alleine deshalb, weil derartiges und ähnliches Hintergehen der Nutzer (leider) gang und gäbe ist.

Und auch dieses unrühmliche Ereignis ändert nichts an der Tatsache, dass die bildschöne Path-App für iOS und Android prädestiniert dafür ist, eine Lücke zu füllen, die mit jedem eine signifikante Zahl an Kontakten ansammelnden Facebook-Nutzer größer wird: Während das Facebook sich so zunehmend zu einem dynamischen Verzeichnis aller Menschen entwickelt, denen ein Mitglied jemals begegnet ist, fokussiert sich Path auf die Vernetzung von Familienmitgliedern und echten, einem nahestehenden Freunden, ohne dass dazu umständlich Listen gepflegt und Privatsphäre-Einstellungen granular abgestimmt werden müssen. Path’ Begrenzung auf maximal 150 Kontakte unterstreicht dies.

Durch die intimere Atmosphäre und das bewusste Weglassen eines komplexen Funktionsapparates wirkt Path nicht wie ein klassisches soziales Netzwerk sondern eher wie ein interaktives, persönliches Tagebuch, das Anwender kontinuierlich mit Ereignissen und Erlebnissen aus ihrem Alltag befüllen. Aufgrund dieser grundsätzlichen Ausrichtung war es gar keine Überraschung, als Path-Mitgründer Dave Morin im Dezember verriet, mit dem Gedanken einer Integration von Werkzeugen zum Fitness- und Gesundheitstraining zu liebäugeln.

Am Donnerstagabend haben die Kalifornier einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht und eine Kooperation mit dem Sportartikelhersteller Nike bekannt gegeben: Die neuste Version der Path-App lässt sich mit der von Nike angebotenen Fitness-App Nike+ GPS verknüpfen. Ähnlich wie Anwendungen von Runtastic und Runkeeper erlaubt die Nike-Applikation, beim Laufen die eigene Leistung festzuhalten und anhand der gesammelten Daten zu optimieren. Path-Nutzer, die eine Verbindung zu Nike+ GPS herstellen, informieren anschließend ihre Kontakte automatisiert über aktuelle Laufrunden und neue Bestleistungen – inklusive der Möglichkeit für Freunde, Kommentare zu hinterlassen und anzufeuern.

In einigen Wochen soll sich die Partnerschaft auch auf das von Nike angebotene Nike+ Fuelband erstrecken, ein internetfähiges, als Fitness-Tracker fungierendes Armband für Sporttreibende.

Path signalisiert mit diesem Vorstoß seine Intention, den eigenen Dienst mit dem angesagten Trend der Selbstvermessung (“Quantified Self”) zu verheiraten. Zwar ist das automatisierte Publizieren von Trainings- und Fitnessdaten dank der neuen Freiheiten von Open-Graph-Apps auch bei Facebook möglich, aber angesichts der Vielzahl von persönlichen Informationen, die von Websites und Applikationen in die Ticker und Streams der Facebook-Nutzer gedrückt werden, gehen viele dieser Angaben im Datenrauschen unter.

Path dagegen verzichtet auf eine algorithmische Auswahl der für einzelne Nutzer relevanten Freundes-Updates und zeigt stattdessen (wie Twitter) alle Aktivitäten und Einträge der Kontakte an, ohne dass sich diese filtern lassen. Dies ist auch der Grund, warum die von Nike jetzt verwendete Path-API vorerst nicht öffentlich gemacht wird – nimmt die Zahl an von Drittanbietern in den Path-Nutzertagebüchern publizierten Informationen überhand, könnte dies schnell zu Ermüdungserscheinungen bei den mittlerweile zwei Millionen Mitgliedern führen.

Die Zahl der mit dem Internet verbundenen Gadgets zum Selbstmonitoring und -tracking nimmt stetig zu. Nike wird nicht der einzige Anbieter derartiger Produkte bleiben, der seinen Anwendern die Option bietet, Daten direkt zu Path zu senden. Um Filterwerkzeuge zur Sortierung des Streams würde die Smartphone-App von der US-Westküste zwar dann nicht mehr herumkommen, aber ihre Aussichten stehen nicht schlecht, sich als zentraler, interaktiver Aggregator für die Selbstquantifizierung zu etablieren.

Die jüngste Aktualisierung der Path-App bringt ganz nebenbei auch ein Feature mit, um per Mikrofon aufgenommene Musik zu identifizieren und im eigenen Stream zu posten. Keine gute Nachricht für Shazam, SoundHound und SoundTracking.

 

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3 Kommentare

  1. nicht vergessen sollte man auch folgende grassierende folgssoichen:
    verbalsucht: der drang im alltag ständig verbale absprachen zu treffen. sonderform smalltalkeritis.
    weekendetriose: der zwang wöchentlich zwei tage die arbeit niederzulegen.
    bibitismus: der drang wiederholt tgl. flüssigkeiten zu sich zu nehmen.
    phagozytritis: tgl. drang zur nahrungsaufnahme.
    to be continued …

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  1. [...] Wie das Internet unser Kommunikationsverhalten verändert: Gefangen im Tunnelblick » netzwertig.com: Wann hattet ihr das letzte Mal ein angeregtes Gespräch mit dem Gegenüber im Zug? Wir kommunizieren zunehmend asynchron: entweder nicht - http://netzwertig.com/2012/11/26/wie-das-internet-unser-kommunikationsverhalten-veraendert-gefangen-… [...]