“People Discovery”:
Gauss aktiviert seinen
“Magnet für Menschen”

Mit Gauss möchte ein junges deutsches Startup im gerade sehr angesagten Segment der People-Discovery-Applikationen mitmischen. Leicht wird dies nicht, aber die gewählte Metapher ist clever.

Mobile Apps, die Anwendern zeigen, welche Personen mit ähnlichen Interessen oder Kontakten sich gerade in der unmittelbaren Nähe befinden, sind der letzte Schrei. Speziell die zwei US-Dienste Highlight und Glancee sorgen in diesem neuen, unter dem Label “People Discovery” oder “Ambient Awareness” firmierenden Segment derzeit für Gesprächsstoff. Insgesamt buhlen mittlerweile (mindestens) ein Dutzend Startups um für die spontane Kontaktanbahnung empfängliche Smartphone-Nutzer.

Mit Gauss betritt nun auch ein in Deutschland ansässiges Startup diesen noch in den Kinderschuhen steckenden, aber bereits stark umkämpften Markt. In dieser Woche hat der Kölner Dienst seine kostenfreie iPhone-Applikation veröffentlicht, die Anwendern unterwegs das Aufeinandertreffen mit interessanten Personen ermöglichen soll. Der Launch erfolgt pünktlich zum angesagten SXSW-Festival in Austin (Texas), wo das Startup gegen 32 andere junge Webfirmen antreten wird.

Das multinationale Gauss-Team besteht aus dem Deutschen Arne Horn, dem Norweger Vidar Andersen, dem US-Amerikaner Kit Blake sowie dem Franzosen Antonin Amand. Seit dem vergangenen Jahr entwickelt das Quartett mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden und einer Reihe von Ratgebern an ihrem bisher aus eigenen Mitteln finanzierten Service, für den sie bereits auf diversen europäischen Branchenevents getrommelt haben.

Gauss wirkt konzeptionell wie eine Mischung aus Highlight und Glancee sowie Banjo und Sonar. Mit den ersten beiden gemein hat es die Fähigkeit, im Hintergrund des Mobiltelefons zu arbeiten und über andere, in unmittelbarer Umbegung befindliche Anwender der App zu informieren. Die Überschneidung mit den zwei letztgenannten Anbietern liegt darin, dass sich Gauss mit den persönlichen Accounts bei Facebook, Twitter und foursquare verbinden lässt, um Standortdaten aus dem eigenen Netzwerk dieser Dienste für die Gauss-Benachrichtung über Personen in der Nähe zu nutzen.

Auf diese Weise umgehen die Kölner das besonders bei Highlight und Glancee auftretende Henne-Ei-Problem, weil Gauss Anwendern selbst dann einen Mehrwert bietet, wenn sie die einzigen Benutzer der App in ihrer Stadt sind. Wer möchte, kann Gauss ganz ohne Registrierung ausprobieren.

Eine Besonderheit von Gauss sind individuell definierbare Suchkriterien auf Basis der eigenen Facebook-Likes, die beeinflussen, welche Personen die Applikation als potenziell vielversprechende Kandidaten für ein persönliches Treffen vorschlägt. Die Kontaktaufnahme erfolgt jeweils direkt über die App (bei anderen Gauss-Nutzern) oder über das jeweilige Social Network, aus dem das mit einer Koordinate verknüpfte Status-Update des entsprechenden Nutzers stammt (zum Beispiel per Tweet).

Gauss-Mitgründer Vidar Andersen sieht die Einsatzszenarien von Gauss sowohl im privaten als auch geschäftlichen Bereich. Ob das am Ende alles so funktioniert, wie er und seine Mitstreiter sich dies wünschen, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Ein sympathisches, gut vernetztes und hartnäckiges Team, eine Einstiegshürden eliminierende Umsetzung der People-Discovery-Idee sowie die zur Erläuterung des Konzepts hilfreiche Metapher des “People Magnet”, die sich durch die App zieht und auch Pate für den Namen stand (Carl Friedrich Gauß war ein bedeutender Forscher auf dem Gebiet des Magnetismus), sprechen für das Vorhaben. Das eher billig wirkende Design, die fehlende Bindung zum für Social-Web-Dienste so wichtigen Ökosystem des Silicon Valley, die starke Konkurrenz sowie die bisherige Limitierung auf eine Plattform (die sich nur wenige Apps wirklich leisten können) eher dagegen.

Leicht wird es für die Gauss-Macher garantiert nicht. Mit ihrer Präsenz bei SXSW signalisieren sie aber ihren Willen, sich bei den Early Adoptern und Geeks auf der anderen Seite des Atlantiks ins Gespräch zu bringen. Mit der Energie, mit der Co-Founder Andersen Gauss auf der Bühne präsentiert, dürfte er bei den für eine unterhaltsame Show immer empfänglichen US-Amerikanern keine schlechten Karten haben.

Link: Gauss

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Gefällt mir. Und Vidar geht als Rockstar durch! Er soll die SXSW rocken!

  2. Hab Vidar beim Gründerabend in Köln kennengelernt. Ich kann sagen, er geht nicht nur auf der Bühne gut ab :-)

    Wünsche Gauss viel Erfolg!

3 Pingbacks

  1. [...] explosionsartig wachsende Zahl an “People Discovery”-Apps wie Highlight, Glancee oder Gauss zu, deren praktischer Nutzwert – sofern er denn existiert – aufgrund der fehlenden [...]

  2. [...] tatsächlich am besten gefällt – auch wenn ich mit dieser Aussage wenig Lokalpatriotismus gegenüber dem deutschen Highlight-Kontrahenten Gauss zeige.Fokus (wieder mal) als ErfolgsrezeptHighlight trifft für meinen Geschmack sowohl optisch als [...]

  3. [...] Frauen) sich gerade in der direkten Umgebung aufhalten. Sonar (unser Review), Banjo oder Gauss (unser Review) heißen die Dienste, die öffentlich verfügbar Informationen aus foursquare, Facebook und Twitter [...]

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