Von vielen Startups vernachlässigter Aspekt:
Eine Idee ist nichts ohne das passende Netzwerk

Entrepreneure im Silicon Valley wissen, dass ihre Idee nichts wert ist, sofern ihnen das erforderliche Netzwerk fehlt. Gründer im deutschsprachigen Raum vernachlässigen diesen Aspekt zu oft.

Jeden Monaten stellen wir eine Reihe innovativer Startups aus dem deutschsprachigen Raum vor. Allerdings gelingt es trotz vieler guter Konzepte nur sehr wenigen davon, sich im Laufe der Zeit einen festen Platz in der Internetlandschaft zu erarbeiten und womöglich sogar einen internationalen Durchbruch zu feiern. Das Gros der ambitionierten, in neuen Bahnen denkenden hiesigen Jungunternehmen schafft es nicht, sich dauerhaft zu behaupten, und schließt entweder eines Tages die Tore, oder dümpelt als stiefmütterlich behandeltes Nebenprojekt vor sich hin.

Man kann argumentieren, dass es sich hierbei um kein spezifisches Problem des deutschsprachigen Raums handelt. Auch im führenden Internetmarkt, den USA, gelingt es nur einigen wenigen Anbietern, nachhaltig die eigene Existenz zu sichern. Schließungen sind an der Tagesordnung (aktuell beispielsweise Brizzly und Smartr). Dennoch verbringen wir auch auf dieser Seite des Atlantiks einen immer größeren Teil unserer Onlinezeit mit Diensten und Produkten aus dem Silicon Valley. Dort hingegen assoziiert man mit Deutschland und dem Internet “bestensfalls” die Samwers.

Es wurden schon unzählige Analysen zu der fehlenden Konkurrenzfähigkeit der hiesigen Webwirtschaft im globalen Kontext verfasst. In einem Beitrag von Jenny E. Jung im Apollo M Zukunftsblog des Mediencluster NRW bin ich nun auf ein Zitat gestoßen, welches die Gesamtproblematik und einen der entscheidenden Unterschiede zwischen Deutschland (und wahrscheinlich gilt diese Aussage auch für andere europäische Länder) sowie den USA auf sehr prägnante Weise in einem einzigen Satz zusammenfasst:

“Unlike in Germany, people in the Valley believe that an idea is worth nothing if it doesn’t infuse the right network”

Im Gegensatz zu Deutschland ist man im [Silicon] Valley der Ansicht, dass eine Idee nichts wert ist, solange sie nicht mit dem passenden Netzwerk kombiniert wird”, so die Autorin, die sich als Beraterin für die Standortmarketing-Agentur des Landes Nordrhein-Westfalen im Medienumfeld betätigt. Mit der Aussage legt sie den Finger in eine Wunde, die gar nicht so leicht zu heilen ist.

Hiesigen Startups mangelt es häufig am richtigen Netzwerk

Nicht selten geschieht es, dass wir die Mail eines auf dem Papier vielversprechenden Startups aus Deutschland erhalten, das sich durch eine überzeugende Idee, eine angemessene Umsetzung und ein kompetentes Gründerteam auszeichnet. Und dennoch geben wir – basierend auf unserer Erfahrung aus vielen Jahren der Beobachtung der Startup-Landschaft – dem jeweiligen Unternehmen intern nur geringe Chancen. Weil sofort offensichtlich wird, dass das notwendige Netzwerk nicht existiert, um aus einem guten Ansatz ein überzeugendes, von Millionen Menschen genutztes und mit einem zwei- oder gar dreistelligen Millionenbetrag bewertetes Erfolgsprodukt zu machen (von einem Milliardenbetrag ganz zu schweigen).

Für ein herausragendes Netzwerk reicht es nicht, einige lokale Business Angels und zwei Kontakte zu deutschen Tech-Medien zu haben, auf deren Berichterstattung man hoffen kann. Dies genügt vielleicht, um einen akzeptablen Start mit einigen hundert oder tausend Beta-Nutzern aus dem deutschsprachigen Raum hinzulegen. Sobald es aber darum geht, eine signifikante Marktdurchdringung zu erreichen und gegen internationale Konkurrenten um die Gunst der Anwender zu buhlen, ist das Netzwerk vieler hiesiger Gründer einfach zu dünn.

Ein erstklassiges Netzwerk in Aktion zeigen gerade die gestern vorgestellten People-Discovery-Apps Highlight und Glancee. Die zwei US-Startups sind wie im Artikel beschrieben bei weitem nicht die einzigen oder ersten Dienste, die über interessante Personen in der Nähe informieren. Allerdings werden sie von einer Reihe prominenter und erstklassig vernetzter, einflussreicher Vordenker und Blogger des Valleys unterstützt. Bei kaum einem US-Branchenmedium, das etwas auf sich hält, liest man derzeit nicht über die zwei Applikationen, was auf ein breites Netzwerk und eine intensive Vorarbeit der jeweilige Gründerteams schließen lässt.

Frühzeitiger Austausch mit anderen

An der US-Westküste ist genau dieses Networking eine Selbstverständlichkeit. Gründer tauschen sich in einer deutlichen früheren Phase über ihre Ideen aus, weil sie der Überzeugung sind, dass der so zu erzielende Mehrwert erheblich größer ist als das Risiko, dass jemand die Idee klauen könnte, so Jenny E. Jung.

Ausgehend von Jungs Analyse und unseren eigenen Beobachtungen deckt das perfekte Netzwerk meiner Ansicht das komplette Ökosystem der nationalen und internationalen Internetwirtschaft ab, von Kapitalgebern über Business Angels mit einer Vielzahl von guten Kontakten ins Silicon Valley über hervorragend vernetzte, renommierte Evangelisten und befreundete, bereits erfolgreiche Entrepreneure bis hin zu etablierten Beziehungen mit reichweitenstarken Technologie-Berichterstattern.

Natürlich kann das typisch deutsche, aus zwei, drei oder vier frischgebackenen Absolventen (oder Noch-Studenten) bestehende Gründerteam bei weitem nicht ein derartiges Netzwerk vorweisen. Was bedeutet, dass es entweder in vielerlei Hinsicht so außergewöhnlich und kreativ ist, dass es sich diese Kontakte blitzschnell und quasi nebenbei erarbeiten kann, oder dass es an einen Ort ziehen muss, an dem sich dieses Netzwerk fast automatisch ergibt.

Wichtige Entwicklung in Berlin

Genau deshalb stecke ich so große Hoffnungen in den Internetstandort Berlin. Auch wenn der Euphorie mitunter über die Stränge schlägt und man darüber diskutieren kann, ob überhaupt schon eines der im Zuge des Hauptstadt-Hypes entstandenen Onlineunternehmen als großer Wurf bezeichnet werden darf, so entsteht gerade in Berlin ein vielseitiges, auch zunehmend international geprägtes Netzwerk, das einmalig für Deutschland, den deutschsprachigen Raum und auch für viele andere europäische Länder ist. Noch handelt es sich beim Tech-Cluster Berlin um ein zartes Pflänzchen, dessen dauerhafter Bestand nicht gesichert ist. Wächst und gedeiht dieses Pflänzchen jedoch, werden davon am Ende auch diejenigen Entrepreneure profitieren, die heute noch mit Skepsis auf den Startup-Boom der Stadt blicken. Denn hat sich das Netzwerk erst einmal etabliert, wird jeder, der bereit ist, mit Kontakten und Erfahrung dazu beizutragen, dieses auch anzapfen können.

Es wäre sicher falsch, dem studentischen Startup aus einer deutschen Provinzstadt pauschal nahezulegen, von der Gründung eines Web-, Mobile- oder Social-Startups (letzteres ist ohne starkes Netzwerk besonders schwierig) abzusehen. Die Empfehlung eines realistischeren Blicks auf die Tauglichkeit und Diversifikation des eigenen Netzwerks und auf die langfristigen Wettbewerbschancen sowie der Tipp, so früh wie möglich mit den richtigen und wichtigen Personen zumindest auf informeller Ebene in Kontakt zu treten, statt isoliert vor sich hinzuwerkeln, sollte jedoch nicht schaden.

Einige Standortnachteile gegenüber dem kalifornischen IT- und Technologie-Hotspot werden womöglich niemals auszuräumen sein. Manche Faktoren können angehende Gründer jedoch bis zu einem gewissen Maß selbst beeinflussen. Das Netzwerk gehört dazu.

(Foto: stock.xchng/Avolore)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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13 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    aus meiner Sicht ein sehr guter Artikel, der einen wenig beachteten Aspekt adressiert. Allerdings glaube ich, dass es sich lediglich zum Teil um ein strukturelles Problem handelt – zumindest was die genannten Beispiele Highlight und Glancee betrifft. Vielmehr bin ich überzeugt davon, dass beide Unternehmen ihr Marketing-Handwerk exzellent beherrschen. Hierzu gehört eben gerade im Online Marketing der Aufbau von Beziehungen zu entsprechenden Multiplikatoren. Dies ist übrigens aus meiner Sicht sehr gut beschrieben im Beitrag von Neil Patel zum Thema Affiliate Marketing http://quicksprout.com/20…-grow-your-business/.
    Insofern lassen sich solche Beziehungen zumindest zu einem gewissen Grad auch aktiv “managen”.

    Gruß
    Jürgen

  2. Gut geschriebener Artikel und zum Teil stimmt dies schon, wobei echt gute Ideen eigentlich kein Netzwerk brauchen, da sie sich eben durch die Idee an sich unterscheiden und dann durch die viralen Effekte von sich aus entwickeln.

    Was hier eher angesprochen wird, sind mittelmässige Ideen, aber davon gab es in der Vergangenheit und Gegenwart sehr viele, in die viele Millionen investiert werden, oft auch dann um viel Geld verkauft werden, dann aber früher oder später wieder eingehen und abgedreht werden, und da war zuvor ein Netzwerk vorhanden, aber aufgrund der doch nicht ausreichend guten Idee ging es auch in die Hose… ;-)

    Insofern denke ich das das Problem hier in Deutschland eher darin liegt, das der durschnitt hier einfach zuwenig Risikobereit ist um einfach mal 20.000 oder so in die Hand nimmt, oder gar sein Auto verkauft, oder sein Haus, etc… um eine Web-Idee umzusetzen.

    Deutsche sind eben nicht risikofreundlich – oder setzen sich einfach hinter eine Idee ohne den Ausgang vorher zu kennen und zig Varriabeln davor abzuchecken wie sie damit Geld verdienen können.

    Richtig grosse Sachen und Ideen entstehen in erster Linie durch die Idee selbst und erst viel später wird über das Geldverdienen nachgedacht…

  3. “..Gründer tauschen sich in einer deutlichen früheren Phase über ihre Ideen aus, weil sie der Überzeugung sind, dass der so zu erzielende Mehrwert erheblich größer ist als das Risiko, dass jemand die Idee klauen könnte, so Jenny E. Jung.”

    Das stimmt – ABER jetzt kommt das “aber” bei dieser Aussage fehlt ein Nebenaspekt – und dieser Aspekt ist die “Geschwindigkeit” des möglichen Wachstums und der Wahrscheinlichkeit Supporter zu finden.

    In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit “Supporter” zu finden signifikant geringer als im Valley. Wenn der Wert der Geschwindigkeit ein höherer ist, ist auch der Wert des Vertrauens höher – weil man nur dadurch beschleunigen kann. Die Deutsche Bedenken- und Mißtrauenskultur entschleunigt eine Idee.

    Es macht daher keinen Sinn offen die Idee früh zu kommunizieren, weil die Wahrscheinlichkeit des Diebstahls mehr Nachteile bringt, als die Offenheit Vorteile.

    Wenn man in Deutschland jemand findet der Geld hat, versteht er die Innovation nicht. Wenn man jemand findet der die Innovation versteht, hat er kein Geld.

    Auf diese Weise werden 500 Mio. € in ePostbriefen und De-Mails versenkt. Statt im Bereich der Messeneuheiten der Cebit zu packen, gehören solche Pressemeldungen eigentlich in den Bereich “Das Valley lacht”. Kurzum – die falschen Leute haben das Geld und können es nicht investieren, weil ihnen das Verständnis für Innovationen abgeht.

    Wer einen ePostbrief für eine Innovation hält, ist mit Sicherheit kein Early-Adopter und sollte die Finger von IT Investitionen lassen.

  4. @ Jürgen
    Ich würde sagen, die Grenzen zwischen aus Networking resultierenden Gefälligkeiten, nicht bezahlter PR und bezahlten Marketingmaßnahmen sind fließend.

    Ich wüsste jetzt aber nicht, welche Online-Marketingmaßnahmen Highlight und Glancee ergriffen haben.

    @ synonymik
    Das würde bedeuten, dass Twitter und Facebook genau so erfolgreich geworden wären, wenn man sie [beliebigen deutschen Ort einsetzen] gegründet hätte.

    Was Risikofreudigkeit betrifft, hast du recht. Das wird hoffentlich die Zeit und die Globaliserung etwas verändern.

    @ Martin
    Guter Punkt. Notwendig wäre deshalb ein vollständiger Mentalitätswechsel, der nicht von heute auf morgen geschieht. Aber auch deshalb ist Berlin gut aufgestellt, weil nirgends sonst in DE die Zahl ausländischer Gründer, Investoren und Networker so groß ist. Und diese beschleunigen den Mentalitätswechsel.

    • ja das meine ich, selbst wenn man TWITTER oder FACEBOOK in einem kleinen Dorf in Deutschland gestartet hätte, wären diese genauso erfolgreich geworden.

      Wobei angemerkt werden muss, das die vorgehensweise die gleiche hätte sein müssen,…

      Der Ausgangspunkt eines Projektes mag zwar im sogenannte Silicon Valley leichter sein – ist aber keine Erfolgsgarantie.

      Das Netzwerk und der viralle Effekt, kommt dann von alleine. Die kurze Internetgeschichte hat ja bereits zigfach gezeigt das trotz toller Netzwerke und Millionensummen sehr viele Projekte schon begraben wurden – mehr braucht man wohl als gutes Beispiel nicht anfügen.

  5. Sehr guter Beitrag allerdings ist das geschilderte Problem kein webspezifisches, Stichwort “Technology Adoption Cycle” – altes Handwerkszeug das in jedes Startup gehört. Grob erklärt: http://blog.project-sierra.de/archives/1639

    Interessant dabei ist insbesondere die Tornadophase, Zitat Martin:

    Für ein herausragendes Netzwerk reicht es nicht, einige lokale Business Angels und zwei Kontakte zu deutschen Tech-Medien zu haben…

    … sondern eine kritische Masse von Early Adopters für sich zu gewinnen um die frühe Mehrheit zu überzeugen. Kann man diese Lücke zwischen den von Martin beschriebenen “hundert oder tausend Beta-Nutzern” und dem Mainstream nicht schließen, sieht es mittelfristig mau aus. Zustimmung daher auch an Jürgen hinsichtlich des Marketing-Handwerks …

    Trotz der Möglichkeiten des Webs braucht es in den Startups mindestens einen der die Beine in die Hand nimmt und kontaktet was das Zeug hält – klingt einfach aber in ein gut zusammengestelltes Team gehört genau eine solche Person … Ansonsten hilft nur noch ein Killerfeature :-)

  6. Wer eine Idee oder ein Konzept nicht zeigt oder nicht darueber spricht, wird nicht gesehen bzw. nicht gehoert. Das war vor hundert Jahren so und wird in der Zukunft auch so sein. Nur die PR-Instrumente und das richtige Zeitfenster haben sich gewaltig veraendert. Eines der besten Beispiele dafuer war chatroulette mit einer nicht gewollten frivolen Life-Einblendung, welche ueber Nacht per serioeser nationwide US-News-Show chatroulette einen Bekanntheitsgrad bescherte, der einmalig war.
    Ja, es ist nach wie vor wichtig, jede Form von PR und Marketing zu nutzen, um eine optimale Streuung zu erreichen. Nichts ist heute einfacher als geografisch und regional Produkt-und Dienstleistungen zu plazieren.
    Es bedarf nach wie vor geschickter Kreativitaet und Ausdauer, um beim Nutzer bzw. Verbraucher zu landen und nachhaltig im Bewusstsein einzudringen.

  7. Guten morgen Namensvetter,

    ich glaube, der Mentalitätswechsel vollzieht sich dann, wenn Unternehmer in Unternehmer investieren. Das kann also dauern.

    Ein Angebot wie twitter hätte in Deutschland keinen Erfolg gehabt, weil zuerst der Traffic und die Nassauer gekommen wäre und bis das Geld zur Finanzierung geflossen wäre, wäre twitter längst Pleite gewesen, weil noch mit Antrag ausfüllen und Businessplan schreiben beschäftigt.

    Die Gründer hätten einem Fünfundsiebzigjährigem vermutlich erklären müssen, wie man ein Preismodell und Billingprozess für die 140 Zeichen aufsetzt und wie der Registrationsprozess aussieht.

    Auch die TÜV-Zertifizierung für das Datensicherheitskonzept mit Bitkom Segen hätte Monate, wenn nicht gar Jahre gebraucht und da wäre keine müde Mark – pardon Euro – aus dem Apparat getropft nur unglaublich viel warme Worte und Bedenken, dass es keinen Businessplan gibt.

    Das Angebot bei einer Studie zur “Richtlinie für Web 2.0 und Risiken von Sozialen Netzwerken” mitzuwirken, wäre das Highlight der Gründungsphase von twitter gewesen.

    Am Ende hätte man vermutlich konfigirierte Schokoriegel verkauft – oder mein Allzeit Favorit Zahnpasta mit frei konfigurierbaren Streifen. Da sehe ich noch immer eine Versorgungslücke im Bereich eCommerce und bin für jeden Link dankbar.

  8. Zahnpasta mit frei konfigurierbaren Streifen

    :D

  9. Im Vermarkten waren die Deutschen ja schon immer weniger gut als im Entwickeln. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Da braucht es die richtige Denke. Ich hoffe auch auf neue Cluster wie Berlin. Interessant ist auch der Punkt Netzwerke zwischen Unternehmen. Da gibt es auch noch zu viele Barrieren.

  10. Noch eine Anmerkung: Was bei solchen Diskussionen fast nie zur Sprache kommt, weil es auch nicht angenehm zu diskutieren ist, ist die geschichtliche Perspektive. Deutschland war bis zum Ende der Nazi-Zeit in unendlich vielen Bereichen technisch weit führend. (Selbst danach und trotz all der erbeuteten Geräte und Entwicklungen haben es die ach so innovativen Amerikaner ohne Wernher von Braun und sein Team nicht geschafft, auf den Mond zu kommen.) All das basierte nicht zuletzt auf einer breiten Technik-Begeisterung in Deutschland. Leider wurde die Technik von den Nazis dann auch für ungute Dinge eingesetzt. Ich denke, das hat eine wesentliche Rolle dabei gespielt, dass die Bevölkerung nachfolgend eine stärkere Skepsis gegenüber technischen Innovationen entwickelt hat. Sie hat einfach schlechte Erfahrungen damit gemacht, was aus meiner Sicht sehr gut nachvollziehbar ist. Das Ganze ist natürlich ein weites Feld mit vielen Facetten. Aber ein (überspitzt formuliertes) “Die Deutschen blicken’s halt nicht” wird der Sache nicht gerecht und das trifft ja selbst heute auch überhaupt nicht zu, wenn wir den Blick mal über die Internet-Szene hinaus bspw. in den industriellen Bereich weiten. Die Frage ist doch vor allem, wie man eine breite Begeisterung für Technik wieder wecken kann. Da gilt es, in der Währung der Zielgruppe zu argumentieren. Meist wird aber nur der Wandel und die Technik ansich beleuchtet. Diese Dinge sind dem Durchschnittsnutzer aber schnurzpiepe. Also weniger Diskussions-Selbstgefälligkeit derer, die’s geblickt haben, und mehr Hineintragen in die Gesellschaft, würde helfen. Dann klappt’s auch mit der notwendigen Marktgröße. :)

    • Peter Thiel scheint das ähnlich zu sehen:

      “Die deutsche Gründerszene boomt – die ganze Welt sieht nach Deutschland und bewundert uns für den technologischen Fortschritt. Utopie? Nein – aber lange her. Die deutsche “Gründerzeit” fand Ende des 19. Jahrhunderts statt. Ein vom Krieg zerstörtes Ökosystem für Entrepreneure sowie eine daraus resultierende Risikoaversion haben aus Deutschland einen Markt für Fast Follower, aber nicht für Innovatoren gemacht, wie Peter Thiel feststellt.”

      via: http://gruenderszene.de/a…n-valley-accelerator

  11. @ Leander Wattig; unausgegorenes Lamentieren ueber die angebliche Deutsche Technik Skepsis ist das Eine, das tatsaechliche “Hineintragen” und Investieren in entsprechende Marktgroessen ist das Andere…:-)

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  1. [...] Funding aus den USA erhält. Doch dieser Sachverhalt zeigt einmal mehr, dass eine Idee ohne das entsprechende Netzwerk nichts wert ist, und dass auch die Fähigkeit, Investoren ins Boot zu holen, zu notwendigen Qualitäten von [...]

  2. [...] um Neider, notorische Nörgler oder eindimensional denkende Gründer, die nicht verstanden haben, dass eine Idee ohne das passende Netzwerk nichts wert ist. Dennoch würde es dem Standort Berlin nutzen, auch in anderen Landesteilen mehr moralische [...]

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