“People Discovery”:
Wenn das Smartphone weiß,
wie der Sitznachbar heißt

Mit fremden Menschen ohne konkreten Grund zu interagieren, gilt in den meisten Situationen als Tabu. Neuartige mobile Apps wollen mit dieser Konvention brechen.

Screenshot: BanjoMenschen, besonders die in größeren Städten, legen eine eigenwillige Verhaltensweise an den Tag: Stetig begegnen sie anderen Personen – sei es im Zug oder Bus, im Supermarkt, im Einkaufszentrum oder in der Fußgängerzone. Hunderte Male haben sie Blickkontakt miteinander, nur um schnell schüchtern wegzuschauen und ihres Weges zu gehen. Trotz dieser theoretischen Chance zum Knüpfen neuer Kontakte sind Millionen Mensch einsam, suchen aktiv oder passiv nach neuen Freunden, Partnern oder Personen, mit denen sie gemeinsame Hobbys pflegen oder Interessen teilen können. Soziale Konventionen und ein Mangel an Informationen sorgen dafür, dass Fremde in den meisten Alltagssituationen Fremde bleiben. Nur auf speziellen Veranstaltungen, die explizit der Schaffung neuer, mitunter zeitlich begrenzter Kontakte dienen und häufig mit intensivem Alkoholkonsum einhergehen, existiert eine gesellschaftlich akzeptierte Ausnahmeregelung.

Schon seit einigen Jahren versuchen mobile Dienste, diesem von Kind auf erlernten Verhaltensmuster etwas entgegen zu setzen. Bisher einigermaßen erfolglos, was sowohl auf Vorbehalte bei potenziellen Anwendern als auch auf nicht hinreichend leistungsfähige Endgeräte zurückzuführen ist. Doch glaubt man dem derzeitigen Rauschen der US-Tech-Szene, werden auf dem diesjährigen SXSW-Festival im texanischen Austin mobile Apps ganz groß rauskommen, die Nutzern zeigen, wer die Personen in unmittelbarer Nähe sind, und die eine vorbehaltlose Kontaktaufnahme ermöglichen.

Das jeweils im März stattfindende Event hat sich schon mehrmals als Initialzündung für Startups erwiesen, die im Umfeld des vibrierenden Zusammentreffens von Geeks, Kreativen und popkulturell interessierten Besuchern eine erste kritische Masse aufbauten. Sowohl Twitter als auch foursquare legten während des SXSW-Festivals die Grundlage für ihren künftigen Aufstieg. Andererseits wird nicht jeder SXSW-Hype zum nächsten großen Ding – im vergangenen Jahr richteten sich alle Blicke auf eine Reihe von Gruppenchat-Apps, über die jedoch heute niemand mehr spricht.

Smartphones verraten, wer die Personen in der Nähe sind

Wenn also im Vorfeld der diesjährigen Auflage des Festivals Applikationen zur “People Discovery” – zur Entdeckung von Menschen um einen herum – zum diesjährigen Fokus ausgerufen werden, dann könnte hier also tatsächlich ein zukunftsweisender Trend entstehen – dessen nachhaltiges Potenzial sich aber erst in den Wochen und Monaten danach wirklich beurteilen lässt.

Bedenkt man aber, wie viele der emotionalsten, intensivsten und schönsten Momente wir Menschen in der Gemeinschaft mit anderen erleben, erscheint wenig zweifelhaft, dass bei der Mehrheit das Kennenlernen von das eigene Dasein bereichernden Bekanntschaften zu den ewigen Bedürfnissen zählt. Die entscheidende Frage lautet daher, auf welche Weise dieses Verlangen gestillt wird, und wie Apps geltende Verhaltensregeln umgehen, ohne die persönliche Integrität und Privatsphäre der Nutzer zu untergraben.

Highlight und Glancee heißen die zwei US-Startups, deren frisch lancierte Apps momentan als die potenziellen Shootingstars des SXSW-Reigens gelten. Während beide gewisse strukturelle und funktionelle Unterschiede aufweisen, verfolgen sie das gleiche Ziel: mobile Anwender zu benachrichtigen, wenn sich Personen mit kompatiblen Interessen oder gemeinsamen Kontakten in der unmittelbaren Umgebung aufhalten. Highlight steht derzeit nur für das iPhone zur Verfügung, Glancee bietet auch eine Android-App an. Beide Services erfordern den Login über Facebook, weil die dortigen “Likes” und Kontakte als Grundlage für den Interessenabgleich genutzt werden. Und sowohl Highlight als auch Glancee laufen permanent im Hintergrund und melden sich, sofern sich die Wege mit anderen Anwendern der jeweiligen App kreuzen.

Ist die Zeit nun reif?

Aufmerksamen Branchenbeobachtern wird die Ähnlichkeit zum altehrwürdigen Berliner Startup aka-aki nicht entgangen sein. Aber wie so oft gehört das Timing zu den wichtigsten Kriterien für den Erfolg von Internetdiensten. Die Hauptstädter waren mit ihrer Idee der Zeit ganz einfach voraus und werden es nun schwer haben, von der zu erwartenden, entweder temporären oder langanhaltenden Euphorie rund um People Discovery Apps zu profitieren. Auch die jüngst hier vorgestellte mobile Visitenkarten-App MoID des gleichnamigen Münchner Jungunternehmens weist gewisse Parallelen zu Highlight und Glancee auf, wird aber wie die meisten hiesigen Dienste nicht gegen die mächtige PR-Maschinerie des US-Startup-Ökosystems ankommen können.

Ständiges Aufzeichnen des Standortes

Anders als Banjo und Sonar (unser Review) basieren die zwei Neulinge nicht auf Check-Ins und mit Koordinaten versehenen Aktivitäten bei anderen sozialen Netzwerken und Locationdiensten, sondern laufen als eigenständige Applikationen, die mittels Geofencing die aktuelle Position des Anwenders überwachen. Dieses Verfahren birgt auch im Jahr 2012 noch das Problem eines sich schnell leerenden Smartphone-Akkus und macht das elementare Erreichen einer kritischen Masse auf breiter Front zu einer Mammutaufgabe, garantiert aber gleichzeitig ein Echtzeit-Erlebnis, das die zuvor erwähnten Location-Aggregatoren nicht bieten können. Der durchschnittliche foursquare-User praktiziert nicht mehr als eine Handvoll Check-Ins pro Tag, was den Nutzwert dieser Informationen für die Ermöglichung persönlicher Zusammentreffen à la Highlight und Glancee gering ausfallen lässt.

Mit Gauss wird zudem ein deutsches Startup bei dem SXSW-Festival vertreten sein, das sich zwar noch in der Entwicklung befindet, aber ebenfalls bei der standortbasierten Erweiterung des persönlichen Bekanntschaftsfeldes mithelfen möchte. Gleiches führt pistachio aus Berlin im Schilde, das auch noch nicht verfügbar ist.

Viel Pionier- und Überzeugungsarbeit ist notwendig

Vielen Personen, die nicht eine grundsätzliche Begeisterung für innovative, etablierte Strukturen und Konventionen in Frage stellende Onlineanwendungen mitbringen, werden bei dem Gedanken an Apps, die ihren Sitznachbarn im Bus oder den Personen am Nebentisch im Café ihr Profilbild, ihren Namen und eine Chatoption anzeigen, skeptisch die Stirn runzeln. Angesichts des Neuigkeitsgrades dieser Anwendungsart ist dies nachvollziehbar. Es liegt in der Verantwortung der entsprechenden Applikationen, Durchschnittsnutzer von den möglichen positiven Auswirkungen auf die eigenen sozialen Beziehungen zu überzeugen und ihnen das Gefühl zu geben, die volle Kontrolle darüber zu haben, wann sie dem physischen Umfeld welche Angaben von sich zugänglich machen.

Es ist nicht auszuschließen, dass bei Anwendern auch im Jahr 2012 noch keine hinreichend große Bereitschaft zum Einsatz von People-Discovery-Apps besteht, die im ersten Schritt als mitunter tiefgreifend wahrgenommene Einschnitte in die Privatsphäre erfordern. Dass wir aber eines Tages in der Lage sein werden, mittels unserer Smartphones (oder deren nachfolgender Hardware-Kategorie) Informationen über Personen um uns herum abzurufen, sollte angesichts des menschlichen Status als Herdentier nicht in Frage gestellt werden. Schon allein, weil jeder Skeptiker die eigene Haltung hinterfragen wird, sofern sich über entsprechende Anwendungen die Möglichkeit bietet, einen ähnlich passionierten Sportpartner, einen Freund fürs Leben, ein spannendes Date oder einfach nur einen angeregten Gesprächspartner zu finden – ohne sich dabei wie ein Verrückter fühlen zu müssen, der “wildfremde” Menschen auf der Straße anspricht.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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22 Kommentare

  1. Komische Vorstellung: Maschinen sagen uns, wen wir kennenlernen sollen. Pessimisten sehen sofort die Gefahr, dass uns die Maschinen dann vielleicht auch unerwünschte Kontakte “vom Leib halten” werden. Jemand der unser Weltbild zerrütten könnte, mit dem sollten wir lieber nicht sprechen. Je nach Implementierung der Maschinenvorschläge werden wir also weiter in unsere Filterbubble verpackt. Oder die Maschine schlägt uns genau gegenteilige Menschen vor, die unsere Sicht der Dinge auch verändern können, weil sie gerade andere “Likes” als man selbst gesetzt haben. Solange wir von closed source Algorithmen von $KONZERN verkuppelt werden sollen, finde ich die Idee schlecht.

  2. TOP Martin !!! .. Meine Antwort des Tages :-)))

  3. Sehr spannende Frage, ob die Zeit für solche Apps nun reifer geworden ist?! aka-aki wurde insbesondere von einzelnen Gruppen stark genutzt, die den Vorteil dieser App für sich entdeckt hatten. Ob sich diese Überzeugung soweit durchsetzt, dass sich die notwendige kritische Masse an Usern bereit erklärt, “jedem” öffentlich darzustellen, wer sie sind, was sie mögen und machen, wird sich beweisen müssen.
    Beispiele wie die Initiative von KLM, Sitznachbarn nach Interessenschwerpunkten zu vermitteln, zeigen zumindest, dass Menschen ihr digitales Profil zur Vermittlung von interessanten Gesprächspartnern offenzulegen bereit sind.
    Andererseits wächst das Bewusstsein für einen kritischeren Umgang mit Datenschutz, was solche Entwicklungen stark hemmen dürfte.

  4. “Jo weil wir Menschen dafür in vielen Situationen zu doof sind ;)”

    Menschen, die es OHNE App nicht schaffen, Leute kennenzulernen, die werden es auch MIT App nicht schaffen – wie auch. Zum Kennenlernen und Freunde finden bedarf es wesentlich mehr.

    Wenn ich unbedingt jemanden in zB der Straßenbahn kennenlernen möchte, dann streng ich ein bisschen mein Hirn an und lasse mich auf einen Smalltalk ein, überlege mir einen Gesprächseinsteig. Das hat bisher in den allermeisten Fällen geklappt.

    Meiner Meinung nach ist es völlig sinnlos. Es wird höchstens von einer Randgruppe benutzt werden, die dann sowieso keiner kennenlernen möchte, weil sie sich nur hinter ihrem Smartphone verstecken. Und genau da liegt eher das Problem: ich sehe heutzutage in der Straßenbahn weniger Leute, die sich nicht trauen jemanden anzusprechen, sondern vielmehr Leute, die alle nur noch introvertiert auf ihren Phones rumtippen.
    Und jetzt baut man Apps zum Kennenlernen.
    Sorry, aber das ist einfach nur peinlich.

    • Hi Dominik,

      ich poste wegen Deinem Begriff “nerdig” im Zusammenhang “scharfen Bräuten” die solche Dienste nutzen würden.

      Nuß Dir absolut widersprechen. Ich galt immer als das, was etwa unter “scharfe Braut” lief – und war immer schon sehr kontaktfreudig (mein Job heute!).

      Ich liebe alles, was vereinfacht. Und why not use such an app!? Ich sehe KEINEN Grund. Im Gegenteil. Ich hab tolle Leute an U-Bahnen, auf Parties, an der Kasse oder elsewhere kennengelernt. Und oft, wenn man reist, und Langeweile hat .. oder einen Leerlauf .. ist doch optimal, wenn man dann nachhelfen kann, Leute vor Ort kennenzulernen.

      Ok, mag Leute geben, für die das nichts ist. Ich glaube, es ist reine Gewohnheitssache.

      Was soll die Konventionalität?

      Ich fänds total spannend und war schon mal Teil eines Startups (pre-umts ;) ) für eine solche idee.

      Die Einschätzung, daß das eine Randgruppe nutzen wird, kommt mir vor, wie die großen Fehleinschätzungen zu anderen historischen Einschnitten. Ähnliche Kommentare gibt es auch zum Wert des Internets und von Homepages in deren ersten Tagen.

      Klar, ein anderer Punkt ist die Sicherheit, grad für Frauen, keinen “Spinner” zu treffen.

      Für mich war das immer ein tool, bei dem es (in meinem Fall) um ganz andere Prämissen, als Dating geht. Ein Superinstrument um Menschen aller Coleur zu verschiedensten Themen zusammenbringen und treffen zu können … naja .. ich ufer hier aus.

      But anyway:

      “Scharfe Bräute”, kontaktfreudig, die sowas gut finden, müssen längst nicht “nerdig” sein.

      Eher find ich diesen doch sehr konventionellen Kommentar so .. .

      Und warum immer nur an Dating denken, bei dem Thema?

      Gruß,

      Isa

  5. Dominik, die Millionen von Menschen, die Onlinedating nutzen, reichen als Gegenbeweis für deine These, dass Apps beim Kennenlernen nicht Abhilfe schaffen können.

    Natürlich können sie dies. “Anchatten” ist immer leichter als direktes Ansprechen. Das magst du als peinlich bezeichnen, ist aber so, wie 90 Prozent der Menschen funktionieren.

    • Interessanter Punkt.
      Das Onlinedating und damit die eigene “Anpreisung als Ware in Form eines Profils” ist aber dennoch nicht der heutige Normalzustand des Kennenlernens, oder habe ich da eine Entwicklung verschlafen?

      Ich bezweifle nunmal, dass die “scharfe Braut”, die mir da gegenübersitzt derart nerdig ist und Highlight oder Glancee verwendet.

      Kein Zweifel, ich finde es von einem technischen Standpunkt aus gesehen sehr interessant, so wie viele der von dir vorgestellten Anwendungen.

    • Es scheint immer mehr der Normalzustand zu werden:

      And of the U.S. couples who formed relationships between 2007 and 2009, 22 percent of them met online, one academic study found. It was second only to “meeting through friends” as a way of finding a partner.

      The report by Finkel’s team, a meta-analysis of hundreds of studies related to online dating and relevant human behavior, says that in just one month last year, there were 25 million people using online dating sites.

      http://washingtonpost.com…IQADnpysQ_story.html

  6. Habe gehört, da soll in Berlin noch etwas derartiges in der Pipeline sein. Aber weniger so als Bumsbörsen-App wohl. http://welt.de/wirtschaft…fuer-Investoren.html
    Ob das was wird?

  7. Leute zu finden, die nicht einfach irgendwie “ganz nett” sind, sondern tatsächlich auch Interessen mit der eigenen Person teilen, kann schon recht schwierig sein (je nach Interessen, Region usw.). Gezielt klappt das im Alltag wohl eher selten (“Hallo fremde Person, magst du XY?”). Oftmals habe ich erst durch FB o.Ä. bemerkt, dass ich mit Kommilitonen, Bekannten, Kollegen etc. bestimmte, eher exotischere Interessen teile, weil man im Alltag nie danach fragen würde (ich meine nichts Anrüchiges, sondern einfach sehr unwahrscheinliche Dinge). Solche Apps heben das auf eine neue Stufe und ich kann mir gut vorstellen, dass sie tatsächlich für interessante Situationen sorgen können. Den Smalltalk würde das auf jeden Fall interessanter machen, wenn man nicht nur mit dem Wetter anfangen kann.
    Dem möglichen Nutzen solcher Apps wird man mE nicht gerecht, wenn man jetzt wieder (wie hier in den Kommentaren) das vermeintliche “echte” Leben mit “echten Freundschaften” gegen das veremintlich nerdige virtuelle Leben von vermeintlich sozial Unfähigen auspielen will… solche Anwendungen können nützlich sein, weil sie einfach zusätzliche Möglichkeiten & Hilfen bieten.
    Ich bin gespannt.

  8. Ein ähnliches Angebot gibt es auf
    http://www.kennzeichenweb.de

    “In der realen Welt begegnen, online wiederfinden oder online Kontakt aufnehmen …”

  9. Die Deutsche Bahn bietet einen ähnlichen Service für Zugreisende an, “Momente”.

    Zufälligerweise auch ein Artikel von heute auf
    http://t3n.de/news/zug-da…eutsche-bahn-372221/

  10. Die Werbung und viele Grossfirmen lassen uns die Individualität zelebrieren (so soll die Message ankommen, gemeint ist sie natürlich nicht so), obschon wir mit den Produkten und Systemen genau dieser Firmen alle immer gleicher werden. Natürlich werden diese Apps kommen und uns überfluten, aber sie werden uns einmal mehr etwas gleicher machen – das ist wohl der Teil, der mir daran nicht gefällt.

  11. In China (lebe hier seit 5 Jahren) gibt es eine extrem populäre App (iphone und android) mit dem Namen Weixin.

    Nach der einmaligen Anmeldung kann man jederzeit Leute in der Umgebung suchen (jeweils mit Angabe, wieviel Meter die Person entfernt ist), das Profilbild sowie einen Beschreibungstext sehen und die Leute direkt ansprechen (per Text oder aufgenommene Sprache).

    Auch gibt es zwei weitere Modi gegen die Langeweile: Man kann das Handy schütteln und bekommt eine Person vorgeschlagen, die zur gleichen Zeit geschüttelt hat (bei vllt. 50 Mio. Nutzern macht das definiv jemand zur selben Zeit) oder eine Flasche mit Sprach- oder Textnachricht in einen virtuellen Ozean werfen, was dann von einer wildfremden Person gefischt werden kann, diese kann dann die Flasche zurückwerfen oder den ursprünglichen Werfer kontaktieren.

    Insgesamt macht die App sehr süchtig, wenn man Single ist… aber nicht umsonst ist das Programm als Hook-up App bekannt und die meisten Frauen verbieten ihren Männern aus gutem Grund, das zu installieren…

    • Danke für diese Ergänzung, sehr interessant. Und wie sehr beansprucht Weixin den Akku? Highlight und Glancee ziehen ganz schön Batterie, hab ich gemerkt.

    • Hallo Martin,

      Beanspruchung: nicht merklich soweit ich das beurteilen kann. Ob mit oder ohne Programm, iphone/android phone muss ich eh täglich aufladen… habe noch eine Reihe weiterer connectivity-Apps (whatsapp, line, skype etc.) im Hintergrund laufen.

  12. Ich habe vor einiger Zeit Badoo ausprobiert.
    Ist vom Konzept her auch direkter auf Flirting ausgelegt aber die Funktionalität des anzeigen der Leute in meiner Umgebung habe ich da auch. Kann witzig sein, ist für mich aber bestenfalls spielerei doch das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.

    Ich entwickle selber in einem Startup an einer mobilen App mit wo es auch um soziale Netzwerk(e) geht. Das Segment ist sehr schnelllebig und man muss immer am Ball bleiben damit die App nicht in Vergessenheit gerät. Es sei denn es entwickelt sich eine Eigendynamik aber das ist mit der Flut an Apps die es dazu gibt keine triviale Sache.

  13. Woran kann man erkennen, ob eine fremde Person ein interessanter Gesprächspartner sein könnte? Wir Menschen haben die Gabe in Bruchteilen von Sekunden zu entscheiden, ob uns ein Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Dabei kann es passieren, das gerade der Mensch am interessanten ist, der andere Interessen hat als man selbst. Ich vertraue lieber meinem Bauchgefühl bei dieser Entscheidung. Ausserdem habe ich kein Bock mein Swagger zu broadcasten. Das ich ein Nerd bin zeige ich bereits durch Scheitel, Hornbrille und -T-Shirt. Wer mehr über mich erfahren möchte, soll gefälligst den QR-Code scannen, den ich am …ähhhh… Ärmel trage.

  14. Die Frage des Tages lautet für mich, welche Daten muss ich dann in mein Profil eintragen damit ich bei KLM möglichst viele Sitzreihen um mich herum frei habe und das für 19,99€ nach Sidney?

    Hobbies: Das Sammeln und Sharing seltener aber aufdringlicher Geschlechtskrankheiten, chronischer Spuckreiz, feuchte Aussprache, kontaktfreudig und gesellig.

8 Pingbacks

  1. [...] vieler hiesiger Gründer einfach zu dünn.Ein erstklassiges Netzwerk in Aktion zeigen gerade die gestern vorgestellten People-Discovery-Apps Highlight und Glancee. Die zwei US-Startups sind wie im Artikel beschrieben [...]

  2. [...] People Discovery könnte zum großen Trendthema des US-Technologiefestivals SXSW werden: Gleich mehrere US-Startups haben es sich zur Aufgabe gemacht, mittels Smartphone-App Nutzern zu zeigen, wer die Personen in unmittelbarer Nähe sind und eine Kontaktaufnahme zu ermöglichen. netzwertig.com [...]

  3. [...] beispielsweise auf die explosionsartig wachsende Zahl an “People Discovery”-Apps wie Highlight, Glancee oder Gauss zu, deren praktischer Nutzwert – sofern er denn existiert – aufgrund der [...]

  4. [...] der unmittelbaren Umgebung informiert. Zwar gehörte Highlight zu einer ganzen Reihe von Startups, die ihre “People-Discovery-Anwendungen” in Austin bei dem kontaktfreudigen Publikum etablieren wollten, aber profitierte dank einiger [...]

  5. [...] Noch ist das neue Projekt nicht gestartet. Ziel von Airtime soll es aber sein, andere Menschen via Videochat kennen zu lernen. Die beiden Gründer haben nicht genau verraten, wie das Tool aussehen soll. Die Verknüpfung mit Facebook deutet an, dass es ein Kennenlernportal auf Basis des Social Networks werden könnte. Airtime könnte sich damit einreihen in die neue Welle der Kennenlerntools (People Discovery). [...]

  6. [...] Glancee. Auch wenn der vom kauffreudigen Social Network übernommene Dienst im Zuge der jüngsten Welle an Apps zum Kennenlernen neuer Menschen in den letzten Monaten in Branchenmedien häufiger thematisiert wurde, war es Konkurrent Highlight, [...]

  7. [...] viel, Amen kämpft seit dem ersten Tag gegen die eigene Bedeutungslosigkeit. Ähnlich sieht es mit People Discovery aus: Highlight, Glancee, Sonar, Banjo, Uberlife und, wenn man so will, auch Aka-Aki und Gauss [...]

  8. […] die zur Scout24-Gruppe gehört. Passend zum Thema ein Hinweise auf den Artikel “People Discovery: Wenn das Smartphone weiß, wie der Sitznachbar heißt” von […]

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