Joinbox:
Einheitliche Inbox für modernen Informationskonsum

Als “persönlichen Briefkasten des digitalen Zeitalters” bezeichnen die Macher des Schweizer Startups Joinbox ihren gestern lancierten Dienst. Über eine kompakte, schnell reagierende Browseroberfläche können Nutzer ihre Social-Streams, E-Mails und RSS-Feeds abrufen.

Moderne Informationskonsumenten sind Anhänger von Streams, bei denen sie sich je nach Bedarf, Zeit und Lust ein- und ausklinken, statt den Anspruch zu erheben, jeden Tweet, jedes Status Update und jeden Artikel eines RSS-Feeds unbedingt gelesen haben zu müssen. So lautet die allgemeine Empfehlung, um den so genannten “Information Overload” zu vermeiden. Dieses neue Verhaltensmuster, das durch den Aufstieg sozialer Netzwerke und die Omnipräsenz von Newsfeeds auch von Durchschnittsnutzern sukzessive angenommen wird, erfordert veränderte Benutzeroberflächen und Dienste, die das Eintauchen in den Stream so einfach und unterhaltsam wie möglich machen.

Joinbox heißt ein gestern in geschlossener Beta-Phase gestartetes Startup aus Bern in der Schweiz, das eine derartige Lösung bereitstellen möchte. Als “persönlichen Briefkasten des digitalen Zeitalters” bezeichnen die Gründer Konrad Mazanowski, Felix Steiner, Fabian Jordi, Michael van der Weg und Tobias Kneubühler ihre Entwicklung, die es Anwendern erlaubt, die Streams aus verschiedenen Onlinequellen über ein zentrales Interface abzurufen und zu verwalten.

Bei Joinbox handelt es sich um einen browserbasierten Aggregator für persönliche Social-Web-Konten und Onlinequellen. Per OAuth können Anwender den Dienst mit einem oder mehreren persönlichen Twitter- und Facebook-Konten verknüpfen und anschließend sämtliche eingehenden Tweets und Status Updates in einem gemeinsamen Echtzeit-Feed oder in separierten Streams abrufen. Auch erlaubt Joinbox das Publizieren von Tweets und Facebook-Updates, entweder über ausgewählte oder alle verknüpften Konten gleichzeitig.

Neben den zwei bereits heute unterstützen Plattformen steht für die nächste Zeit die Integration von LinkedIn, YouTube und Flickr auf der Agenda.

Weiterhin bietet Joinbox Anwendern auch die Option, eingehende E-Mails in Streamform darzustellen – dazu müssen sie jedoch wie bei dem gestern vorgestellten Service SquadMail ihre Zugangsdaten zu ihrem E-Mail-Account angeben, was nicht jedem Nutzer geheuer sein wird.

RSS-Reader inklusive

Neben Signalen aus sozialen Netzwerken sowie Mails stellen RSS-Feeds den dritten Contenttyp dar, der über Joinbox kanalisiert abgerufen werden kann. Das Schweizer Startup verzichtet jedoch klugerweise auf die Erwähnung des RSS-Begriffs, der auch nach vielen Jahren für die Mehrheit der Internetnutzer ein böhmisches Dorf ist. Stattdessen heißt die Sektion ganz einfach “News”. Hinzugefügt werden Feeds durch eine Websuche, beispielsweise nach “netzwertig”. Joinbox zeigt dann dazu passende Quellen, die einen RSS-Feed ausliefern, und erlaubt das Abonnieren über einen Klick auf “Add”. Alle abonnierten Seiten tauchen in der linken Navigationsleiste auf und können entweder als übergreifenden Stream oder einzeln betrachtet werden.

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Als ich erstmals von Joinbox hörte (vor neun Monaten im Rahmen des NEXT Elevator Pitch), wusste ich nicht, was ich von der Idee halten sollte – einerseits hatte ich persönlich noch nie das Bedürfnis, meine verschiedenen Streams über eine einheitliche Oberfläche abzurufen (zumal diverse Twitter-Clients auch den Zugriff auf Facebook und andere Social Networks gestatten – beispielsweise Brizzly), zudem sind vorhergegangene Versuche einer übergreifenden Inbox – wie unter anderem von threadsy, das eigentlich im November schließen sollte, aber noch online ist - erfolglos geblieben.

Die Geschwindigkeit beeindruckt

Doch nachdem ich mit Joinbox ein wenig herumgespielt habe, muss ich zugeben, dass der auf Deutsch und Englisch angebotene Service durchaus Spaß macht. Höhepunkte sind das praktische Drei-Spalten-Design, bei dem die rechte Spalte zur Darstellung der Tweets (inklusive multimedialer Inhalte wie Fotos), Facebook-Updates, Mails und RSS-Artikel genutzt wird, sowie die extrem kurze Reaktionszeit. Zwischen einem Klick und der dadurch ausgeführten Aktion vergehen maximal Millisekunden, was den anvisierten Echtzeit-Charakter des Angebots unterstreicht. Auch die integrierte, diensteübergreifende Suchefunktion liefert blitzschnell Resultate zu den recherchierten Begriffen. Und überhaupt sieht das Joinbox-Interface besser aus als Twitters eigene Browserapp.

Joinbox wird es trotz dieser Vorzüge sicher nicht leicht haben, sich im Meer von Clients für den Zugriff auf soziale Netzwerke und Streams Aufmerksamkeit zu verschaffen. Gelingt es den Eidgenossen aber, die Zahl unterstützter Plattformen zu erhöhen, wichtige Funktionalität zu erweitern und gleichzeitig die Leichtfüßigkeit und Schnelligkeit des Dienstes beizubehalten, dann stehen die Chancen nicht schlecht, sich innerhalb der Kreise bewusster Informationskonsumenten Respekt zu verschaffen. Dieser allein ist zwar wenig wert, aber die Grundlage für künftigen Erfolg.

Einen Konkreten Plan für die Monetarisierung haben die Macher des aus eigenen Mitteln finanzierten Startups bisher nicht. Werbung und Freemium sind zwei Optionen, die CEO Konrad Mazanowski nicht kategorisch ausschließen möchte.

Im derzeitigen Closed-Beta-Stadium stellt sich die Monetarisierungsfrage aber vorerst nicht. Wir haben 50 Einladungen zu Joinbox. Über diesen Link könnt ihr euch registrieren.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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19 Kommentare

  1. Hi,
    hus hus, die Einladungen sind entweder alle weg, oder es funktioniert nicht. Könnt Ihr noch einige freigeben?
    Gruß

    • Also bei mir geht’s. Was passiert, wenn du auf den Link klickst? Eigentlich solltest du dann auf eine Registrierungsseite kommen, bei dem der Invitecode bereits vorausgefüllt ist.

  2. Die Seite scheint extremst buggy zu sein.

  3. Hallo,

    Invites gingen durch. Hats bei dir nun geklappt, Basar Seven? Falls nicht, schreib uns bitte hier über die Helpdesk: http://joinbox.uservoice.com/

    @ Franke Potente: was läuft nicht, können wir helfen?

  4. Ging durch danke,
    bis jetzt bin ich begeistert. Insbesondere die Schnelligkeit. Aber warum wird G+ nicht integriert?
    Gruß

    • Danke. Wir sind kurz davor G+ zu testen, allerdings ist die Schnittstelle zu G+ selbst noch in der Beta und erlaubt vorerst nur eine begrenzte Anzahl Leserechte. Da müssen wir noch auf Google warten. Kommt aber bestimmt.

  5. Ich würde mir wünschen, das in solchen Clients neben Twitter. Facebook, LinkedIn auch endlich mal der XING Stream integrierbar wäre.

    Wieso geht das nicht?

  6. Ich bekomme die Meldung: Token not available anymore? Sind schon alle Einladungen vergeben oder ist das ein Fehler?

    Gruß

  7. Bei mir kommt auch “Token not available anymore”? Gibt’s noch ne Chance, an nen Invite zu kommen?

  8. Die Tokens gingen recht schnell weg. Hier gibts noch zusätzliche 10 Stk.:

  9. Gibt es noch weitere Invite-Codes? Ich würde mir das Tool auch gerne ansehen. Danke!

  10. Wäre auch an weiteren Invite-Codes interessiert. Cheers

  11. Wäre auch für weitere Invites dankbar.

  12. ich bitte auch noch nen Invite!
    (ich bin geb in solchen Phasen auch gern usability-feedback)

  13. Hey,

    vielleicht ein wenig spät, aber ich hätte auch interesse an einem Invite.
    Danke.

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  1. [...] den Kommentaren, alles zusammen. Ein Marktplatz der Informationen des digitalen Zeitalters oder die einheitliche Inbox für modernen Informationskonsum: FanMix [...]

  2. [...] ULD erlässt Verfügungen gegen Facebook wegen Klarnamenpflicht Joinbox Joinbox – die einheitliche Inbox für modernen Informationskonsum – ist nicht mehr.» Au revoir Hier erscheinen von Montag bis Freitag ausgewählte Links [...]

 
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