Facebooks Börsengang:
Die Internetwirtschaft frohlockt

Facebooks Börsengang wird bis zu 1000 Angestellte des Unternehmens zu Millionären machen. Die gesamte Internetwirtschaft profitiert davon.

Die Perspektiven, aus denen man Facebooks angestrebten Börsengang beleuchten kann, sind extrem vielseitig. Nachdem ich gestern einen sich abzeichnenden Interessenkonflikt bei Facebook-Aktien erwerbenden Tech-Bloggern und -Journalisten beschrieb, möchte ich an dieser Stelle noch einen anderen, äußerst spannenden Aspekt des IPO erwähnen: die Auswirkungen auf die Technologie- und Internetwirtschaft.

Rund fünf Milliarden Dollar möchte Facebook am Aktienmarkt erlösen – und wird auf diese Weise nach Expertenschätzungen mindestens 1000 neue Dollar-Millionäre schaffen. Neben Firmenchef Mark Zuckerberg, seinem Führungsteam und Investoren gehören hauptsächlich frühe Facebook-Angestellte zu den Profiteuren. Diese wurden nämlich bei ihrer Rekrutierung mit Aktienoptionen ausgestattet.

Zwar dürfen diese im Rahmen der üblichen Sperrfrist in der Regel erst sechs Monate nach dem IPO verkauft werden. Sofern die Facebook-Aktie dann aber nicht komplett am Boden liegt – wovon aus heutiger Sicht nicht auszugehen ist – werden bis zu 1000 der heute über 3000 Facebook-Angestellten ihre Aktien verkaufen und damit auf einen Schlag reich werden können.

Für das Unternehmen selbst stellt dies eine enorme Herausforderung dar. Denn den frisch gebackenen Millionären öffnen sich eine schier unbegrenzte Zahl an neuen Optionen, wie sie künftig ihr privates und berufliches Leben verbringen möchten. Facebook wird sich damit deutlich stärker als bisher anstrengen müssen, um diese Personen – die vier, fünf oder mehr Jahre bei dem zu einem IT-Konzern gereiften Unternehmen tätig waren – bei Laune zu halten. Ein personeller Aderlass ist nahezu unvermeidbar.

Der US-Fiskus freut sich

Während dieser Facebook Kopfschmerzen bereiten könnte, freut sich die US-Wirtschaft auf einen mit dem Google-Börsengang im Jahr 2004 vergleichbaren Effekt. Da der Aktiengewinn versteuert werden muss, rechnen die kalifornischen Finanzbehörden mit signifikanten Steuer-Mehreinnahmen. Mindestens 400 Millionen Dollar sollen beim Google-IPO in die Kassen des hochverschuldeten Bundesstaates geflossen sein. Der Suchgigant erlöste jedoch “nur” 1,67 Milliarden Dollar, weshalb die Hoffnungen auf Facebooks Fünf-Milliarden-Börsendebüt noch deutlich größer sind.

Geldgeber hoffen auf mehr Exits

Für alle leidenschaftlichen Beobachter der Onlinewirtschaft deutlich interessanter sind die Auswirkungen auf das Startup-Ökosystem. Die gesamte Branche wird Nutznießer des Börsengangs sein, so der allgemeine Tenor von Experten und Investoren. Die zu erwartende Abwanderung von Mitarbeitenden dürfte das soziale Netzwerk zu weiteren, auf den Zugewinn von talentiertem Personal abzielenden Übernahmen junger Startups zwingen. Mehr Exits wiederum freuen Risikokapitalgeber und Business Angels, die so animiert werden, weiterehin viel Geld in innovative Technologie- und Internetfirmen zu pumpen.

Auch die “Zulieferindustrie” – also App-Schmieden und -Entwickler, Agenturen und Berater – werden von der Entwicklung profitieren. “In diesem Bereich werden massiv Jobs entstehen, da jetzt klar sein dürfte, dass Facebook für die nächsten Jahre gesetzt ist”, prognostiziert Nico Lumma bei t3n.

Viele potenzielle neue Gründer

Und nicht zuletzt wird ein gewisser Teil derjenigen, die nach der Sperrfrist ihre Aktien in bares Geld umwandeln, neue innovative Startups im Internet- und Mobile-Sektor gründen. Auch nach sieben Jahren zelebriert Facebook noch immer seine Hacker-Kultur und identifiziert sich stark über seine Ingenieure. Junge, Hochintelligente und in unkonventionellen Bahnen denkende Köpfe dürften sich nicht damit zufrieden geben, den Rest ihres Lebens am Pool zu liegen und Cocktails zu trinken. Stattdessen werden viele von ihnen entweder eigene Ideen verwirklichen, oder sich ebenfalls als Business Angels betätigen, um anderen Entrepreneuren mit Know-how und Kapital zur Seite zu stehen.

Die Zahl der US-Startups mit ehemaligen Facebook-Angestellten als Gründern wird in Zukunft in die Höhe schießen.

Facebooks Schritt an die Börse ist das wichtigste Ereignis der Technologiebranche seit vielen Jahren. Nicht nur aus Sicht von Facebook selbst, sondern im Hinblick auf das gesamte Ökosystem. Dieses profitiert unabhängig davon, wie sich das Social Network in den nächsten Jahren weiterentwickelt – solange es den anvisierten Betrag tatsächlich zu der angestrebten Bewertung einnehmen kann.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Diese Facebook Aktie birgt enormes Risiko, ich würde eher von einem Kauf abraten, da nach einer kurzen Hype, dann der grosse Absturz kommen wird.

    Habe dazu auch ein paar Zeilen verfasst:
    http://experimentiert.com…-oder-verkaufen.html

    Ich denke man sollte nun nach dem Höhepunkt von Facebook eher die Finger davon lassen.

Ein Pingback

  1. [...] stellen sich heute in jedem Fall die Weichen neu: Bis zu 1000 der über 3000 Facebook-Angestellten werden dank Aktien-Optionen über Nacht zu Millionären. Ein nicht unwesentlicher Teil des Kapitals, das über den IPO an die bisherigen Investoren und [...]

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