Facebook und Twitter:
Die Kasse klingelt ja doch

Lange galten Facebook und Twitter als typische Beispiele für Internetstartups ohne ernstzunehmende Geschäftsmodelle und Umsätze. Doch dieses Klischee entspricht nicht mehr der Realität.

Foto: Flickr/ Www.CourtneyCarmody.com, CC BY-SA 2.0“Web-2.0-Dienste verdienen kein Geld” – so lautete lange Zeit die Pauschalkritik von Skeptikern anfänglich ausschließlich auf Mitgliederwachstum ausgerichteter Internetunternehmen. Mittlerweile ist nicht nur die Bezeichnung “Web 2.0″ überholt, sondern auch die Aussage an sich, wie aktuelle Meldungen zur wirtschaftlichen Entwicklung der zwei die Branche anführenden Unternehmen Facebook und Twitter belegen.

Rechtzeitig zur erwarteten Bekanntgabe von Facebooks Börsenplänen sind wieder einmal Angaben zu Umsatz und Gewinn des Social Networks durchgesickert. So soll Facebook 2011 3,8 Milliarden Dollar umgesetzt und einen operativen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben. Diese Zahlen stimmen ungefähr mit Prognosen aus dem Vorjahr überein, wobei die von Analysten für möglich gehaltene Marke von 4 Milliarden Dollar Umsatz nicht geknackt wurde.

Im Vergleich zu der historischen Geschäftsentwicklung von Google zieht das soziale Netzwerk damit den Kürzeren. Doch ein alleiniger Blick auf die Entwicklung der Erlöse beider Firmen in den ersten sieben Jahren nach Gründung ignoriert die Tatsache vollständig unterschiedlicher Produkte und Nutzungszenarien.

Ähnlich wie viele der über 800 Millionen aktiven Mitglieder befindet sich Facebook selbst noch in einem Lernprozess, in dem es verschiedene Erlösquellen und Vermarktungsansätze ausprobiert. Solange die Anwender dem Social Network treu bleiben – wonach es aufgrund der enormen Lock-In-Effekte und der auf das gesamte Web erweiterten Facebook Plattform aussieht – besteht für das Unternehmen jeden Tag aufs Neue die Chance, auf die ultimative Cashcow zu stoßen. Dass dies geschieht, erscheint momentan bei Facebook sogar sehr viel wahrscheinlicher als bei Google.

Dass die von dem blau-weißen Social Network angestrebte Bewertung von 100 Milliarden Dollar angesichts fehlender historischer Benchmarks (das Phänomen Facebook ist ein Novum) vielen Beobachtern abenteuerlich und waghalsig erscheint, ist nachvollziehbar. Doch dass es dem Dienst gelingen würde, 2011 über die Werbevermarktung und den Verkauf von Credits eine Milliarden Dollar Überschuss zu generieren, hätten viele Kritiker vor Jahren für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten.

Gegenüber Facebook ist das andere dominierende Social-Web-Startup Twitter ein echter Umsatzwerg: Die Marktforscher von eMarketer erwarten für 2012 einen Umsatz von 260 Millionen Dollar, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 140 Millionen Dollar bedeuten würde. Für ein Unternehmen, das lange Zeit der Prototyp eines von Luft, Liebe und Venture Capital lebenden Webstartups ohne echtes Geschäftsmodell galt, ist dies eine beachtliche Entwicklung, stellt VentureBeat fest.

Zu Twitters Erlösquellen gehören verschiedene, derzeit forcierte Werbeformen sowie kommerzielle Partnerschaften mit Analysefirmen, die gegen Bezahlung auf Twitters Datenstrom zugreifen dürfen.

Vor einem Jahr hatte Twitter-Chef Dick Costolo verkündet, dass das Unternehmen die Gewinnzone erreicht habe, ohne Details zu nennen. Im Verhältnis zu mehr als einer Milliarde Dollar Risikokapital, die bisher in den Microbloggingservice gepumpt wurden, handelt es sich beim Profit zwangsläufig nur um Peanuts. Dennoch illustriert Twitter genau wie sein Mitstreiter und Kontrahent Facebook, dass ein anfänglicher Fokus auf Nutzerwachstum späteren wirtschaftlichen Erfolg nicht ausschließt. Ob dieser ausreicht und nachhaltig genug ist, um die gewaltigen Bewertungen zu rechtfertigen, ist dann eine Frage, deren Beantwortung noch etwas mehr Zeit erfordert.

(Foto: Flickr/Www.CourtneyCarmody.com, CC BY-SA 2.0)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Auch wenn die Kasse klingelt: 4 Milliarden Dollar Unsatz bei 800 Millionen Mitglieder, das sind ganze 5 Dollar pro Mitglied und Jahr, circa 40 Cent pro Mitglied und Monat. Das zeigt auch wie schwierig das Geschäft im Internet ist.

Ein Pingback

  1. [...] Gleichzeitig ist die Liste potenzieller Risiken für Facebook lang. Zwar generiert das Unternehmen seit einiger Zeit Gewinn, doch die wirtschaftliche Leistung hinkt der von Google zum Zeitpunkt von dessen Börsengang [...]

 
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