Besser-Lesen-Dienste:
Wie Instapaper und Read It Later Website-Zugriffe unsichtbar machen

Einige mobile Apps erlauben es, in Onlinetexten verlinkte Artikel zu Instapaper oder Read It Later zu schicken und dann dort zu lesen. In der Besucherstatistik tauchen derartige Zugriffe nicht auf.

Die auf Google Reader aufbauende RSS-App Reeder sowie die Später-Lesen-App Instapaper gehören zu meinen täglichen Begleitern beim Durchforsten des digitalen Nachrichten- und Informationsdschungels. Alle vielversprechenden Artikel und Links, auf die ich im Web stoße, die ich aber gerade nicht prozessieren kann, landen bei Instapaper, um später auf meinem iPhone oder iPad gelesen zu werden.

Beim Überfliegen meiner RSS-Feeds in Reeder fallen mir ebenfalls regelmäßig Links zu potenziell interessanten Beiträgen auf, die ich mir zu einem anderen Zeitpunkt zu Gemüte führen will. Die App des Schweizer Entwicklers Silvio Rizzi bietet für derartige Fälle eine clevere Integration mit Instapaper: Hält man den Finger einige Sekunden auf den jeweiligen Link, öffnet sich ein Kontextmenü, das den Export zu Instapaper erlaubt. Auf diese Weise lassen sich Beiträge bei Instapaper für späteres Lesen ablegen, ohne dass man die jeweilige URL aktiv besuchen muss.

Diese Funktionalität ist unheimlich praktisch – besonders, um Leseempfehlungen aus Linksammlungen (wie z.B. unser morgendliches Linkwertig) nicht zu verlieren, selbst wenn aktuell die Muße fehlt, sich den einzelnen Texten zu widmen. Gleichzeitig habe ich mich schon öfter gefragt, was eigentlich in den Besucherstatistiken der Websites geschieht, bei denen ich Instapaper aus Reeder oder einer der über 140 anderen, den Dienst unterstützenden iOS-Apps vorbeischicke, um Artikel für mich abzuholen.

Nun habe ich dies einfach mal mit netzwertig.com und unserem Analytics-Tool GetClickly getestet. Das Ergebnis: Nichts geschieht. Der Abruf der jeweiligen URL taucht in der Besucherstatistik gar nicht auf. Von Apps initiierte Zugriffe über die Instapaper API werden nicht als Seitenaufrufe oder Besucher gezählt. Getestet habe ich dies sowohl aus Reeder als auch aus Instapaper selbst – in dort gespeicherten Artikeln enthaltene Links lassen sich auf die gleiche Weise für späteres Lesen in Instapaper extrahieren, und auch diese Zugriffe sind für unser Analysetools nicht sichtbar (es würde mich wundern, wenn dies bei anderen Messwerkzeugen wie Google Analytics anders wäre).

Gleiches gilt auch für Read It Later, einen auch für Android angebotenen Instapaper-Konkurrenten mit vergleichbarer Funktionalität. Schicke ich aus Reeder einen in einem RSS-Beiträg erscheinenden Link mit Ziel netzwertig.com an Read It Later, kann ich diesen anschließend in der Read It Later App lesen, ohne dass der Besuch von GetClicky erfasst wird.

Eine kurze Suche, auf welche Weise Instapaper und Read It Later in dem beschriebenen Szenario die Inhalte von der Quellseite extrahieren, blieb zwar erfolglos (womöglich wissen einige von euch besser Bescheid). Zwei vorstellbare Ansätze fallen mir ein: Entweder besuchen Instapaper und Read It Later nicht die URL des Artikels, sondern greifen sich den jeweiligen RSS-Feed einer Website, um ihn von dort zu beziehen, oder sie crawlen die jeweiligen Texte nur einmalig von der Quellseite und liefern sie anschließend stets von ihren Servern aus, wenn Nutzer sie anfragen. Eventuell spielt auch Readability in dem Prozess eine Rolle – der Dienst, den Reeder selbst verwendet, um abgeschnittene RSS-Feeds direkt in voller Länge anzuzeigen.

[Update] Leser Nik liefert eine andere, plausibel klingende Erklärung: Die Zugriffe von Instapaper oder Read It Later werden nicht aufgeführt, weil beim Crawlen der jeweiligen Website durch die Apps JavaScript nicht aktiviert wird, was für Analysewerkzeuge wie GetClicky oder Google Analytics aber erforderlich ist. [Update Ende]

Entscheidend ist an dieser Stelle aber nicht, wie der Artikelabruf erfolgt, sondern dass er für die Seitenbetreiber unsichtbar ist. Noch sind Besser-Lesen-Dienste wie Instapaper oder Read It Later ein Nischenphänomen. Mit der zunehmenden Verbreitung von Tablets und anderen, den bequemeren und schöneren Konsum von Onlineinhalten ermöglichenden Geräten ist aber mit einem steigenden Bedarf an den erwähnten Services zu rechnen.

Ähnlich wie bei den wie die Pilze aus dem Boden schießenden Startups zum Kuratieren, Modularisieren und Remixen des Webs deutet sich bei Instapaper & Co ein weiterer Konflikt zwischen Contenterschaffern und -konsumenten an. Blogger und Fachangebote, die für jede Möglichkeit der Erhöhung ihrer Reichweite dankbar sind, haben mitunter kein großes Problem damit, wenn ihre Inhalte von Nutzern mittels Instapaper oder Read It Later abgerufen werden, ohne dass sie dabei einen Visit bekommen. Letztlich ist dieser Vorgang vergleichbar mit dem Abonnieren eines RSS-Vollfeeds, wenn auch ohne die direkt vom jeweiligen Anwender eingangene Bindung. Onlinepublikationen aber, die nur gekürzte RSS-Feeds anbieten, machen damit bereits deutlich, dass sie um jede Page Impression kämpfen. Für die Zukunft können sich sich darauf einstellen, dies bald an einer weiteren Front tun zu müssen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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10 Kommentare

  1. Finde ich nun nicht überraschend – warum sollte eine App auf einem Gerät ohne große Ressourcen auch ein JavaScript ausführen.

    Wenn man verlässliche Zugriffszahlen wünscht, würde ich aufs Apache-Log gucken. Das ist dann natürlich nicht Klicki-Bunti, aber dafür entspricht ein Eintrag zumindest garantiert einem Versuch, die Seite auszuliefern.

    Übrigens: Meine Desktop-Klicks würde GetClicky auch nicht erfassen. Ghostery und Adblock Plus sei dank. Und wenn jemand Java Script ganz aus hat, ist die Erfassung wohl auch nicht gegeben…

  2. Guter Punkt, wenn ich dich richtig verstehe: Die Zugriffe tauchen nicht auf, weil das Analysetool ganz einfach nicht aktiviert wird. Korrekt?

    Bzgl der Desktop-Klicks: Der Unterschied ist, dass du dann trotzdem die Site besucht hast. Auch wenn sie in der Besucherstatistik wegen deiner Adblock-Tools nicht auftauchen.

    Letztlich basieren nunmal bei den meisten Websites die kommunizierten und intern verwendeten Zugriffszahlen auf Analysetools, nicht auf den Serverlogs. Je mehr aber diese Statistiken an Aussagekraft verlieren, desto sinnloser werden eigentlich derartige Tools.

  3. Genau, das Analysetool ist in JavaScript, aber ein Offline-Downloader interpretiert das nicht und führt es nicht aus.

    Ein Serverlog ist andererseits natürlich nur etwas für mich selbst, das kann ich schlecht einem Werbekunden geben und sagen “Guck mal, wir haben ganz viele Leser”.

    Was allerdings funktionieren sollte, sind die ganz klassischen Zählpixel, da ja Offline-Downloader wie Read it Later & Co auch die Bilder mitladen. Da der Downloader nicht wissen kann, ob ein Bild relevant ist, oder nur 1×1 Pixel und transparent, wird er immer alle Bilder holen und dann wird der Aufruf registriert…

    (Klar, auch die Zählpixel können geblockt werden, wieder durch Plug-Ins, aber irgendwo hört es halt dann auf :) – Allerdings könnte man vielleicht einen “Faktor” ausrechnen a’la
    “Anzahl Seitenaufrufe durch Apache Log intern ermittelt” / “Anzahl Seitenaufrufe durch Zählpixel ermittelt”, dann könnte ich mit diesem Faktor in Zukunft meine Zählpixel-Werte malnehmen und würde dann grob auf die Anzahl der Besucher insgesamt kommen…

    • Was zu der Frage führt: Wieso setzen Google Analytics und GetClicky auf JavaScript statt auf den Zählpixel? Ich vermute, dazu hast du auch eine gute Antwort? Lassen sich mit JavaScript einfach mehr Infos über die Nutzer erfahren?

  4. Mit Javascript erfährt man wesentlich mehr über die Benutzer: Auflösung, Grösse des Browserfensters, installierte Plugins…

  5. Naja, JavaScript kannst Du z.B. an Buttons und Aktionen hängen – so bekomme ich nicht nur mit “User war 5 Sekunden auf Seite A, nun ist er auf B”, sondern ich kann sehen “Er hat Artikel #4711 in den Warenkorb gelegt, ist in den Warenkorb gegangen, …

    Man kann einfach mehr Arten von Interaktion damit auffangen und speichern/melden. Ein Zählpixel an sich liefert mir zum einen immer nur Aufrufe, zum anderen sind User, die z.B. in einer großen Firma hinter einem Proxy sitzen für mich ununterscheidbar (Ich sehe ja nur: Zählpixel wurde von IP-Adresse XY abgerufen, aber hinter einem Proxy haben alle dieselbe IP). Mit JavaScript kann ich mich an die Session hängen und so einzelne Sitzungen auf einzelnen Rechnern tracken…

  6. Danke für die Hinweise zu Read it Later und Reeder. Ich bin beispielsweise mit Instapaper nicht ganz so zufrieden gewesen, habe aber auch zunehmend das Problem – gerade unterwegs – Artikel zu finden, die ich nicht zu Ende lesen kann.

    Das wird euch jetzt vielleicht ein paar meiner Seitenzugriffe vorenthalten, auf der anderen Seite nutze ich regelmäßig Flattr um Netzwertig zu unterstützen. Auch wenn man ja nicht von sich selbst auf andere schließen soll:

    Ist es vielleicht derzeit noch so, dass die eher webaffinen Nutzer dieser Reader-Apps vielleicht auch eher dazu bereits sind mal hier und da ein Micropayment springen zu lassen, das heißt sich der “verlorene” Klick hier wieder ausgleicht?

  7. Man sollte aber wiederum auch nicht außer Acht lassen, dass Dienste wie Instapaper auch über eine Empfehl- und Sharingfunktion verfügen, die dann als Multiplikator der Inhalte dient…

  8. Ein Problem wäre das doch nur, wenn Instapaper- und Read-it-later-Nutzer die langen Artikel dann auch lesen würden. Tatsächlich lesen wir sie ja weder beim ersten Entdecken noch später, sondern vergrößern einfach Tag für Tag den Berg ungelesener Artikel; es geht also nichts verloren, was ohne die Dienste gezählt worden wäre.

    Spaß beiseite.

    »Onlinepublikationen aber, die nur gekürzte RSS-Feeds anbieten, machen damit bereits deutlich, dass sie um jede Page Impression kämpfen. Für die Zukunft können sich sich darauf einstellen, dies bald an einer weiteren Front tun zu müssen.«

    Ich hoffe, daß sich die Einsicht durchsetzt, daß die Energie für den Kampf gegen solche leseerleichternden Dienste anderswo besser eingesetzt ist.

vgwort