50 Millionen Dollar Kapitalspritze von US-Investoren:
SoundCloud startet mit Kraft
ins neue Jahr

Zwei renommierte US-Venture-Capital-Firmen beteiligen sich an der Berliner Audioplattform SoundCloud. Von satten 50 Millionen Dollar ist die Rede. Die Nachricht ist in vielerlei Hinsicht bedeutungsvoll.

Die Berliner Audioplattform SoundCloud startet mit einem Coup in das neue Jahr: Die Hauptstädter haben von den zwei US-Venture-Capital-Firmen Kleiner Perkins Caufield & Byers ( KPCB) und GGV Capital eine signifikante Geldspritze erhalten. Die Summe wird in der Pressemitteilung nicht verraten, laut TechCrunch Europe soll es sich jedoch um überaus stattliche 50 Millionen Dollar handeln. Der 2007 gegründete Dienst wäre mit rund 200 Millionen Dollar bewertet, heißt es, was andeuten würde, dass die zwei Risikokapitalgeber für ihr Investment auch einen erheblichen Anteil an dem Unternehmen bekommen hätten.

Nur in Ausnahmefällen berichten wir bei netzwertig.com in ausführlicher Form über Funding für Startups aus dem deutschsprachigen Raum – dies ist einer, und zwar gleich in mehrerer Hinsicht: Zum einen handelt es sich bei 50 Millionen Dollar um die umfangreichste Kapitalsspritze durch Venture-Capital-Firmen für ein deutsches Social-Web-Unternehmen überhaupt. Zum anderen beteiligt sich Kleiner Perkins Caufield & Byers – eines der renommiertesten VC-Unternehmen, das Anteile an vielen namhaften Internetfirmen von Facebook über Twitter bis Spotify besitzt – damit erstmalig an einem deutschen Web-Startup.

Im Rahmen des Investments wird KPCB-Partnerin Mary Meeker einen Platz als Beobachterin im SoundCloud-Vorstand einnehmen. Auch das ist erwähnenswert, hat sich die US-Amerikanerin doch über Jahre eine Reputation als treffsicherere, pointierte Analystin der Technologie-Welt erarbeitet (zuletzt im Oktober wieder) und es damit zu internationaler Bekanntheit geschafft.

Vor fast genau einem Jahr sorgte SoundCloud schon einmal mit einem internationalen Investor für Aufsehen: Damals pumpten mit Union Square Ventures und Index Ventures zwei andere hoch angesehene Risikokapitalgeber insgesamt zehn Millionen Dollar in die junge Firma. Auch Hollywood-Star Ashton Kutcher hält einen kleinen Anteil.

Die jüngste Investitionsrunde hat noch aus einem weiteren Grund eine große Bedeutung für die hiesige Startup-Landschaft: SoundCloud, das vor vier Jahren die geschlossene Beta-Phase seines damals noch primär auf DJs ausgerichteten Dienstes lancierte und sich Ende 2010 als eine Art “YouTube für Sound” umpositionierte, ist nach und nach zum inoffiziellen Herzstück der boomenden Berliner Internetszene avanciert.

Dabei spielt die Symbolik der Pionierarbeit des aus Schweden stammenden Gründerteams Alexander Ljung und Eric Wahlforss eine Rolle, die zu einem Zeitpunkt nach Berlin zogen und ein Webunternehmen gründeten, als der Name der Hauptstadt außerhalb der Landesgrenzen noch überhaupt nicht mit einer florierenden Onlinebranche in Verbindung gebracht wurde. Im Laufe der Zeit hat sich das Startup außerdem zu einer beliebten Networking-Plattform entwickelt, welche die Gründerszene der Spreemetropole auf verschiedenen Events miteinander verbindet.

So gab sich auf der SoundCloud-Weihnachtsfeier vor einigen Wochen das Who-is-Who des international ausgerichteten Berliner-Internetsektors die Klinke in die Hand. Gelegentlich betätigen sich Ljung und Wahlforss auch selbst als Business Angels und verhalfen so lokalen Neugründungen wie Gidsy oder Amen zu einem größeren Netzwerk und sich öffnenden Türen.

Zu der wirtschaftlichen Entwicklung hält sich SoundCloud, das Geld mit kostenpflichtigen Premium-Accounts verdienen möchte, seit jeher bedeckt. Das frische Kapital ermöglicht nun die weitere Expansion (seit einiger Zeit betreibt SoundCloud ein Büro in San Francisco), ohne dass in naher Zukunft bei Nutzern potenziell unbeliebte Maßnahmen zur kurzfristigen Umsatzsteigerung erforderlich werden. Bis in alle Ewigkeit wird dieser reine Wachstumsansatz jedoch nicht funktionieren – aber womöglich schnappt sich ja irgendein Konzern die Audioplattform, bevor das Konto das nächste Mal aufgefüllt werden müsste. Bei YouTube hat dies auch geklappt.

 

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Ein Pingback

  1. [...] könnten die SoundCloud-Macher zu wiederholen versuchen. Vor einem Jahr nahm das Unternehmen satte 50 Millionen Dollar von US-Investoren ein. Wooga hat es geschafft, sich dem einbrechenden, von Facebooks Plattform abhängigen [...]

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