Substance:
Die Evolution der Online-Textverarbeitung

Das aus Österreich stammenden Open-Source-Projekt Substance erlaubt das Erstellen und gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten im Browser, ohne dass sich Nutzer mit der lästigen Formatierung befassen müssen. Die Inhalte der Texte werden als strukturierte Daten gespeichert.

Online-Office-Dienste wie Google Docs, Zoho oder Microsoft Office Web Apps sind äußerst nützliche Werkzeuge für alle, die nicht länger auf lokal installierte Textverarbeitungssoftware angewiesen sein wollen. Abgesehen von der Tatsache, dass diese Services Texte und andere Office-Inhalte in der Cloud bearbeiten und ablegen, hält sich ihr evolutionärer Charakter allerdings in Grenzen: Die Art, wie Dokumente mit Inhalten befüllt und formatiert werden, ist quasi identisch zu der Verfahrensweise bei Desktop-Clients.

Frank Müller von unserem Schwesterblog neuerdings.com hat mich auf Substance aufmerksam gemacht, eine von dem Österreicher Michael Aufreiter entwickelte und im Frühjahr gestartete Online-Textverarbeitungs- und Publishing-Plattform, die sich in wesentlichen Punkten von dem traditionellen Office-Ansatz unterscheidet.

Im Gegensatz zu der “Konkurrenz” behandelt Substance die Inhalte von online erstellten und bearbeiteten Dokumenten als strukturierte Daten und erspart der anvisierten Zielgruppe der Autoren, Journalisten und Wissenschaftler das lästige Formatieren ihrer Texte. Jedes neu angelegte Dokument ist in verschiedene, die Struktur vorgebende, “Nodes” genannte Elemente unterteilt (“Section”, “Text”, “Image”, “Resource”, “Quote”, “Code”), die anschließend mit Inhalten befüllt und um erläuternde Kommentare ergänzt werden können.

Substance präsentiert sich in einer in höchstem Maße aufgeräumten, sehr eleganten, interaktiven und zum vermittelten Anspruch der Befreiung vom sonst bei Textverarbeitungstools anzutreffenden Ballast passenden Oberfläche. Dokumente können mit anderen Substance-Nutzern geteilt und gemeinsam bearbeitet, in verschiedenen Formaten (u.a. PDF, EPUB, LaTeX) lokal gespeichert und öffentlich auf der Plattform publiziert werden. Auch ist es möglich, andere öffentliche Dokumente zu abonnieren, um über Änderungen auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Mittels einer offenen API (derzeit nur Lesezugriff, Schreibzugriff folgt) können Drittanwendungen sich die bei Substance abgelegten Daten zunutze machen – das Stichwort “Daten” ist in diesem Kontext wichtig, da sich die in den einzelnen Nodes platzierten Inhalte separat abrufen lassen. Wer das nötige technische Know-how mitbringt, könnte somit beispielsweise Texte in Substance schreiben, die dann automatisiert und nach eigener Vorstellung an anderer Stelle in einem Blog publiziert werden.

Was das Projekt aus Österreich neben der sehr überzeugenden Optik und Funktionalität noch beeindruckender macht: Es ist Open Source.

Substance ist sicher nicht die erste Wahl, wenn es nur darum geht, spontan ein paar Gedanken oder einen rohen Artikelentwurf ohne Unterüberschriften und Struktur niederzuschreiben. Bei umfangreicheren Texten und Arbeiten, die eine übersichtliche Darstellung und die Kombination verschiedener Contentelemente erfordern, dürfte Substance aber schnell zu einer ernstzunehmenden Alternative zu bisherigen Lösungen avancieren. Die Attraktivität des Projekts steigt zudem mit einer wachsenden Zahl an Substance-Nutzern, die öffentlich publizieren (im Publishing-Segment gibt es leichte Parallelen zu der ebenfalls aus Österreich stammenden Autorenplattform Newsgrape), sowie mit der Verfügbarkeit von Drittanbieter-Apps, die auf bei Substance abgelegte Daten zugreifen können.

Link: Substance

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Klasse, Substance kannte ich noch nicht, ist aber echt klasse, hab es mir gerade mal genauer angeschaut. Und dann noch OpenSource, nicht schlecht!

  2. Danke für den Tipp! Ich habe überlegt, ob ich mit Substance meine Master-Arbeit schreiben soll, es hätte viele tolle Eigenschaften, die das Schreiben aufs nächste Level hieven könnten. Nach einer Mischung aus Latex und Gdocs habe ich schon lange gesucht! Leider stecken einige essentielle Dinge wie Fussnoten und Formelunterstützung noch in den Kinderschuhen. Werde wohl weider mit Dropbox, Texnic und Zotero arbeiten. Aber wenigstens freu ich mich auf die Zukunft!

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