BoxCryptor:
Dropbox-Verschlüsselung
für die Masse

Das Augsburger Startup Acomba bietet mit BoxCryptor ein Verschlüsselungstool für Cloud-Dienste, das für die Nutzung mit Dropbox optimiert wurde und besonders einfach zu bedienen ist.

Dass Dropbox von der netzwertig.com-Leserschaft zum zweiten Mal in Folge zum Onlineservice des Jahres gewählt worden ist, unterstreicht nicht nur die Popularität des US-Speicherdienstes, sondern auch, wie sehr Lösungen zum Speichern von Daten in der und Synchronisieren über die Cloud mittlerweile zum digitalen Alltag vieler Menschen gehören.

Gleichzeitig stellt sich damit auch verstärkt die Frage nach der Sicherheit dieser Daten – erst recht im Falle von Dropbox, das 2011 in dieser Hinsicht einige Negativschlagzeilen produzierte. Für wen der Wechsel zu einem Anbieter mit clientseitiger Verschlüsselung (wie z.B. Wuala) keine Alternative ist, der kann mit einer zusätzlichen Verschlüsselungssoftware dafür sorgen, dass sensible Daten auch in der Cloud vor unbefugtem Zugriff sicher sind.

Das Augsburger Startup Acomba hat mit BoxCryptor ein Tool entwickelt, das die sichere Speicherung von Daten in der Cloud ermöglichen soll, ohne dabei von Nutzern unzumutbare Kompromisse einzufordern.

Die in der Basisversion kostenlose, für Windows, Mac und Linux angebotene Software erlaubt es Anwendern, in wenigen Schritten und ohne Vorerfahrung ein lokales virtuelles Laufwerk anzulegen, das anschließend sämliche darin platzierten Daten “on the Fly” im AES-256-Standard verschlüsselt. BoxCryptor ist nicht an einen bestimmten Cloudanbieter gebunden, aber richtet sich primär an Dropbox-Nutzer. Als ich das Tool installierte, erkannte es, dass Dropbox bereits auf meinem Rechner vorhanden ist, und bot mir an, sämtliche in meiner virtuellen BoxCryptor-Harddisk abgelegten Dateien nach der Verschlüsselung direkt in einen speziellen Dropbox-Ordner zu transferieren.

Solange Anwender das Passwort für die Entschlüsselung besitzen, können sie auch von verschiedenen Rechnern auf ihre mit BoxCryptor verschlüsselten, in der Cloud gelagerten Daten zugreifen – sofern sie zuvor die Software installiert haben. Angeboten wird zudem eine Android-App, die den direkten Zugriff auf bei Dropbox abgelegte, mit BoxCryptor verschlüsselte Dateien gewährt. Eine iPhone-App muss nur noch von Apple für den App Store freigegeben werden. Update: steht jetzt im App Store bereit.

Technisch versierten Nutzern könnte BoxCryptor zu simpel und wenig anpassbar erscheinen. Das von Robert Freudenreich entwickelte Verschlüsselungswerkzeug spricht vor allem die an, denen fortgeschrittene Lösungen wie TrueCrypt zu kompliziert sind, und die auch von ihrem Smartphone aus auf die verschlüsselten Daten zugreifen können möchten.

Mit etwas besseren Erklärungen und verschiedenen Sprachversionen (derzeit gibt es die Site und den Dienst nur auf Englisch) könnte sich BoxCryptor als das Verschlüsselungstool für die breite Masse empfehlen. Noch ist sich diese zwar der Problematik kaum bewusst, aber mit ein wenig Aufklärung und zielgerichteter Pressearbeit kann sich dies schnell ändern. Eine unbegrenzte Version für Privatpersonen kostet einmalig 14,99 Euro, eine Firmenvariante 34,99 Euro.

Link: BoxCryptor

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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11 Kommentare

  1. Kannte ich gar nicht! Endlich schent sich mein größtes Problem mit Dropbox aufzulösen. Ohne Verschlüsselung ist es für mich fast schon ein No-Go. Schließlich nehme ich auch für Mails nen Schlüssel (per GPG-Plugin).

    Der Preis ist definitiv okay, damit ist es super einfach.

  2. Liest sich ja so als würde jede Datei einzeln verschlüsselt werden. Das Problem mit den vorhandenen Crypt-Werkzeugen war ja das immer ein großer Container rauf- und wieder runtergeladen werden musste. Ich wart mal noch Tests ab ob sich das lohnt.

    • Solange man mit nur einem Rechner gleichzeitig (und bestehender Netzwerkverbindugn) arbeitet, funktionieren TrueCrypt & Dropbox sehr gut miteinander. Dropbox synct tatsächlich nur die geänderten Bytes des Container, sodass man zwar einen großen initialen Upload des Containers hat, später der Netzwerktraffik aber “schlank” bleibt.

      Man darf aber nicht aus den Augen lassen, dass der Container nur gesynct wird, wenn die Containerdatei geschlossen wird. Das passiert nur, wenn man den Container unmountet.

      Sobald man mit mehreren Rechnern gleichzeitig arbeitet, kann es zu Problemen kommen, weil dann jeder Rechner auf seiner Kopie arbeitet. Entsprechende Probleme kann es geben, wenn die Änderungen am Container wegen fehlender Netzwerkverbindung verzögert gesynct werden.

  3. Danke für den Link zu Wuala – warum sollte ich Dropbox mit workarounds nutzen, wenn ich auch direkt die gut verschlüsselte Variante Wuala wählen kann? Ich lade meinen Dropbox-Ordner dort gerade hoch und zack ist alles gewechselt :)

  4. Wer Linux (und mit etwas Frickeln auch Mac OS X) nutzt, der kann sich das Geld sparen, denn BoxCryptor ist im Kern eine Implementation des freien EncFS (siehe Hinweis auf “Kompatibilität” zu EncFS auf der Homepage von BoxCryptor).

    Man hat um EncFS einfach nur eine GUI gestrickt. Zumindest für Gnome gibt es ein entsprechendes Tool (Crypt Keeper).

  5. Vielen Dank für die interessante Berichterstattung! Seit heute ist BoxCryptor for iOS im Apple App Store verfügbar, so dass alle wichtigen Plattformen unterstützt werden.

    @Thomas: BoxCryptor (für Win, Android, iOS) ist von der ersten Codezeile aus eine Eigenentwicklung – es ist keine GUI um EncFS, sondern “nur” damit kompatibel. Auch wenn dies von außen vielleicht so aussieht.

    • Sorry, ich wollte niemandem zu nahe treten. Ich bin da leider einer Fehlinterpretation unterlegen. :-(

      Hat BoxCryptor einen eigenen Ansatz für die Verschlüsselung und kann auch in gewissem Rahmen EncFS-Dateien lesen, oder setzt BoxCryptor generell auf dem gleichen Ansatz wie EncFS auf und ist eine – momentan unvollständige(?) – Neuimplementierung?

    • Kein Problem. Zugegebenermaßen liegt diese Annahme von außen betrachtet auch recht nahe.

      Im Moment ist es eher zweiteres. Allerdings ist dies nur ein Zwischenschritt. Das Ziel ist nämlich ersteres :)

  6. Hi,
    als Alternative gibt es auch den Dienst Cloudfogger. Schaut auch sehr einfach und intuitiv aus. Ich hab das Tool mal angetestet:
    http://blog.its-webtime.d…rdner-verschlusseln/

    Grüße,
    Viktor

  7. Wäre es nicht deutlich besser wenn für jede Datei ein grundsätzlich eigener Key erzeugt wird damit man Dateien auch sharen könnte. Synchrone verfahren alleine reichen dann natürlich nicht mehr.

    Man sollte auch beachten das das Passwort je nach Implementierung 15 stellen und mehr haben sollte um ausreichend Schutz zu bieten.

    • Das Ziel von BoxCryptor, EncFS & Co ist es, die Verschlüsselung für den Benutzer möglichst transparent zu gestalten. Der Benutzer “meldet” sich einmal an und danach passiert das Ver-/Entschlüsseln völlig automatisch ohne sein Zutun. Er kann dann mit dem Dateibestand ohne weitere Eingriffe arbeiten.

      Das reicht IMHO für die meisten Anwendungsfälle aus. Und es bringt den Vorteil, dass man jemanden eine pain-free Verschlüsselung einrichten kann, die dieser dann auch tatsächlich verwendet.

      Das Sharen von verschlüsselten Dateien stellt einen Sonderfall dar, den nur relativ wenige Benutzer brauchen.

      Dem hat sich das im Kommentar #6 angesprochene Produkt Cloudfogger angenommen. Was Cloudfogger taugt, kann ich nicht einschätzen.

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