Quote.fm:
Der überraschende Newcomer

Innerhalb weniger Monate hat sich Quote.fm eine treue Fangemeinde aufgebaut. Das Startup aus Hamburg ist einer der Newcomer des Jahres – ohne dabei auf der allgegenwärtigen Berlin-Welle zu reiten.

Ein deutsches Startup blieb in meinen zwei Artikeln zum abgelaufenen Digital-Jahr 2011 ungenannt – dabei handelt es sich bei Quote.fm um einen der Newcomer des Jahres.

Im September hatten wir den jungen Dienst aus Hamburg vorgestellt, bei dem Nutzer lesenswerte und bedenkenswerte Zitate und Passagen aus Onlinetexten untereinander empfehlen und auf diese Weise sowohl Erleuchtungen verspüren, als auch ihnen unbekannte Quellen entdecken sollen.

Schon vor dem Launch gelang es dem Gründertrio Marcel Wichmann, Philipp Waldhauer und Martin Wolf, innerhalb der deutschsprachigen Twitter-Gemeinde die Nachfrage nach Einladungen zur geschlossenen Beta-Phase anzukurbeln und damit einen kleinen Hype zu entfachen. Und auch drei Monate, nachdem die ersten Nutzer auf die Plattform gelassen wurden, tauchen Erwähnungen von und positive Kommentare zu Quote.fm regelmäßig auf meinem persönlichen Social-Web-Radar auf.

Auch beachtlich: Fünf der 62 von uns befragten Experten für die Umfrage zum Onlineservice des Jahres nannten Quote.fm als einen der fünf Dienste, die sie 2011 am meisten begeistert haben. Damit fehlte dem Startup lediglich eine Stimme, um bei der (dann zwölf Anbieter umfassenden) finalen Leserumfrage dabei zu sein.

Zu Anfang hielt sich meine persönliche Nutzung von Quote.fm sehr in Grenzen. Doch in letzter Zeit geschieht es immer häufiger, dass ich über das Browser-Bookmarklet prägnante, clevere oder faktenträchtige Aussagen und Textabschnitte aus Artikeln meinen Quote.fm-Followern empfehle (hier ist mein Stream).

Auch schaue ich nun vermehrt auf die “Quotes” meiner Kontakte, wenn mir gerade nach frischem Lesestoff ist. Seit dem Ende der Shared-Items-Funktion des Google Reader bin ich auf der Suche nach einer Lösung, die das dadurch entstandene Loch an Lese-Inspiration füllt. Quote.fm hat zumindest Potenzial, diese Aufgabe zu übernehmen (auch wenn bisher RSS-Feeds fehlen).

Nicht nur die dem Anschein nach bereits sehr loyale Anhängerschaft sowie die Fähigkeit der Gründer, eine Euphorie rund um ihren Dienst zu entfachen, ohne dabei auf der allgegenwärtigen Berlin-Welle zu reiten, sprechen für eine positive Entwicklung von Quote.fm im kommenden Jahr. Die Tatsache, dass bisher kein vergleichbares, bereits auf breiter Front etabliertes Angebot existiert (Cast.li setzt auf ein ähnliches Konzept und befindet sich im Alpha-Stadium), sowie die ausschließlich englischsprachige Oberfläche schaffen auch für eine internationale Expansion eine gute Grundlage.

Mitgründer Marcel Wichmann ließ vor einigen Wochen in diesem Kommentar durchblicken, dass Quote.fm sich in Kürze zu einer Konkurrenz für “Schöner-Lesen-Dienste” wie Instapaper und Read It Later entwickeln werde. Details verriet er zwar keine [Update] in seinem privaten Blog plauderte er vor einigen Wochen über die Roadmap [Update Ende], aber der Ausbau des Services zu einem vielseitigen Entdeckungs- und Konsumwerkzeug für sorgsam selektierte Onlineinhalte erscheint naheliegend. Wünschenswert wäre auch eine API, damit sich Passagen direkt aus externen Apps (wie beispielsweise Reeder) bei Quote.fm teilen lassen.

Mit Quote.fm haben die Norddeutschen einen Nerv getroffen und bisher auch bewiesen, dass sie in der Lage sind, die Erwartungen der Early Adopter zu erfüllen. Folgen sie zielstrebig dem eingeschlagenen Weg, dürfte 2012 ein gutes Jahr für Quote.fm werden – auch international.

Seit gut einer Woche kann sich jeder bei dem Dienst registrieren und anderen Nutzern folgen. Wer selbst Quotes speichern und mit Followern teilen möchte, benötigt dafür aber noch immer einen Invite.

Link: Quote.fm

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. [Anm. d. Redaktion: Mit Verweis auf die Kommentarregeln gelöscht. netzwertig.com ist keine Plattform, um persönlichen Fehden auszutragen. Kritik ist immer willkommen, dann aber bitte niveauvoll und ohne persönliche Beleidigungen]

  2. <3

    Mehr zur geplanten "Read"-Funktion: http://uarrr.org/2011/11/…uote-fm-weitergehen/

    API wirds geben, Reeder-Integration (und ich weiß nicht, ob ich damit nicht zu viel verrate) wohl auch. :)

  3. Ich finde Quote.fm wunderschön und super, aber es fügt sich leider nicht in meinen Lesen-Sharen-Schreiben-Kreislauf: Das Entdecken von Zitaten und Texten über Exzerpte ebenso wie das Sharen von Zitaten und Exzerpten findet schon bei Twitter, Google+, Posterous/Tumblr, Blog statt – nirgendwo in genau derselben Weise, aber eben doch zu ähnlich, als daß sich dafür ein neues Tool einschleichen könnte. Bin insofern sehr gespannt auf die erwähnten Weiterentwicklungen.

  4. Hätte QUOTE.fm doch zwei mal nennen sollen, damit man dafür abstimmen hätte können ;)

    Ich finde die Entwicklung die der junge Dienst bis jetzt hingelegt hat bereits sehr beachtlich und bin gespannt, wo die Reise noch hingeht.

    Was mir noch fehlt, sind Apps für Android (und meinetwegen auch das iPhone ;) um von unterwegs Quotes veröffentlichen zu können. Aber daran arbeiten die Jungs ja schon.

    Einen Verbesserungsvorschlag hätte ich, wenn Marcel hier schon mit liest: Es wäre schön wenn sich die von den Leuten denen ich folge favorisierten Quotes mit einem Klick ausklappen ließen. Derzeit wird man immer auf eine separate Seite weitergeleitet, was irgendwie holprig wirkt.

    • Stimmt, aktuelles Problem daran ist, dass wir dann wohl auch eine Quellenangabe da reinbringen müssten etc. Das ist nicht so leicht, aber wir denken auch drüber nach. Android-Apps sind vorerst nicht geplant, aber nicht vollkommen ausgeschlossen. iOS ist geplant und bestätigt.

    • @Marcel: Ich dachte mir schon das es nicht einfach wird. Sonst wäre es ja nicht so wie es ist ;)

      Wie keine Android-App? Das kannst du doch der Welt nicht antun? Dann gibt es zumindest hoffentlich eine R/W-API, damit irgendein findiger Developer eine Android-App bereitstellen kann, für die ich sogar Geld bezahlen würde ;)

3 Pingbacks

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