Dwolla und Babelverse:
Zwei mögliche Weltveränderer

Die zwei Startups Dwolla und Babelverse verfolgen vollkommen unterschiedliche Ziele. Gemein haben sie, dass sie die Welt verändern können.

Während wir bestrebt sind, bei netzwertig.com möglichst nur solche Konzepte und Startups vorzustellen, die in irgendeiner Form neue Wege gehen und echte Innovationen entwickeln, hat nicht jeder dieser Dienste das Zeug, die Welt zu verändern. Bei zwei Anbietern, auf die ich in den letzten Tagen aufmerksam geworden bin, halte ich dies für nicht unmöglich: Dwolla und Babelverse, zwei grundverschiedene Ideen, die erheblich disruptives Potenzial gemein haben.

Dwolla ist ein junges Startup aus dem US-Bundesstaat Iowa, welches nichts Geringes plant, als die Kreditkartenunternehmen überflüssig zu machen.

“Seit dem Aufkommen von Kreditkarten vor 30 Jahren hat niemand ein neues Zahlungsnetzwerk geschaffen. Stattdessen baute jede nachfolgende Entwicklung auf der Zahlung über Kreditkarten auf – von digitalen Geldbörsen bis zu Square”, so Dwolla-Gründer Ben Milne im Interview mit Business Insider. Mit Dwolla, das sich seit drei Jahren in der Entwicklung befindet und mittlerweile für alle Nutzer in den USA zugänglich ist, soll sich dies ändern.

Dwolla erfordert lediglich ein Bankkonto

Statt Zahlungen über die als Mittler auftretenden Kartenfirmen abzuwickeln, die dabei stets eine teils heftige Gebühr einfordern, fließt das Geld bei Dwolla direkt von der Bank des Senders zu der des Empfängers einer Zahlung. Voraussetzung ist lediglich eine Mitgliedschaft bei Dwolla und die Freigabe automatischer Abbuchungen vom persönlichen Bankkonto. Der Geldempfänger erhält eine Benachrichtigung, dass Dwolla Geld für ihn bereithält, und kann sich dann registrieren. Der Clou: Dwolla beansprucht pro Zahlung 0,25 Dollar, ungeachtet des Betrages. Im Gegensatz zu den sonst in der Branche üblichen prozentualen Anteilen ist dies revolutionär.

Ein Schwerpunkt auf mobilen Zahlungen von unterwegs sowie eine enge Verknüpfung mit Social Networks und die dadurch erreichte Viralität haben dem US-Unternehmen, das sich auf die Unterstützung eines großen strategischen Investors aus der Finanzbranche verlassen kann, schnell einiges an Bekanntheit verschafft: Zwischen 30 und 50 Millionen Dollar werden monatlich über Dwolla bewegt.

Dwolla wird mit zunehmender Bedeutung auf erbitterten Widerstand der Kreditkartenunternehmen stoßen. Sollte es Ben Milne und seinem bisher elfköpfigen Team gelingen, diesen abzuwehren und Dwolla auf internationaler Ebene verfügbar zu machen, müssen nicht nur Visa, MasterCard und Amercian Express ihr Geschäftsmodell neu überdenken, sondern auch PayPal, Square, iZettle und sämtliche anderen Zahlungsdienstleister, die bisher Transaktionen primär über die Kartenanbieter abwickeln lassen und/oder deutlich höhere Gebühren verlangen.

Babelverse hegt die Vision eines Hosentaschen-Dolmetschers

Als nicht minder disruptiv könnte sich auch Babelverse erweisen. Das ein Jahr alte, von dem Briten Josef Dunne und dem Franzosen Mayel de Borniol gegründete Startup arbeitet an einem netzgestützten Echtzeit-Dolmetscher-Dienst. Offiziell wurde dieser auf der LeWeb-Konferenz in der vergangenen Woche in Paris vorgestellt und platzierte sich im LebWeb-Startup-Wettbewerb auf dem dritten Platz. Die bestechende Idee des Duos: Personen, die den Übersetzer einer beliebigen Sprache benötigen, können unmittelbar und zu geringen Kosten auf diesen über jedes mit dem Internet verbundene Gerät zugreifen – egal wo auf der Welt sie und er sich befinden.

Personen, die über Babelverse ein paar Stunden in der Woche oder im Monat dolmetschen wollen, registrieren sich und stellen zu den vereinbarten Zeitpunkten ihr Sprach-Know-how bereit. Nachdem sie sich damit eine gewisse Reputation erarbeitet haben, sollen sie sich auf diese Weise auch ein Zubrot verdienen können.

Noch befindet sich Babelverse in der geschlossenen Beta-Phase und steht in einem ersten Schritt Veranstaltern zur Verfügung, die auf teure Vor-Ort-Dolmetscher verzichten wollen.

Ob der Ansatz eines Online-Marktplatzes für die Echtzeit-Koordination von Übersetzungsaufträgen tatsächlich funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von der Qualität der Dolmetscher, der Funktionsfähigkeit von Babelverse auch im Falle sehr langsamer Internetverbindungen (mit lokalen Telefonnummern soll diese Problematik entschärft werden) sowie von der Zahl “Freiwilliger”, die ihre Sprachkenntnisse und Zeit zur Verfügung stellen. Meistert das Jungunternehmen diese Herausforderungen, wird in einer nahen Zukunft jeder einen Hosentaschen-Dolmetscher mit sich herumtragen können, der jede Sprache dieser Welt beherrscht.

Links: Dwolla, Babelverse

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9 Kommentare

  1. Matthias
    schrieb am 13. Dezember 2011 um 11:39 Uhr (#)

    Dwolla klingt interessant, aber was macht es anders als Paypal oder Moneybookers? Beide Anbieter haben die Möglichkeit jemandem “per E-Mail” Geld zu senden. Der Empfänger erhält eine Benachrichtigung und muss sich beim jeweiligen System anmelden um an sein Geld zu kommen. Besonders mit Moneybookers hatte ich hier nie Probleme. Ich bin gespannt wie sich das entwickelt…

  2. Thassilo Vogt
    schrieb am 13. Dezember 2011 um 12:34 Uhr (#)

    Zu Dwolla: Erhebliches Potenzial, gerade auch für eine rasche Verbreitung/Akzeptanz, sehe ich in dem erst kürzlich angepassten Preismodell. Bei Kleinbeträgen unter 10$ fallen keinerlei Gebühren an. Für Micropayments also ideal.

    Quelle: http://blog.dwolla.com/al…-for-small-business/

    1. Matthias
      schrieb am 13. Dezember 2011 um 13:28 Uhr (#)

      Das werden die Jungs/Mädls von Dwolla auch festgestellt haben, das sich ihr Produkt doch nicht so stark von den etablierten unterscheidet. Ohne eine solche Preisanpassung gäbe es für viele sicher keinen Grund zu diesem neuen Anbieter zu wechseln.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 13. Dezember 2011 um 16:51 Uhr (#)

    Da ich Dwolla selbst bisher nicht testen konnte, kann ich es nur von außen beurteilen.

    Paypal ist deutlich teurer, weil es eine prozentuale Beteiligung einfordert. Zudem läuft bei Paypal am Ende doch viel über die Karte.

    Zu Moneybookers: Stimmt, grundsätzlich ähnlich vom Ansatz. Aber gibt’s schon fast 10 Jahre. Und hat sich nicht wirklich auf breiter Front durchgesetzt. Die enge Integration mit dem Social Web und den Fokus auf mobile Payments sehe ich dort auch nicht.

    Glaub da nicht wirklich daran, dass Moneybookers die Dominanz der Kreditkartenfirmen ins Wanken bringen kann. Wirkt bequem und nicht wirklich einfallsreich (zumindest ist das die Ausstrahlung).

  4. Frings
    schrieb am 14. Dezember 2011 um 10:29 Uhr (#)

    Hallo Zusammen,

    ich bin mir nicht mehr ganz sicher obs stimmt, ist schon länger her… Aber es sollte doch ein neues Zahlungsmittel, bzw. ein neuer Zahlungsdienst aus der Schweiz kommen an dem sich sogar Eduardo Saverin beteiligt hatte… Wisst ihr da eventuell was drüber??? VG

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 14. Dezember 2011 um 11:28 Uhr (#)

      Du meinst vermutlich Jumio (aus Österreich), oder?
      http://netzwertig.com/201…ttes-enthullt-jumio/

    2. Frings
      schrieb am 14. Dezember 2011 um 13:48 Uhr (#)

      Danke das hab ich gesucht… Beispiele wo es eingesetzt wird, habt ihr bis dato auch nicht,oder?

    3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 14. Dezember 2011 um 14:00 Uhr (#)

      Dazu wurde von Jumio zumindest bisher nichts an uns kommuniziert.

  5. Mirko | Conalco.de
    schrieb am 28. Dezember 2011 um 00:03 Uhr (#)

    Dwolla klingt in der Tat sehr interessant. Wie es funktionieren soll ist mir allerdings ein Rätsel. In Deutschland können alle Abbuchungen 6 Wochen lang Rückgängig gemacht werden. Zudem arbeitet PayPal bereits mit dem Latschriftverfahren. Ein Ausfallrisiko für den Zahlungsanbieter bleibt also bestehen und kann nicht durch die 0,25€ gedeckt sein.

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