Gesamtvertrag zwischen GEMA und BITKOM:
Einigung ebnet Weg für
Spotify-Start in Deutschland

Die GEMA hat sich mit der BITKOM auf einen Gesamtvertrag rund um Lizenzgebühren für Online-Musikdienste geeinigt. Bei Streamingangeboten akzeptiert die Verwertungsgesellschaft künftig pauschale Lizenzgebühren. Eine weitere gute Nachricht: Seit dem Herbst verhandeln Spotify und die GEMA wieder miteinander.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., BITKOM, und die Verwertungsgesellschaft GEMA haben am Donnerstag eine Einigung zur Thema Online-Musik bekannt gegeben. Diese hat künftig Gültigkeit für sämtliche Online-Musikanbieter, die auf dem deutschen Markt präsent sind, und beinhaltet für MP3-Downloads eine Abgabe von in der Regel 6 bis 9 Cent netto pro Song an die GEMA.

Die Pressemeldung der BITKOM erwähnt, dass der neue Gesamtvertrag mit der GEMA auch eine Lizenzierung von Urheberrechten von Streaming-Angeboten umfasst, ohne aber weitere Details zu nennen. Die Frage, die sich nun wahrscheinlich viele Leserinnen und Leser von netzwertig.com stellen: Ebnet die Übereinkunft endlich den Weg für einen Deutschlandstart von Spotify?

Bisher folgte die GEMA bei der Lizensierung von On-Demand-Streamingdiensten einer eindeutigen Richtlinie: Anbieter wurden für jeden von Nutzern gestreamten Titel einzeln zur Kasse gebeten, nicht pauschal pro Anwender und Monat. Spotify war zu einem für die eigene Kalkulation derartig risikoreichen Lizenzvertrag bisher nicht bereit, weshalb der Dienst in Deutschland noch immer nicht offiziell verfügbar ist.

Ein GEMA-Sprecher bestätigte uns heute telefonisch, dass die Verwertungsgesellschaft in Folge der BITKOM-Einigung künftig eine monatliche Pauschalgebühr pro Nutzer in Form einer prozentualen Umsatzbeteiligung akzeptieren werde. Bei einer typischen Musikflatrate liegt der GEMA-Anteil demnach bei rund einem Euro, ungeachtet von der Anzahl der gestreamten Titel.

Damit ist klar, dass sich die Verhandlungssituation zwischen der GEMA und Spotify deutlich verbessert, weil nun Spotifys Forderung nach einer Pauschal-Lizenzgebühr erfüllt ist. Seit dem Herbst sitzen die GEMA und Spotify (wieder) am Verhandlungstisch, bestätigte uns der GEMA-Sprecher. Über den aktuellen Stand wollte er sich allerdings nicht äußern.

Sofern sich Spotify mit dem neuen Tarif anfreunden kann, steht einem Markteintritt in Deutschland nichts mehr im Wege – dann müsste der Musikdienst aus Schweden nur noch den Vertrag unterzeichnen. Die Labels selbst dürften keine Probleme damit haben, immerhin kritisierten sie in der Vergangenheit sogar selbst die Blockade-Haltung der GEMA und gaben zahlreichen anderen Musikangeboten ihren Segen.

Ausschließlich werbefinanzierte Angebote (wie YouTube) sind von dem Vertrag bisher nicht abgedeckt. Laut BITKOM-Meldung werden die Verhandlungen dazu fortgesetzt. Der Vertrag zwischen der GEMA und BITKOM [Update] gilt rückwirkend zum 1. Januar 2002 und [Update Ende] enthält auch einen Anreiz für Musikdienste, Mitglied der BITKOM zu werden – dann winkt ihnen ein 20-prozentiger Rabatt bei den Lizenzgebühren.

Meine Mutmaßung: Es wäre eine große Überraschung, wenn Spotify innerhalb der nächsten drei Monate nicht in Deutschland an den Start geht.

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11 Kommentare

  1. Jan Christe
    schrieb am 8. Dezember 2011 um 17:53 Uhr (#)

    Meine Mutmaßung: Es wäre eine große Überraschung, wenn Spotify innerhalb der nächsten drei Monate nicht in Deutschland an den Start geht.

    Das wäre ein Traum. Zeit wird es.

  2. Tobias Tauch
    schrieb am 8. Dezember 2011 um 18:28 Uhr (#)

    Gut für die Musiknutzer, aber der aus Deutschland kommende Streaming-Dienst Simfy, der bereits einen GEMA-Deal – wohl nach alter Grundlage – hat, wird sich in den Hintern beißen.

  3. Christoph
    schrieb am 8. Dezember 2011 um 23:26 Uhr (#)

    Ich denke nicht, dass sich Simfy in den hintern beist. Immerhin bekommen sie dank des neuen Deals einiges an Lizenzgebühren zurückgezahlt. Das sind doch gute Nachrichten für Simfy.

    Ich hoffe aber auch, dass Spotify jetzt schnell nach Deutschland kommt und wieder einen kostenlosen Dienst hier etabliert.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 9. Dezember 2011 um 06:27 Uhr (#)

      Guter Punkt. Dabei fällt mir auch auf, dass ich den Aspekt “rückwirkend” im Text unterschlagen habe.

  4. burkhard
    schrieb am 9. Dezember 2011 um 11:04 Uhr (#)

    wurde aber auch Zeit. trotzdem Gratulation zum Start von Spotify!

    1. DK
      schrieb am 9. Dezember 2011 um 11:19 Uhr (#)

      Naja, noch ist Spotify nicht gestartet. Sie haben nichtmal den Start angekündigt ;)

  5. Marcel Weiß
    schrieb am 9. Dezember 2011 um 12:02 Uhr (#)

    Wie ich auf neumusik.com gestern geschrieben habe ( http://neumusik.com/2011-…art-von-spotify-nah/ ), weiß ich aus zwei unabhängigen Quellen, dass Spotify seinen unmittelbar bevorstehenden Deutschlandstart an mehreren Fronten vorbereitet.
    Darauf könnte man aber auch ohne diese Information kommen, wenn man die Stellenausschreibungen von Spotify betrachtet. Ich sehe es auch in Verbindung mit der BITKOM-GEMA-Einigung jetzt nur noch als eine Frage von Tagen oder Wochen, bis Spotify hier in Deutschland startet, vorausgesetzt man hat bei der GEMA nicht etwas persönliches gegen Spotify. Zumindest das Verhalten von Spotify deutet aber auf starken Optimismus bis hin zu Sicherheit auf deren Seite hin.

  6. Michael
    schrieb am 10. Dezember 2011 um 22:30 Uhr (#)

    Ich nutze Spotify nun seit Anfang 2009, anfänglich die kostenfreie Version und seit der Beschränkung auf 8 Stunden zahle ich auch jeden Monat 5 gut angelegte Euro.

    In diesen knapp 3 Jahren (wow) habe ich neben Podcasts und (Web)Radios-Streams mit Abstand kein besseres Musikangebot gefunden. Der Online-Kauf von Musik blieb bei mir dadurch gänzlich aus…

    Spotify ist ein bemerkenswertes Unternehmen! Simfy kann meiner Meinung nach einpacken, deren letzter Newsletter klang wie ein Hilferuf…

  7. tux.
    schrieb am 11. Dezember 2011 um 01:32 Uhr (#)

    So lange Spotify an diesen Facebookmüll gekoppelt ist, wird es keine Konkurrenz zu Grooveshark darstellen.

  8. Marco
    schrieb am 13. Dezember 2011 um 14:00 Uhr (#)

    Muss da tux zustimmen. Die zwingende Kopplung an Facebook macht Spotify für mich zu einem no-go. Schade, aber wenn man selbst auf diese Weise potentielle Kunden ausschließen möchte…

  9. Tobione
    schrieb am 19. Dezember 2011 um 13:02 Uhr (#)

    Auf die potentiellen Kunden die nicht bei Facebook sind kommt es wohl bei 800 Mil. Facebook-user nicht an. Die 800 Mil. stellen eine noch nie so dagewesene Kaufkraft dar, die entsprechend die Einnahmen aus Abos ankurbeln dürften.
    Den Serverpark, der die 14 Mil. Songs für 800 Mil. Nutzer bereit hält muss r i e s i g sein. Leuchtet ein, wenn das Teil irgendwo im Norden steht…

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