Crowdfunding hebt ab:
smarchive sammelt in 60 Stunden 100.000 Euro ein

Das Münchern Startup smarchive bastelt an einem intelligenten, digitalen Dokumentensafe. Eine über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch durchgeführte Finanzierungsrunde erbrachte in rekordverdächtigen 60 Stunden die maximale Investmentsumme von 100.000 Euro.


Das Crowdfunding von Startups ist als Teilaspekt der generellen Popularität von Crowdfunding-/Crowdsourcing-Ansätzen einer der Trends des Jahres 2011 in der deutschsprachigen Startupwelt. SeedmatchInnovestment und c-crowd heißen jüngst gestartete Anbieter aus Deutschland beziehungsweise der Schweiz, die Privatpersonen das Investieren in zukunftsorientierte Jungunternehmen ermöglichen.

Statt einiger weniger institutioneller Geldgeber, die jeweils einen signifikanten Anteil erhalten, besitzen bei diesem Konzept viele Kleininvestoren jeweils einen geringen Teil der unterstützten Firmen. Startups schafft dies die Gewissheit, bereits zu einem frühen Zeitpunkt viele Multiplikatoren zu gewinnen – denn wer investiert hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch zum öffentlichen Fürsprecher.

Das erste Startup aus Deutschland, das mittels Crowdfunding eine Finanzierungsrunde abschließen konnte, war im Oktober der Online-Shop Cosmopol. Mittlerweile landen in unserem Postfach im Wochentakt Meldungen über gestartete Crowdfunding-Projekte – die jeweils nur zustande kommen, wenn der vorab festgelegte Betrag in einem bestimmten Zeitraum erreicht wird.

Ein ganz beachtliches Resultat erzielte dieser Tage das Münchner Startup smarchive. Mindestens 50.000 Euro und maximal 100.000 Euro wollten die Gründer Steffen Reitz, Fabian Stehle und Holger Teske innerhalb von nicht mehr als 60 Tagen über Seedmatch einnehmen. Seit dem 30. November konnten Anwender ihr Investitionsinteresse signalisieren.

Doch statt 60 Tagen dauerte es gerade mal 60 Stunden, bis 144 Privatpersonen die Finanzierungssumme von 100.000 Euro für smarchive aufgebracht hatten. Die Fundingschwelle von 50.000 Euro war gar nach zwölf Stunden erreicht. Laut Seedmatch ist smarchive damit das am schnellsten per Crowdfunding finanzierte Unternehmen in Deutschland bisher.

smarchive screensmarchive, das sich derzeit in der geschlossenen Beta-Phase befindet, entwickelt eine “mitdenkende, webbasierte und ganz einfach zu bedienenende Dokumentenablage für Privatpersonen”. Auf verschiedenen Wegen sollen Nutzer wichtige Dokumente bei dem Onlinedienst ablegen können. Die Besonderheit: smarchives laut eigener Aussage einzigartige Semantik-Software analysiert hochgeladene oder per E-Mail eingesendete Dokumente, verschlagwortet diese und speichert sie automatisch in passenden Kategorien.

“Schluss mit dem Papierkrieg”, so das Versprechen der Münchner. Aufmerksamen Branchenbeobachtern wird die konzeptionelle Ähnlichkeit zu doo nicht entgangen sein. Das sich im Stealth Mode befindliche Bonner Startup arbeitet ebenfalls an einem digitalen Archiv für Dokumente und hat vor einigen Tagen mit einer Fünf-Millionen-Euro-Kapitalspritze auf sich aufmerksam gemacht.

Einen direkten Zusammenhang zwischen der beachtlichen Funding-Runde von doo und dem überaus erfolgreichen Crowdfunding von smarchive sieht smarchive-CEO Steffen Reitz nicht – denn als die Nachricht von doo am vergangenen Wochenende die Runde macht, hatte smarchive seine 100.000 Euro bereits fast zusammen. Die Parallele zwischen smarchive und doo ist auch Reitz nicht entgangen – der entscheidende Unterschied liegt nach seinen Worten darin, dass smarchive die Papierdokumente dank der Semantik-Analyse “versteht”, und doo nicht.

Während sowohl institutionelle Investoren als auch Privatpersonen von der Idee eines sicheren, digitalen Dokumentenarchivs überzeugt zu sein scheinen, frage ich mich allerdings, inwieweit existierende Cloudspeicher- und Online-Office-Angebote wie Dropbox über Google Docs nicht den meisten Konsumenten für die Ablage wichtiger Dokumente genügen. Zumal die Zahl wirklich wichtiger Papiere, die eine besonders sorgfältige Handhabung erfordern, doch relativ begrenzt ist.

Bei den 144 smarchive-Privatinvestoren dürfte die Nachricht von der doo-Finanzspritze jedenfalls für gute Laune gesorgt haben. Auch wenn das Münchner Unternehmen damit auf einen potenten Konkurrenten stößt, wird smarchive einen Teil der nun auf doo gerichteten Aufmerksamkeit für sich nutzen können. Und mit dem Blitz-Crowdfunding hat es nun auch seine eigene pressetaugliche Story.

Link: smarchive

 

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