Neue Deutsche Produktivitätswelle:
Hojoki vereint Aktivitätsstreams von Cloud-Diensten unter einem Dach

Ein die Kollaboration ermöglichender Stream mit Aktivitäten aus sämtlichen von Nutzern verwendeten Cloud-Diensten – das verspricht das Chemnitzer Startup Hojoki, das am Mittwoch auf der LeWeb-Konferenz seine Tore öffnet. Bei uns könnt ihr den Dienst exklusiv schon heute ausprobieren.

Jedes Geschäftsmodell im Internet wird eines Tages auf Streams basieren, so prophezeite es der US-Informatiker David Gelernter am Wochenende im Wall Street Journal. Für Martin Böhringer, Lutz Gerlach, Danilo Härtzer und Thilo Schmalfuß dürfte diese Aussage des renommierten Professors Musik in den Ohren sein. Immerhin geben sie in dieser Woche den Startschuss für Hojoki, einen Onlinedienst, der die Aktivitätsstreams von verschiedenen Cloud-Services unter einem Dach aggregiert und darauf aufbauend eine Kollaboration zwischen mehreren Personen ermöglicht.

“Make all your cloud apps work as one” lautet das Motto des im März 2011 in Chemnitz gegründeten Jungunternehmens, das vor zwei Wochen den Erhalt einer Seed-Finanzierung über knapp 500.000 Euro verkünden konnte. Nach einer Registrierung erlaubt Hojoki es Anwendern, ihr Konto mit ihren Accounts einschlägiger Webdienste und Produktivitätsplattformen zu verknüpfen. Zu Beginn unterstützt werden unter anderem Dropbox, Google Docs, Twitter, Highrise, Beanstalk und Delicious. Aus sämtlichen angeschlossenen Diensten kreiert Hojoki einen Stream mit den dort durchgeführten Aktivitäten.

Dieser Stream erfüllt jedoch nicht nur einen Selbstzweck, sondern stellt die Grundlage für Projekte dar, die sich mit wenigen Klicks bei Hojoki anlegen lassen und zu denen andere Personen eingeladen werden können. Jedes Objekt aus dem Stream kann mittels der Share-Funktion mit allen Mitgliedern der Projektgruppe geteilt werden und besitzt eine Kommentarfunktion. Projekt erhalten ihren eigenen Stream, der sämtliche Konversationen und Dateien anzeigt, die von den Teilnehmern der Projektgruppe hinzugefügt worden sind. Auch können Aktivitäten rund um einzelne Verzeichnisse/Tags bei den angeschlossenen Cloud-Diensten automatisiert in einen Projektstream importiert werden.

Projektmanagement-Tools gibt es wie Sand am Meer. Mein persönlicher Kritikpunkt ist dabei zumeist, dass ihnen handfeste Alleinstellungsmerkmale fehlen und dass sie für einfache Aufgaben zu komplex oder nicht intuitiv genug sind. Hojoki kann ich nichts davon ankreiden. Simpler kann Kollaboration rund um Projekte kaum sein, und durch den ausschließlichen Fokus auf Cloud-Diensten (Daten, die nicht bei einem der angeschlossenen Dienste existieren, können nicht zu Hojoki importiert werden) hebt sich das sächsische Startup deutlich von herkömmlichen Produktivitätstools ab.

Der Begriff “Projekt” sollte dabei abstrakt betrachtet werden und charakterisiert nichts anderes als eine themenspezifische Arbeitsfläche, zu der weitere Personen hinzugezogen werden können. Für “echte”, umfangreiche Großprojekte ist Hojoki aufgrund des bewusst begrenzten Funktionsumfangs nicht geeignet.

Anwendern in ihrer Organisation behilflich sein sollen Tags, die auch automatisiert ausgelesen werden (beispielsweise aus Tweets), Listen zuletzt verwendeter Dateien und zuletzt auf dem eigenen Radar erschienener Personen (z.B. Kollaborateure in Google Docs, die ein dort geteiltes Dokument bearbeitet haben) sowie eine Volltext-Suchefunktion.

Optisch und von der Bedienung her macht Hojoki einen gelungenen Eindruck. Neben dem im Jahr 2011 obligatorischen Holz-Design können Benutzer aus einer Reihe weiterer grafischer Themes für ihre Arbeitsfläche wählen.

Hojoki-Mitgründer Martin Böhringer verspricht für die nächste Zeit jeweils drei neue, mit Hojoki integrierbare Dienste pro Monat. Ganz oben auf der Roadmap stehen Evernote, Zendesk und Lighthouse. Langfristig erhofft sich das mittlerweile achtköpfige Hojoki-Team, für Nutzer zum zentralen Einstiegspunkt in den Arbeitsalltag zu avancieren. Die Monetarisierung soll nach dem Ende der Beta-Phase über kostenpflichtige Premium- und Team-Accounts erfolgen.

Neben Wunderlist/Wunderkit aus Berlin und dem noch nicht gestarteten Startup doo aus Bonn manifestiert Hojoki den sich abzeichnenden Trend der “Neuen Deutschen Produktivitätswelle” – innovative, unkomplizierte und designbewusste Webwerkzeuge, die ein besseres und effizienteres Arbeiten ermöglichen.

Hojoki öffnet am morgigen Mittwoch im Rahmen der LeWeb-Konferenz in Paris die Tore für die öffentliche Beta-Phase. Leserinnen und Leser von netzwertig.com erhalten aber exklusiv bereits heute Zugang – über diesen Link könnt ihr euch registrieren.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Exklusiv: Dropbox kauft deutsch-amerikanisches Foto-Startup Loom

17.4.2014, 7 KommentareExklusiv:
Dropbox kauft deutsch-amerikanisches Foto-Startup Loom

Das von drei Deutschen in San Francisco gegründete Startup Loom veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Art Dropbox für Fotos. Jetzt hat Dropbox ihr Unternehmen gekauft - um darauf aufbauend die in der vergangenen Woche vorgestellte App Carousel weiterzuentwickeln.

Multi-App-Strategie und neue Tätigkeitsfelder: Dropbox erfindet sich neu, um nicht überflüssig zu werden

9.4.2014, 7 KommentareMulti-App-Strategie und neue Tätigkeitsfelder:
Dropbox erfindet sich neu, um nicht überflüssig zu werden

Unter dem Motto "A home for life" will Dropbox künftig verschiedene Dienste und Apps anbieten, die alle das digitale Leben und Arbeiten in der Cloud verbessern und vereinfachen. Mit diesem Schritt versucht das Unternehmen, sich rechtzeitig von der dateizentrischen Positionierung zu verabschieden.

Linkwertig: Datenspeicherung, Cloud, Amazon, Lieferando

26.3.2014, 0 KommentareLinkwertig:
Datenspeicherung, Cloud, Amazon, Lieferando

Takeaway übernimmt Lieferando und mehr.

Hojoki-Ableger: CatchApp liefert Überblick über Cloudaktivitäten von Teams

11.11.2013, 3 KommentareHojoki-Ableger:
CatchApp liefert Überblick über Cloudaktivitäten von Teams

Einige Nutzer des Cloudaggregators und Kollaborationsdienstes Hojoki haben den Service anders verwendet, als von den Gründern ursprünglich geplant. Sie reagieren mit dem Launch eines Spin-offs namens CatchApp.

Hojoki im Praxistest: Gut, aber es geht noch besser

19.12.2012, 10 KommentareHojoki im Praxistest:
Gut, aber es geht noch besser

Jüngst präsentierte das Chemnitzer Startup Hojoki eine von Grundauf überarbeitete Fassung seines noch jungen Kollaborationsdienstes und Cloudaggregators. Für ein internes Projekt testeten wir den Service in den vergangenen Wochen.

Siebenstellige Kapitalspritze und neue Benutzeroberfläche: Hojoki verspricht hohe Produktivität  in der Cloud

29.11.2012, 2 KommentareSiebenstellige Kapitalspritze und neue Benutzeroberfläche:
Hojoki verspricht hohe Produktivität in der Cloud

Eine Finanzierung in siebenstelliger Höhe und eine komplett überarbeitete Benutzeroberfläche sollen dem Chemnitzer Startup Hojoki dabei helfen, sich zu einer Art HootSuite für Produktivität in der Cloud zu entwickeln.

Hojoki-Ableger: CatchApp liefert Überblick über Cloudaktivitäten von Teams

11.11.2013, 3 KommentareHojoki-Ableger:
CatchApp liefert Überblick über Cloudaktivitäten von Teams

Einige Nutzer des Cloudaggregators und Kollaborationsdienstes Hojoki haben den Service anders verwendet, als von den Gründern ursprünglich geplant. Sie reagieren mit dem Launch eines Spin-offs namens CatchApp.

18.6.2013, 19 KommentareGutes Timing:
Stackfield präsentiert eine verschlüsselte Kollaborationsplattform

Das Münchner Startup Stackfield hat eine Kollaborationsplattform für Geschäftskunden und Privatanwender entwickelt, bei der Daten clientseitig verschlüsselt werden. Weder die Macher noch Dritte sind in der Lage, auf Informationen und Konversationen zuzugreifen.

Hojoki im Praxistest: Gut, aber es geht noch besser

19.12.2012, 10 KommentareHojoki im Praxistest:
Gut, aber es geht noch besser

Jüngst präsentierte das Chemnitzer Startup Hojoki eine von Grundauf überarbeitete Fassung seines noch jungen Kollaborationsdienstes und Cloudaggregators. Für ein internes Projekt testeten wir den Service in den vergangenen Wochen.

Siebenstellige Kapitalspritze und neue Benutzeroberfläche: Hojoki verspricht hohe Produktivität  in der Cloud

29.11.2012, 2 KommentareSiebenstellige Kapitalspritze und neue Benutzeroberfläche:
Hojoki verspricht hohe Produktivität in der Cloud

Eine Finanzierung in siebenstelliger Höhe und eine komplett überarbeitete Benutzeroberfläche sollen dem Chemnitzer Startup Hojoki dabei helfen, sich zu einer Art HootSuite für Produktivität in der Cloud zu entwickeln.

Papierloses Büro: Startups wollen Dokumente  sexy machen

10.5.2012, 11 KommentarePapierloses Büro:
Startups wollen Dokumente sexy machen

Eine Reihe von Startups aus dem deutschsprachigen Raum will mit digitalen Dokumentenplattformen das Papier aus dem Büro und Alltag verdrängen. Die Idee überzeugt besonders beim Blick auf das langfristige Potenzial.

Ein Stream für alle Cloud-Apps: Hojoki hat 20.000 Nutzer und veröffentlicht mobile Version

24.4.2012, 1 KommentareEin Stream für alle Cloud-Apps:
Hojoki hat 20.000 Nutzer und veröffentlicht mobile Version

Das Chemnitzer Startup Hojoki hat sich zum Ziel gesetzt, alle von Anwendern für die digitale Arbeit eingesetzten Clouddienste unter einem Dach zu aggregieren. In fünf Monaten haben sich 20.000 Nutzer registriert. Ab Freitag steht ihnen auch eine mobile Version zur Verfügung.

Aufgabenmanager: Wunderlist wird schneller, schöner - und bleibt sonst fast wie es ist

10.7.2014, 1 KommentareAufgabenmanager:
Wunderlist wird schneller, schöner - und bleibt sonst fast wie es ist

Das Berliner Produktivitäts-Startup 6Wunderkinder wird in wenigen Wochen die neue Version seines von sechs Millionen Menschen genutzten Aufgabenmanagers Wunderlist veröffentlichen. Gut so, denn die bisherige App wirkt nicht mehr ganz frisch.

Social Bookmarking: Produktiver durch Langzeit-Investment

20.6.2014, 2 KommentareSocial Bookmarking:
Produktiver durch Langzeit-Investment

Strategien zur Produktivitätssteigerung können manchmal erst mit Verzögerung ihre volle Wirkung entfalten. Ein Beispiel hierfür ist Social Bookmarking. Ein Erfahrungsbericht nach über 21.000 gespeicherten Links.

Tools: Wo bleiben die revolutionären Produktivitätstools?

16.6.2014, 3 KommentareTools:
Wo bleiben die revolutionären Produktivitätstools?

Es erscheinen zwar laufend neue Produktivitätstools. Diese sind aber kaum besser als die existierenden Tools oder lösen oft nur oberflächliche Probleme. Dabei zeigen Kommentare unserer Leser, dass eine Nachfrage nach wirklich innovativen Tools besteht – etwa, wenn es um Sicherheitsbedürfnisse geht.

Joinbox: Einheitliche Inbox für modernen Informationskonsum

23.2.2012, 21 KommentareJoinbox:
Einheitliche Inbox für modernen Informationskonsum

Als "persönlichen Briefkasten des digitalen Zeitalters" bezeichnen die Macher des Schweizer Startups Joinbox ihren gestern lancierten Dienst. Über eine kompakte Browseroberfläche können Nutzer ihre Social-Streams, E-Mails und RSS-Feeds abrufen.

Neue Funktion \

15.12.2011, 11 KommentareNeue Funktion "The Crowd":
Aupeo lädt zum kollektiven Musikkonsum

Der Berliner Musikdienst Aupeo erweitert sein Angebot personalisierter Radiostreams um eine "soziale" Ebene. Nutzer können den Stationen rund um Interpreten und Genres nun gemeinsam lauschen, sich über Titel austauschen und für oder gegen sie stimmen.

8 Kommentare

  1. Hi Martin, Danke für den Artikel! Wir freuen uns, dass dir Hojoki gefällt :)

  2. Das ist ja mal ziemlich super! Nun bitte noch Rememberthemilk fürs Taskmanagement unterstützen – wenn möglich.

    Etwas ratlos bin ich nur angesichts der Tatsache, die Leute auf noch einen Feed starren lassen zu müssen…

    • Hallo Wolf,

      für neue Integrationen kann man hier voten (oder Vorschläge machen): http://support.hojoki.com…886-feature-requests

      Wir bemühen uns natürlich, dass Hojoki die anderen Streams ablösen sollte und diese dann auch nicht mehr vermisst werden… :-)

    • schön wärs :-). Aber könnte man die Updates nicht auch über eine App in F… Fa… (jetzt trau ich mich) Facebook reinlaufen lassen? Oder über Chat-/Messager-Dinger? Oder E-Mail-Updates? Oder zumindest einen RSS-Feed, damit man sowas ggf. selbst bauen kann, z.B. mit ifttt? RSS ist eigentlich Pflicht, oder übersehe ich das nur?

      Glaube, das könnte ich in den Nutzungsszenarien, die mir vorschweben, und in denen nunmal eher Otto-Normal-User eine Rolle spielen, eher durchsetzen…

    • Vielen Dank fürs Feedback.

      Ich trau mich mal zu antworten:
      Hojoki versucht natürlich einen besseren Ansatz als ifttt/RSS-Feed oder E-Mail-Updates hinzubekommen. Wir versuchen genau diese Szenarien abzudecken, nur mit einer passenden Usability/Funktionalität + noch ein paar nette Gimmicks (z.B. die Suche und Filterung). Ob wir das schaffen ist eine andere Frage, aber das ist unser Ziel (auch wir haben schon mit ifft/RSS und so rumgespielt und waren damit nicht zufrieden, daraus ist auch Hojoki entstanden). Auch wollen wir um das ganze eine Kollaborationsmöglichkeit schaffen (mit passender Usability).

      Facebook Apps wäre auch noch eine Idee, aber Businessdaten / Kollaboration innerhalb von Facebook (das sollte jeder für sich entscheiden)? (Natürlich ist das eine Boomerang-Frage: Will ich meine persönliche Daten / Businessdaten innerhalb von Hojoki haben ;-) )

      Dem “Otto-Normal-User” stehen hier natürlich schon einige Tools zu Verfügung, Hojoki verfolgt die Zielgruppe von kleinen, produktiven Teams (Webworkers).

  3. Ist ein API geplant um eigene Webservices miteinzubinden?
    Plant ihr gar nicht auch Email miteinzubinden?

  4. Mindmeister wäre noch eine coole Ergänzung. Könnte man die einbinden, gibt es eine Mindmeister-API?

3 Pingbacks

  1. [...] Neue Deutsche Produktivitätswelle: Hojoki vereint Aktivitätsstreams… [...]

  2. [...] ist Hojoki. Der Dienst aus Chemnitz war kurz vor Weihnachten im Rahmen der Le Web-Konferenz mit seiner Kollaborationsplattform online gegangen, die es Mitgliedern eines Teams erlaubt, Aktivitäten aus zahlreichen Clouddiensten zu importieren [...]

  3. [...] Hojoki dabei helfen, sich zu einer Art HootSuite für Produktivität in der Cloud zu entwickeln.Vor knapp einem Jahr öffnete das Chemnitzer Startup Hojoki die Tore zu seinem Aggregator und Kollaborationsdienst für [...]

vgwort