“Privacy made in Germany”:
secure.me will Datenschutz-Monitoring zum Exportschlager machen

Mit secure.me startet myON-ID Media aus München heute einen Monitoring-Dienst für Facebook, der mit dem Label “Privacy made in Germany” international das Vertrauen von um ihre Privatsphäre besorgten Nutzern gewinnen will.

Wenn es nach einigen deutschen Politikern geht, dann ist “Datenschutz made in Germany” der nächste große Exportschlager. Die zahlreichen Regulierungsversuche und Einschränkungen, die hierzulande in den vergangenen Jahren diskutiert und in Angriff genommen worden sind – vom digitalen Radiergummi über die Verpixelung bei Street View bis hin zum Fall Schleswig Holstein – haben den hohen und teils auch übertriebenen Stellenwert des prinzipienhaften Datenschutzes in der EU und speziell in der Bundesrepublik auf internationaler Bühne ins Rampenlicht gerückt.

Die Münchner myON-ID Media GmbH möchte mit einem neuen Dienst zur besseren Überwachung der persönlichen Privatsphäre bei Facebook die Gelegenheit nutzen und mit dem Versprechen “Privacy made in Germany” eine weltweite Nutzerschaft ansprechen.

secure.me nennt sich der soeben im Beta-Stadium angelaufene kostenfreie Onlineservice, der sich an Eltern, Privatpersonen und Unternehmen richtet, die sich nicht darauf verlassen, dass sie bei Facebook alle ihre Privatsphäre betreffenden Aktivitäten und Ereignisse mitbekommen.

Nach einer einmaligen Verknüpfung mit dem eigenen Facebook-Konto oder dem der Tochter oder des Sohnes liefert secure.me einen kompakten Überblick über sämtliche Aktivitäten, die sich im Kontext des eigenen Profils abspielen. Auf Basis einer semantischen Spracherkennung identifiziert der Service kritische Themen und Beiträge im überwachten Profil sowie im Kontakt-Netzwerk, zeigt aktuelle Likes, neue Kontakte, Events und Check-Ins und bietet eine Fotoüberwachung, die auf Wunsch eine biometrische Gesichtserkennung verwendet, um von Kontakten hochgeladene, einen selbst beziehungsweise die eigenen Kinder abbildende Fotos zu identifizieren, auch wenn diese nicht getaggt wurden.

Zudem will secure.me mit individuellen Empfehlungen zur Optimierung der Privatsphäre-Einstellungen behilflich sein und warnt, wenn “unsichere Links” auf dem Profil oder Freunde-Netzwerk erscheinen, die Viren oder andere Schadprogramme enthalten können.

Aufgrund zu geringer Facebook-Aktivität gibt meine gestern spaßenshalber eingeschaltete secure.me-Überwachung bisher nicht viel her, zumal ich wohl ohnehin nicht zur Kernzielgruppe von secure.me gehöre. Ein besonderes Augenmerk liegt tatsächlich auf Eltern, die gerne im Blick behalten möchte, was ihre Kinder bei Facebook so machen, ohne dafür selbst ein Konto bei dem sozialen Netzwerk zu benötigen. Lediglich einmal müssen sie ihren Nachwuchs zum Facebook-Login via secure.me bewegen, um anschließend Zugang zu den Aktivitäten zu erhalten.

Ich vermute, dass es bei Eltern unterschiedliche Ansichten darüber gibt, inwieweit ein derartiges “Ausspionieren” der eigenen Kinder im Netz vertretbar ist. Vielleicht aber eröffnet der Dienst ja die Chance zu einem Kompromiss zwischen Minderjährigen (offiziell ab 13 Jahren, darunter ist eine Mitgliedschaft eigentlich nicht zugelassen) und ihren Eltern nach dem Motto “Wir akzeptieren deine stundenlangen Aufenthalte bei Facebook, wenn wir ein Auge darauf werfen dürfen, was du machst”.

Für myON-ID ist secure.me eine Weiterentwicklung des Konzeptes, das sie bisher im deutschsprachigen Raum unter der Marke “Ruflose” angeboten haben. 50.000 Nutzer verwenden den kostenpflichtigen Dienst, um die Privatsphäre von sich und die der Kinder im Netz zu schützen. Mit secure.me, das ab Januar weitere, über Facebook hinausreichende Schutzfunktionen sowie eine Bezahl-Version erhalten soll, macht sich das auf Reputationsmanagement und Personal Branding spezialisierte Unternehmen aus Süddeutschland nun auf in die Welt und auch über den großen Teich:

Für den Launch von secure.me eröffnete myON-ID, das laut eigenen Angaben schwarze Zahlen schreibt, kürzlich ein Büro in San Francisco. CTO und Mitgründer Christian Sigl wird von dort aus die Expansion vorantreiben, während Geschäftsführer Mario Grobholz weiterhin von München aus die Strippen zieht.

Nach der für Anfang 2012 geplanten Erweiterung des Funktionsspektrums über Facebook hinaus wird secure.me als Freemium-Produkt betrieben. Bestehende Ruflotse-Nutzer sollen dann einen secure.me-Premium-Zugang erhalten.

Wer secure.me ausprobieren möchte, kann sich für einen Zugang zur geschlossenen Beta registrieren. Geschäftsführer Mario Grobholz erklärte, dass in den nächsten Tagen sukzessive die Tore geöffnet werden.

Warten wir ab, ob es secure.me gelingt, Verbraucherschutzministerin und Datenschutz-Verfechterin Ilse Aigner als Testimonial zu gewinnen.

Link: secure.me

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9 Kommentare

  1. kati
    schrieb am 30. November 2011 um 15:47 Uhr (#)

    Bei so einer dem Spionieren gewidmeten Software frage ich mich allerdings inwieweit das mit dem Datenschutz zu vereinbaren ist!? ;-)

    Ich persönlich frage mich ob es tatsächlich erstrebenswert ist mit “Privacy made in Germany” zu werben!?

    1. Mario
      schrieb am 30. November 2011 um 22:49 Uhr (#)

      Hallo Kati,

      ich würde die Überwachung meines eigenen Profils bei Facebook nicht “Spionage” nennen. Genau das leistet secure.me. Eltern haben hier ein Sorgfaltspflicht gegenüber Ihren eigenen minderjährigen Kinder. Diese werden Eltern zunehmend wahrnehmen (müssen). Bislang fehlen Eltern hierzu jedoch Tools die das einfach möglich machen.

      Der Kenntnis und die Kontrolle über das was über mich selbst oder meine Kinder im Internet oder bei Facebook steht ist bzw. wird vielmehr zu einer Selbstverständlichkeit werden die in den nächsten Jahren alle, also auch Nutzer die nicht wie wir 18 Stunden am Tag Online sind für sich – in irgendeiner Art und Weise – erschließen werden.

      Von Spionage kann hier also nicht die Rede sein.

      Ich gebe Dir Recht, dass eine Vermarktung mit dem Slogan “Privacy made in Germany” nicht unbedingt einen Vorteil bringt. Wir wollten damit eher international deutlich machen, dass Innovationen im Internet auch aus Deutschland kommen können. Martin hat er anscheinend recht gut gefallen, sonst hätte er ihn hier nicht aufgegriffen ;-)

  2. BusinessLifeHack
    schrieb am 30. November 2011 um 18:38 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    es ist sicherlich ein nützlicher Service, aber ich verstehe nicht ganz, welche Rolle es spielt, aus welchem Land meine Social-Media/Facebook/Internet-Aktivitäten überwacht werden

    Die Hauptsache ist doch, dass der Dienstleister “Top Ergebnisse” liefert?! … Nicht mehr und nicht weniger.

    Die Expansion wird aus meiner Sicht kein Spaziergang … allein in Kalifornien gibt es zig Online-Detektive, die ähnliche Services wie Secure.me anbieten … einer der bekannteren Dienstleister ist Social Intelligence.

    Wünsche den Jungs von Secure.me dennoch viel Erfolg!

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 30. November 2011 um 20:45 Uhr (#)

      Mal unabhängig von der Qualität, die ich so spontan nicht beurteilen kann: Das Vertrauen, dass Nutzer einem derartigen Dienst entgegen bringen, kann durchaus eine Rolle bei der Wahl des Anbieters spielen. Und da könnte ich mir vorstellen, dass sich das Label “Privacy made in Germany” positiv auswirkt. Zumindest ist es das, worauf secure.me augenscheinlich hofft.

    2. Mario
      schrieb am 30. November 2011 um 23:04 Uhr (#)

      Vielen Dank fürs Daumen drücken! Glück werden wir sicher auch brauchen.

      Ganz sicher aber – und da hast Du absolut Recht – werden wir an guten Suchergebnissen, aber auch an nützlichen Funtkionen und in Summe auch an einer guten Useability gemessen werden. Hierfür ist der US Markt der beste Gradmesser. Das bestätigt sich auch nach den ersten Wochen vor Ort.

      Das Wettbewerbsumfeld ist nicht ganz so dramatisch, wie Du es beschreibst. Wir messen uns international mit einer Handvoll Unternehmen. Social Intelligence ist gänzlich anders positioniert als wir und gehört nicht dazu.

      Wir fokussieren auf die Kontrolle persönlicher Daten in sozialen Netzwerken vor allem für die Zielgruppe der Eltern. Diese stehen in den nächsten Jahren vor einer enormen Herausforderung wenn es darum geht ihre Kinder sicher auf dem Weg ins Internet zu begleiten und Sorge dafür zu tragen sie und auch die Familie vor grösseren Schäden zu bewahren.

  3. Fred Gunther
    schrieb am 1. Dezember 2011 um 23:01 Uhr (#)

    Na dann mal viel Erfolg! Der US Markt wird schon seit geraumer Zeit von Reputation.com, Reputationobserver, Radian6, Sysomos, Reputationkings und vielen anderen Dienstleistern bedient.

  4. Mario
    schrieb am 1. Dezember 2011 um 23:17 Uhr (#)

    Hi Fred, vielen Dank!

    Du nennst Dienstleister aus den USA, also primär auf manuelle Leistungen ausgelegte Angebote. Skalierung fällt da schwer oder was meinst Du warum Reputation.com, trotz enormer VC-Mittel nicht außerhalb der USA aktiv ist? Die haben nicht mal eine deutsche Webseite. Der US Markt nimmt unseren Service bislang extrem gut an.

    Dennoch brauchen wir auch Glück. Daher bitte weiter Daumen drücken.

  5. Bla
    schrieb am 1. März 2012 um 13:46 Uhr (#)

    Hallo Mario,

    du hast geschrieben: “ich würde die Überwachung meines eigenen Profils bei Facebook nicht “Spionage” nennen.” – Wenn ein Vater sein Kind schlägt, wird der Vater es ganz sicher auch nicht “Gewalt” nennen. ;) Das nur so mal nebenbei.
    Die Software wirbt mit der Kontrolle über die eigenen Daten. Kontrolliert aber allem Anschein nach auch die Daten Dritter und verletzt damit wiederum das Recht der informationellen Selbstbestimmung unbestimmter Dritter. Dasselbe gilt für Eltern, die ihren Kindern lieber eine angemessene pädagogische Medienkompetenz vermitteln sollten, als ihre Kinder auszuspionieren.

    Argumente des Datenschutzes als Vorwand für tatsächliche Überwachung zu missbrauchen machen mich regelrecht wütend. Man sollte euch für die Big Brother Awards nominieren.

    1. Mario
      schrieb am 1. März 2012 um 16:21 Uhr (#)

      Dein Vergleich und deine Schlussfolgerung hinkt massiv!

      Lass mich dir das nochmals erklären: secure.me kann nicht die Daten „unbestimmter Dritter” kontrollieren.

      Um die Kinder bei Facebook mit secure.me zu schützen, benötigen Eltern die Zustimmung der Kinder in Form der Facebook-Zugangsdaten, die die Kinder eingeben müssen. Im Zuge dessen wird es natürlich Gespräche in der Familie geben müssen. Denn Eltern haben ihren Kindern gegenüber eine Sorgfaltspflicht. Dazu gehört heute verstärkt der Schutz in sozialen Netzwerken – dort also, wo sich mittlerweile ein guter Teil des Lebens der Kinder abspielt.

      Wie du richtig feststellst, ist dabei die Vermittlung von Medienkompetenz essenziell. Um dies zu tun, ist es auch wichtig, über die Gewohnheiten und Aktivitäten der Kinder bei Facebook Bescheid zu wissen. Mit secure.me erlangen Eltern Kenntnis über Facebook und die Aktivitäten der Kinder, ganz gleich ob sie selbst Facebook-Mitglied sind oder nicht.

      So wird es ihnen möglich, ihre Kinder dort zu schützen und ihnen zu helfen, die notwendige Medienkompetenz zu erlangen. Wir haben diesbezüglich schon von vielen Müttern und Vätern dankbares Feedback erhalten :-)

      BTW: solltest du ernsthaft Interesse an dem Thema haben, ruf mich einfach an oder melde dich. Gerne können wir das 1:1 besprechen.

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