150 Millionen Nutzer:
Shazam auf dem Weg
zum mobilen Social Music Network

Schon einige Monate ist es her, dass Shazam seine Apps für iPhone und Android mit einem Aktivitätenstream der Freunde ausgestattet hat. Der Schritt hin zu einem mobilen Social Network für Musikfreunde liegt nahe.

Mehrmals pro Monat nutze ich auf meinem iPhone Shazam, um Songs zu identifizieren, die in meiner unmittelbaren Umgebung gespielt werden. Die App des bereits 1999 in London gegründeten Unternehmens gehört zu den zehn mobilen Anwendungen, die ich wirklich nicht mehr missen möchte, und leistet nach meiner Beurteilung in den meisten Fällen bessere Arbeit als der US-Konkurrent Soundhound (wobei es hierzu sicher unterschiedliche Ansichten gibt).

Als ich gestern einmal wieder Shazam in Aktion hatte, nahm ich einen Menüpunkt wahr, der mir bisher nicht aufgefallen war: “Friends”. Was genau mich auf diese Funktion aufmerksam machte, weiß ich nicht mehr genau, aber ich glaube, er war farblich und durch einen Text hervorgehoben, so wie in dem im App Store abgebildeten Screenshot.

Meine Recherchen ergaben, dass Shazams iPhone-Applikation das Freunde-Feature bereits seit März dieses Jahres beinhaltet – allerdings befand sich der Menüpunkt anfänglich nicht in der Mitte der Navigationsleiste, weshalb ich ihn bisher stets übersehen haben muss. Shazams Android-App erhielt die neue Funktion im Mai.

Bei dem Friends-Feature handelt es sich um einen Service, den ich mir von Shazam schon lange gewünscht habe: ein Echtzeitstream der von anderen Nutzern “getaggten” (= identifizierten) Musikstücke. Von den meisten im Stream gelisteten Songs kann man sich eine 30-sekündige Vorschau anhören oder die vollständige Version als MP3 kaufen, dazu passende YouTube-Clips anschauen oder Tour-Infos beziehen (die kostenpflichtige Version “Shazam Encore” erlaubt auch das Abspielen von Songs über Spotify).

Die Kontakte dazu liefert Facebook. Wer Shazam Friends nutzen möchte, muss dazu die App mit dem Social Network verknüpfen. Anschließend tauchen im Friends Feed von Shazam sämtliche Tags der Facebook-Freunde auf, welche die App ebenfalls mit ihrem Facebook-Profil verbunden haben.

Derzeit trifft dies lediglich auf drei meiner Facebook-Kontakte zu. Da ich mir sicher bin, dass deutlich mehr Personen aus meinem Facebook-Bekanntenkreis Shazam verwenden, legt dies die Vermutung nahe, dass auch andere die Friends-Funktion bisher nicht wahrgenommen haben.

Shazam hat 150 Millionen registrierte Mitglieder und ist damit ein echtes Schwergewicht im Mobile-Web-Markt. Durch die Integration eines Streams der Aktivitäten von Freunden geht der britische Dienst den konsequenten Schritt von einem nützlichen Werkzeug hin zu einem mobilen Social Network rund um Musik, bei dem sich Anwender im besten Fall häufiger aufhalten als nur in den Situationen, in denen sie auf der Suche nach Interpret und Name eines Titels sind.

Mit den sozialen Funktionen wird Shazam dem mobilen Social-Music-Network SoundTracking sehr ähnlich, das wir im April vorgestellt haben. Über den bisher nur für das iPhone verfügbaren Service veröffentlichen Nutzer Songs, die sie im Moment bewegen, und können diese Information auch mit einem Foto und einer Ortsangabe verknüpfen. Das Resultat ist wie bei Shazam ein Stream mit 30-Sekunden-Versionen der von Kontakten eingestellten Musikstücke.

Auch SoundTracking beinhaltet eine Funktion zur Identifizierung von über das Smartphone-Mikrofon aufgenommenen Songs, erkennt aber nach meinen Beobachtungen deutlich weniger Titel als Shazam. Obwohl ich hin und wieder ein musikalisches Status Update bei SoundTracking publiziere, fehlt mir bei der App bisher ein Mehrwert; ein Anlass, diese überhaupt zu öffnen. Bei Shazam ist dieser aufgrund der zuverlässigen Song-ID-Komponente direkt eingebaut, und wer mit Hilfe des Dienstes ein Lied identifiziert, veröffentlicht diese Information ohne Mehraufwand direkt im Stream.

Mit Fehltritten wie der Begrenzung auf nur fünf kostenfreie Tags pro Monat in der iPhone-App machte sich das nicht profitable britische Unternehmen in der Vergangenheit zwar nicht nur Freunde, mittlerweile wurde diese wachstumshemmende Einschränkung jedoch wieder aufgehoben.

Sofern es künftig derartige Ausrutscher vermeidet, die richtigen Hebel in Gang setzt, für die sozialen Elemente trommelt und neben Facebook weitere Authentifizierungsmöglichkeiten anbietet, könnte sich Shazam – das auch für andere mobile Plattformen angeboten wird, aber bisher ohne Friends-Feature – zu dem führenden mobilen Social Music Network entwickeln. Solange Shazams Song-ID-Technologie zuverlässig arbeitet, steht dieses Fenster weit offen. An Kapital sollte es vorläufig nicht mangeln.

Link: Shazam

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5 Kommentare

  1. Leander Wattig
    schrieb am 23. November 2011 um 07:02 Uhr (#)

    Als ich angefangen habe zu lesen, dachte ich erst, es wäre jetzt ähnlich wie bei der Songerkennung die Stimmerkennung von echten Personen möglich als neues Feature. Das wäre doch auch nicht schlecht …

  2. Leander Wattig
    schrieb am 23. November 2011 um 07:04 Uhr (#)

    Mir fällt bspw. oft der Name des Gegenübers im Gespräch nicht ein. So könnte man dezent die App starten und sich anzeigen lassen, wer das ist. Wäre vielleicht sozial verträglicher als zwecks Bilderkennung erstmal ein Foto der Person zu fertigen. :)

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. November 2011 um 07:21 Uhr (#)

    Hehe auch die Erkennung von Tiergeräuschen fände ich nützlich. Und die von Sprachen.

    Shazam hat tatsächlich noch zahlreiche Expansionsmöglichkeiten.

  4. Leander Wattig
    schrieb am 23. November 2011 um 07:26 Uhr (#)

    Tiergeräuscherkennung gibt’s sogar schon. Verlage wie Kosmos haben große Datenbanken zu Vogelstimmen u.ä. Da geht es um die Sichtung und Einordnung. Derzeit entstehen in dem Bereich auch ziemlich fortschrittliche und wissenschaftlich anspruchsvolle Apps – Bsp.: http://www.ikosmos.org/
    (Offenlegung: Ich war hier z.T. involviert.)

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 23. November 2011 um 07:30 Uhr (#)

      Interessant, danke!

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