Nächster großer Trend:
Die Grenze zwischen online
und offline verschwindet

Immer mehr Services, Geräte und Produkte positionieren sich an der Schnittstelle zwischen online und offline. Die Verzahnung der digitalen Welt mit unseren täglichen Abläufen ist ein großer Trend der nächsten Jahre, so das Echo der Speaker auf der gestrigen GigaOm-Roadmap-Konferenz in San Francisco.

Intelligentes Thermostat "Nest"
Intelligentes Thermostat "Nest"
“Online gehen, gemeinsam online zusammenkommen, gemeinsam offline zusammenkommen” (“Getting online, Getting together online, Getting together offline”) – mit diesem Dreisatz fasste Brain Chesky, der Gründer des beliebten Unterkunftsvermittlers Airbnb, gestern auf der GigaOm-Roadmap-Konfernz in San Francisco die wichtigsten Internettrends der letzten Zeit und kommenden Jahre kompakt zusammen.

Während in der vergangenen Dekade der Zugang zum Internet sukzessive omnipräsent wurde und Social Networks die Online-Vernetzung beförderten, markiert der Übergang von diesen Onlinediensten zurück ins tägliche Leben den beherrschende Trend der nächsten Jahre. Das Faszinierende an der Entwicklung ist, dass sie im Gegensatz zum Übergang von physikalischen zu digitalen Mediengütern den Markt nicht schrumpfen sondern wachsen lässt.

Neue Nutzungsszenarien, die bisher außer Acht gelassen wurden

Chesky begründete dies mit einem neuen Publikum und neuen Gewohnheiten, die sich aus der Verbindung von online und offline ergeben. So gäbe es neue Nutzungsszenarien, die von traditionellen Anbietern nicht bedient werden, wie das Ausprobieren einer Wohngegend mittels Airbnb vor einem möglichen Umzug.

Während Hotels im Schnitt für kurze Trips bis zu drei Tagen gebucht werden, bleibt der typische Airbnb-Kunde eine Woche. Deshalb glaubt Chesky nicht daran, dass Airbnb einen negativen Einfluss auf die Tourismusbranche haben wird. Vielmehr könnten Nutzer durch Airbnbs Integration mit Facebook unter Verwendung ihres vertrauten Netzwerks vereisen und selbst bestimmen, wie weit sie sich von diesem Netzwerk entfernen wollen (z.B. Freundesfreunde). Darin sieht Chesky auch den großen Wert von “getting together online”: Es dient als Impulsgeber für die nächste Welle “Getting together offline”, besitzt eine Vermittlerrolle und sorgt für Sicherheit.

Der Mensch wird Teil der Software und Benutzeroberfläche

Der “Getting together offline”-Trend wird nicht nur von Vermittlern wie Airbnb oder anderen Anbietern der netzgestützten Peer-to-Peer-Ökonomie (wie Carsharing-Diensten) forciert. Laut Mark Rolston, dem Chief Creative Officer der Designerschmiede Frog, führt die heraufziehenden Post-PC-Ära dazu, dass wir anders mit Computern umgeben. Wir assoziieren “Computing” nicht mehr automatisch mit einem Computer an einem spezifischen Platz. Stattdessen werden Menschen Teil des Interfaces und der Software – die Grenze verschwimmt oder verschwindet gänzlich. Die Herausforderung dabei ist es, neue Interfaces und Interaktionen mit Computern zu designen, die nicht mehr an Orte und Geräte gebunden sind. Apples Siri und Microsofts Kinect – bei denen über Sprache beziehungsweise Gesten interagiert wird – sind erste Schritte in diese Richtung.

Der Computer rückt in den Hintergrund

Jack Dorseys Bezahlservice Square wiederum hat sich auf die Fahne geschrieben, Offline-Transaktionen effizienter zu gestalten, ohne dabei den Computer in den Vordergrund zu rücken. Viel mehr räumt das Startup des einstigen Twitter-Mitgründers Dorsey das Interface und die Technologie aus dem Weg und fokussiert sich darauf, Nutzern ein optimales Einkaufserlebnis zu ermöglichen. Dorsey führte dazu an, dass er dank Square jeden Tag in seinem Lieblingscafé einen Kaffee trinken und sich mit dem Verkäufer unterhalten kann, ohne seinen Geldbeutel oder sein Handy zücken zu müssen.

Der Verkäufer wiederum weiß genau, wer ihm gegenüber steht, was für ein Getränk er wünscht und er kann ihn mit Namen ansprechen. Schlangen und Wartezeiten werden minimiert und über eine bequeme Push-Benachrichtung kann Dorsey nach dem Kaffeegenuss auch noch das adäquate Trinkgeld übermitteln. Square reduziert mit seinem Service die notwendigen Interaktionen und verarbeitet die Transaktionen im Hintergrund.

Thermostat mit Cloud-Anbindung

Vollkommen im Hintergrund arbeitet auch Nest, ein intelligentes Thermostat, das die Temperatur im Haus regelt und aus den Präferenzen der Bewohner lernt. Tony Fadell, der neun Jahre bei Apple arbeitete, wendet sein Know-how aus der iPod- und iPhone-Entwicklung nun auf den Home-Automation-Bereich an und revolutioniert mit Nest gerade die Branche.

Innerhalb von 72 Stunden wurden vier Monate Produktion verkauft und all das, weil Nest Design, eine intelligente Benutzeroberfläche und Cloud-Logik vereint. Des Gerät enthält dabei mehr Sensoren und Prozessorleistung als ein gängiges Smartphone. Es erfüllt zudem die Computing Vision von Frog-Kreativchef Mark Rolston, indem es nicht mehr explizit programmiert werden muss, sondern mittels Sensoren und durch die natürliche Interaktion der Bewohner – wie das Einstellen einer angenehmen Temperatur – lernt.

Dass hinter dem Thermostat ein extrem komplexer Computer und Cloudservice steckt, der die Raumtemperatur intelligent reguliert, bemerkt der Nutzer im Idealfall erst bei der nächsten – hoffentlich deutlich reduzierten – Heizkostenabrechnung.

Folgt man den Einschätzungen von Brain Chesky, Jack Dorsey, Tony Fadell und Mark Rolston, werden wir in Kürze viele neue Services, Geräte und Produkte sehen, die sich genau an dieser Schnittstelle von online und offline positionieren und versuchen, Software, Services und Hardware aus dem Internetumfeld auf alltägliche Probleme anzuwenden, um so die Online-Welt stärker mit unseren täglichen Abläufen zu verzahnen.

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2 Kommentare

  1. Michael
    schrieb am 15. November 2011 um 10:49 Uhr (#)

    Computer und Internet nehmen wohl zunehmend die Rolle eines universellen Werkzeugs der Lebensorganisation ein – also der Organisation und Planung sämtlicher Bereiche des Lebens: universelle Information, Aufgabenplanung, Multimedien, Bildung, Wissen, Unterhaltung, Kommunikation, persönliche Interessen usw.

  2. homepageerfolg
    schrieb am 16. November 2011 um 17:07 Uhr (#)

    Ja es wird immer mehr und mehr. Ohne Computer und Internet geht anscheinen gar nichts mehr, Online oder offline – die Frage stellt sich nicht, Geld verdienen ist auch online möglich………..

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