Neuer Aktivitätenstream:
Twitter schafft Transparenz

Twitter rüstet den Mitgliederbereich dieser Tage mit einem Aktivitätenstream aus, der all das in chronologischer Reihenfolge auflistet, was die gefolgten Nutzer bei dem Microbloggingdienst so tun.

Twitter ist momentan dabei, seine Weboberfläche auf eine signifikante Art und Weise zu modifizieren. Diesmal handelt es sich nicht um eine optische Neugestaltung, sondern um eine konzeptionelle Veränderung, die sich durch zwei neue neue Reiter auf dem persönlichen Twitter-Dashboard äußert:

Rechts neben der unveränderten Zeitleiste mit den Tweets der gefolgten Nutzer ersetzen die zwei neuen Menüpunkte “@benutzername” sowie “Activity” die bisherigen Tabs “@mentions” und “Retweets”.

Zukünftig zeigt Twitter sämtliche Erwähnungen des eigenen Twitter-Kürzels sowie Retweets eigener Twitter-Nachrichten nicht mehr gesondert sondern gemeinsam in der “@benutzername”-Übersicht. Auf diese Weise schafft der Dienst Platz für den neuen Aktivitätenstream, der vor einigen Monaten erstmalig vorgestellt und dieser Tage allen Twitter-Nutzern verfügbar gemacht wird.

Bisher nur in der englischen Twitter-Version freigeschaltet: der Aktivitätenstream
Bisher nur in der englischen Twitter-Version freigeschaltet: der Aktivitätenstream

Der Aktivitätenstream enthält – wie der Name erahnen lässt – Aktivitäten der gefolgten Twitter-Nutzer. Berücksichtigt werden Favorisierungen von Tweets, populäre Retweets sowie neu gefolgte Twitter-Nutzer.

Bisher war es abgesehen von den eigentlichen Twitter-Nachrichten kaum möglich, zu erfahren, wie die abonnierten Twitter-Anwender innerhalb der Plattform ihre Zeit verbringen – zumindest wenn man nicht manuell von Profil zu Profil surfen wollte. Mit dem Aktivitätenstream ändert sich dies. Ab sofort lässt sich auf einfachen Wegen in Erfahrung bringen, wer welchen Personen bei Twitter neu folgt, welche Tweets von mehreren gefolgten Nutzern gleichermaßen geretweetet wurden und wer welche Tweets favorisiert. Verwandte Objekte werden dabei zur besseren Übersichtlichkeit gruppiert.

Dies hat eine Reihe von Konsequenzen:

  •  Twitter wirkt auf einen Schlag deutlich lebhafter, denn nun werden auch die Aktivitäten von gefolgten Nutzern sichtbar, die nur sporadisch selbst twittern, aber fleißig anderen Usern folgen und Tweets favorisieren.
  • Twitter wird transparenter. Wer besonders gerne skandalträchtigen Hollywood-Promis, Teenie-Bands oder Berühmtheiten aus der Erotikbranche folgt, musste dies bisher nicht an die große Glocke hängen. Nun taucht dies prominent im Aktivitätenstream auf.
  • Neulinge erhalten eine zusätzliche Hilfstellung für einen gelungenen Einstieg bei Twitter. Genau dieser gilt seit jeher als Achillesferse des Dienstes, dessen ideale Einsatzgebiete jeder für sich selbst erst im Laufe der Nutzung definiert. Sobald Twitter-Beginner einigen Personen folgen, hilft ihnen der Activity Stream dabei, ihr Netzwerk zu Vergrößern und für sie womöglich interessante User zu finden.

Mit dem Aktivitätenstream spendiert Twitter sich und seinen Nutzern neben der Timeline einen zweiten Interaktionskanal und macht Informationen sichtbar, die bisher maximal durch aktives Recherchieren ans Licht kamen.

Das Kalkül dabei: Twitter soll lebendiger werden. 40 Prozent der aktiven Twitter-Anwender lesen lediglich, was andere schreiben, veröffentlichen aber selbst keine Inhalte. Ungeachtet der Zeit, die sie auf Twitter verbringen, bewegten sich passive Mitglieder bisher wie Geister auf der Plattform. Dank des Aktivitätenstreams hinterlassen sie für ihre Follower (vorausgesetzt sie haben welche) zukünftig Spuren, selbst wenn sie kaum twittern, aber eifrig favorisieren und neuen Nutzern folgen.

Momentan ist der Aktivitätenstream nur im persönlichen Mitgliederbereich sichtbar. Es wird aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auf allen öffentlichen Twitter-Profilen nicht nur die Tweets und “Favorites” dargestellt werden, sondern auch Follow-Aktivitäten.

Damit der Aktivitätenstream ein Erfolg wird, ist Voraussetzung, dass Twitter-Nutzer diesen überhaupt sehen. Da ich Desktop- und mobile Twitter-Apps verwende, bin ich selten auf der Twitter-Homepage und werde somit auch in Zukunft nur wenig vom Activity Stream mitbekommen. Andererseits qualifiziere ich mich damit ohnehin als sogenannter Power User, der kaum von dem Dienst dabei unterstützt werden muss, die Aktivität zu erhöhen.

Die große Frage lautet jetzt, welche langfristigen Pläne Twitter mit dem Aktivitätsstream hegt. Handelt es sich dabei lediglich um ein isoliertes Feature zur Intensivierung der Interaktion, oder verabschiedet sich Twitter mittelfristig von seiner bisherigen Simplizität, um zu einem komplexeren sozialen Netzwerk zu mutieren und mehr von dem Kuchen abzubekommen, von dem Facebook und (in kleinen Teilen) Google+ gerade naschen!?

Ausschließen kann man nichts. Die unpopulären Änderungen am Google Reader riefen einmal mehr ins Gedächtnis, dass bei kommerziellen Onlinediensten nichts für die Ewigkeit bleibt. Twitter ist da keine Ausnahme.

Um einen Blick auf den Aktivitätenstream werfen zu können, müsst ihr derzeit in eurem Twitter-Konto die Sprache auf Englisch stellen. Sollte die neue Funktion dann nicht verfügbar sein, dürfte sie demnächst auftauchen.

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