Facebook eine “risikogeneigte Tätigkeit”:
Wir warnen vor dem
Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes
Andreas Voßkuhle, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hält das Surfen bei Facebook für eine “risikogeneigte Tätigkeit” und warnt vor der Nutzung des sozialen Netzwerks. Wir warnen vor seinen Aussagen.
Es mag sein, dass Voßkuhle im Interview deutlicher differenziert, als es im kurzen Onlinebeitrages des FOCUS erkennbar wird. Doch ein schneller Blick auf Google News und die Vielzahl der Artikel, die sich auf das Originalinterview beziehen und jeweils den gleichen paranoiden Ton wiedergeben, lassen befürchten, dass dem nicht so ist.
Voßkuhle bezeichnet die Nutzung von Facebook als “risikogeneigte Tätigkeit”, weil Anwender nicht wüssten, ob ihre Daten nach der Löschung nicht doch noch aufbewahrt werden. Während die angesprochene Problematik grundsätzlich Relevanz hat, erkenne ich keinen kausalen Zusammenhang zwischen der eventuell nicht erfolgenden vollständigen Löschung aller Nutzerdaten und einem tatsächlich erhöhten, irgendwie gearteten Risiko.
Voßkuhle bekleidet das Amt des Präsidenten am Bundesverfassungsgericht seit 2010 und ist bisher nicht durch eine nennenswerte Beteiligung an der Debatte rund um digitale Themen in Erscheinung getreten. Laut Fokus-Beitrag deutete der 47-jährige an, dass das Bundesverfassungsgericht gezwungen sein könnte, zu prüfen, ob sich Facebook mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung vertrage. Auch erwarte er, dass das Gericht in den nächsten Jahren gefordert sein könnte, die Bedeutung und Rechweite der Grundrechte im Digitalen neu zu bestimmten.
Applaus für diese Erkenntnis. Offenbar hat man bei den Hütern der deutschen Verfassung erkannt, dass das Internet mehr ist als ein vorrübergehender Trend.
Leider ist die von Voßkuhle gewählte, paukenschlagartige Panikmache nicht gerade ein Einstand, der eine sachliche, konstruktive und von politischem Populismus losgelöste Auseinandersetzung der Richter mit dem wahrscheinlich wichtigsten Thema der nächsten 20 Jahre erwarten lässt.
Facebook ist mit knapp 22 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland und 800 Millionen global die führende, auf der Vernetzung von Menschen basierende Internetplattform der Welt. Und soweit wir das bei netzwertig.com beurteilen können, ist nicht erkennbar, wo bei der Verwendung von Facebook die von Voßkuhle ausgemachte Risikoneigung liegt.
Sachliche Kritik an dem und ein wachendes Auge auf das nicht immer die Nutzerinteressen in den Vordergrund stellenden Social Network aus Kalifornien ist gerade im Angesicht der enormen Dominanz nicht fehl am Platze. Plumpe Panikmache von einem, der allem Anschein nach selbst kein Facebook-Konto besitzt, bringt dagegen niemanden weiter und fördert lediglich das in Deutschland gehegte, schiefe Bild des Internets als Hort allen Ungemaches.
Ob Voßkuhle auch das Surfen bei Amazon als risikogeneigte Tätigkeit bezeichnen würde?
Update: Sebastian Matthes hat sich das Interview in der Print-Version angeschaut.


















Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
Tja, was soll man dazu sagen?
Schön, dass das Bundesverfassungsgericht zumindest von der Thematik schon mal gehört hat.
Allerdings würde ich diese Aussage jetzt auch nicht pauschal ab tun. Ich denke die Nutzung von Facebook (oder irgendeinem Social Network) birgt schon latente Risiken. Allerdings ist das eher ein Problem einzelner Individuen, als ein systemisches Problem.
Ich würde das mal mit dem Straßenverkehr vergleichen. Auch hier besteht für alle Teilnehmer ein latentes Risiko, wer sich allerdings umsichtig und regelkonform verhält kann dieses Risiko deutlich minimieren.
Ob ich nun Nacktfotos von der letzten Orgie hochlade oder blindlings auf die Autobahn renne, in beiden Fällen muss ich mir eine gewisse Teilschuld an den daraus resultierenden Konsequenzen einräumen. Letztlich kann der Gesetzgeber hier herzlich wenig tun.
Grüße
Bastian
Naja. Ich würde eine Prognose zum Umgang der Verfassungsrichter mit Internetfragen eher auf vergangene Urteile stützen als auf das eine Interview. Und die vergangenen Urteile sind mir nicht gerade als von politischem Populismus beeinflußt in Erinnerung.
Hm, heutzutage lassen sich Daten automatisiert und in großen Mengen verknüpfen. Um damit das anzufangen, was der Datenbesitzer will. Morgen lassen sich diese Daten auf noch ganz andere Arten verknüpfen und der Datenbesitzer, der ein ganz anderer sein kann als der aktuelle, macht damit, was er will.
Wenn ich weder weiß, was von mir gespeichert wird, noch weiß, wie lange, besteht dort ein Risiko, dass diese Daten gegen meinen Willen genutzt werden. Das Risiko ist durchaus groß, es werden schon in Mio.-Umfang Konten von Menschen erleichtert. Und dies geht u. a. auch durch den Klau von Accounts.
Klar kann man sich leicht zurück lehnen und meinen, dass der Anwender ja wohl zu blöd war, um sich dagegen zu schützen. Eine Lösung für 22 Mio. Anwender ist das nun mal gar nicht.
Die Nutzung von Facebook bedeutet ein Risiko, wie eben auch das Auto fahren. Der Unterschied dazu ist aber, dass man beim Auto fahren meist schon recht genau weiß, was da passiert. Bei Facebook ist das Risiko nicht kalkulierbar, sondern nur höchst grob abschätzbar. Und Morgen ist es schon wieder ganz anders. Da sind irgendwelche Daten (auch von Nicht-Facebooknutzern) irgendwo unterwegs aber mein Wagen steht in der Garage.
Natürlich kann der Gesetzgeber (oder das Verfassungsgericht) etwas tuen, er muss den Nutzern nur endlich Einklagbare Rechte gegen diese “Datenverwerter” geben.
Warum sollten die Einschränkungen zur Datenvorratsspeicherung und der Persönlichkeitsrechte nur für den Staat gelten ?, nein sie gelten auch für Private Firmen!
Wenn der Nutzer genauso schnelle Abmahnungen verschicken kann an diese Datenschleudern wegen der Verletzungen des Datenschutzes mit seinen persönlichen Daten , wie ein Verwerter mit dem Urheberrecht sie zur Verfügung haben, würde sich Vieles diesbezüglich schnell Ändern.
Das Prinzip “Kostenlos” gegen Verwertung und Verkauf von allen “Persönlichen Nutzerdaten” denen man irgendwie Habhaft werden kann egal mit welchen Mitteln, um damit Mrd scheffeln zu können, ist kein Naturgesetz und könnte durchaus Eingeschränkt oder gar Verboten werden.
Diese Dienste könnten dann durchaus Weiterbestehen im gesetzlichen Rahmen, wenn vermutlich auch nicht mehr Kostenlos oder mit weniger Profit.
Letztlich bedeuten derartige Regulierungen – wie von dir auch angedeutet – das Ende von Social-Diensten in ihrer jetzigen Form. Daran haben die meisten Nutzer aber kein Interesse.
Es ist schwierig, Social Networks zu regulieren, ohne dabei die User Experience radikal zu verschlechtern.
Treffende Schlagzeile :)
Bei den täglichen Horrormeldungen über Facebook,Google in den deutschen Medien sollte man Facebook in Deutschland verbieten oder unter völlig staatliche Kontrolle stellen ;))
Lustig,dass sich in unsrem Land nur relativ wenige über die staatliche Sammelwut, Vorratendatenspeicherung oder massiver Pannen beim zweifelhaften Bundestrojaner aufregen,aber über Facebook,Twitter,Google wird eine mediale Panik verbreitet ,die es wohl nur so in Deutschland gibt.
Bei FB kann Ich aber immerhin selbst bestimmen,was ich über mich preisgebe und publik mache oder nicht (im Gegensatz zur staatlichen Zwangsdatenspeicherung ) und bin für meine Inhalte eben selbst dafür verantwortlich
In anderen EU/westlichen Ländern werden Facebook,Twitter oder z.B. Google streetview als technische und nützliche Errungenenschaften begriffen in Deutschland wird das Internet leider nur als Abschaum alles Übels betrachtet und vor allem von TV Medien und PrintPresse massiv bekämpft
@Martin Weigert
Es ist schwierig, Social Networks zu regulieren, ohne dabei die User Experience radikal zu verschlechtern.
Nein ist es nicht !
Der Funktionsumfang von den Social Networks muss nicht Beschnitten werden, es geht lediglich um die Aufhebung der Daten Auswertung und den Weiterverkauf ?
Das ist nur ein Märchen, damit sie weiterhin alles was auf dem Rechner ist Nutzen oder Verkaufen können und dem Eigentümer entmündigen. Das krasseste Beispiel ist der Orion “Trojaner” in BF3.
Hier muss der Gesetzgeber dringendst eingreifen sonnst Scannen und Verwerten Spiele Hersteller, Werbeindustrie oder Social Networks demnächst alle Daten auf dem Rechner.
Der Urheber muss in vollen Umfang Eigentümer seiner persönlichen Daten bleiben und diese dürfen nicht teilbar sein.
Warum muss ein Social Networks denn unbedingt Kostenlos sein ?
Würde Facebook nicht mehr genutzt werden wenn es vielleicht (oder einzelne Dienste darin) eine monatliche Gebühr kosten würde, Werbung hätte, dafür aber keine Nutzer Daten mehr Auswertet und Verkauft?
Online Spiele gehören auch zu den Social Networks und sind selten Kostenlos, ein Warcraft 3 hat trotz hoher Kosten sogar Millionen Mitglieder.
Das könnt Ihr doch besser! Aus dem verlinkten Artikel bei Focus Online ein Aufreger-Themas basteln zu wollen, entspricht nicht dem sonst so hohen Niveau dieses Blogs.
Ich sehe nicht, dass der Präsident des Bundesverfassungsgerichts irgendetwas gesagt hätte, was man nicht gut so stehen lassen könnte.
Zum Inhaltlichen: Jeder sollte sich überlegen, ob die Risiken der Nutzung von Facebook und ähnlicher Websites in einem vertretbaren Verhältnis zum eigenen Nutzen stehen.
Ich bin überzeugter Nutzer von Social-Media-Diensten, aber ich finde, es wird noch viel zu selten auf die Risiken hingewiesen. Die von den Medien (auch online) verbreiteten Warnungen befassen sich fast durchweg nur mit für jeden vernünftigen Menschen als leichtsinnig erkennbarem Verhalten.
Es wird der Eindruck vermittelt, wer dass man nur etwas gesunden Menschenverstand einsetzen müsste, damit alles in Ordnung sei. Wo bleiben die Szenarien, in welch vielfältiger Art und Weise die gesammelten Daten von Unternehmen, Staaten und Privatpersonen gegen einen Nutzer solcher Dienste verwendet werden können?
In der Hinsicht hat der Artikel bei Focus Online leider gar nix geboten, schon klar.
Aber ist es nicht vielleicht schlimmer, die Nutzer in falscher Sicherheit zu wiegen als solche Dienste zu verteufeln?
Von denen, die in Social Media zu Hause sind, kommt leider viel zu wenig, was die Risiken angeht.
Vorschlag: Wie wäre es denn hier demnächst mal mit einem Worst-Case-Szenario-Artikel zum Thema Daten in Sozialen Netzwerken?
@ basic
Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass ein Datenweiterverkauf stattfindet. DAS ist das wahre Märchen.
Was an einer anonymisierten Datenauswertung so problematisch sein soll, erschließt sich mir nicht.
Zum Thema User Experience und Datenschutz: Lies mal das. Da wird sehr deutlich, was penibler Datenschutz für Social-Dienste bedeutet.
@ Oliver
“Präsident des Bundesverfassungsgerichts warnt vor Facebook” ist für mich ein Grund für einen Aufreger.
Wozu? Worst-Case-Szenarien tauchen doch fast täglich in den Publikumsmedien auf. Ich sehe wenig Sinn darin, mit der Schilderung von Worst-Case-Szenarien den chronischen deutschen Drang der Risiken-vor-Chancen-Betrachtung zu befriedigen.
Alles hat immer einen Worst Case. Diesen explizit zu beleuchten, wenn man ohnehin nichts grundlegendes ändern kann (grundlegendes wäre “Abschaffung von Facebook und allen vergleichbaren global agierenden Diensten), halte ich für destruktiv.
@Martin Weigert
Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass ein Datenweiterverkauf stattfindet. DAS ist das wahre Märchen.
Natürlich verkauft Facebook wie auch andere Daten, das ist ja ihr Geschäftsmodell und Einnahme Quelle, die Frage ist in wie weit diese Anonymisiert sind?
Hier muss eine Offenlegung inc Kontrollen stattfinden und gesetzliche Grenzen gezogen werden, mehr wird ja gar nicht Verlangt.
Fast jede Industrie muss auch bestimmte Geschäftsmethoden Offenlegen und Regeln, Gesetze einhalten, sei es aus Gründen der Gesundheit des Umweltschutzes der Sicherheit … ect.
Warum soll dies beim Umgang mit den Userdaten in Social Networks Unternehmen nicht Möglich sein?
Diese Kontrolle findet ja statt – dort, wo Facebook seine Server bzw. großen Niederlassungen hat (in Europa also in Irland).
In dieser Beziehung gibt es keine Kontrollen an wen Facebook oder Google was Verkaufen, oder wie Auswerten, Aufarbeiten darf?
Du meinst was die Sicherheit der Server angeht oder der Webseite gegen Hacker, damit keine dritten an nicht freigegebene Daten kommen, dieses ist aber etwas Anderes.
Woher weißt du das?
Gibt es diese Kontrollen bei deiner Bank, deinem Internetprovider oder deinem Energieversorger?
Was sollen denn das für Kontrollen sein?
Es ist doch völlig egal wo in der Welt ein Server steht , die Daten können Gespiegelt werden auf einen anderen Server wer will das Überwachen?
Die Daten können jederzeit an dem meistbietenden Verkauft werden, meist ist das die Werbeindustrie lese einfach die AGB von Facebook.
Zudem wird das nicht nur in Deutschland Diskutiert wie immer geschrieben sondern sogar in den USA , nur ist dort der Lobby Einfluss größer gegen den Datenschutz , Ansichten die sich aber teilweise schon in der Bevölkerung Ändern.
Wer sich auf die Seite von Unternehmen wie Facebook oder Anderen stellt betreibt lediglich billig deren Lobbypolitik.
Es ist der gleiche Mechanismus wie bei der Atom oder Umweltpolitik.
Ohne Atomstrom gehen die Lichter aus und der Strompreis vervielfacht sich, wie durch den Datenschutz angeblich das “Social Media” Bedroht ist und nur mit deren bedingungslose Preisgabe solche Angebote angeblich erst möglich sind ?
Tatsächlich geht es aber nur um satte Mrd Gewinne von den Nutzerdaten welche Bedroht sind.
Die Wirtschaft brach nicht zusammen weil sie die Flüsse und Luft Reinhalten muss, trotz heftiger Gegenwehr, wie auch immer noch Autos verkauft werden trotz Katalysator.
Mögen die Preise für Autos, Strom ect. dadurch etwas teurer geworden sein nur der Nutzen für die Allgemeinheit ist es Wert.
Das gleiche muss beim Schutz der persönlichen Daten in den privaten Unternehmen geschehen, das Grundgesetz muss für alle gelten auch für Facebook.
Unsere Kinder werden es sicher Danken wenn sie in keinen Orwelschen Überwachungsstaate leben müssen weder durch Politiker noch durch Unternehmen oder uns einmal Fragen wie konntet ihr das nur Zulassen? wegen ein paar “Bunte” kostenlose Apps ?
Es kann doch nicht den geringsten Zweifel geben, dass Facebook Datenschutzrisiken erzeugt und das hier ein Bedarf nach gesetzlichen Schranken entsteht. Facebook sammelt nicht anonym (!) Verfolgungsdaten über jeden einzelnen Nutzer, die in ihrer Detailliertheit und Universalität geradezu abenteuerlich sind. Das wird zum einen nicht richtig offengelegt gegenüber den Nutzern, zum zweiten wird ihnen bei den Privacy-Einstellungen eine Einflussnahme auf die Datensammelei vorgespiegelt, die das Unternehmen den Nutzern gegennüber Facebook selbst nicht einräumt, zum Dritten und die Krone des Ganzen ist zu erwähnen, dass der Nutzer keine dieser teilweise erschlichenen Tracking-Daten löschen kann. Dass Facebook mit diesen Daten nicht wirtschaftlich arbeitet, glaubt natürlich keiner – warum denn dann sammeln? Es liegt im Übrigen bei FB eine ähnliche Neigung zum Totalen vor wie bei Google, nur jetzt eben in Bezug auf personenbezogene Daten, nicht auf Texte, Bücher, Bilder etc. Mit der sozialen Funktionalität hat das absolut nichts zu tun, wohl aber mit der Funktion für Marketing & Verkauf auf der einen Seite und für die staatlichen Auskunftsinteressen auf der anderen Seite. Denn, wie du ja selbst wohl wissen wirst, ist Facebook in den USA verpflichtet, Auskunftsersuchen von Behörden generell stattzugeben. Auf dieser Ebene gibt es offenkundig in den USA längst einen Deal zwischen Facebook und Behörden: “Macht alles was ihr wollt, sammelt was ihr kriegen könnt – solange wir bei Bedarf an die Daten auch herankönnen.” Meiner Meinung nach läge es im Interesse von Facebook selbst, ihre Sammelwut einzuschränken – es könnte gut sein, dass sie daran zugrunde gehen, dass sie sich zum “Staatssicherheitsdienst” machen lassen, wobei die inoffiziellen IMs die Menschen selbst sind.
Ich finde es eingiermaßen seltsam, über den Verfassungsrichter gleich so inbrünstig herzufallen, wenn er nur sagt, dass hier offenkundig gesetzgeberischer Bedarf vorhanden ist. Facebook errichtet eine Infrastruktur, die in den Händen eines autoritären Staates der nackte Horror wären.
Brett, es sind aber die 800 Millionen aktiven Nutzer, die Facebook dazu treiben.
Dramatische Szenarien wie deines klingen immer, als wäre dies alles ein Prozess, der aus purem Zwang entsteht.
Die meisten Nutzer sind sich bewusst darüber, dass ihre Daten bei einem Unternehmen gespeichert und zu Vermarktungszwecken analysiert werden. Sie nehmen es in Kauf.
Notorische Facebook-Kritiker ignorieren diesen Fakt und gehen davon aus, dass jeder genauso ein prinzipielles Problem mit der Vorgehensweise von Facebook (und anderen Webgiganten) hat wie sie selbst. Doch dem ist nicht so.
Das Problem ist letztlich nicht Facebook. Das Problem ist, dass uns die Digitale Welt dazu treibt, überall Fußspuren zu hinterlassen. Dieser Prozsess ist meines Erachtens nach ohnehin unumgänglich, dazu is der technische Fortschritt zu weit gekommen.
Zeit, dies einzusehen und aufzuhören, ständig die i.d.R. sehr theoretischen Risiken dessen in den Vordergrund zu stellen (die existieren, ja – aber ändern können wir sie nicht mehr meines Erachtens nach), sondern die Chancen, die sich daraus ergeben.
nee, die Risiken sind nicht theoretisch, sie sind praktisch. Und auf keinen fall darf man aufhören, darauf hinzuweisen.
Und ganz sicher sind es auch nicht die 800 Millionen Nutzer, die Zugriffsbeschränkungen für Facebook verhindern. Die Nutzer wollen nutzen, aber sie wollen nicht Datenschutz verhindern. und ganz sicher werden sie nicht auf den Straßen demonstrieren, wenn höchste Gericht Schutzmaßnahmen fordern und vielleicht auch durchsetzen.
Und noch was: natürlich ist da Facebook das Problem, weil sie so agieren wie sie es tun. Und natürlich kann jeder Anbieter im Netz seinene Teil gegen zu viele digitale Fussabdrücke tun. und das ist völlig unabhänngig von den Chancen, die das Netz bietet. Weswegen eine sinnlose Polarisierung a la “die, die immer das Netz verteufeln” völliger Unsinn ist. Ich gehöre z.B. nicht zu den Verteuflern, sondern zu denen, die Unmengen an Chancen sehen. Aber deshalb gucke ich doch trotzdem hin und achte darauf, dass es auch im Netz bei Checks and Balances bleibt.
@Martin Weigert
…Dieser Prozsess ist meines Erachtens nach ohnehin unumgänglich, dazu is der technische Fortschritt zu weit gekommen….
Es ist ganz einfach “umkehrbar” sogar ohne große Gesetzesänderungen.
Gebt einfach ” Persönlichen Daten, Bilder ect.” den gleichen Rechtsschutz wie anderen Urheberrechtlich geschützten Material.
Warum ist eine “Musik mp3 Datei” im Internet besser Geschützt als sensible Nutzerdaten? Dort sagte man auch nicht Dieser Prozsess ist unumgänglich.
Würde Facebook mit Musik und Filmen genauso Umgehen,einfach zu ihrem Eigentum erklären und Weiterverkaufen wie mit den Nutzerdaten, würde es Facebook oder Google vermutlich schon nicht mehr geben und vor Gericht stehen.
Komisch das es dort allgemein Akzeptiert wird und umgehend Gehandelt, wohl weil das Volk einfach keine Lobby hat?
Wären Abmahnungen nun von Bürgern und Nutzern an Unternehmen zwecks ihrer Persönlichkeitsrechte genauso leicht und in der Höhe möglich wie bei einem illegalen Musikdownload , hätte sich das Problem in kurzer Zeit erledigt!
Wer nun seine Rechte freiwillig Abtreten will kann seine Daten ja unter einer CC – Lizenz stellen ….
na ja, also so blöd ist das Verfassungsgericht doch auch nicht, wie Martin Weigert das hier hinstellt.
1. Muss das BVG doch gar nicht an einer Diskussion teilnehmen, es ist nämlich kein öffentlicher Diskursclub. Also sollte man ihm das auch nicht negativ ankreiden. Das Gericht wird ohnehin nur aktiv, wenn jemand klagt.
2. Schreibt Weigert: “Und soweit wir das bei netzwertig.com beurteilen können, ist nicht erkennbar, wo bei der Verwendung von Facebook die von Voßkuhle ausgemachte Risikoneigung liegt.” Das wiederum ist ein echtes Armutszeignis für netzwertig.com. Mag ja sein, dass Vosskuhle sich mit den Details von Facebook nicht auskennt, aber für diese Aussage braucht er das auch nicht. Denn ohne die technischen Details zu kennen kann doch jeder schnell begreifen, dass eine Kommunikationsinfrastruktur wie Facebook jederzeit vollen Zugriff auf alle Kommunikation dort hat, die ja – wie wir alle wissen – gespeichert ist und deshalb lange bestehen bleibt. Diese Firma wird aber von niemandem kontrolliert. Es gibt auch keine Gesetze, die ihren Zugriff auf diese Kommunikation regeln. Das ist so ähnlich, wie wenn wir kein Telekommunikationsgesetzt hätten, das z.B. verbietet, dass die Telekoms alle Gespräche aufzeichnen und auswerten, die in ihrem Netz geführt werden. Ich finde das einen unhaltbaren Zustand, dessen Bedeutung angesichts der Rolle von Facebook als Kommunikationskanal in den arabischen Revolten doch sofort klar ist. Hallo, Herr Weigert!!!! Glauben sie etwa, dass die CIA noch nicht bei Facebook drin ist? Und sind sie so naiv zu glauben, das das keine schwerwiegenden Auswirkungen auf Grundrechte hat? und meinen Sie etwa, dass Facebook ein Heiloger ist, der nicht auch Missbrauch treiben würde, wenn es sich lohnt? Au weia, das wäre aber supernaiv. Ich muss sagen, ich finde es absolut richtig, dass Herr Vosskuhle ahnt, dass diese Frage dieses und andere höchste Gerichte auf der ganzen Welt noch heftig beschäftigen wird. Lieber heute als morgen.
Erstaunlich dagegen finde ich die aufgeblasen selbstgerechte Netzavantgarde-Art, mit der Herr Matthes von der WiWo das Interview kommentiert (s. http://blog.wiwo.de/unged…-verfassungsrichter/). Es zeigt mir, dass hier jemand überhaupt nichts kapiert hat. vielleicht auch nicht kapieren will.
Doch. Dort, wo Facebook seine Niederlassungen hat. Facebook wird genau in dem Maße kontrolliert, wie es alle anderen Unternehmen dieser Welt auch tun. Ich frage mich, woher bei aggressiven Facebook-Gegnern wie Ihnen immer derartige aus der Luft gegriffene Behauptungen kommen.
Bitte mal Butter an die Fische: Wo genau wird Facebook und sein Umgang mit den Inhalten wie genau kontrolliert? wer bitte ist die Kontrollinstanz, welche Rechte, auch Zugriffsrechte hat sie?
Genau die gleichen Instanzen, die alle anderen Unternehmen bzw. Telekommunikationsanbieter in Kalifornien (Firmensitz Facebook) und Irland (Firmensitz Europa) kontrollieren.
Die Frage nach den Zugriffsrechten sollten sie den zuständigen Behörden stellen, nicht mir.
Ja, genau das (die Frage den Behörden stellen) tue ich ja auch, wenn ich fordere, dass das Thema gesetzlich geregelt wird und sich Gerichte darum kümmern. Denn meine Frage ist mit Ihrem Hinweis auf Kalifornien ja nicht beantwortet. Im Gegenteil behaupte ich weiter, dass soziale Netzwerke gesetzlich unterreguliert sind. Sie fallen jedenfalls nicht einfach unter das Telekommunikationsgesetz wie etwa die Deutsche Telekom. Das ist ja das Problem, dass sich hier scheunentorgroße Lücken auftun und man mit der Gefahr rechnen muss, dass sie von den Unternehmen (und allen möglichen anderen) genutzt werden, wenn es sich lohnt. Ganz abgesehen davon, dass ich das Datenschutzrecht in Irland und USA nicht als Vorbild ansehen muss. Und auch das BVG muss das nicht. Zudem ist der Klageweg nach Kalifornien für Deutsche sehr schwierig, wenn nicht unmöglich ohn sehr viel Geld.
Aber abgesehen davon konfrontiere ich natürlich Sie mit dieser Frage, weil Sie ja sagen, dass es ausreichend Kontrolle gibt und weil genau diese Kontrolle und die dazugehörigen gesetzlich (nicht) verbrieften Rechte in dieser Debatte hier eine zentrale Rolle spielen. Es muss gesetzlich verbriefte Regeln und Rechte dafür geben. Das Internet darf auf gar keinen Fall ein Raum sein, in dem verfassungsmäßige Rechte ausgehebelt werden. Herrn Voßkuhle geht es genau darum und ich finde das nicht nur legitim, sondern dringend nötig.
Das sage ich nicht.
Wenn Sie noch einmal nachlesen, habe ich lediglich auf Ihre Aussage geantwortet, es gäbe KEINERLEI Kontrolle. Und das ist Quatsch.
Regulierung ist immer ein Balanceakt. Ich bevorzuge persönlich eine Unterregulierung gegenüber einer Überregulierung.
Und ich habe ein Problem mit blinder Panikmache. Wie Sie und Herr Voßkuhle sie verbreiten.
Differenzierte Herangewehensweise ist das Maß aller Dinge. Dafür muss man sich von Populismus, Dogmen und unreflektierten Pauschalannahmen wie, dass der Kampf für Datenschutz grundsätzlich und kompromisslos das Erstrebenswerteste ist, lösen.
Man kann das von zwei Seiten sehen:
Natürlich ist “selbst schuld”, wer peinliche Daten zu Facebook hochlädt. Facebook ist deswegen nicht böse und muss auch nicht verboten werden.
Aber: das Datenschutzgesetz schreibt vor, dass Unternehmen die über einen gespeicherten Daten auf Antrag löschen müssen. Selbst wenn man diese Daten freiwillig erzeugt hat. Das dient dem Schutz der Person vor sich selbst. Vielleicht hat man als Jugendlicher Bilder hochgeladen, mit denen man als Erwachsener nichts mehr zu tun haben will. An dieses Gesetz haben sich alle zu halten, auch internationale Grosskonzerne.
Ja dem stimme ich zu.
@Martin Weigert
O.k., letzter Akt für mich:
Zitat: “Regulierung ist immer ein Balanceakt. Ich bevorzuge persönlich eine Unterregulierung gegenüber einer Überregulierung.”
Meine Meinung: Ich suche das richtige Maß. Dazu ahbe ich aber – ich führte es aus, offensichtlich eine ander Sicht als Sie. Ich denke ganz bestimmt, dass das ein grundlegender Meinungsunterschied ist und dass hier nicht nur zwischen uns, sondern auch in der Netzgemeinde und in der Bevölkerung ein grundsätzlicher Dissens existiert. Deswegen wird die Auseinandersetzung noch lange weitergehen.
Zitat: “Und ich habe ein Problem mit blinder Panikmache. Wie Sie und Herr Voßkuhle sie verbreiten.”
Also mal ehrlich: Wieso betreib ich Panikmache? Ich habe einfach eine andere Auffassung und werte die Dinge anders. Panik verbreite ich nicht, aber ich glaube nicht, dass es ohne einklagbare Regeln eine Netzwirklichkeit geben wird, die nutzerfreundlich ist. Aber ich bemerke, dass Sie mir Überlegungen unterstellen, die ich nicht geäußert habe und mich in einen Topf mit einer von Ihnen wahrgenommenen Miesepeter-Fraktion werfen. Das ist mir einerseits egal, auf der anderen Seite würde ich an Ihrer Stelle mal das Feindbild überprüfen.
Zitat: “Differenzierte Herangewehensweise ist das Maß aller Dinge. Dafür muss man sich von Populismus, Dogmen und unreflektierten Pauschalannahmen wie, dass der Kampf für Datenschutz grundsätzlich und kompromisslos das Erstrebenswerteste ist, lösen.”
Das habe ich doch gar nicht gesagt. Aber ich meine schon, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ein sehr hohes Gut ist. man kann es ja von ir aus wegwerfen oder nicht nutzen, aber ich bestehe darauf, dass es das zuerst mal geben muss. Danach kann dann jeder damit machen, was er will. Aber auf das Recht verzichten werde ich sicher nicht.
Ich vertraue Facebook eben nicht mehr und habe mich innerhalb der letzten 3 Monate dort nur einmal eingeloggt um Fotos zu löschen. Ich muss sagen, dass ich nichts vermisse – im Gegenteil. Der gezielte Kontakt mit bestimmten Personen hat sich intensiviert und ich beschäftige mich mit sinnvolleren Dingen. Zu dieser im Artikel angesprochenen Aussage des Richters: Es ist gut, dass sich jemand so an dieses Medium Internet und seine Begleiterscheinungen nähert. Das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung sollte viel mehr geachtet werden und besonders private Unternehmen wie Facebook sollten viel mehr überprüft werden.
@ Martin Weigert
Zitat: “Genau die gleichen Instanzen, die alle anderen Unternehmen bzw. Telekommunikationsanbieter in Kalifornien (Firmensitz Facebook) und Irland (Firmensitz Europa) kontrollieren.”
Was für Instanzen sind das denn? Ich habe das Gefühl, jedesmal wenn Sie jemand nach diesen Instanzen fragt, reden sie um den heißen Brei herum. Werden Sie doch mal konkret. Was kontrollieren die wie? Es kommt mir, wenn ich diese Diskussion so mitverfolge so vor, als wüssten sie selbst nicht so genau was die da eigentlich überhaupt kontrollieren? Genau das fehlt mir nämlich als Bürger. Und ich rege mich über die Vorratsdatenspeicherun genauso auf wie über den mehr als mangelhaften Datenschutz bei Facebook.
Ich zum Beispiel passe in ihr Feindbild vom “aggressiven Facebook-Gegner”. Ich war selbst länger Facebookmitglied und sehe auch viele Chancen im Internet und den Social Networks. Aber ich habe Facebooks Interpretation von Datenschutz gründlich satt, und mich vor kurzem abgemeldet. Mir persönlich geht es gar nicht darum, dass irgendwelche “peinlichen” Daten von mir weitergegeben werden. Mit Leuten, die von sich selbst Fotos vom letzten Party-Absturz hochstellen, habe ich wenig zu tun. Es geht mir um Daten allgemein. Meine Nachrichten, meine Chatgespräche, meine Pinnwandeinträge. Was weiß ich den WER das alles lesen kann?
Ich denke, das Voßkuhle richtig handelt, wenn er vor Facebook warnt. So wird den Bürgern bewusst gemacht, dass Social Networks wie Facebook nicht Kinderspielplätze sind, auf denen man noch von Mama beaufsichtigt wird. Sie sind mit Vorsicht zu genießen, und ich bin mir sicher, dass es viele Bürger gibt, die das immer noch nicht verstanden haben.
Wenn man sich nicht dafür einsetzt, das Datenschutz im Internet verbessert wird, öffnen sich immer mehr Türen.
Das ist keine Panikmache. Es ist einfach so. Und, um auf basic und das Urheberrecht zurück zukommen: Wenn niemand gegen das illegale Downloaden von Musik oder Filmen vorgegangen wäre, wenn dafür niemand zur Rechenschaft gezogen werden würde, dann würden heute viel mehr Menschen herunterladen. So werden heute jede Menge Leute davon abgehalten. Es wurde also verhindert, dass das ganze unüberschaubare Ausmaße annimmt. Und etwas anderes wollen doch die meisten gar nicht? Redet hier irgendjemand davon, Facebook sollte abgeschafft werden?
Ich bereue vielleicht nicht, dass ich jetzt nicht mehr Mitglied bin, aber auf der anderen Seite hätte ich auch kein Problem, mich wieder anzumelden, sobald das Problem mit dem Datenschutz klar geregelt ist.