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Reeder soll unabhängig werden

Die iOS- und Mac-App Reeder gehört zu den favorisierten RSS-Werkzeugen vieler am Nachrichten- und Bloggeschehen Interessierter. Zukünftig will der Schweizer Reeder-Macher Silvio Rizzi die Abhängigkeit seiner Anwendung vom Google Reader verringern.

In dieser Woche will Google wie berichtet die neue Version seines RSS-Readers veröffentlichen, der ohne die bisher von Fans des Tools geliebten, integrierten Features zur Vernetzung und zum Empfehlen von Artikeln auskommen soll (und stattdessen enger mit Google+ verbunden wird).

Konsequenzen hat dieser Schritt nicht nur für Nutzer der betroffenen Funktionen, sondern auch für Applikationen, die auf die inoffizielle Google-Reader-API zugreifen, um alternative Benutzeroberflächen für die im Google Reader abonnierten RSS-Feeds bereitzustellen. Ein prominenter Vertreter für diese Kategorie ist Reeder, die großartige RSS-App für iPhone, iPad und Mac.

Reeder ist die beste mobile RSS-Anwendung für iOS, die mir bisher begegnet ist, und seit langem mein täglicher Begleiter durch den Informationsdschungel. Eine elegante Oberfläche kombiniert mit einer intuitiven, touchscreenoptimierten Bedienung, Offline-Funktionalität und einer integrierten Readability-Funktionalität lassen für RSS-Freunde kaum Wünsche offen und machen das Durchforsten der abonnierten Feeds zu einem Erlebnis, das vom Gefühl her nahe an das Lesen eines E-Books herankommt.

Reeder setzt in seiner derzeitigen Ausformung vollständig auf den Google Reader als Bezugsquelle für die dargestellten Feeds. Wer Reeder nutzen möchte, muss also zuvor ein Konto bei Googles RSS-Werkzeug erstellen und dort RSS-Feeds abonnieren. Reeder importiert dann lediglich sämtliche Inhalte aus diesen Feeds und synchronisiert nach erfolgter Nutzeraktivität gelesen, weiterempfohlene und favorisierte Artikel mit dem Google-Reader-Konto.

Hinter Reeder steckt der Schweizer Silvio Rizzi. Ich habe den Software-Entwickler, der Anfang 2010 seinen Designer-Job bei einer Webagentur aufgab und sich seitdem mit Basis im Zürcher Café Gloria vollständig der Weiterentwicklung von Reeder widmet, gefragt, wie er die Zukunft seiner App im Angesicht der Veränderungen beim Google Reader sieht. Zumal niemand weiß, ob Google bei seinem RSS-Werkzeug nicht in einigen Monate ganz den Stecker ziehen wird.

Rizzi ließ mich wissen, dass er sich gerade in der Konzeptionsphase für das nächste große Update befindet. Hierfür plane er eine völlig neue Synch-Engine, die nicht mehr ausschließlich auf den Google Reader aufsetzt. Sein Ziel ist es, in Zukunft andere Dienste unterstützen zu können – ganz einfach alles, was eine Entwicklerschnittstelle hat und als Bestandteil von Reeder sinnvoll ist. Als Beispiel hierfür nennt er den intelligenten RSS-Reader Fever sowie Twitter (das von manchen ohnehin als Dolchstoß für RSS betrachtet wird).

Der Reeder-Macher unterstreicht, dass er noch nichts versprechen kann und momentan erst einmal eine Wunschliste für den nächsten Reeder zusammenstellt.

Wenn man bedenkt, dass rund 80 Prozent meines täglichen RSS-Konsums in Reeder statt in der Webversion des Google Reader erfolgt, erschiene es zumindest in meinem Fall logischer, wenn Reeder sich in einen eigenständigen RSS-Reader verwandeln könnte, der mir das direkte Abonnieren von RSS-Feeds erlaubt sowie zusätzlich zu den mobilen Apps eine webbasierte Variante anbietet – inklusive der von Google nun verbannten sozialen Features.

Rizzi erklärte auf einen entsprechenden Vorschlag von mir, dass ihn dieser Gedanken natürlich reize, doch dass ihm dafür vorerst die Zeit fehle. Immerhin betreibe er die App nach wie vor als Ein-Mann-Projekt.

Reeder hat in der internationalen Blogosophäre und Startup-Welt viele treue Fans. Abhängig von der Richtung, die Google mit seinem aufgefrischten Reader einschlagen wird, könnte der Druck auf Rizzi zunehmen, Reeder weiter auszubauen und nicht länger als nützliche Ergänzung sondern als handfeste Alternative zum Google Reader zu positionieren. Diese existiert bisher nicht einmal (wobei es mit NewsBlur zumindest den Versuch gibt). Rizzi hätte somit leichtes Spiel und würde angesichts der Loyalität seiner Nutzer und der Bedeutung von RSS für den Alltag von “Information Workern” vermutlich nicht einmal Schwierigkeiten haben, für eine Reeder-Webversion inklusive sozialer Funktionen Geld zu verlangen. Mir wäre sie auf jeden Fall einige Euro wert.

Konkrete Downloadzahlen der App wollte sich Rizzi nicht entlocken lassen. Schon vor einem Jahr lagen diese jedoch bei jeweils über 100.000 (für die iPad- und iPhone-App).

Wer mehr über Reeder-Entwickler Silvio Rizzi lesen will: Die NZZ hat ihn und seine App im Oktober 2010 porträtiert.

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1 Kommentar

  1. Hami
    schrieb am 24. Oktober 2011 um 10:14 Uhr (#)

    Schöne Alternative auf dem iPad ist für mich der selten genannte und offensichtlich unterschätzte Mr. Reader. Aber genau das ist auch der springende Punkt. Ich wechsele häufig die Plattformen und auch Apps beim Lesen meiner Feeds und durch Google ist immer alles perfekt synchronisiert. Vielleicht gibt es ja dÜberlegungen der Entwickler, stattdessen alle Geräte (ist bei mir iPhone, iPad, Mac, Büro-PC im Browser) mit iCloud zu syncen. Falls keine Vernetzung, sind andere KOnzepte für mich unbrauchbar. Und zumindest bisher hat Google bei mir 100% Verfügbarkeit und ist zudem kostenlos.

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