Steiler Aufstieg:
Wieso Dropbox iCloud
nicht zu fürchten braucht

Dropbox freut sich über eine massive Kapitalspritze und 45 Millionen Nutzer. Skeptiker sehen Apples neuen iCloud-Dienst als Bedrohung – doch wenn Apple seiner bisherigen Strategie treu bleibt, ist diese gering.

Der Cloudspeicher- und Synchronisationsdienst Dropbox – der beliebteste Webdienst der netzwertig.com-Leserschaft im Jahr 2010 – hat, wie gerade in Linkwertig berichtet, eine massive Kapitalspritze von 250 Millionen Dollar erhalten und wird nun mit vier Milliarden Dollar bewertet.

Mehrmals bin ich jüngst auf Aussagen gestoßen, die Dropbox einen harten Wettbewerb mit Apples neuem Clouddienst iCloud vorhersagen (wie hier beispielsweise). Doch eine derartige Prognose kann für mein Verständnis nur von Personen kommen, die sich ausschließlich mit stationären und mobilen Geräten aus dem Hause Apple umgeben. Und diese sind eine Minderheit.

iCloud ist komfortabel, aber beschränkt

iCloud synchronisiert persönliche Daten, Dokumente und Medieninhalte zwischen iPads, iPhones, iPod touch, der Cloud und ist auch in Mac OS X integriert. Der entscheidende Vorzug von iCloud ist Apple-typisch die Einfachheit. Doch für Nutzer, die auf mehr als einer Plattform arbeiten (z.B. iPhone und iPad, aber Windows PC), gerät iCloud schnell an seine Grenzen. Dann bleibt nur der manuelle Zugriff über den Browser, die Installation von nicht offiziellen, in ihrem Funktionsumfang begrenzten Drittanbieter-Tools wie iCloud Control Panel oder die Integration in Outlook für den Zugriff auf Kalender, Kontakte. Stets gilt dies nur für bestimmte Datenarten.

Auch beinhaltet iCloud keinerlei Möglichkeiten, um Daten mit spezifischen anderen Nutzern zu teilen oder per http-Downloadlink zu verbreiten. Insofern erfüllt iCloud nicht einmal für überzeugte Apple-Anbeter das, was Dropbox und die zahlreichen anderen plattformübergreifenden Clouddienste beherrschen.

Apple vernachlässigt andere Plattformen aus Tradition

Stünde hinter iCloud nicht Apple sondern ein anderes Unternehmen, würde ich diesen Vergleich unter den Vorbehalt stellen, dass sich all dies in nächster Zeit noch ändern wird. Doch dass iCloud von dem von einem großen Kontrollbedürfnis gezeichneten Konzern aus Cupertino zukünftig zu einer Cloudlösung ausgebaut wird, die der Plattformverfügbarkeit außerhalb des eigenen Ökosystems eine ähnlich hohe Priorität zumisst wie der Integration in iOS und Mac OS X, würde angesichts der bisherigen Unternehmenshistorie an ein Wunder grenzen.

Für Dropbox ist iCloud keine Gefahr

Rund 7 Prozent der weltweit eingesetzten Rechner laufen unter Mac OS X. Nach meiner Einschätzung ist es lediglich diese Nutzergruppe, in der manche Anwender tatsächlich zugunsten von iCloud völlig auf alternative Anbieter (von denen es neben Dropbox viele weitere gibt) verzichten werden/können. Angesichts der erwähnten Einschränkungen hängt dies aber davon ab, ob Benutzer lediglich an einem Dateiabgleich zwischen iOS-Geräten und Macs interessiert sind, oder Daten aus der Cloud auch anderweitig verwenden wollen.

Nach meiner Beurteilung stellt iCloud keine größere Gefahr für Dropbox & Co dar – zumal der Gedanke, sich noch weiter dem Lock-In von Apple hinzugeben, selbst für Anhänger des Lifestyle-IT-Herstellers eine abschreckende Wirkung haben sollte.

45 Millionen registrierte Nutzer, vier Prozent zahlen

Für Dropbox war 2011 trotz einiger (kommunikativer) Fehltritte in puncto Datensicherheit und Verschlüsselung ein sehr erfolgreiches Jahr: 45 Millionen registrierte Nutzer verzeichnet das Startup aus San Francisco mittlerweile, die alle drei Tage eine Milliarde Dateien speichern. Innerhalb eines halben Jahres gewann Dropbox damit rund 20 Millionen Anwender. Vier Prozent des in der Basisversion kostenfreien Dienstes zahlen laut GigaOm für zusätzlichen Speicher.

Ob aus Dropbox eines Tages auch ein wirtschaftlicher Erfolg wird, steht genauso in den Sternen wie die Frage, inwieweit das Team um die Gründer Drew Houston und Arash Ferdowsi letztlich nicht nur ein Feature statt einem Produkt entwickelt haben.

Der Popularität bei den Nutzern tun diese Zweifel aber bisher keinen Abbruch. Und daran wird sich auch nach dem Launch von iCloud nichts ändern.

Ich bin froh, dass Dropbox-Gründer Houston Apples einstigem Übernahmeangebot widerstehen konnte.

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7 Kommentare

  1. eric
    schrieb am 19. Oktober 2011 um 09:46 Uhr (#)

    Sehe ich genauso. Zumal in der iCloud ja auch keine beliebigen Daten hoch geladen werden können. Das iDrive ist ja ein Mobile-Me-Produkt, das abgeschaltet wird. Meine Dokumente die nicht aus Apple-Apps stammen muss ich also eh irgendwie anders syncen. Und da gibt es derzeit wohl echt nichts Besseres als die Dropbox – vorausgesetzt, da passiert noch was mit der Sicherheit…

    grüße
    eric

  2. Tobias
    schrieb am 19. Oktober 2011 um 09:46 Uhr (#)

    Der Trend geht dahin, dass es kein lokal zugängliches Dateisystem mehr geben wird. Das zeigen bereits heute das iPad, iPhone und auch die neue Windows 8 Oberfläche. Warum auch? Dateisysteme sind ein Relikt aus vergangenen Jahren. Apps sind in Zukunft direkt an die Cloud angeschlossen und jede App speichert und verwaltet seine Dateien direkt in der Cloud. Aus diesem Grund sehe ich da schon eine Bedrohung für Dropbox. Zwar nicht akut und unmittelbar – allerdings mittelfristig in 3-5 Jahren.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 19. Oktober 2011 um 09:52 Uhr (#)

      Ja langfristig gesehen wird sich da sicher einiges verändern. Aber nichts spricht dagegen, dass Dropbox dieser Entwicklung mittelfristig auch folgt.

      Zumal Dropbox ja schon heute die Vision hat, nicht nur Dateisystem zu sein, sondern quasi der Clouddienst hinter allen connected Devices zu werden – vom Auto bis zum Kühlschrank.

    2. Tobias
      schrieb am 19. Oktober 2011 um 09:59 Uhr (#)

      Ich glaube das wird Dropbox nicht möglich sein… Den Cloud-Dienst von Android übernimmt Google selbst. Apple hat iCloud und Microsoft ist ebenfalls mit einem eigenen Cloud-Dienst am Markt. Dropbox hätte sich dringend an eine Plattform hängen müssen und Android, iOS und Windows werden sicherlich keine Integration eines externen Cloudsystems erlauben. Schließlich ist der Clouddienst deren wichtigstes Businessmodel in Zukunft… Ich denke es war ein Fehler von Dropbox sich nicht von Apple kaufen zu lassen. Sie können jetzt nur hoffen ein gutes Angebot von Google oder Microsoft zu erhalten…

    3. Matthias
      schrieb am 21. Oktober 2011 um 09:46 Uhr (#)

      Ich denke nicht, dass man auch in Zukunft ohne Dateisystem auskommt. Sobald ich Dateien in verschiednene Programmen bearbeiten will, muß ich direkt auf die Dateien Zugriff haben.

      Aktuelles Beispiel von mir: Ich erstelle in der Bildbearbeitung eine Textur und verwende diese in meine 3D Programm.

      Wenn mich die Dateien/ Daten und der Applikation nicht interessieren, dann ist Cloud Sync die beste Lösung.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. Oktober 2011 um 10:04 Uhr (#)

    Naja ein Cross-Plattform-Dienst hat aber durchaus seine Existenzberechtigung, solange es verschiedene, miteinander nicht kompatible Plattformen gibt.

    Aber ich sehe Dropbox auf jeden Fall auch als Übernahmekandidat.

  4. Dominik Mauritz
    schrieb am 19. Oktober 2011 um 22:50 Uhr (#)

    Sehe ich ähnlich. Durch die Beschränkung von iCloud auf Apple-Geräte können nur wenige Nutzer den vollen Komfort einer Online-Festplatte nutzen.

    Harte Konkurrenz für Dropbox erwarte ich von Google. Das Google Drive ist zwar noch nicht offiziell angekündigt, wird aber wahrscheinlich sehr bald kommen. Über Details kann man zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nur spekulieren, aber das Google das Know-How hat funktional an Dropbox heran zu kommen ist kein Geheimnis. Druck machen kann Google sicher über den Preis. Mit Youtube oder Google Apps beweist Google, dass sie Speicher enorm günstig bereitstellen können. Und da Dropbox Amazon S3 Speicher nutzt, dürft es für Dropbox an dieser Stelle wenig Spielraum geben.

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