Sammelstelle für Songs aus dem Web:
musicplayr bewährt sich als Musikentdeckungstool

Das deutsche Startup musicplayr hat innerhalb weniger Wochen seine Tauglichkeit als Tool zum Entdecken von Musik bewiesen. Dennoch fehlen dem Dienst einige wichtige Funktionen.

Ich bin stets auf der Suche nach neuen, noch besseren Wegen, um zu meinem Geschmack passende Musik zu entdecken. Der US-Dienst Turntable.fm erwies sich dafür als hervorragender Weggefährte, wurde allerdings Wochen nach dem Launch aus rechtlichen Gründen für Nutzer ohne US-IP-Adresse gesperrt.

Doch mittlerweile habe ich einen guten Ersatz gefunden – und das sogar in einem Service aus Deutschland: Vor gut zwei Wochen stellten wir das in Köln gegründete, aber demnächst nach Berlin umsiedelnde Startup musicplayr vor. Der kostenlose Webservice erlaubt das Erstellen von Playlisten, deren Titel aus verschiedenen Onlinequellen stammen können (YouTube, SoundCloud, Musikblogs), und das Abonnieren der Streams anderer Nutzer. Dies hat sich für mich in den letzten Tagen als hervorrangender Weg herausgestellt, um auf haufenweise gefällige, mir bis dato unbekannte Titel zu stoßen.

Wenn musicplayr-Nutzer den Link zu einem Musikstück bei YouTube, SoundCloud oder von einem Blog zu ihrem musicplayr-Profil hinzufügen, wählen sie entweder eine private oder eine öffentliche Playlist. Jedes Mal, wenn ich mich bei musicplayr anmelde, finde ich auf meinem Dashboard sämtliche Songs vor, die von mir abonnierte User in letzter Zeit in ihren öffentlichen Playlisten abgelegt haben.

Das klingt simpel, funktioniert aber sehr gut. Vorausgesetzt, man abonniert die “richtigen” Nutzer, also solche, die Musik verlinken, die mit den eigenen Vorlieben übereinstimmt. Ich verfolge einen “spitzen” Ansatz und fokussiere mich bei musicplayr auf elektronische Musik – selbst wenn mir hin und wieder auch Titel aus anderen Genres zusagen.

musicplayr basiert auf einem Geben und Nehmen: Zwar können Nutzer auch einfach einer Reihe von anderen Mitgliedern folgen und sich von ihnen Songvorschläge servieren lassen, doch das setzt voraus, dass User auch tatsächlich öffentliche Playlists erstellen. Ein dem Twitter-Retweet nicht unähnliches Feature sorgt hier für den notwendigen Antrieb:

Denn jeder Track, der in der persönlichen Inbox auftaucht, lässt sich mit zwei Klicks direkt in einer eigenen Playlist unterbringen. Unterhalb des jeweiligen Stücks wird angezeigt, wie oft es von Anwendern zum eigenen Profil hinzugefügt wurde – der Name des Nutzers, der einen Titel bei musicplayr erstmalig verlinkt hat, steht immer dabei und erzielt auf diese Weise mit jedem “Share” ein größere Reichweite.

Songs können damit innerhalb von musicplayr eine hohe Viralität erreichen, wie zum Beispiel bei diesem Stück ersichtlich (“liked this” bedeutet jeweils, dass der Titel zur Playlist eines anderen Mitglieds hinzugefügt wurde).

Bisher konnte ich drei mögliche Einsatzszenarien von musicplayr identifizieren: als Musikentdeckungsmaschine, musikalische Webvisitenkarten (auf meinem Profil zeige ich, welche Songs mich gerade nicht mehr loslassen) sowie als Tool zum Aufbau einer Reputation als Multiplikator und Qualitätskompass in Bezug auf eine bestimmte Musikrichtung. Vielleicht gibt es weitere.

Der Dienst von Thorsten Lüttger ist also bereits in seiner jetzigen Fassung eine wirklich runde Sache. Dennoch gibt sich musicplayr momentan noch recht funktionsarm. In den vergangenen zwei Wochen kamen mir diverse Featurewünsche in den Sinn, welche die Attraktivität des Services noch deutlich steigern würden. Hier sind sie:

Sharing-Optionen für Songs
Einzelne Titel verfügen bei musicplayr zwar über eine eindeutige URL, integrierte Schaltflächen zum schnellen Weiterempfehlen bei Twitter oder Facebook fehlen aber bisher und wären aus dem Gesichtspunkt der Bekanntheitssteigerung sinnvoll.

Benachrichtungen
musicplayr fehlt derzeit noch ein Feed, der mich innerhalb der Plattform über Aktivitäten wie Kommentare, “Reshares” und neue Follower informiert. Teilweise trudeln diese Informationen per Mail ein, was auf Dauer nicht die einzige Alternative sein sollte.

Einfacheres Auffinden von anderen Nutzern
Momentan ist das gezielte Abonnieren der Streams spezifischer Personen nur möglich, wenn man deren Profiladresse kennt. Eine Suchefunktion für Nutzer, aber vor allem ein Abgleich der Twitter- und Facebook-Kontakte könnte Abhilfe schaffen.

Anzeigen “verwandter” Titel und Nutzer
Es wäre toll, wenn ich mir zu einem beliebigen, bei musicplayr verlinkten Song verwandte Stücke sowie Nutzer anzeigen lassen könnte, die häufig Musik aus dem jeweiligen Genre teilen. Hierfür wäre eine Soundanalyse erforderlich, die musicplayr beispielsweise von mufin erledigen lassen könnte.

Mobile App mit integriertem Song-ID-Tool
Mehrmals pro Woche nutze ich Apps wie Shazam oder SoundHound dazu, Musik zu identifizieren, die ich irgendwo höre. musicplayr fehlt bisher eine mobile Website oder App. Idealerweise würde diese auch gleich eine ID-Funktion beinhalten (z.B. über die Gracenote-API, wie sie SoundTracking einsetzt), über die ich Titel mit meinem Smartphone nicht nur identifizieren sondern gleich zu einer meiner Playlisten hinzufügen kann – musicplayr würde also für mich nach dem ID-Vorgang YouTube und SoundCloud durchsuchen und mir zu meiner Suche passende Streams anzeigen.

Bezahlte High Quality Streams
Dieser Featurewunsch lässt sich nicht innerhalb kürzester Zeit umsetzen, konnte aber zur zukünftigen Monetarisierung des Dienstes beitragen: Denn da ein Großteil der bei musicplayr verlinkten Songs von YouTube stammen, mangelt es vielen Titeln an der notwendigen Klangqualität, um diese in voller Lautstärke zum Beispiel auf einer Party zu spielen. Großartig wäre eine Bezahl-Option, um alle (oder zumindest einen signifikanten Teil) der Songs in den eigenen Playlists temporär oder dauerhaft in besserer Qualität zu streamen. Allerdings würde dies wahrscheinlich Verhandlungen mit den Rechteinhabern erforderlich machen, die sich musicplayr derzeit erspart (diese Verantwortung liegt jetzt bei YouTube und SoundCloud).

Auch ohne die Umsetzung dieser Ideen lohnt sich ein Blick auf musicplayr für Musikfreunde. Wir haben nochmals 15 Einladungen zur geschlossenen Beta-Version. Hinterlasst bei Interesse einen entsprechenden Kommentar unter Angabe eurer E-Mail-Adresse im dafür vorgesehen Feld. Die ersten 15 sind dabei.

Update: Die Invites sind weg.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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22 Kommentare

  1. Hallo,

    ich würde musicplayr wirklich gerne testen!
    Vielen Dank!

    BG

    Michael

  2. Oh, das klingt sehr interessant. Da hätte ich auch gern ne Einladung!

  3. Klingt spannend, würde ich gerne testen.

  4. Klingt gut, invite bitte :)

  5. Musik klingt immer gut ;-) ich hätte gerne einen beta. Thx!

  6. Freue mich auch über einen Invite :)

  7. Hätte auch gern eine Einladung :-)

  8. Klingt interessant. Invite bitte :-D

  9. Ein Invite wäre klasse! Thx!

  10. Würde mich auch über einen Invite freuen. Danke!

  11. Sehr gerne. Vielen Dank!

  12. Ich bin immer offen für neue Musik und würde mich über eine Einladung freuen. Danke!

  13. Hi, ich hätte auch gern eine Einladung für musicplayr. Das Konzept klingt wirklich interessant.

  14. Ich finde die Idee echt gelungen und würde nur zu gerne “mitmischen”!

    Cheers!

  15. Der Artikel hat meine Neugier geweckt, und so würde ich den Dienst auch gerne mal selbst auf Herz und Nieren überprüfen. Bitte um eine Einladung. Danke im Voraus! :-)

  16. Ich reihe mich hier mal ein.

    Danke

  17. Hallo Martin,
    einer der besten Services seit langem!
    Würbe mich ebenfalls über eine Einladung sehr freuen … ich bin mir sicher, du bekommst es hin ;-)
    Besten Dank im Voraus!
    Alex

  18. würde mich ebenfalls auf einen Invite freuen

  19. Wie weiter oben erwähnt – die Invites sind leider alle weg.

  20. musicplayr berichtete mir, dass es gestern ein technisches Problem beim Versand der Invites gab. Sie kommen hoffentlich bald zu euch!

  21. hatten probleme mit unserem whitelisting email-service. sorry an alle, invites sind jetzt raus :-)

    “freunde finden” sind wir in kürze dran, “alte” durch FB Connect zunächst (Twitter wird folgen;) und “neue” durch fixe music genre tags, die man sich selbst vergeben kann. automatisches taggen ist leider nicht so einfach (technisch schon!). und klar, search und mobile kommt auch, dauert aber noch. sharing werden wir auch erweitern. vielen dank für den blick von aussen, das hilft immer wieder! thx

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  1. [...] von Google Maps:» Google Maps is now available for iPhone Musicplayr Musicplayr – die Sammelstelle für Songs aus dem Web – kommt auf das iPhone.Der Clou der App ist aber die unkomplizierte Integration von Links zu [...]

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