Neue Schnittstellen von iOS 5:
Turbo für Location-Dienste
wie foursquare
iOS 5 bringt neue Entwickler-Schnittstellen mit, die Applikationen besseren Zugang zu den Standortinformationen der Anwender gewähren – selbst wenn Apps geschlossen sind. Apples neuer Aufgabenmanager sowie foursquares Radar-Feature geben einen Vorgeschmack auf das, was kommt.
1500 neue Schnittstellen soll es für App-Entwickler in der neuesten iOS-Fassung geben, darunter auch solche, die ressourcenschonendes “Geofencing” ermöglichen. Geofencing bedeutet, dass der Koordinatenbereich in Zellen eingeteilt wird, die eine gewisse Anzahl Quadratmeter umfassen. Der GPS-Sensor des iPhones muss dann nicht permanent im Einsatz sein, sondern überprüft lediglich in bestimmten Abständen, ob Anwender die jeweilige Zelle betreten oder verlassen haben – und schlägt dann Alarm.
Geofencing ist nicht neu, wurde aber bisher kaum in der Realität genutzt, da das regelmäßige Abfragen des Standortes via GPS die chronisch überforderten Smartphone-Akkus in kürzester Zeit in die Knie zwang. Apple scheint nun eine Lösung gefunden zu haben, den breiten Einsatz der Geofencing-Technologie zu ermöglichen, ohne dass dies iPhone-Besitzer noch abhängiger von ihrem Ladegerät macht (das iPhone 3GS wird allerdings nicht unterstützt).
Push-Benachrichtigungen für mit Orten verknüpfte Aufgaben
Kommen wir zurück zu den eingangs erwähnten standortbasierten Erinnerungen: Mit “Reminders” enthält die jüngste iOS-Version einen einfachen Taskmanager zur Verwaltung von Aufgaben. Das Besondere: Zu jeder eingetragenen Aufgabe kann man sich per Push-Nachricht erinnern lassen, wenn man ein vordefiniertes Gebiet betritt oder verlässt – egal ob die Reminders-App offen oder geschlossen ist.
Plant man also beispielsweise den Erwerb eines nur in einem spezifischen Geschäft erhältlichen Produktes, kann man dessen Standort zur Aufgabe hinzufügen und erhält dann eine Push-Erinnerung, wenn man ohnehin gerade in der Gegend ist (Leider muss man bei der Reminder-App aus unerfindlichen Gründen zuvor einen dazugehörigen Adressbucheintrag mit der Ortsinformation hinzufügen).
Angesichts der enormen Zahl an Taskmanager-Apps für iOS möchte ich nicht ausschließen, dass bereits die ein oder andere Anwendung einen Weg gefunden hat, ortsbasierte Push-Erinnerungen zu realisieren. Indem Apple diese Funktionalität nun aber selbst veröffentlicht, signalisiert es, dass Geofencing reif für’s Rampenlicht ist und animiert Entwickler, auf den Zug aufzuspringen. Wunderlist, der vielgepriesene Taskmanager aus Berlin, teilte uns auf Anfrage mit, an der Implementierung entsprechender Geo-Features zu arbeiten.
foursquare packt die Gelegenheit beim Schopfe
Das Radar-Feature ist Opt-In, muss also eigenständig aktiviert werden. Der Grund dafür ist offensichtlich: Wer Radar einschaltet, gestattet foursquare den permanenten Zugriff auf die ungefähre Ortsangabe, also die jeweilige Geofence – egal ob man aktiv eincheckt oder die App geschlossen hat.
foursquare emanzipiert sich vom Check-In
Aus Sicht von foursquare ist dies ein Schritt von weitreichender Bedeutung: Das US-Startup hat angesichts des vergleichsweise langsamen Wachstums erkannt, dass die Notwendigkeit zum manuellen Check-In ein entscheidendes Hindernis auf dem Weg zu einem Massenprodukt darstellt. Um die Emanzipation vom Check-in kommt das Unternehmen vom Big Apple nicht herum.
Mit Radar betritt foursquare unbekanntes Terrain, das sowohl Risiken als auch Chancen bietet: Einerseits ist Location-Tracking im Hintergrund aus Datenschutzsicht ein ganz heißes Eisen, andererseits nimmt für foursquare-Anwender der Nutzen zu, je mehr relevante Informationen zu Geschehnissen in der Umgebung sie erhalten, ohne dafür selbst aktiv werden zu müssen.
iOS 5 mit Geofencing eröffnet Entwicklern neue Welt an Einsatzmöglichkeiten
Das Beispiel foursquare zeigt, wie iOS 5 für Apps eine völlig neue Welt an Einsatzmöglichkeiten eröffnet (die für Web-Apps im Browser vorerst geschlossen bleibt).
Das passive Anzeigen von Freunden, interessanten Menschen, Locations oder Sonderangeboten in der Nähe ließ sich bisher aufgrund des limitierten Zugangs von Apps zu Standortinformationen nur mit schlechten Kompromissen realisieren. Wer wollte, konnte schon seit iOS 4 permanentes Location-Tracking verwenden – wie aka-aki zum Beispiel.
Dies funktionierte allerdings nicht mit geschlossener App und war augenscheinlich nicht ausgereift genug, als dass ein populärer Dienst wie foursquare oder auch Apple selbst diese Option verwenden würde. Mit iOS 5 und vollwertiger Geofencing-Fähigkeit fällt diese Hürde. Es ist ein Meilenstein für das standortbezogene mobile Web.




























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Ich habe mich auf die Ortsgebunde Reminder-App auch sehr gefreut. Das Ergbenis ist deshalb enttäuschend, weil man – wie im Beitrag erwähnt – erst einen Adressbucheintrag hinzufügen muss. Das ist mehr als unpraktisch und befreit dieses tolle Feature einfach vom jeglichen Nutzen.
Hoffentlich wird das noch gefixt. Für mich wäre es ein wirklicher Zusatznutzen.
Hallo zusammen,
gibt es nun eine Entwickler-Schnittstelle, die es erlaubt auf die Standortdaten zuzugreifen und Push-Nachrichten zu erzeugen auch im Hintergrund?
Klärt mich doch mal bitte auf. Vielen Dank.
Ja, steht doch eigentlich im Artikel :)
Auch die Lösung, die Apple gefunden hat, kostet viel Akku. iOS 5 ist für mich erst wieder benutzbar, seit ich die Ortungsdienste deaktiviert habe.
Andere Apps nutzen die Funktion aber auch bereits, ein bekanntes Beispiel ist OmniFocus. Aber eben, die Funktion taugt nur, wenn man sein iPhone wenig intensiv nutzt oder bereit ist, es zwei Mal statt einmal pro Tag aufzuladen.
Mhh also ich hab foursquare Radar jetzt seit einer Woche aktiviviert, merke aber nicht, dass es mehr Batterie zieht.