Neue Schnittstellen von iOS 5:
Turbo für Location-Dienste
wie foursquare

iOS 5 bringt neue Entwickler-Schnittstellen mit, die Applikationen besseren Zugang zu den Standortinformationen der Anwender gewähren – selbst wenn Apps geschlossen sind. Apples neuer Aufgabenmanager sowie foursquares Radar-Feature geben einen Vorgeschmack auf das, was kommt.

Apple hat am Mittwochabend wie erwartet den Startschuss für iOS 5 gegeben. Das überarbeitete Betriebssystem spendiert iPhone, iPod touch und iPad über 200 neue Features. Während iCloud (meines Erachtens nach nur wegweisend für Nutzer, die sich ganz Apples “Walled Garden” hingeben), bessere Benachrichtigungen (nett) und die Twitter-Integration (praktisch) den Löwenanteil der Aufmerksamkeit erhalten, habe ich mich seit der ersten Präsentation von iOS 5 im Juni ganz besonders auf die neue standortbasierte Reminder-Funktion gefreut.

1500 neue Schnittstellen soll es für App-Entwickler in der neuesten iOS-Fassung geben, darunter auch solche, die ressourcenschonendes “Geofencing” ermöglichen. Geofencing bedeutet, dass der Koordinatenbereich in Zellen eingeteilt wird, die eine gewisse Anzahl Quadratmeter umfassen. Der GPS-Sensor des iPhones muss dann nicht permanent im Einsatz sein, sondern überprüft lediglich in bestimmten Abständen, ob Anwender die jeweilige Zelle betreten oder verlassen haben – und schlägt dann Alarm.

Geofencing ist nicht neu, wurde aber bisher kaum in der Realität genutzt, da das regelmäßige Abfragen des Standortes via GPS die chronisch überforderten Smartphone-Akkus in kürzester Zeit in die Knie zwang. Apple scheint nun eine Lösung gefunden zu haben, den breiten Einsatz der Geofencing-Technologie zu ermöglichen, ohne dass dies iPhone-Besitzer noch abhängiger von ihrem Ladegerät macht (das iPhone 3GS wird allerdings nicht unterstützt).

Push-Benachrichtigungen für mit Orten verknüpfte Aufgaben

Kommen wir zurück zu den eingangs erwähnten standortbasierten Erinnerungen:  Mit “Reminders” enthält die jüngste iOS-Version einen einfachen Taskmanager zur Verwaltung von Aufgaben. Das Besondere: Zu jeder eingetragenen Aufgabe kann man sich per Push-Nachricht erinnern lassen, wenn man ein vordefiniertes Gebiet betritt oder verlässt – egal ob die Reminders-App offen oder geschlossen ist.

Plant man also beispielsweise den Erwerb eines nur in einem spezifischen Geschäft erhältlichen Produktes, kann man dessen Standort zur Aufgabe hinzufügen und erhält dann eine Push-Erinnerung, wenn man ohnehin gerade in der Gegend ist (Leider muss man bei der Reminder-App aus unerfindlichen Gründen zuvor einen dazugehörigen Adressbucheintrag mit der Ortsinformation hinzufügen).

Angesichts der enormen Zahl an Taskmanager-Apps für iOS möchte ich nicht ausschließen, dass bereits die ein oder andere Anwendung einen Weg gefunden hat, ortsbasierte Push-Erinnerungen zu realisieren. Indem Apple diese Funktionalität nun aber selbst veröffentlicht, signalisiert es, dass Geofencing reif für’s Rampenlicht ist und animiert Entwickler, auf den Zug aufzuspringen. Wunderlist, der vielgepriesene Taskmanager aus Berlin, teilte uns auf Anfrage mit, an der Implementierung entsprechender Geo-Features zu arbeiten.

foursquare packt die Gelegenheit beim Schopfe

Der New Yorker Check-In-Dienst foursquare packt als erster renommierter Anbieter die neue Gelegenheit beim Schopfe: foursquares iPhone-App enthalten ab sofort eine Funktion namens “Radar”. Diese ist in der Lage, Anwender über die geografische Nähe zu Locations (von Listen oder ToDos) per Push-Benachrichtigung zu informieren – selbst bei geschlossener foursquare-App. Auf gleiche Weise meldet sich die App auch, wenn mehr als drei foursquare-Kontakte gerade an einem Ort in der Nähe eingecheckt sind.

Das Radar-Feature ist Opt-In, muss also eigenständig aktiviert werden. Der Grund dafür ist offensichtlich: Wer Radar einschaltet, gestattet foursquare den permanenten Zugriff auf die ungefähre Ortsangabe, also die jeweilige Geofence – egal ob man aktiv eincheckt oder die App geschlossen hat.

foursquare emanzipiert sich vom Check-In

Aus Sicht von foursquare ist dies ein Schritt von weitreichender Bedeutung: Das US-Startup hat angesichts des vergleichsweise langsamen Wachstums erkannt, dass die Notwendigkeit zum manuellen Check-In ein entscheidendes Hindernis auf dem Weg zu einem Massenprodukt darstellt. Um die Emanzipation vom Check-in kommt das Unternehmen vom Big Apple nicht herum.

Mit Radar betritt foursquare unbekanntes Terrain, das sowohl Risiken als auch Chancen bietet: Einerseits ist Location-Tracking im Hintergrund aus Datenschutzsicht ein ganz heißes Eisen, andererseits nimmt für foursquare-Anwender der Nutzen zu, je mehr relevante Informationen zu Geschehnissen in der Umgebung sie erhalten, ohne dafür selbst aktiv werden zu müssen.

iOS 5 mit Geofencing eröffnet Entwicklern neue Welt an Einsatzmöglichkeiten 

Das Beispiel foursquare zeigt, wie iOS 5 für Apps eine völlig neue Welt an Einsatzmöglichkeiten eröffnet (die für Web-Apps im Browser vorerst geschlossen bleibt).

Das passive Anzeigen von Freunden, interessanten Menschen, Locations oder Sonderangeboten in der Nähe ließ sich bisher aufgrund des limitierten Zugangs von Apps zu Standortinformationen nur mit schlechten Kompromissen realisieren. Wer wollte, konnte schon seit iOS 4 permanentes Location-Tracking verwenden – wie aka-aki zum Beispiel.

Dies funktionierte allerdings nicht mit geschlossener App und war augenscheinlich nicht ausgereift genug, als dass ein populärer Dienst wie foursquare oder auch Apple selbst diese Option verwenden würde. Mit iOS 5 und vollwertiger Geofencing-Fähigkeit fällt diese Hürde. Es ist ein Meilenstein für das standortbezogene mobile Web.

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5 Kommentare

  1. Andreas
    schrieb am 13. Oktober 2011 um 14:23 Uhr (#)

    Ich habe mich auf die Ortsgebunde Reminder-App auch sehr gefreut. Das Ergbenis ist deshalb enttäuschend, weil man – wie im Beitrag erwähnt – erst einen Adressbucheintrag hinzufügen muss. Das ist mehr als unpraktisch und befreit dieses tolle Feature einfach vom jeglichen Nutzen.

    Hoffentlich wird das noch gefixt. Für mich wäre es ein wirklicher Zusatznutzen.

  2. Flojoe
    schrieb am 20. Oktober 2011 um 11:15 Uhr (#)

    Hallo zusammen,

    gibt es nun eine Entwickler-Schnittstelle, die es erlaubt auf die Standortdaten zuzugreifen und Push-Nachrichten zu erzeugen auch im Hintergrund?

    Klärt mich doch mal bitte auf. Vielen Dank.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 20. Oktober 2011 um 13:46 Uhr (#)

      Ja, steht doch eigentlich im Artikel :)

  3. Martin (MacMacken)
    schrieb am 23. Oktober 2011 um 12:43 Uhr (#)

    Geofencing ist nicht neu, wurde aber bisher kaum in der Realität genutzt, da das regelmäßige Abfragen des Standortes via GPS die chronisch überforderten Smartphone-Akkus in kürzester Zeit in die Knie zwang. Apple scheint nun eine Lösung gefunden zu haben, den breiten Einsatz der Geofencing-Technologie zu ermöglichen, ohne dass dies iPhone-Besitzer noch abhängiger von ihrem Ladegerät macht (das iPhone 3GS wird allerdings nicht unterstützt).

    Auch die Lösung, die Apple gefunden hat, kostet viel Akku. iOS 5 ist für mich erst wieder benutzbar, seit ich die Ortungsdienste deaktiviert habe.

    Andere Apps nutzen die Funktion aber auch bereits, ein bekanntes Beispiel ist OmniFocus. Aber eben, die Funktion taugt nur, wenn man sein iPhone wenig intensiv nutzt oder bereit ist, es zwei Mal statt einmal pro Tag aufzuladen.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 23. Oktober 2011 um 12:44 Uhr (#)

      Mhh also ich hab foursquare Radar jetzt seit einer Woche aktiviviert, merke aber nicht, dass es mehr Batterie zieht.

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